Merkel macht müde Kurse munter


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EinsamerSam.:

Merkel macht müde Kurse munter

 
22.06.05 12:58
Wahlaktien

Merkel macht müde Kurse munter

Das Modell Rot-Grün ist gescheitert, deswegen wird im Herbst neu gewählt. Die Börse wittert Morgenluft. Wie Anleger das politische Beben nutzen können.

Die vorgezogenen Bundestagswahlen in diesem Jahr bescheren DEN Aktienanlegern beste Chancen auf attraktive Kursgewinne. „Der deutsche Markt wird die europäischen Konkurrenten schlagen“, prognostiziert Lars Kreckel, Aktienstratege bei ABN Amro in London. Und Guiseppe Amato, Marktanalyst beim Broker Lang & Schwarz, assistiert: „Das ist der Katalysator,der uns neue Jahreshochs beim Dax bescheren wird.“

Schon die Aussicht auf einen Regierungswechsel führt zu besserer Stimmung und mehr Investitionen, das beflügelt die Börse.

Der deutsche Aktienmarkt wird seit Monaten mit einem Discount gehandelt. „Dax-Werte sind, gemessen an ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis, relativ günstig“, urteilt ABN-Amro-Mann Kreckel. Schuld daran ist das schleppende Reformtempo in Deutschland.

Kapitalismusdebatte hat viele verschreckt

Dabei war Gerhard Schröder mit seiner Agenda 2010 nach Ansicht vieler Experten bereits auf dem richtigen Weg. Aktienstratege Lars Kreckel meint jedoch, das „Reformmomentum hat aber in den vergangenen Monaten stark nachgelassen.“ Zusätzlich habe die Kapitalismusdebatte insbesondere ausländische Investoren verschreckt. Die aber dürfte der bevorstehende Urnengang nun zurücklocken.

Wie stark der Effekt eines Regierungswechsels auf die Börse ist, darüber sind die Meinungen geteilt. Unstrittig ist: Ein verbessertes Beschäftigungs- und Wachstumsklima in Deutschland wird nicht nur den kleinen und mittleren Dienstleistern und Handwerksbetrieben auf die Beine helfen. „Die große Revolution aber wird ausbleiben“, bremst Bernd Meyer, Chefstratege der Deutschen Bank. Deutschland befinde sich bereits auf dem Weg der Besserung.

Gewinner und Verlierer

Gewinner: Zu den großen Siegern einer Abwahl von Rot-Grün gehören Versorger wie Eon oder RWE. Am Energiekonsens will die Branche zwar nicht rütteln. CDU-Chefin Angela Merkel wird die Laufzeiten für Atomkraftwerke über das Jahr 2020 verlängern — und so den großen Stromkonzernen zusätzliche Gewinne ermöglichen.

Verlierer: Für die Shooting-Stars der vergangenen Monate wird die Luft dagegen dünner. Windkraft und Solarenergie sind vorerst die Verlierer des absehbaren politischen Machtwechsels in Berlin.

Mittelstand bevorzugt Unionsregierungen

Trotz schwammiger Programmatik setzen Unternehmer und Spitzenfunktionäre der Wirtschaft aber auf Aufbruchstimmung. „Gerade der Mittelstand fühlt sich emotional wohler mit einer Unionsregierung“, sagt Professor Norbert Walter. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank meint, dass allein die Aussicht auf den Regierungswechsel zu besserer Stimmung und mehr Investitionen führen könnte. Walter: „Das bringt neue Impulse für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland.“

Mit positiven Folgen für die Kapitalmärkte: Der Bankensektor profitiert zum Beispiel von einem Wiedererstarken des deutschen Mittelstands.
Hoffnung für den Konsum

Die zu erwartende Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmen nach einem Unionssieg sollte auch die lahmende Binnenkonjunktur anschieben. Doch Handelskonzerne wie Metro oder der zuletzt wankende Kaufhausriese KarstadtQuelle profitieren nicht nur von steigender Kauflaune der Verbraucher — sondern auch von möglichen Einsparungen bei Personalkosten.

Mit einem radikalen Umbau der maroden Sozialsysteme und mit der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts wollen CDU/ CSU und FDP vor allem eines erreichen: Arbeit in Deutschland billiger machen. „Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und den Gewinntrend deutscher Unternehmen auch in Konjunkturflauten“, sagt Tammo Greetfeld, Aktienstratege der HypoVereinsbank.

