Sie zählte zu den High-Flyern des Börsenbooms: Kometenhaft schoß der Kurs der 1998 gegründeten Internet-Firma Schmu-direkt.com in den Himmel. Doch als im März 2000 die Hightech-Blase platzte, konnte sich auch der als Spezialist für Internet-Shopping, -Hardware und -Marketing berühmt-berüchtige Start-up dem allgemeinen Abwärtssog nicht entziehen. Heute droht dem einstigen Börsenstar die Zahlungsunfähigkeit. Unser Skandal-Reporter Jollyjoker sprach exklusiv mit dem derzeit steuerflüchtigen Gründer und Geschäftsführer Dr. Pomeranzi Pomadini
1st_Baseman: Herr Pomadini, Sie strahlen wie einst im März. Wie geht es Ihnen?
Pomadini: Oh danke, sehr gut. Wir haben letztes Wochenende mit dem zweistrahligen Firmenjet, unserer letzten größeren Investition vor dem Transfer verbliebener Firmengelder nach Liechtenstein, eine Spritztour nach Sylt unternommen. Bei dem Jet handelt es sich um eine sogenannte Stealth- Ausführung. Damit haben wir gleich mal probeweise die dänische Radarüberwachung unterflogen. Unbemerkt, versteht sich. Wir halten es mit dem Liedermacher Reinhard Mey, dessen unvergesslicher Song "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein" schon bei der Feier unseres Börsen- Debüts ununterbrochen dudelte. Uns erinnert das auch an unternehmerische Freiheit.
1st_Baseman: Bei der letzten Hauptversammlung haben Sie sich von Ihrer Konkubine vertreten lassen. Aufgebrachte Aktionäre und Aktionärsschützer forderten Ihren Kopf, einige sogar in Gelee. Ihnen werden Scheingeschäfte, Veruntreuung und Bilanzfälschung vorgeworfen. Wie stehen Sie zu diesen Anschuldigungen?
Pomadini: Davon kann überhaupt keine Rede sein. Wir verwahren uns aufs Schärfste gegen derlei Unterstellungen. Die Firma Chingsang Communications aus Hongkong, mit der wir 98 Prozent unseres Handelsergebnisses erzielen, ist ordentlich im dortigen Handelsregister eingetragen und verfügt über einen ebenso ordnungsgemäßen Briefkasten.
1st_Baseman: Ist es wahr, dass Sie den Engländer Nicholas Leeson mit der Abwicklung ihrer Asiengeschäfte betraut haben?
Pomadini: Leeson verfügt über Asien-Erfahrung wie kein zweiter. 1995 hat er es geschafft, mit hochspekulativen Derivatgeschäften an der Singapurer Börse die 233 Jahre alte britische Baring-Bank an die Wand zu fahren. Er hinterließ Schulden in Höhe von 1, 3 Milliarden Dollar. Als Leeson aus der Haft entlassen wurde, haben wir ihn sofort unter Vertrag genommen. Der Mann zählt zu den wenigen, die es schaffen, ohne nennenswerte Schwitzflecken riesige Geldmengen zu transpirieren, ...äh, transferieren.
1st_Baseman: Bei der letzten Bilanzprüfung fiel den Prüfern und Steuerfahndern auf, dass wichtige Unterlagen, vor allem solche, die ihre Geschäftsbeziehungen mit Chingsang belegen, nicht mehr auffindbar waren...
Pomadini: Wir haben unserem Wirtschaftsprüfungsbüro Andersen, das gerade erfolgreich den Konkurs der US-Firma Enron abgewickelt hat, niemals einen schriftlichen Auftrag erteilt, belastende Dokumente zu zerschreddern. Die Aktenvernichtung erfolgte ohne unsere ausdrückliche Billigung. Als wir von dem Skandal erfuhren, haben wir sofort den Wirtschaftsprüfer gewechselt.
1st_Baseman: Die Schmu-direkt.com-Aktionäre fühlen sich von Ihnen betrogen. Der Kurs der Aktie fiel von 157, 60 Euro - dem Höchstkurs im März 2000 - auf bescheidene 0, 27 Euro. Hat sich das ganze Kapital in Luft aufgelöst? Ihnen wird vorgeworfen, den Kurs nicht nachhaltig genug gestützt zu haben...
