Wahlaktien
Merkel macht müde Kurse munter
Das Modell Rot-Grün ist gescheitert, deswegen wird im Herbst neu gewählt. Die Börse wittert Morgenluft. Wie Anleger das politische Beben nutzen können.
Die vorgezogenen Bundestagswahlen in diesem Jahr bescheren DEN Aktienanlegern beste Chancen auf attraktive Kursgewinne. „Der deutsche Markt wird die europäischen Konkurrenten schlagen“, prognostiziert Lars Kreckel, Aktienstratege bei ABN Amro in London. Und Guiseppe Amato, Marktanalyst beim Broker Lang & Schwarz, assistiert: „Das ist der Katalysator,der uns neue Jahreshochs beim Dax bescheren wird.“
Schon die Aussicht auf einen Regierungswechsel führt zu besserer Stimmung und mehr Investitionen, das beflügelt die Börse.
Der deutsche Aktienmarkt wird seit Monaten mit einem Discount gehandelt. „Dax-Werte sind, gemessen an ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis, relativ günstig“, urteilt ABN-Amro-Mann Kreckel. Schuld daran ist das schleppende Reformtempo in Deutschland.
Kapitalismusdebatte hat viele verschreckt
Dabei war Gerhard Schröder mit seiner Agenda 2010 nach Ansicht vieler Experten bereits auf dem richtigen Weg. Aktienstratege Lars Kreckel meint jedoch, das „Reformmomentum hat aber in den vergangenen Monaten stark nachgelassen.“ Zusätzlich habe die Kapitalismusdebatte insbesondere ausländische Investoren verschreckt. Die aber dürfte der bevorstehende Urnengang nun zurücklocken.
Wie stark der Effekt eines Regierungswechsels auf die Börse ist, darüber sind die Meinungen geteilt. Unstrittig ist: Ein verbessertes Beschäftigungs- und Wachstumsklima in Deutschland wird nicht nur den kleinen und mittleren Dienstleistern und Handwerksbetrieben auf die Beine helfen. „Die große Revolution aber wird ausbleiben“, bremst Bernd Meyer, Chefstratege der Deutschen Bank. Deutschland befinde sich bereits auf dem Weg der Besserung.
Gewinner und Verlierer
Gewinner: Zu den großen Siegern einer Abwahl von Rot-Grün gehören Versorger wie Eon oder RWE. Am Energiekonsens will die Branche zwar nicht rütteln. CDU-Chefin Angela Merkel wird die Laufzeiten für Atomkraftwerke über das Jahr 2020 verlängern — und so den großen Stromkonzernen zusätzliche Gewinne ermöglichen.
Verlierer: Für die Shooting-Stars der vergangenen Monate wird die Luft dagegen dünner. Windkraft und Solarenergie sind vorerst die Verlierer des absehbaren politischen Machtwechsels in Berlin.
Mittelstand bevorzugt Unionsregierungen
Trotz schwammiger Programmatik setzen Unternehmer und Spitzenfunktionäre der Wirtschaft aber auf Aufbruchstimmung. „Gerade der Mittelstand fühlt sich emotional wohler mit einer Unionsregierung“, sagt Professor Norbert Walter. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank meint, dass allein die Aussicht auf den Regierungswechsel zu besserer Stimmung und mehr Investitionen führen könnte. Walter: „Das bringt neue Impulse für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland.“
Mit positiven Folgen für die Kapitalmärkte: Der Bankensektor profitiert zum Beispiel von einem Wiedererstarken des deutschen Mittelstands.
Hoffnung für den Konsum
Die zu erwartende Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmen nach einem Unionssieg sollte auch die lahmende Binnenkonjunktur anschieben. Doch Handelskonzerne wie Metro oder der zuletzt wankende Kaufhausriese KarstadtQuelle profitieren nicht nur von steigender Kauflaune der Verbraucher — sondern auch von möglichen Einsparungen bei Personalkosten.
Mit einem radikalen Umbau der maroden Sozialsysteme und mit der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts wollen CDU/ CSU und FDP vor allem eines erreichen: Arbeit in Deutschland billiger machen. „Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und den Gewinntrend deutscher Unternehmen auch in Konjunkturflauten“, sagt Tammo Greetfeld, Aktienstratege der HypoVereinsbank.
