Der Wirtschaftsflaute hat in den Bilanzen der deutschen Wachstumswerte tiefe Spuren hinterlassen. Nur wenigen Unternehmen ist es gelungen, trotz Konjunkturschwäche eine planmäßige Geschäftsentwicklung zu erreichen. Zu diesen zuverlässigen Firmen gehören die drei Indexschwergewichte Aixtron [ WKN: 506620 ], Medion [ WKN:
660500 ] und Qiagen [ WKN: 901626 ]. Doch wie geht es bei den Analystenlieblingen weiter und wie sieht es derzeit mit den Bewertungen der drei Blue Chips aus?
Alle drei haben von ihren Höchstkursen deutlich abgegeben. Im Vergleich zum Nemax 50, der inzwischen 90 Prozent unter dem Hoch notiert, fallen die Abschläge aber vergleichsweise gering aus. So verloren Anleger, die am Hoch in Anteile von Aixtron investierten, seither rund 74 Prozent an Wert. Bei Qiagen belaufen sich die Verluste auf 67 Prozent. Am Besten schneidet Medion ab: Die Aktie des Marketingdienstleisters notiert "nur" 43 Prozent unter dem Allzeithoch.
Aixtron - strammes Wachstum
Mit hohen Wachstumsraten im ersten Halbjahr hat Aixtron einmal mehr seine Ausnahmestellung unter den Maschinenbauern am Neuen Markt unter Beweis gestellt. So stieg der Umsatz des Aachener Anlagenbauers im Jahresvergleich um 79 Prozent auf 119 Millionen Euro, das Betriebsergebnis kletterte überproportional um 86 Prozent auf 28,5 Millionen Euro. Die prozentual geringer gestiegenen Steuerzahlungen führten zu einer Steigerung beim Jahresüberschuss von 112 Prozent auf 16,5 Millionen Euro oder 0,26 Euro je Aktie.
Marktanteil ausgebaut
Zudem hat Aixtron seinen Marktanteil bei Maschinen für die Produktion von Verbindungshalbleitern im ersten Halbjahr auf 57 Prozent weiter ausgebaut. Die Wachstumsperspektiven für den unangefochtenen Weltmarktführer sind langfristig ausgezeichnet. Denn Verbindungshalbleiter sind die Herzstücke zahlreicher Hightech-Anwendungen und wichtige Komponenten unzähliger Zukunftstechnologien. Experten sagen den Hochleistungschips in den unterschiedlichen Anwendungen jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich über 50 Prozent voraus.
Trotz der herausragenden langfristigen Perspektiven ging die Konjunkturabschwächung an Aixtron nicht völlig vorbei. Der Auftragseingang blieb im zweiten Quartal mit 50,1 Millionen Euro hinter den Bestellungen im ersten Quartal von 52,3 Millionen Euro zurück. Allerdings sind die Planzahlen für das laufende Geschäftsjahr, die Erlöse von 239 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 30 Millionen Euro vorsehen, durch den hohen Auftragsbestand (zum 30.06. 160,7 Millionen Euro) abgesichert.
Für das nächste Jahr ist allerdings mit deutlich niedrigeren Wachstumsraten zu rechnen. Das Unternehmen selbst erwartet jährliche Umsatzzuwächse von 30 Prozent, und bislang war auf die Aussagen des Managements immer Verlass. Angesichts der im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Wachstumsraten ist die Aktie aber selbst nach dem Kursverlust kein Schnäppchen. Bei einem erwarten Gewinn von 0,64 Euro je Aktie für 2002 ergibt sich ein KGV von 36.
Qiagen - die Biotechperle
Nach Biotechnologieunternehmen, die Gewinn machen, muss man am Neuen Markt lange suchen. Als Weltmarktführer für Techniken zur Aufreinigung von Nukleinsäuren erzielt das Unternehmen seit Jahren hohe Renditen. Im ersten Halbjahr ergab sich ein um einmalige Akquisitionskosten bereinigter Nettogewinn von 19,3 Millionen Dollar, ein Plus von 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um 25 Prozent auf 129 Millionen Dollar.
Die langfristigen Perspektiven von Qiagen sind ausgezeichnet. Durch mehrere Akquisitionen hat das deutsch-niederländische Unternehmen seine Produktpalette zuletzt ausgebaut. Der Boom der Biotechnologie wird die Nachfrage nach den Analyse-Kids von Qiagen in den nächsten Jahren kontinuierlich erhöhen, Analysten rechnen mit jährlichen Wachstumsraten von rund 35 Prozent. Mit einem KGV von 48 für 2002 (erwarteter Gewinn: 0,42 Euro) ist die Aktie allerdings trotz der hervorragenden Marktposition zu teuer.
Medion - zwei Wachstumstreiber
An dem Marketingdienstleister Medion ist die Schwäche des IT-Sektors im ersten Halbjahr vorbei gegangen. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 39 Prozent auf 818,8 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich sogar um 48 Prozent auf 44,2 Millionen Euro. Positive Effekte aus der Steuerreform führten zu einer Steigerung des Nettoergebnisses von 71 Prozent auf 26,3 Millionen Euro.
Wachstumstreiber war zum einen die erfolgreiche Internationalisierung, zum anderen die Ausweitung der Produktpalette. Für die Zukunft sind weitere Zuwächse zu erwarten. Vor allem vom Trend zur Digitalisierung will Medion profitieren. Produktneuheiten wie DVD-Player oder digitale Camcorder will der Marketingdienstleister demnächst verstärkt in die Regale von Aldi und Co. stellen. Das erfolgreiche Vermarktungskonzept soll auch auf die USA übertragen werden, die US-Tochtergesellschaft hat vor kurzem ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen.
Die Aussichten, dass Medion seinen Wachstumspfad auch die nächsten Jahre beschreitet, sind also gut. Umsatz- und Gewinnsteigerungen um die 30 Prozent sind für die kommenden Jahre durchaus realistisch. Damit relativiert sich auch das - im Vergleich zu anderen Neuer Markt-Werten recht hohe - KGV von 20 auf Basis eines geschätzten Gewinns je Aktie für 2002 von 1,80 Euro.
Fazit:
Es gibt noch solide Firmen am Neuen Markt, die durch kontinuierliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen bestechen. Medion, Aixtron und Qiagen gehören dazu. Grund für die deutlichen Kursabschläge bei den "großen Drei" waren die aus der Neuer Markt-Euphorie resultierenden, viel zu hohen Bewertungen.
Die Geschäftsmodelle der drei Gesellschaften haben sich bewährt und dürften auch in Zukunft für hohe Wachstumsraten gut sein. Vor allem für langfristig orientierte Anleger sind die Titel daher bestens geeignet. Auf dem aktuellen Niveau ist Qiagen aber noch etwas zu teuer. Hier empfiehlt es sich, mit einem Investment noch etwas abzuwarten. Gleiches gilt in abgeschwächtem Maße für Aixtron. Dagegen hat Medion inzwischen ein interessantes Niveau erreicht.
Allerdings sind alle drei Papiere im Vergleich zu anderen Neuer Markt-Werten teuer. Zwar ist dieser Aufschlag wegen des soliden Geschäftsverlaufs berechtigt, sollte der anhaltende Kursabschwung durch einen finalen Sell-Out beendet werden, dürften aber vor allem die Titel, an denen noch "Speck" ist, unter die Räder kommen.