Machtkampf bei Merrill Lynch


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Nassie:

Machtkampf bei Merrill Lynch

 
05.08.03 22:45
Erbitterter Machtkampf bei Merrill Lynch
Rauswurf des Vizechefs markiert das Ende einer langen Freundschaft - Unstimmigkeiten über Nachfolger
New York  -  Über den abrupten Abgang der Nummer Zwei von Merrill Lynch, Thomas H. Patrick (60), werden immer mehr Details bekannt. Sie deuten auf einen langen Machtkampf zwischen dem Chef der Investmentbank, Stanley O'Neal (51), sowie dem Executive Vize Chairman Patrick hin. Am Ende des seit Wochen andauernden Gerangels unterlag die Nummer Zwei:Vor einer Woche musste er das Gebäude verlassen, zusammen mit seinen beiden Sekretärinnen sowie seinem Chauffeur. Der Computer des Bankers wurde ausgestöpselt, E-Mails gesichert. Selbst an Wall Street, wo harte Sitten zum Alltag gehören, sorgten die Umstände des Rauswurfs für Erstaunen.


Die vorzeitige Pensionierung Patricks - einem knallharten Sanierer - ist zugleich das Ende einer langen Freundschaft. Patrick war es, der O'Neal im Juli 2001 auf den Posten des Präsidenten und im Dezember 2002 auf das Amt des Chief Executive Officers (CEO) befördert hatte. Wochenlang soll Patrick die Mitglieder des Aufsichtsrats bearbeitet haben. O'Neal, einer von ganz wenigen Afro-Amerikanern in einer derartigen Position, hatte sich damals gegen drei Mitbewerber um die Nachfolge von David Komansky beworben.


Mit Hilfe Patricks gelang es O'Neal, sich im Aufsichtsrat der Bank durchzusetzen. Heute ist O'Neal sowohl CEO als auch Chairman und Präsident des größten Brokerhauses an Wall Street.


Doch mit der Hilfestellung O'Neals, so erscheint es heute, hat sich Patrick nicht zufrieden gegeben. Zunächst im Verborgenen, dann immer offener, wollte Patrick seinen engen Vertrauten, Arshad Zakaria (42), als künftigen CEO der Bank und damit als Nachfolger von O'Neal aufbauen. Zakaria, Sohn einer einflussreichen Familie aus dem indischen Bombay und Summa-Cum-Laude-Harvard-Absolvent, leitet derzeit die Investmentbank-Abteilung des Geldhauses sowie die Abteilung Global Markets.


Seit langem gilt Zakaria als Mann mit großen Ambitionen. Immer öfter hatte Patrick seinem CEO geraten, Zakaria als Nachfolger zu benennen. Doch erst vor zwei Wochen betonte O'Neal in einer internen Schaltkonferenz, dass es zu früh sei, schon jetzt einen Nachfolger zu küren. Schließlich sei er erst im Dezember CEO und im April Chairman geworden.


Heute erscheint es, als habe O'Neal die Notbremse gezogen. Und das, obwohl die Bank Patrick einiges verdankt: Er war es, der die Bank schon während der ausklingenden Boomphase vor drei Jahren mit Kostenkürzungen verschlankt hatte. Rund 24 000 Angestellte hatten in Folge des Sanierungskurses ihren Job verloren. An Wall Street war Patrick ebenso verhasst wie gefürchtet.


Während O'Neal im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand, leistete Patrick die Schmutzarbeit. Als die Märkte florierten und alle nur an Expansion dachten, war es Patrick, der vor Ausschweifungen warnte.


Die Beziehungen zwischen O'Neal und seinem einstigen Mentor hatten sich schon in den vergangenen Monaten abgekühlt. Der Merrill-Lynch-Chef vermutete, dass Patrick eine Kampagne eingeleitet habe, die das Ansehen des New Yorker Staatsanwaltes Eliot Spitzer schmälern sollte. Patrick soll einen TV-Produzenten in Chicago angeblich sogar 75 000 Dollar für einen Beitrag überwiesen haben, in dem Spitzer diskreditiert werden sollte.


Der Staatsanwalt hatte gegen sämtliche Banken ermittelt, weil er glaubte, ihre Analysten hätten Anleger in die Irre geführt. Während der Untersuchung kam heraus, dass ein Analyst von Merrill Lynch Aktien empfohlen hatte, die er privat als "Schrott" bezeichnete. Im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs hatte Merrill Lynch früher als die Konkurrenten 200 Mio. Dollar gezahlt.


Auch Spitzer selbst hatte in den vergangenen Tagen nachgeforscht, ob hinter der Zahlung an den Journalisten eine Kampagne stecke. Doch die Untersuchung ergab, dass Patrick kein Fehlverhalten vorzuwerfen war. Die Sendung wurde nicht produziert. In amerikanischen Bankkreisen wird nun über die Zukunft Arshad Zakarias spekuliert. "Wenn ein Mentor geht, ist es nicht unüblich, dass auch der Protege folgt", zitiert das Wall Street Journal einen Banker.  usa


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JoBar:

Dankbarkeit wie sie so unter Bankern üblich ist. o. T.

 
05.08.03 22:54
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