Pomadini: Das ist vollkommener Unsinn. Wir haben unsere Analysten angewiesen, die Kaufempfehlung für Schmu-direkt.com selbst dann noch auf "strong buy" zu belassen, als sich die Firmenleitung und sämtliche Angehörigen längst aus den Papieren verabschiedet hatten. Um unsere Aktionäre zu schützen, haben wir Insiderverkäufe stets nur in steigende Kurse hinein realisiert. Erst als es mit dem Kurs radikal abwärts ging, haben von uns beauftragte Zwischenfrauen, Mittels- und Hintermänner mittels Short- Verkäufen und Put-Optionen zu retten versucht, was zu retten war. Die Erlöse haben wir über Liechtenstein auf unsere karibischen Offshore-Konten transpiriert. Dummerweise führten die Terror-Attacken in den USA zu weltweit verschärfter Überwachung von Offshore-Aktivitäten, was unangenehme Liquiditätsengpässe zur Folge hatte. Uns ist es jedoch gelungen, das Geld wieder rein zu waschen - mit einem offiziell als Beachfront-Ressort ausgewiesenem Drogenhandelsprojekt an der mexikanischen Karibikküste. Wenn sich das Börsenklima im zweiten Halbjahr 2005 wieder stabilisieren wird, wollen wir auch dieses Projekt an die Börse bringen - als "Mary Juani Enterprises". Schmu-direkt.com-Aktionäre erhalten auf Antrag eine überteuerte Sonderzuteilung.
1st_Baseman: Woher nehmen Sie eigentlich Ihre ungeheure Selbstsicherheit? Unser Angebot, dieses Interview gegen eine saftige Schmiergeldzahlung nicht zu veröffentlichen, haben Sie großspurig ausgeschlagen...
Pomadini: Ein gewisses Maß an Transparenz, gerade auch in finanziellen Belangen, halten wir für unverzichtbar, um das angeschlagene Anlegervertrauen zurück zu gewinnen. Wir bleiben bei unserer Auffassung, dass es sich bei Schmu-direkt.com um einen völlig zu Unrecht von Hedge-Fonds heruntergeprügelten Substanzwert handelt - um eine Basis-Investition, an der auf Dauer kein ernsthafter Anleger vorbei kommt. Man muss das Ganze langfristig sehen, also "kaufen" und "halten". Im Übrigen haben wir uns stets an die strengen Regeln der Börsenaufsicht gehalten. Für einige überhastete und, zugegeben, beschönigende Ad-Hoc-Mitteilungen haben wir die gesetzlich festgesetzten Bußgelder gezahlt. Das kam unterm Strich billiger - eine Mischkalkulation, sozusagen. Von der zumindest zeitweise kursstabilisierenden Wirkung, die wir für Gewinnmitnahmen nutzten, profitierten natürlich auch unsere Aktionäre, zumindest zeitweise.
1st_Baseman: Herr Pomadini, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
1st_Baseman: Herr Pomadini, Sie strahlen wie einst im März. Wie geht es Ihnen?
Pomadini: Oh danke, sehr gut. Wir haben letztes Wochenende mit dem zweistrahligen Firmenjet, unserer letzten größeren Investition vor dem Transfer verbliebener Firmengelder nach Liechtenstein, eine Spritztour nach Sylt unternommen. Bei dem Jet handelt es sich um eine sogenannte Stealth- Ausführung. Damit haben wir gleich mal probeweise die dänische Radarüberwachung unterflogen. Unbemerkt, versteht sich. Wir halten es mit dem Liedermacher Reinhard Mey, dessen unvergesslicher Song "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein" schon bei der Feier unseres Börsen- Debüts ununterbrochen dudelte. Uns erinnert das auch an unternehmerische Freiheit.
1st_Baseman: Bei der letzten Hauptversammlung haben Sie sich von Ihrer Konkubine vertreten lassen. Aufgebrachte Aktionäre und Aktionärsschützer forderten Ihren Kopf, einige sogar in Gelee. Ihnen werden Scheingeschäfte, Veruntreuung und Bilanzfälschung vorgeworfen. Wie stehen Sie zu diesen Anschuldigungen?
Pomadini: Davon kann überhaupt keine Rede sein. Wir verwahren uns aufs Schärfste gegen derlei Unterstellungen. Die Firma Chingsang Communications aus Hongkong, mit der wir 98 Prozent unseres Handelsergebnisses erzielen, ist ordentlich im dortigen Handelsregister eingetragen und verfügt über einen ebenso ordnungsgemäßen Briefkasten.
1st_Baseman: Ist es wahr, dass Sie den Engländer Nicholas Leeson mit der Abwicklung ihrer Asiengeschäfte betraut haben?
