Roulette an der Börse: Chinas Investoren sind im Spielfieber. Aktien aus dem Zockerparadies Macau versprechen den schnellen Reichtum, Gewinne von mehreren hundert Prozent binnen weniger Wochen sind keine Seltenheit. Doch der Boom dürfte bald an seine Grenzen stoßen.
von Christian Lamprecht
Am Roulettetisch sein Glück zu suchen, auf diesen Gedanken ist Stanley Ho in seinem langen Leben noch nie gekommen. Das behauptet er zumindest. Ho, der ungekrönte Casinokönig aus der chinesischen Glücksspielenklave Macau, weiß schließlich: Am Ende gewinnt immer die Bank.
Bei seinen Landsleuten hat sich diese Erkenntnis allerdings noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Tagtäglich strömen tausende chinesische Touristen in die ehemalige portugiesische Kolonie vor den Toren Hongkongs, um sich an den einarmigen Banditen und Spieltischen der zahlreichen Casinos zu vergnügen.
Doch nicht allein die Kunden der Spielhöllen sind vergnügt. Auch die Anleger in den sogenannten Macau-Konzept-Unternehmen, die im nahegelegenen Hongkong an der Börse gelistet sind, haben Freude an der Entwicklung des Glücksspielgeschäfts. Eine Euphorie wie zu Zeiten der Internet-Spekulationsblase läßt mittlerweile auch Chinas wichtigsten Börsenplatz wie ein riesiges Casino (Paris: FR0000125585 - Nachrichten) erscheinen. Unternehmen, die in irgendeiner Form mit Macau in Verbindung zu bringen sind, begeistern Anleger mit enormen Kursgewinnen – teilweise binnen weniger Stunden. Fundamentale Daten spielen dabei jedoch meist keine Rolle.
Dabei ging es bis vor kurzem vor der Ruine der St. Pauls Kirche, dem Wahrzeichen Macaus, eher gemächlich zu. Doch inzwischen hat ein Bauboom ohnegleichen eingesetzt. Fast im Monatsrhythmus eröffnen neue Hotel- und Casinoanlagen. Gleichzeitig künden hunderte Kräne und Baugruben davon, was noch kommt. Ergebnis: Im zweiten Quartal betrug das Wirtschaftswachstum stolze 47,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Glücksspielsektor legte gar um 80,3 Prozent zu.
Die Ursachen dieser Entwicklung reichen weit zurück. Als die Portugiesen im Jahre 1516 auf der Insel landeten, nutzten sie den Standort als Handelshafen für ihre Geschäfte im asiatischen Raum. Im 19. Jahrhundert wurde das Glücksspiel auf den drei Inseln legalisiert. Doch erst, als die Portugiesen Macau 1999 an die Chinesen zurückgaben, waren die Voraussetzungen für den heutigen Boom geschaffen. Seither strömen täglich zehntausende spielversessene Chinesen in die Sonderverwaltungsregion. Zur Freude von Stanley Ho.
Der 83jährige ist der ungekrönte König von Macau. Der Sohn einer wohlhabenden Familie, die im Zuge der japanischen Invasion in Hongkong alles verlor, zog 1941 auf die Inseln. Nachdem er mit Handelsgeschäften zum Millionär aufgestiegen war, erwarb er 1962 mit zwei Partnern die einzige Lizenz zum Glücksspiel. Das damals gegründete Unternehmen STDM ist noch heute der größte Arbeitgeber Macaus. Zu Hos Konglomerat zählen unter anderem das legendäre Casino Lisboa, eine Fährflotte sowie Hotels, Kaufhäuser, eine Fluggesellschaft und die größte Bank Macaus. Bis zu zwei Drittel des Steueraufkommens, das in der Sonderverwaltungszone anfällt, wird von Hos Firmenimperium aufgebracht.
Im kommunistischen China ist Ho eine Ausnahmeerscheinung. Der 17fache Vater, der immer noch aktiv Tennis spielt und ein leidenschaftlicher Tänzer sein soll, wird seit Jahren in der vom US-Magazin "Forbes" veröffentlichten Liste der Superreichen angeführt. Aktuell rangiert Ho mit einem geschätzten Vermögen von 1,4 Milliarden Dollar auf Rang 406.
Mit der Liberalisierung des Glücksspiels gingen vier Jahrzehnte Alleinherrschaft zu Ende. Um für Wettbewerb zu sorgen, kündigte die Regierung 2001 Hos Monopol und vergab statt dessen vier neue Glücksspiellizenzen. Zwei davon sicherten sich die Spielmagnaten Steve Wynn und Sheldon Adelson aus Las Vegas, eine ging an Lui Chee-woos Galaxy Casino and Resort, die vierte verblieb in den Händen von Stanley Ho. Effektiv endete dessen Monopol erst im Mai, als Sheldon Adelsons neues Sands Casino die Tore öffnete. Damit war der eigentliche Startschuß für den Wahnsinn der letzten Monate gefallen.