Steuersenkung ist Pflicht

Noch wird in der Union um die Vereinfachung des komplizierten Steuersystems gerungen. Dass am Ende eine Absenkung bei den Unternehmensteuern steht, daran zweifelt niemand. Eine gute Nachricht für Anleger: Schon eine Reduzierung der Körperschaftsteuer von aktuell 25 auf 19 Prozent bringt für Konzerne mit hoher Steuerbelastung im Inland einen kräftigen Gewinnschub.

Kommt es zum Regierungswechsel in Berlin, stehen rot-güne Gesetze auf dem Prüfstand.

Mögliche Gesetzesänderungen

  • Kündigungsschutz: Nach Unionswillen soll der gesetzliche Kündigungsschutz künftig nur bei Firmen ab 20 (FDP: 50) Mitarbeitern greifen.
  • Abfindung: Im Fall einer betriebsbedingten Entlassung können Betroffene auf eine Klage verzichten und sich für eine gesetzliche Abfindungsregelung entscheiden. CDU-Chefin Merkel will mehr: Es soll möglich sein, dass Arbeitnehmer auf Kündigungsschutz verzichten und bereits bei der Einstellung eine individuelle Abfindungsregelung mit ihrem Chef vereinbaren.
  • Arbeitszeit: Nirgendwo in Europa wird weniger gearbeitet als in Deutschland. Das soll sich ändern. Statt der zulässigen Arbeitszeit von zehn Stunden pro Tag will die Union Wochenarbeitszeiten bis zu 65 Stunden ermöglichen.
  • Gesundheit: Die SPD will mit der Bürgerversicherung das System der gesetzlichen Krankenversicherung retten. CDU/CSU favorisieren ein Prämienmodell mit einer Kopfpauschale (109 Euro).
  • Steuerreform: Die Regierung sieht Bedarf bei der Körperschaftsteuer. Union und FDP wollen insgesamt drastisch vereinfachen. Ziel ist ein System mit drei Einkommensteuersätzen.
  • Erneuerbare Energien: Am Energiekonsens wird die Union nicht grundsätzlich drehen. Eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke gilt aber als sicher. Die Subventionen für Windkraft- und Solaranlagen werden im Fall eines Regierungswechsels sinken.
  • Mitbestimmung: Das von Rot-Grün reformierte Betriebsverfassungsgesetz wird unter Schwarz-Gelb gekippt. Die Union will den Einfluss der Gewerkschaften begrenzen und setzt auf betriebliche Bündnisse. Eingeschränkt werden soll auch der von Schröders Regierung eingeführte Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit.
Zehn Aktien profitieren vom Wechsel

Stromkonzerne, personalintensive Betriebe – sie profitieren von einer Unionsregierung.

Schafft es eine schwarz-gelbe Bundesregierung, die Lohnnebenkosten zu senken, profitieren personalintensive Dienstleister, deren Kapital hauptsächlich in den Köpfen der Mitarbeiter steckt. Sinken hier die Kosten, schlägt das sofort auf den Gewinn durch.

Gelingt darüber hinaus eine Steuerreform mit einer Nettoentlastung der Bürger, fließt das in den Konsum. Entsprechend dürften große Handelskonzerne profitieren.

Das sind nur einige Beispiele. Wir haben die Wahlprofiteure unter deutschen Aktien herausgepickt – in der Bilder-Galerie werden sie im Detail vorgestellt.

Quelle: focus.de

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EinsamerSam.:

Regierungswechsel bringt kein Wachstum

 
27.06.05 12:10
Wirtschaftshistoriker: In Deutschland haben Wahlen bisher keinen Aufschwung gebracht

Regierungswechsel bringt kein Wachstum

Können Regierungswechsel für einen konjunkturellen Aufschwung sorgen – oder gar ein höheres Trendwachstum schaffen? Die Antwort von Volkswirten und Wirtschaftshistorikern ist ein klares „nein“.

HB DÜSSELDORF. Die Wirtschaftskraft der Republik zu verbessern, das dürfte einer möglichen neuen Regierung in Deutschland schwer fallen – so die pessimistische Prognose des Bielefelder Wirtschaftshistorikers Werner Abelshauser. „Eine Regierung ist nicht für das wirtschaftliche Wachstum verantwortlich, sondern für die Schaffung und Durchsetzung der Spielregeln, die für die Organisation der Wirtschaft gelten“, sagt der Wissenschaftler. Das sei hier zu Lande aber schwieriger als in anderen Staaten, da die hiesige Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit „sehr weit der Kooperation der Akteure verdanke“. Um Reformen durchsetzen zu können, sei es notwendig, dass starke Interessenvertretungen von Verbänden, Gewerkschaftern und Unternehmen bei Reformen mitarbeiten.

