Medienaktien: Warten auf das Happy End


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Happy End:

Medienaktien: Warten auf das Happy End

 
12.12.01 16:52
Medienaktien, neben Technologiewerten einst Lieblinge an den deutschen Börsen, sind tief gestürzt. Wer auf die schillernden Dividendenpapiere in seinem Depot nicht verzichten will, sollte einen Blick über die Landesgrenzen wagen.

Nach dem Absturz von EM.TV hat es mit Kinowelt nun auch den zweiten Überflieger der deutschen Medienszene am Neuen Markt erwischt. Der Börsenstar, dessen Kurs nach dem Going Public im Mai 1998 raketenhaft nach oben geschossen war, steht kurz vor dem Aus. Auch der letzte Hoffnungsträger, Senator Entertainment, der bisher noch keine Gewinnwarnung ausgesprochen hatte, musste jüngst die Prognose seines Ergebnisses vor Zinsen und Steuern für 2001 von 40,7 Mio.Euro auf zwei bis fünf zurücknehmen. Die Gewinnwarnungen von MDax-Vertreter Pro Sieben Sat 1 schließlich sind mittlerweile noch langweiliger als das Programm der Kirch-Sender.

Der Niedergang der Medienaktien dauert jetzt schon über 18 Monate. Seit seinem Höchststand im März 2000 verlor der Branchen-Index Medien am Neuen Markt rund 85 Prozent. Die Gründe für die Misere liegen auf der Hand. Sowohl in den USA als auch in Deutschland wird für 2001 mit einem Rückgang des Werbemarktes von über fünf Prozent gerechnet. Dieser Trend kann noch eine Weile anhalten, da die Konjunkturaussichten weiterhin trübe sind. Mit einer Wiederbelebung rechnen Experten frühestens im zweiten Halbjahr 2002.

Unerschütterlicher Optimismus

In der Werbebranche gibt man sich dennoch optimistisch. Volker Nickel, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft betont: "Die Werbung ist weiterhin ein ausgesprochener Wachstumsmarkt." In den vergangenen vierzig Jahren habe die Werbewirtschaft nur zweimal eine Stagnation (1968, 1974) und einmal eine Rezession (1970) erlebt. Auch Markus Wallner, Medienexperte von HSBC Trinkaus & Burkhardt sieht das Ende der Mediengesellschaft noch nicht gekommen. "Die schlechten Nachrichten sind bei Medienaktien jetzt eingepreist. Wir sollten die Talsohle erreicht haben", erklärt er.

Natürlich darf man nicht alle Medienunternehmen über einen Kamm scheren. Zur Branche gehören sowohl die werbelastigen Fernsehgesellschaften als auch Filmproduzenten und Verlage, deren Werbeeinnahmen nur gering sind. Letztere kombinieren Defensiv- und Wachstumseigenschaften, sind weniger zyklisch und eignen sich besser für konservativere Anleger.

Rückgriff auf die Old Economy

Bei der Titelauswahl empfiehlt die Deutsche Bank fundamental stabile Medienunternehmen, die eher der Old Economy zuzurechnen sind und die Fähigkeit haben, Content, Marken und Vertrieb optimal zu verbinden. Drei europäischen Mediengesellschaften erfüllen die angeführten Auswahlkriterien bestens: Das französische Unternehmen Vivendi Universal, die britische Nachrichtenagentur Reuters und das holländisch-britische Verlagshaus Elsevier.

Vivendi Universal
 
Vivendi hat eine nahezu einmalige Leistung in der gegenwärtig schwierigen Wirtschaftslage vollbracht: Im dritten Quartal 2001 konnte der Konzern den Umsatz um 24 Prozent und den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um 90 Prozent steigern. Dieses gute Ergebnis hat Vivendi vor allem der Filmsparte zu verdanken, die mit den Blockbustern der Universal Studios "Jurassic Parc III" und "American Pie II" durchschlagende Erfolge erzielen konnte. Mit Universal Musik besitzt Vivendi zudem die größte Musiksammlung der Welt, die einen beständigen Strom von Einnahmen sichert. Stabilisiert werden die Gewinne durch die Umweltsparte, die 50 Prozent zum konsolidierten Umsatz beisteuert.

