News - 11.05.07 15:19
ROUNDUP 2: ThyssenKrupp sieht sich mit Strategie auf Kurs und hebt Ziele an
(Neu: Details zu US-Stahlwerk; Aktienkurs)
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - In der laufenden Konsolidierung der Stahlbranche sieht sich der Industriekonzern ThyssenKrupp mit seiner Strategie eines Wachstums aus eigener Kraft auf Kurs. Der Düsseldorfer Konzern hob am Freitag nicht nur seine Ziele für dieses Jahr an, sondern zeigte sich auch darüber hinaus optimistischer als bisher. Für das neue Stahlwerk in den USA, auf dem nach der gescheiterten Übernahme des kanadischen Stahlwerkes Dofasco viele Hoffnungen von Deutschlands größtem Stahlkocher ruhen, gab der Aufsichtsrat grünes Licht und segnete auch Investitionssumme von 3,1 Milliarden Euro ab.
ThyssenKrupp hatte im vergangenen Jahr vergeblich versucht, dem weltgrößten Stahlkocher Arcelor Mittal die kanadische Dofasco abzukaufen. Durch den Zukauf wollte der Konzern seine Stellung in Nordamerika stärken. Während die Stahlindustrie sich weltweit zusammenschließt und eine Fusion die andere jagt, verlässt sich ThyssenKrupp nun lieber auf eigene Kräfte. Das neue integrierte US-Werk für Edel- und Qualitätsstahl in Alabama soll 2010 den Betrieb aufnehmen. Es sei Herzstück der Strategie für die Segmente Steel und Stainless, die auf profitables Wachstum in Europa und Nordamerika ausgerichtet sei, sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz.
Die Zulieferung von Brammen wird aus dem neuen Werk in Brasilien erfolgen, in das ThyssenKrupp drei Milliarden Euro investiert und das 2009 die Produktion aufnimmt. 'Die Kombination aus Kosten- und Qualitätsführerschaft kann nur durch das neue Stahlwerk erreicht werden', betonte Schulz, der mit dem starken Fokus auf Qualitätsstahl den steigenden Importen von Billig-Stahl aus Ländern wie China, Russland oder Indien begegnen will. Mit dem neuen Projekt in Nordamerika wolle ThyssenKrupp an dem von Experten prognostizierten Wachstum für die NAFTA-Region teilhaben, sagte Schult. ThyssenKrupp werde aber zusätzlich die deutschen Standorte und den Marktauftritt in Europa mit Wachstumsinvestitionen von mehr als 700 Millionen Euro stärken.
HÖHERE PROGNOSEN
Von Zukäufen ist zunächst keine Rede mehr, obwohl in dem milliardenschweren Investitionsprogramm ursprünglich auch ein Teil für Akquisitionen vorgesehen war. 'ThyssenKrupp befindet sich in ausgezeichneter Verfassung und wird den eingeschlagenen Weg weiter fortsetzen', sagte Schulz. Er rechne in den kommenden Jahren dank des günstigen Marktumfelds mit steigenden Erträgen und mit positiven Ergebniseffekten aus dem Investitionsprogramm.
Bereits im laufenden Geschäftsjahr will das Unternehmen sein bislang mittelfristig angepeiltes Umsatzziel von 50 Milliarden Euro erreichen und einen bereinigten Vorsteuergewinn von 3,5 Milliarden Euro erzielen. Bislang waren nur bis zu 2,9 Milliarden Euro angepeilt, wovon ThyssenKrupp aber bereits mehr als zwei Drittel allein im ersten Halbjahr verdiente. Bis 2010 soll der Umsatz weiter auf rund 60 Milliarden Euro steigen, den bereinigten Vorsteuergewinn will ThyssenKrupp bis dahin nachhaltig auf vier Milliarden Euro steigern. Im Anschluss peilt der Konzern dann auch dank des neuen US-Werks einen Umsatz in der Größenordnung von 65 Milliarden Euro an. Der Vorsteuergewinn soll sich auf 4,5 bis 5,0 Milliarden Euro verbessern.
KARTELLSTRAFE VERHAGELT IM ZWEITEN QUARTAL DEN GEWINN
Im abgelaufenen zweiten Quartal musste der Konzern wegen einer Kartellstrafe im Fahrstuhlgeschäft einen Gewinneinbruch hinnehmen, blieb aber über den Markterwartungen. Die EU hatte im Februar gegen vier Fahrstuhlhersteller wegen illegaler Preisabsprachen ein Rekordbußgeld verhängt, wovon ThyssenKrupp der Löwenanteil in Höhe von knapp 480 Millionen Euro auferlegt wurde. Auch wenn ThyssenKrupp gegen die Strafe klagt, hinterlegten sie den Betrag im zweiten Jahresviertel vollständig.
Unter dem Strich sank der Gewinn daher um fast die Hälfte auf 244 (441) Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn sackte auf 572 (773) Millionen Euro ab, übertraf aber damit noch die Analystenerwartungen um rund viereinhalb Prozent. Ohne die Sonderbelastung stieg der Wert auf 1,052 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs um elf Prozent auf 13,1 Milliarden Euro, beim Auftragseingang verbuchte Thyssen ein Plus von neun Prozent. Der Konzern profitierte vor allem von der anhaltend hohen Stahlnachfrage, rechnet allerdings in der zweiten Jahreshälfte mit einer 'ruhigeren Entwicklung'.
AKTIE FÄLLT - GEWINNMITNAHMEN
Die Aktie von ThyssenKrupp verzeichnete am Freitag in einem schwachen Marktumfeld Verluste und setzte sich ans Ende des Leitindex DAX . Zuletzt lag das Papier gut zwei Prozent im Minus bei 40,50 Euro. Händler sprachen davon, dass die Anleger nach der guten Entwicklung der Aktie in letzter Zeit ihre Gewinne mitnehmen. Belastet wurde das Papier zusätzlich von einer Herabstufung durch die WestLB./sb/sk
Quelle: dpa-AFX
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DAX Performance-Index 7.479,34 +0,86% XETRA
THYSSENKRUPP AG Inhaber-Aktien o.N. 41,58 +0,51% XETRA
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News - 11.05.07 15:16
ANALYSE: HVB hebt ThyssenKrupp-Ziel auf 43 (38) Euro - 'Hold'
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die HVB hat das Kursziel von ThyssenKrupp nach Quartalszahlen von 38 auf 43 Euro angehoben und den Titel mit 'Hold' bestätigt. Die Zahlen des Stahlherstellers lagen über den eigenen Erwartungen und denen des Marktes, schreibt Analyst Christian Obst in einer Studie vom Freitag. Dennoch gebe es einige Risiken wie sinkende Preise für Edelstahl und ein möglicher Druck bei den Margen in der Fahrstuhl-Sparte. Trotz der starken Zahlen führe dies zu einer konservativeren Einschätzung des Analysten.
Für eine vorsichtigere Sicht auf die Aktie spreche auch die anhaltende Umstrukturierung der Automotive-Sparte. Zudem dämpfe der starke Anstieg der Investitionen den Free Cash Flow. Angesichts des starken ersten Quartals hebt Obst jedoch die Schätzungen für das laufende Geschäftsjahr an.
Eine Hold-Empfehlung der HVB wird ausgesprochen, wenn die erwartete Gesamtrendite in den nächsten 12 Monaten unter den Eigenkapitalkosten der Aktie liegt./chr/dr
Analysierendes Institut HypoVereinsbank.
Quelle: dpa-AFX
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