Bisher habe ein Regierungswechsel in Deutschland noch keinen nachhaltigen Aufschwung ausgelöst, schreiben die Ökonomen der Hypo-Vereinsbank (HVB) in einer Studie. Ein Blick in die Vergangenheit zeige zwar, dass sich nach den letzten beiden Regierungswechseln 1982 und 1998 die Konjunktur in Deutschland „merklich“ belebt habe. Allerdings: Bergauf sei es mit der deutschen Wirtschaft nicht in Folge der Kohl’schen Politik gegangen. Kanzlerkandidat Helmut Kohl hatte im Jahr 1983 zwar mit dem Slogan „Aufwärts mit Deutschland – jetzt den Aufschwung wählen“ geworben – und die Wahl gewonnen. Die neue Regierung habe aber lediglich von der Erholung der Weltwirtschaft nach der zweiten Ölkrise profitiert. Als Beleg führen die Ökonomen an, dass weder Anfang der 80er noch Ende der 90er-Jahre die Binnennachfrage gestiegen sei. Genau das wäre aber als Folge wirtschaftspolitischer Reformmaßnahmen zu erwarten gewesen.

Auch der Regierung Schröder rechnen die HVB-Volkswirte in ihrem Papier den wirtschaftlichen Aufschwung Ende der 90er-Jahre nicht zu. Die Anfangszeit der rot-grünen Regierung sei einfach in die „globale High-Tech-Boom-Phase“ gefallen.

Lediglich die große Koalition, die von 1966 an in Deutschland regierte, hat laut HVB „maßgeblich“ dazu beigetragen, „die erste Nachkriegsrezession in Deutschland rasch zu überwinden“. Mit Hilfe der keynesianischen Nachfragepolitik – ein Rezept, dass die Bankenvolkswirte angesichts der strukturellen Probleme und der „angespannten Finanzsituation des Bundes“ heute allerdings nicht mehr für erfolgversprechend halten.

Der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl von der Berliner Humboldt-Universität ist auch der Meinung, dass „die Geschichte nicht belegt, dass ein Regierungswechsel für einen Aufschwung sorgt. Ganz im Gegenteil: Oftmals werden Regierungen, die drastische Reformen einleiten und so die Wirtschaft ankurbeln, abgewählt – und die nachfolgenden Politiker profitieren von den langfristigen Wirkungen.“

Regierungen könnten aber durchaus mit einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik punkten, meinen die HVB-Volkswirte mit Blick in den angelsächsischen Raum. Um für Aufbruchstimmung sorgen zu können, seien allerdings „einschneidende Strukturreformen“ notwendig – so wie es Margaret Thatcher und Ronald Reagan in den 80er-Jahren vorgemacht hätten. Genau diese Beispiele belegten seine These, argumentiert Wissenschaftler Ritschl: „Mit den Reformen in Amerika begann schon der Demokrat Jimmy Carter, aber erst unter dem Republikaner Reagan hatten sie ihre Wirkung – und haben ihn berühmt gemacht“, sagt er. Und von dem so genannten Thatcherismus in Großbritannien habe Blair in hohem Maße profitieren können.

Etwas Gutes könne von einem Regierungswechsel dennoch ausgehen, sagt Wirtschaftshistoriker Abelshauser: Möglicherweise verbessere eine neue Regierung die abgekühlte Stimmung der Bürger derart, dass die schwache Binnenwirtschaft tatsächlich angekurbelt werde. „Ein solches Strohfeuer würde die strukturellen Probleme des Landes aber auch nicht lösen.“

Quelle: HANDELSBLATT, Montag, 27. Juni 2005, 11:35 Uhr

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Politik als Kurstreiber

 
27.06.05 12:45
Warum ein Merkel-Sieg Norilsk Nickel nutzen würde

Politik als Kurstreiber

Wenn Angela Merkel die Wahl gewinnt, dürfte der russische Megakonzern Norilsk Nickel zu einem der größten ausländischen Profiteure der deutschen Wende avancieren.