Telekommunikation als Impulsgeber

Wachstumsimpulse erhält Vivendi vom Telekommunikationsgeschäft und dem Bezahlfernsehen mit Canal+. Interessante Perspektiven bietet auch das auf den Bildungsmarkt ausgerichtete Verlagswesen. Ein Umsatzanteil von weniger als fünf Prozent macht Vivendi relativ unabhängig von Werbeeinnahmen. Zum Vergleich: Bei AOL beträgt der Werbebeitrag 25 Prozent, bei Viacom gut die Hälfte. Im Vergleich zu den Konkurrenten aus der Medienbranche wird die Vivendi-Aktie mit einem Abschlag von 20 bis 30 Prozent gehandelt. Der Abschlag dürfte verschwinden, sobald es dem Management endgültig gelingt, aus den Einzelteilen ein profitables Ganzes zu schaffen.

Reuters

Ein weiteres Medienunternehmen mit geringer Werbe-Abhängigkeit ist das britische Traditionsunternehmen Reuters . Die weltweit größte Nachrichtenagentur mit 2500 Journalisten in 151 Ländern agiert an der Schnittstelle der Branchen Medien, IT und Software. Hauptstütze mit einem Umsatzanteil von knapp 50 Prozent ist das Geschäft mit Finanzinformationen. Daneben biete Reuters integrierte Informations- und Handelssysteme für Banken und Investoren an. Wegen der weltweit schwachen Börsen haben diese Sparten gegenwärtig mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Trotzdem ist es Reuters gelungen, den Umsatz 2001 weiter leicht zu steigern. Der dynamische neue Vorstandsvorsitzende, Tom Glocer, hat ein rigoroses Restrukturierungsprogramm angekündigt. Bis zum Jahr 2003 sollen jährlich 150 Mio. £ eingespart werden. Im Kerngeschäft, der Bereitstellung von Dienstleistungen für Vermögensverwalter, verfügt Reuters langfristig über großes Potenzial. In den nächsten fünf Jahre will Reuters den Gewinn jährlich um über zehn Prozent steigern.

Elsevier
 
Ein zweistelliges Gewinnwachstum peilt auch Reed Elsevier an. 1993 aus der Fusion zweier Verlagshäuser, des britischen Reed und des holländischen Elsevier, hervorgegangen, hat sich das Unternehmen zum größten Herausgeber von wissenschaftlichen Publikationen entwickelt, der besonders in den Bereichen Recht und Steuern weltweit führend ist. Das Grundgeschäft ist stabil und wächst kontinuierlich.

Da Medienaktien zu den Werten zählen, die mit als Erste von einer konjunkturellen Erholung profitieren, könnten sie schnell wieder ins Blickfeld der Anleger rücken. So haben sich beispielsweise die Kurse der Medienwerte zusammen mit denen der Techaktien seit dem September-Absturz überdurchschnittlich erholt. Wann aber das Zwischenhoch in einen stetigen Aufschwung mündet, wird ohne Glaskugel auch hier niemand voraussagen können.



Vivendi hat in einem schwierigen Umfeld seine Gewinne steigern können und verfügt über eine breit gefächerte Basis im Mediengeschäft – gute Voraussetzungen für weiteres Wachstum.



Reuters gehört zu den führenden Dienstleistern im wachsenden Markt der Vermögensverwalter. Das radikale Restrukturierungsprogramm sollte das Ertragspotenzial von Reuters weiter stärken.



Als spezialisiertes Verlagshaus betreibt Elsevier ein wachstumsträchtiges Geschäft. Die Aktie wurde im allgemeinen Negativ-Sog der Medienwerte ohne Grund nach unten geprügelt.



Gruß
Happy End
ftd.de
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