Steuersenkung ist Pflicht
Noch wird in der Union um die Vereinfachung des komplizierten Steuersystems gerungen. Dass am Ende eine Absenkung bei den Unternehmensteuern steht, daran zweifelt niemand. Eine gute Nachricht für Anleger: Schon eine Reduzierung der Körperschaftsteuer von aktuell 25 auf 19 Prozent bringt für Konzerne mit hoher Steuerbelastung im Inland einen kräftigen Gewinnschub.
Kommt es zum Regierungswechsel in Berlin, stehen rot-güne Gesetze auf dem Prüfstand.
Mögliche Gesetzesänderungen
Stromkonzerne, personalintensive Betriebe – sie profitieren von einer Unionsregierung.
Schafft es eine schwarz-gelbe Bundesregierung, die Lohnnebenkosten zu senken, profitieren personalintensive Dienstleister, deren Kapital hauptsächlich in den Köpfen der Mitarbeiter steckt. Sinken hier die Kosten, schlägt das sofort auf den Gewinn durch.
Gelingt darüber hinaus eine Steuerreform mit einer Nettoentlastung der Bürger, fließt das in den Konsum. Entsprechend dürften große Handelskonzerne profitieren.
Das sind nur einige Beispiele. Wir haben die Wahlprofiteure unter deutschen Aktien herausgepickt – in der Bilder-Galerie werden sie im Detail vorgestellt.
Quelle: focus.de
...be invested
Der Einsame Samariter
Merkel macht müde Kurse munter
Das Modell Rot-Grün ist gescheitert, deswegen wird im Herbst neu gewählt. Die Börse wittert Morgenluft. Wie Anleger das politische Beben nutzen können.
Die vorgezogenen Bundestagswahlen in diesem Jahr bescheren DEN Aktienanlegern beste Chancen auf attraktive Kursgewinne. „Der deutsche Markt wird die europäischen Konkurrenten schlagen“, prognostiziert Lars Kreckel, Aktienstratege bei ABN Amro in London. Und Guiseppe Amato, Marktanalyst beim Broker Lang & Schwarz, assistiert: „Das ist der Katalysator,der uns neue Jahreshochs beim Dax bescheren wird.“
Schon die Aussicht auf einen Regierungswechsel führt zu besserer Stimmung und mehr Investitionen, das beflügelt die Börse.
Der deutsche Aktienmarkt wird seit Monaten mit einem Discount gehandelt. „Dax-Werte sind, gemessen an ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis, relativ günstig“, urteilt ABN-Amro-Mann Kreckel. Schuld daran ist das schleppende Reformtempo in Deutschland.
Kapitalismusdebatte hat viele verschreckt
Dabei war Gerhard Schröder mit seiner Agenda 2010 nach Ansicht vieler Experten bereits auf dem richtigen Weg. Aktienstratege Lars Kreckel meint jedoch, das „Reformmomentum hat aber in den vergangenen Monaten stark nachgelassen.“ Zusätzlich habe die Kapitalismusdebatte insbesondere ausländische Investoren verschreckt. Die aber dürfte der bevorstehende Urnengang nun zurücklocken.
Wie stark der Effekt eines Regierungswechsels auf die Börse ist, darüber sind die Meinungen geteilt. Unstrittig ist: Ein verbessertes Beschäftigungs- und Wachstumsklima in Deutschland wird nicht nur den kleinen und mittleren Dienstleistern und Handwerksbetrieben auf die Beine helfen. „Die große Revolution aber wird ausbleiben“, bremst Bernd Meyer, Chefstratege der Deutschen Bank. Deutschland befinde sich bereits auf dem Weg der Besserung.
Gewinner und Verlierer
Gewinner: Zu den großen Siegern einer Abwahl von Rot-Grün gehören Versorger wie Eon oder RWE. Am Energiekonsens will die Branche zwar nicht rütteln. CDU-Chefin Angela Merkel wird die Laufzeiten für Atomkraftwerke über das Jahr 2020 verlängern — und so den großen Stromkonzernen zusätzliche Gewinne ermöglichen.
Verlierer: Für die Shooting-Stars der vergangenen Monate wird die Luft dagegen dünner. Windkraft und Solarenergie sind vorerst die Verlierer des absehbaren politischen Machtwechsels in Berlin.
Mittelstand bevorzugt Unionsregierungen
Trotz schwammiger Programmatik setzen Unternehmer und Spitzenfunktionäre der Wirtschaft aber auf Aufbruchstimmung. „Gerade der Mittelstand fühlt sich emotional wohler mit einer Unionsregierung“, sagt Professor Norbert Walter. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank meint, dass allein die Aussicht auf den Regierungswechsel zu besserer Stimmung und mehr Investitionen führen könnte. Walter: „Das bringt neue Impulse für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland.“
Mit positiven Folgen für die Kapitalmärkte: Der Bankensektor profitiert zum Beispiel von einem Wiedererstarken des deutschen Mittelstands.
