MediGene, GPC Biotech, LION Bioscience, MorphoSys


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Jensolino:

MediGene, GPC Biotech, LION Bioscience, MorphoSys

 
30.06.01 23:23
Biotech Flash: Wirkstoffentwickler melden und Anleger selektieren
Wo liegt das höchste Potential für einen Wirkstoffentwickler? Die Antwort auf diese Frage erklärt die unterschiedlichen Kursreaktionen von MediGene und GPC Biotech auf die gemeldeten Forschungsfortschritte.
Marktüberblick
Leichte Kursgewinne prägten das Bild im Biotech-Sektor: Der Nemax Biotechnology-Index gewann 0,6 % auf 100,56 Punkte und der Nasdaq Biotech-Index 0,8 % auf 993,34 Punkte. Der Nemax All Share-Index verlor hingegen 3,6 % auf 1.481 Punkte. Alle genannten Performance-Daten legen die Schlußkurse vom Donnerstag abend zugrunde.

MediGene verfügt seit dieser Woche über sieben klinische Produktkandidaten, nachdem ein Impfstoff gegen Hautkrebs die Phase I/II erreicht hat. Die Entwicklung erfolgt in Kooperation mit Aventis. Der Pharmariese wird die Phase III-Studien und die Vermarktung komplett übernehmen, so daß MediGene nach Meinung von GoingPublic Research mit einer Umsatzbeteiligung von rund 10 bis 20 % rechnen kann. Das Marktpotential wird von Analysten auf 200 Mio. Euro pro Jahr geschätzt. Die Meldung bestätigt wieder einmal, daß MediGene auf dem richtigen Weg ist. Auch nach dem deutlichen Kursanstieg von rund 13 % auf 21,35 Euro ist die Aktie langfristig attraktiv.

Ebenfalls Fortschritte in einer Kooperation meldete GPC Biotech. Im Gegensatz zum Martinsrieder Nachbarn konnte die Aktie nicht davon profitieren und notierte unverändert bei 12,20 Euro. Verständlich, denn mit der Lieferung von sieben Zielmolekülen an Byk Gulden, die Pharmagruppe von Altana, hat GPC zwar einen wichtigen Meilenstein erreicht, jedoch sind solche Targets nichts Außergewöhnliches. So hat z.B. LION bioscience jüngst die Lieferung von 125 Targets an Bayer gemeldet. Solange GPC Biotech keine eigene klinische Wirkstoff-Pipeline vorweisen kann, bleibt ein Investment mit zu hohen Risiken behaftet.

Die vergangene Woche eingereichte Klage gegen MorphoSys (sh. Biotech Flash 25/2001) wurde von einem US-Gericht abgewiesen. Ob damit die Patentsituation geklärt ist, erscheint eher unwahrscheinlich. Das sieht die Börse ähnlich, denn trotz dieser Meldung und des Erreichens eines Meilensteins in einer Kooperation verlor die MorphoSys-Aktie 3,3 % auf 47,50 Euro.


Kalender
Am 5. Juli finden die Hauptversammlungen von MorphoSys und co.don statt.




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Jensolino:

Analyst Corner: Biotechs in der Breite erfolgreich

 
12.10.01 20:22
Biotech-Titel legen an der Börse endlich wieder zu. Doch nach wie vor leben sie vor allem von ihren Erwartungen an die Zukunft. Anders in den USA: Dort spielen manche Biotech-Konzerne mit innovativen Therapeutika Milliardensummen in die Kassen. Der Biotech-Analyst Christian Garbe über seine wichtigsten Strategien für den US-Markt.
Frankfurt - Die US-amerikanische Biotech-Branche ist dem deutschen Markt in mancher Hinsicht weit voraus. Vor allem verdient sie Geld mit marktreifen Produkten. Während der Sektor bislang von der schlechten Konjunktur verschont blieb, verhält er sich mittlerweile aber zunehmend zyklisch. Andererseits gibt es auch viele gute Nachrichten: Sie belegen laut Christian Garbe, dass signifikante Fortschritte in der Biotechnologie nicht mehr nur vereinzelt, sondern in der Breite gelingen. Der Biotech-Analyst, der für die DZ Bank unter anderem deren Biotech-Stars-Zertifikat managt, verrät in der Analyst Corner seine Anlagestrategien. Doch zugleich warnt er: Wer einen sicheren Hafen sucht, sollte allenfalls auf Pharma-Werte setzen. Biotech-Investitionen beinhalten nach wie vor ein hohes Risiko.