Pomadini: Leeson verfügt über Asien-Erfahrung wie kein zweiter. 1995 hat er es geschafft, mit hochspekulativen Derivatgeschäften an der Singapurer Börse die 233 Jahre alte britische Baring-Bank an die Wand zu fahren. Er hinterließ Schulden in Höhe von 1, 3 Milliarden Dollar. Als Leeson aus der Haft entlassen wurde, haben wir ihn sofort unter Vertrag genommen. Der Mann zählt zu den wenigen, die es schaffen, ohne nennenswerte Schwitzflecken riesige Geldmengen zu transpirieren, ...äh, transferieren.
1st_Baseman: Bei der letzten Bilanzprüfung fiel den Prüfern und Steuerfahndern auf, dass wichtige Unterlagen, vor allem solche, die ihre Geschäftsbeziehungen mit Chingsang belegen, nicht mehr auffindbar waren...
Pomadini: Wir haben unserem Wirtschaftsprüfungsbüro Andersen, das gerade erfolgreich den Konkurs der US-Firma Enron abgewickelt hat, niemals einen schriftlichen Auftrag erteilt, belastende Dokumente zu zerschreddern. Die Aktenvernichtung erfolgte ohne unsere ausdrückliche Billigung. Als wir von dem Skandal erfuhren, haben wir sofort den Wirtschaftsprüfer gewechselt.
1st_Baseman: Die Schmu-direkt.com-Aktionäre fühlen sich von Ihnen betrogen. Der Kurs der Aktie fiel von 157, 60 Euro - dem Höchstkurs im März 2000 - auf bescheidene 0, 27 Euro. Hat sich das ganze Kapital in Luft aufgelöst? Ihnen wird vorgeworfen, den Kurs nicht nachhaltig genug gestützt zu haben...
Pomadini: Das ist vollkommener Unsinn. Wir haben unsere Analysten angewiesen, die Kaufempfehlung für Schmu-direkt.com selbst dann noch auf "strong buy" zu belassen, als sich die Firmenleitung und sämtliche Angehörigen längst aus den Papieren verabschiedet hatten. Um unsere Aktionäre zu schützen, haben wir Insiderverkäufe stets nur in steigende Kurse hinein realisiert. Erst als es mit dem Kurs radikal abwärts ging, haben von uns beauftragte Zwischenfrauen, Mittels- und Hintermänner mittels Short- Verkäufen und Put-Optionen zu retten versucht, was zu retten war. Die Erlöse haben wir über Liechtenstein auf unsere karibischen Offshore-Konten transpiriert. Dummerweise führten die Terror-Attacken in den USA zu weltweit verschärfter Überwachung von Offshore-Aktivitäten, was unangenehme Liquiditätsengpässe zur Folge hatte. Uns ist es jedoch gelungen, das Geld wieder rein zu waschen - mit einem offiziell als Beachfront-Ressort ausgewiesenem Drogenhandelsprojekt an der mexikanischen Karibikküste. Wenn sich das Börsenklima im zweiten Halbjahr 2005 wieder stabilisieren wird, wollen wir auch dieses Projekt an die Börse bringen - als "Mary Juani Enterprises". Schmu-direkt.com-Aktionäre erhalten auf Antrag eine überteuerte Sonderzuteilung.
1st_Baseman: Woher nehmen Sie eigentlich Ihre ungeheure Selbstsicherheit? Unser Angebot, dieses Interview gegen eine saftige Schmiergeldzahlung nicht zu veröffentlichen, haben Sie großspurig ausgeschlagen...
Pomadini: Ein gewisses Maß an Transparenz, gerade auch in finanziellen Belangen, halten wir für unverzichtbar, um das angeschlagene Anlegervertrauen zurück zu gewinnen. Wir bleiben bei unserer Auffassung, dass es sich bei Schmu-direkt.com um einen völlig zu Unrecht von Hedge-Fonds heruntergeprügelten Substanzwert handelt - um eine Basis-Investition, an der auf Dauer kein ernsthafter Anleger vorbei kommt. Man muss das Ganze langfristig sehen, also "kaufen" und "halten". Im Übrigen haben wir uns stets an die strengen Regeln der Börsenaufsicht gehalten. Für einige überhastete und, zugegeben, beschönigende Ad-Hoc-Mitteilungen haben wir die gesetzlich festgesetzten Bußgelder gezahlt. Das kam unterm Strich billiger - eine Mischkalkulation, sozusagen. Von der zumindest zeitweise kursstabilisierenden Wirkung, die wir für Gewinnmitnahmen nutzten, profitierten natürlich auch unsere Aktionäre, zumindest zeitweise.
1st_Baseman: Herr Pomadini, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.