Medien 2000: Schöner Schein und katastrophale Realität
Harry Potter grüßt Moorhuhn
Sie waren der letzte Haken, an dem die Optimisten ihre Hoffnungen auf eine rasche Trendumkehr und Erholung am Neuen Markt aufhingen: die Medienaktien. Doch die Anleger hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und der waren sie selbst. Immerhin gaben sie den Medien-Aspiranten im Jahresverlauf die stolze Summe von rund 2,5 Mrd. DM an die Hand. Die zumeist sehr jungen und unerfahrenen Unternehmen tingelten dann mit prall gefüllten Kassen durch die USA und erwarben umfangreiche Lizenzrechte – zu einem Preis, den sie sich selbst verhagelten. Und das musste früher oder später den Aktionären kommuniziert werden, spätestens im Neun-Monatsbericht.
Die Bilanz ist katastrophal. Von den 18 Unternehmen, die in diesem Jahr voller Stolz durch die Börsentür marschierten, notieren gerade einmal drei über dem Ausgabepreis. Vier Titel liegen deutlich über ihrem ersten Börsenkurs. Ein Mittelfeld existiert nicht. Der Rest droht mit immensen Kursverlusten von bis zu 80% in der Versenkung des beständig wachsenden Bodensatzes zu verschwinden.
Bronze in Wertvernichtung im Zeitraffer geht zugleich an Focus Digital und den Zusammenschluss aus Tonstudio, Musikproduktion und Medienvertrieb F.A.M.E.. Kursverlust binnen fünf Monaten: gut 60%. Übertroffen wird die traurige Bilanz nur noch vom TV-Programm-Produzent United Visions Entertainment (-64%), den marktengen Edutainer H5B5 Media und dem Vermarkter von Werbeplätzen ARBOmedia.net –beide mit verheerenden Verlusten von über 70%.
Neben der IN-motion AG konnte sich einzig der Nemax50-Wert IM International Media, der Internationalisierung sei es gedankt, der Branchenkatastrophe entziehen. So vermeldete der Entwickler und Vermarkter von internationalen Filmstreifen im ersten Halbjahr einen Umsatzanstieg um knapp 100% auf gut 103 Mio. DM. Der noch von Basiseffekten geprägte Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stellte sich nach 0,9 Mio. DM im Vorjahreszeitraum auf 11,9 Mio. DM. Einziger Wermutstropfen: Ein Teil des Gewinnes speiste sich aus Währungsgewinnen des geparketen Emissionserlöses. Wie auch immer, die Analystenzunft wurde auf die hinteren Plätze verwiesen. Sie prognostizierte einen Umsatzanstieg von lediglich 50%. Wertsteigerung für Erstzeichner: etwa 35%. Ein passables Ergebnis, wenn man bedenkt, dass der Subindex Nemax Media & Entertainment, an dem sich letztlich auch der schönste Hollywood-Traum messen lassen muss, im Jahresvergleich um 68% abrutschte. Gut 10% davon gehen auf das Konto des einstigen Börsenstars EM.TV, der seine Aktionäre erst im November in die Realität hebelte.
Aus der Traum? Vorhang zu? Unternehmen, die sich in der nächsten Zeit des Kapitalmarktes bedienen wollen, müssen nicht nur Zugeständnisse bei der Emissionsbewertung machen, sondern vielmehr bereits eine positive Entwicklung in der Vergangenheit vorweisen. Sie ist die einzige, halbwegs verlässliche Konstante für Zukunftsprojektionen; erst recht im Medienbereich mit seinen zahlreichen „weichen“ Faktoren wie persönlichen Kontakten, gewachsenen Beziehungen aber auch Überaschungen.
Harry Potter grüßt Moorhuhn
Sie waren der letzte Haken, an dem die Optimisten ihre Hoffnungen auf eine rasche Trendumkehr und Erholung am Neuen Markt aufhingen: die Medienaktien. Doch die Anleger hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und der waren sie selbst. Immerhin gaben sie den Medien-Aspiranten im Jahresverlauf die stolze Summe von rund 2,5 Mrd. DM an die Hand. Die zumeist sehr jungen und unerfahrenen Unternehmen tingelten dann mit prall gefüllten Kassen durch die USA und erwarben umfangreiche Lizenzrechte – zu einem Preis, den sie sich selbst verhagelten. Und das musste früher oder später den Aktionären kommuniziert werden, spätestens im Neun-Monatsbericht.
Die Bilanz ist katastrophal. Von den 18 Unternehmen, die in diesem Jahr voller Stolz durch die Börsentür marschierten, notieren gerade einmal drei über dem Ausgabepreis. Vier Titel liegen deutlich über ihrem ersten Börsenkurs. Ein Mittelfeld existiert nicht. Der Rest droht mit immensen Kursverlusten von bis zu 80% in der Versenkung des beständig wachsenden Bodensatzes zu verschwinden.
Bronze in Wertvernichtung im Zeitraffer geht zugleich an Focus Digital und den Zusammenschluss aus Tonstudio, Musikproduktion und Medienvertrieb F.A.M.E.. Kursverlust binnen fünf Monaten: gut 60%. Übertroffen wird die traurige Bilanz nur noch vom TV-Programm-Produzent United Visions Entertainment (-64%), den marktengen Edutainer H5B5 Media und dem Vermarkter von Werbeplätzen ARBOmedia.net –beide mit verheerenden Verlusten von über 70%.
Neben der IN-motion AG konnte sich einzig der Nemax50-Wert IM International Media, der Internationalisierung sei es gedankt, der Branchenkatastrophe entziehen. So vermeldete der Entwickler und Vermarkter von internationalen Filmstreifen im ersten Halbjahr einen Umsatzanstieg um knapp 100% auf gut 103 Mio. DM. Der noch von Basiseffekten geprägte Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stellte sich nach 0,9 Mio. DM im Vorjahreszeitraum auf 11,9 Mio. DM. Einziger Wermutstropfen: Ein Teil des Gewinnes speiste sich aus Währungsgewinnen des geparketen Emissionserlöses. Wie auch immer, die Analystenzunft wurde auf die hinteren Plätze verwiesen. Sie prognostizierte einen Umsatzanstieg von lediglich 50%. Wertsteigerung für Erstzeichner: etwa 35%. Ein passables Ergebnis, wenn man bedenkt, dass der Subindex Nemax Media & Entertainment, an dem sich letztlich auch der schönste Hollywood-Traum messen lassen muss, im Jahresvergleich um 68% abrutschte. Gut 10% davon gehen auf das Konto des einstigen Börsenstars EM.TV, der seine Aktionäre erst im November in die Realität hebelte.
Aus der Traum? Vorhang zu? Unternehmen, die sich in der nächsten Zeit des Kapitalmarktes bedienen wollen, müssen nicht nur Zugeständnisse bei der Emissionsbewertung machen, sondern vielmehr bereits eine positive Entwicklung in der Vergangenheit vorweisen. Sie ist die einzige, halbwegs verlässliche Konstante für Zukunftsprojektionen; erst recht im Medienbereich mit seinen zahlreichen „weichen“ Faktoren wie persönlichen Kontakten, gewachsenen Beziehungen aber auch Überaschungen.