AC: Herr Garbe, US-amerikanische Biotech-Firmen vermelden regelmäßig beachtliche Erfolge. Worin liegen die Fortschritte?

Christian Garbe: Myriad Genetics hat am Dienstag gemeldet, eine neue Zielstruktur entdeckt zu haben. Diese soll in vorklinischen Tests Krebsgewebe sehr effektiv – den vorliegenden Informationen zufolge mit 98- bis 99-prozentiger Wirkung - zerstört haben, ohne gesundes Gewebe zu beeinträchtigen. Auch von Idec Pharmaceuticals ist eine Innovation zu erwarten. Ihr Medikamentenkandidat Zevalin ist ein so genanntes Radio-Immuntherapeutikum. Bei der Therapie beispielsweise von Lymphdrüsenkrebs werden erstmals radioaktiv markierte Antikörper eingesetzt.

Schon länger bekannt ist auch Xolair von Genentech. Dieser Antikörper, der gemeinsam mit Novartis entwickelt wird, lässt sich bei Atemwegserkrankungen einsetzen. Für Xolair gibt es einen extrem großen Markt von rund acht Mio. Patienten allein in den USA, denn das Medikament kann auch prophylaktisch eingesetzt werden. Da sich die Zulassung des hoch innovativen Produkts allerdings verspätet hat, ist die Aktie von Genentech stark unter die Räder gekommen.

AC: Vergleichbare Meldungen aus Deutschland sind Mangelware. Woran liegt das?

Garbe: Die deutschen Unternehmen - derzeit gibt es hier rund 330 Biotech-Firmen - müssen sich entsprechende Produkte erst noch erarbeiten. Die Produktkandidaten von GPC Biotech oder Morphosys beispielsweise befinden sich bislang ausschließlich in präklinischen Untersuchungen. Weiter sind da Medigene, wo bereits Tests in der zweiten und dritten klinischen Phase laufen, sowie Rhein Biotech, die bereits Impfstoffe auf dem Markt haben. Ein weiterer Unterschied zu den USA ist, dass in der deutschen Biotech-Branche viele Technologieanbieter zu finden sind. In diesem Marktsegment sehen sich die noch eher kleinen deutschen Unternehmen einer besonderen Schwierigkeit gegenüber: Sie müssen sehr schnell eine kritische Masse erreichen und einen Standard setzen.

AC: Unterdessen sind riesige Biotech-Konzerne wie Amgen und Genentech entstanden. Wie wird sich die Unternehmenslandschaft weiter verändern?

Garbe: Wir werden sicherlich eine Konsolidierung erleben. Die Scouts von Pharmakonzernen und großen Biotech-Firmen suchen bei jungen Unternehmen oder Ausgründungen von Universitäten kontinuierlich nach interessanten Produktideen. Der Pharmakonzern Eli Lilly hat gerade eine Venture Capital-Abteilung gegründet, Novartis hat so etwas schon lange. Serono, der mit einer Marktkapitalisierung von 23 Mrd. CHF drittgrößte Biotech-Konzern der Welt, will in diesem Jahr sogar zwischen 500 Mio. USD und 2 Mrd. USD in Akquisitionen investieren. Die Voraussetzung für Zukäufe ist aber in den meisten Fällen, dass bereits Produkte vorliegen, die mindestens in Phase zwei sind. So hat sich auch der Medizintechnikanbieter Medtronic kürzlich mit 20 Mio. USD bei Advanced Tissue beteiligt. Die Collagensalbe des Gewebespezialisten - ein Produkt, das zum Lifestyle-Bereich zu rechnen ist - soll jetzt auf den Markt gebracht werden. Der Kapitalmarkt allerdings wird zunehmend weniger von solchen Konsolidierungen profitieren, obwohl auch der Kurs von Advanced Tissue nach der Meldung stark gestiegen ist. Denn angesichts der schlechten Börsenverfassung haben die Käufer nicht unbedingt ein Interesse daran, dass die übernommenen Firmen überhaupt börsenreif werden.