Hoffnung für den Konsum
Die zu erwartende Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmen nach einem Unionssieg sollte auch die lahmende Binnenkonjunktur anschieben. Doch Handelskonzerne wie Metro oder der zuletzt wankende Kaufhausriese KarstadtQuelle profitieren nicht nur von steigender Kauflaune der Verbraucher — sondern auch von möglichen Einsparungen bei Personalkosten.
Mit einem radikalen Umbau der maroden Sozialsysteme und mit der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts wollen CDU/ CSU und FDP vor allem eines erreichen: Arbeit in Deutschland billiger machen. „Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und den Gewinntrend deutscher Unternehmen auch in Konjunkturflauten“, sagt Tammo Greetfeld, Aktienstratege der HypoVereinsbank.
Steuersenkung ist Pflicht
Noch wird in der Union um die Vereinfachung des komplizierten Steuersystems gerungen. Dass am Ende eine Absenkung bei den Unternehmensteuern steht, daran zweifelt niemand. Eine gute Nachricht für Anleger: Schon eine Reduzierung der Körperschaftsteuer von aktuell 25 auf 19 Prozent bringt für Konzerne mit hoher Steuerbelastung im Inland einen kräftigen Gewinnschub.
Kommt es zum Regierungswechsel in Berlin, stehen rot-güne Gesetze auf dem Prüfstand.
Mögliche Gesetzesänderungen
- Kündigungsschutz: Nach Unionswillen soll der gesetzliche Kündigungsschutz künftig nur bei Firmen ab 20 (FDP: 50) Mitarbeitern greifen.
- Abfindung: Im Fall einer betriebsbedingten Entlassung können Betroffene auf eine Klage verzichten und sich für eine gesetzliche Abfindungsregelung entscheiden. CDU-Chefin Merkel will mehr: Es soll möglich sein, dass Arbeitnehmer auf Kündigungsschutz verzichten und bereits bei der Einstellung eine individuelle Abfindungsregelung mit ihrem Chef vereinbaren.
- Arbeitszeit: Nirgendwo in Europa wird weniger gearbeitet als in Deutschland. Das soll sich ändern. Statt der zulässigen Arbeitszeit von zehn Stunden pro Tag will die Union Wochenarbeitszeiten bis zu 65 Stunden ermöglichen.
- Gesundheit: Die SPD will mit der Bürgerversicherung das System der gesetzlichen Krankenversicherung retten. CDU/CSU favorisieren ein Prämienmodell mit einer Kopfpauschale (109 Euro).
- Steuerreform: Die Regierung sieht Bedarf bei der Körperschaftsteuer. Union und FDP wollen insgesamt drastisch vereinfachen. Ziel ist ein System mit drei Einkommensteuersätzen.
- Erneuerbare Energien: Am Energiekonsens wird die Union nicht grundsätzlich drehen. Eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke gilt aber als sicher. Die Subventionen für Windkraft- und Solaranlagen werden im Fall eines Regierungswechsels sinken.
- Mitbestimmung: Das von Rot-Grün reformierte Betriebsverfassungsgesetz wird unter Schwarz-Gelb gekippt. Die Union will den Einfluss der Gewerkschaften begrenzen und setzt auf betriebliche Bündnisse. Eingeschränkt werden soll auch der von Schröders Regierung eingeführte Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit.
Stromkonzerne, personalintensive Betriebe – sie profitieren von einer Unionsregierung.
Schafft es eine schwarz-gelbe Bundesregierung, die Lohnnebenkosten zu senken, profitieren personalintensive Dienstleister, deren Kapital hauptsächlich in den Köpfen der Mitarbeiter steckt. Sinken hier die Kosten, schlägt das sofort auf den Gewinn durch.
Gelingt darüber hinaus eine Steuerreform mit einer Nettoentlastung der Bürger, fließt das in den Konsum. Entsprechend dürften große Handelskonzerne profitieren.
Das sind nur einige Beispiele. Wir haben die Wahlprofiteure unter deutschen Aktien herausgepickt – in der Bilder-Galerie werden sie im Detail vorgestellt.
Quelle: focus.de
...be invested
Der Einsame Samariter