MOSKAU. Mit der neuerdings fröhlich-strahlenden Mimik der Angela Merkel könnten sich bald auch die Lenker des russischen Megakonzerns Norilsk Nickel präsentieren. Und daran wäre die Kanzlerkandidatin der CDU vielleicht nicht einmal ganz unschuldig. Wenn sie die Bundestagswahl gewinnt, dürfte der weltgrößte Produzent von Platin-Metallen und Nickel zu einem der größten ausländischen Profiteure der deutschen Wende avancieren. Sollte Merkel dann die Konjunkturwende hinbekommen und den Deutschen Zuversicht und Kaufkraft entlocken, würde vor allem die abbremsende Automobilindustrie wieder voll durchstarten können. Konsequenz: Die Wirtschaft ordert mehr Platin und Palladium für Katalysatoren sowie mehr Nickel für Spezialstähle.

Bei allen politischen Spekulationen über Merkels mögliche Machtergreifung haben Börsianer beim Blick auf die Norilsk-Aktie natürlich auch die Metallpreise im Auge. Aber da liegen die Prognosen der Analysten viel weiter auseinander als die Vorhersagen über den Ausgang der deutschen Wahl. Nickel liefert dazu bestes Anschauungsmaterial. Auf der einen Seite jubeln die Rohstoffexperten von Morgan Stanley, das Metall habe hervorragende Fundamentaldaten. Auf der anderen Seite sehen die Fachleute von der Société Générale den Nickelpreis kräftig absacken.

Tatsächlich sinkt der Preis schon. Im Moment wird die Tonne an der London Metal Exchange für rund 14600 Dollar je Tonne gehandelt. Und auch der Aktienkurs des größten privaten russischen Bergbaukonzerns dümpelt trotz 2,5-prozentiger Steigerung des Nickel-Ausstoßes in den ersten fünf Monaten vor sich hin. Manche Aktienanalysten können das nicht verstehen. Sie sehen noch andere Perspektiven für das zum Reich des russischen Oligarchen Wladimir Potanin gehörende Unternehmen. Norilsk hat schon jetzt ein Spitzenjahr hinter sich. Das wäre angesichts der internationalen Metallkonjunktur nicht weiter verwunderlich, hätten die Mannen hinter dem Polarkreis nicht auch eigenständig Großartiges vollbracht. Nach dem eben vorgelegten, nach internationalen Buchhaltungsstandards erstellten und in US-Dollar ausgewiesenen Geschäftsbericht konnte Norilsk voriges Jahr einen neuen Rekord verbuchen.

Demnach stiegen die Norilsk-Einnahmen um 35,4 Prozent auf sieben Mrd. Dollar. Zugleich ist es dem Metallgiganten gelungen, dem Aufwertungsdruck auf die Landeswährung Rubel, der aus den hohen Öleinnahmen Russlands herrührt, und daraus resultierenden starken Lohnsteigerungen auszuweichen. Der Betriebsgewinn stieg überproportional um 87 Prozent auf 2,8 Mrd. Dollar und der Reingewinn sogar um 113 Prozent auf 1,8 Mrd. Dollar. Die Aktionäre können sich darüber freuen: Denn Norilsk wird 26,4 Prozent seines Reingewinns in Form von Dividenden an sie ausschütten.

Der Konzern legt viel Geld für Käufe von Förderunternehmen in den USA und Südafrika an. Auch in Russland selbst kauft der Konzern immer mehr Gold-Lizenzen. Dafür gliedert das Unternehmen in Kürze seine Goldsparte in eine eigene Gesellschaft aus, die an eine Börse im Westen gebracht werden soll. Doch nicht nur dieser Börsengang bringt Norilsk nach Berechnungen der Analysten von Smith Barney Citigroup 2,6 Mrd. Dollar ein. Nach Ansicht der Fachleute würde sich die Abspaltung sowohl auf die Bewertung des Goldgeschäfts als auch auf die des Kerngeschäfts mit Nickel und Kupfer positiv auswirken.

Die Aktie ist laut der US-Investmentbank weiterhin attraktiv bewertet. Schon jetzt hat der Konzern 1,3Mrd.Dollar in der Kriegskasse – trotz der Ausschüttungen. Unter diesen Voraussetzungen müssen die Norilsk-Fans vielleicht gar nicht mehr auf Merkels Wahlsieg warten.

Quelle: HANDELSBLATT, Montag, 27. Juni 2005, 07:00 Uhr

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