AC: Nach welchen Kriterien soll sich denn, Ihrer Meinung nach, ein Investor engagieren?

Garbe: Es gibt zwei grundsätzliche Betrachtungsebenen. Zum einen muss er entscheiden, in welches Technologiesegment er investieren will. Das können Content Provider wie Incyte oder Celera sein, die einfach genetische Informationen anbieten. In Deutschland gehört etwa Morphosys zu dieser Gruppe. Deren Geschäftsmodell hat sich meiner Meinung nach aber schon aufgelöst, die meisten Inhaltsanbieter orientieren sich mittlerweile in Richtung Medikamentenentwicklung. Ein weiteres Segment ist das der Technologieanbieter. Neben Qiagen, Cybio und Evotec in Deutschland gibt es weltweit sehr interessante Unternehmen, wie beispielsweise die US-Firma Invitrogen. Anders als etwa Qiagen hielt sie sich trotz der Anschläge in New York sehr gut. Für den Anleger, der in Technologieanbieter investiert, sollte vor allem eine hohe Innovationskraft ausschlaggebend sein. Im letzten Segment hingegen, dem der Therapeutika-Hersteller, dreht sich alles um die Patentfrage. Viele dieser Unternehmen befinden sich ständig in Prozessen mit Konkurrenten, die mit großen Unsicherheiten verbunden sind.

Eine weitere Betrachtungsebene ist die der Marktkapitalisierung. Large Caps wie Genentech, Amgen und Serono bieten einem Investor vergleichsweise große Sicherheit. Titel mit viel Upside-Potenzial finden sich hingegen im Mid Cap-Bereich. Dort allerdings ist die Gefahr, dass ein Produkt kurz vor Zulassung scheitert, immer noch sehr hoch.

AC: Welche Strategie verfolgen Sie bei der Zusammensetzung der von Ihnen gemanagten Zertifikate?

Garbe: Ich setze sehr stark auf Large Caps, mit denen ich vor allem die Benchmark abbilden will. Mit einigen Mid Caps versuche ich, sie zu schlagen. In Small Caps investiere ich kaum, da bei ihnen häufig noch Gefahr besteht, dass das Kapital nicht ausreicht, um ihre Produkte weit genug zu entwickeln. Von den verschiedenen Technologiesegmenten bevorzuge ich die Medikamentenentwickler, mit einer sehr selektiven Diversifizierung in Richtung Instrumenten- und Verbrauchsgüteranbieter. Hier gehört beispielsweise Invitrogen zu meinen Favoriten. Angesichts der weiterhin häufigen Fehlschläge halte ich eine breite Diversifikation aber dennoch für notwendig. Auch der Informationsfluss, der für die Beurteilung von Mid und Small Caps unbedingt erforderlich ist, ist nicht immer in ausreichendem Maße gewährleistet.

AC: Müssen sich auch Biotech-Anleger vor der Rezession fürchten?

Garbe: Pharma und Healthcare werden üblicherweise als nicht-zyklisch eingestuft. Überraschenderweise konnten sich die Biotech-Werte dem Abwärtstrend der letzten Monate aber nicht entziehen. Insbesondere nach den Terroranschlägen sind sie stark unter Druck geraten, während sich der Pharmasektor gut halten konnte. Letzter kann daher als relativ sicherer Hafen gesehen werden. Zwar ist er im letzten Jahr schon gut gelaufen und mittlerweile recht hoch bewertet, dennoch sind beispielsweise Eli Lilly, Pfizer und Johnson&Johnson sehr interessante Unternehmen. Und falls es auch bei diesen Firmen einmal zu Verzögerungen kommen sollte, dann fällt der Kurs nur um fünf und nicht gleich um 50 Prozent.

AC: Herr Garbe, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thilo Körkel.




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