Seither überschlagen sich an der Börse Hongkong die Ereignisse. So reichte allein das Gerücht, daß die Ruili Holding, eigentlich auf die Produktion von Elektronikartikeln und Spielzeug spezialisiert, in das Macau-Geschäft einsteigen wolle, um den Kurs der Aktie binnen zwei Wochen um 320 Prozent nach oben zu treiben. Nur ein Beispiel von vielen. Dabei stört es auch nicht, daß sich mittlerweile viele Unternehmen an den Macau-Boom hängen, die sich bislang wenig bis gar nicht im Hotel- und Glücksspielsektor hervorgetan haben. "Die Hausse nährt die Hausse", sagen sich offenbar viele Investoren. So hält Peter Churchhouse, Analyst bei LIM Advisors, die Kurskapriolen zwar für übertrieben, fügt jedoch hinzu: "Ich würde jetzt nicht aussteigen, das ist die Chance auf schnelle Gewinne."
Doch nicht immer geht die Rechnung der Spekulanten auf. Für einen handfesten Skandal sorgte ausgerechnet Ho selbst. Er hatte zunächst verkündet, sein privates Glücksspielgeschäft in das von ihm geführte Unternehmen Melco International Development zu überführen. Nach starkem Kursanstieg nahm er diese Aussage wieder zurück. Nun ermittelt die Börsenaufsicht. Händler fürchten bereits um den guten Ruf der Finanzmetropole Hongkong.
Für Ausländer ist der Hype ohnehin nur schwer zu durchschauen. Wer dennoch am chinesischen Glücksspiel-Hype mitverdienen will, ist gut beraten, auf etablierte Firmen zu setzen. Kaum verwunderlich, daß an dieser Stelle wieder der Name Stanley Ho zu nennen ist. Sein jüngster Coup: Mitte November kündigte das australische Glücksspielunternehmen Publishing and Broadcasting Ltd (PBL) ein Joint Venture mit Hos Melco an, um den US-Magnaten Wynn und Adelson mit einem Hotel- und Casino-Komplex Paroli zu bieten.
Die Investitionen von 163 Millionen Euro für das von PBL und Melco geplante Park Hyatt Hotel sollen laut einer Studie der Deutschen Bank (Xetra: 514000.DE - Nachrichten - Forum) bereits innerhalb von zwei Jahren wieder eingespielt werden. Derartige Nachrichten halten die Investoren bei Laune und sorgen für weitere Umdrehungen des Glücksrads an der Hongkonger Börse. Analysten prophezeien zudem gute Chancen auf dem Immobilienmarkt. Obwohl sich die Preise innerhalb des vergangenen Jahres bereits verdoppelt haben, sieht Ronald Cheung Yat-fai, Direktor bei Midland Realty, gute Chancen für einen weiteren Anstieg: "Der Bau zusätzlicher Hotels und der daraus folgende Zustrom an Arbeitskräften schafft Potential für weitere 20 Prozent."
Entsprechend kündigte Shun Tak Holdings vergangene Woche den Bau weiterer Hotels und Wohnungen für umgerechnet 433 Millionen Euro an. Dazu wurde bereits das Areal neben dem alles überragenden 338 Meter hohen Macau Tower aufgekauft.
Warnende Stimmen, die ein Überangebot an Hotels und Casinos prophezeien, verhallen derzeit noch ungehört. Dabei ist klar: Das Wachstum Macaus kann nicht ewig so weiter gehen, früher oder später wird es zu drastischen Gewinneinbrüchen und Firmenpleiten kommen. So wandte sich erst kürzlich ein gewisser Dr. Wise in einer Zeitungskolumne an die Investoren. Der Mann, der verblüffende Ähnlichkeit zum Präsidenten der SFC aufweist, verkündete unter der Überschrift "Ein Tag in Macau": "Jeder möchte gerne an der Party teilnehmen… aber man sollte zumindest wissen, was man kauft!"
Ich tippe, Macau Success könnte für 2005 sehr interessant werden.
Eine Hotel-Casino Anlage mit vielen Shoppingmöglichkeiten bzw. kulturelle Angebote, direkt im inneren Hafen von Macau klingt verlockend.
von Christian Lamprecht
Am Roulettetisch sein Glück zu suchen, auf diesen Gedanken ist Stanley Ho in seinem langen Leben noch nie gekommen. Das behauptet er zumindest. Ho, der ungekrönte Casinokönig aus der chinesischen Glücksspielenklave Macau, weiß schließlich: Am Ende gewinnt immer die Bank.
Bei seinen Landsleuten hat sich diese Erkenntnis allerdings noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Tagtäglich strömen tausende chinesische Touristen in die ehemalige portugiesische Kolonie vor den Toren Hongkongs, um sich an den einarmigen Banditen und Spieltischen der zahlreichen Casinos zu vergnügen.
Doch nicht allein die Kunden der Spielhöllen sind vergnügt. Auch die Anleger in den sogenannten Macau-Konzept-Unternehmen, die im nahegelegenen Hongkong an der Börse gelistet sind, haben Freude an der Entwicklung des Glücksspielgeschäfts. Eine Euphorie wie zu Zeiten der Internet-Spekulationsblase läßt mittlerweile auch Chinas wichtigsten Börsenplatz wie ein riesiges Casino (Paris: FR0000125585 - Nachrichten) erscheinen. Unternehmen, die in irgendeiner Form mit Macau in Verbindung zu bringen sind, begeistern Anleger mit enormen Kursgewinnen – teilweise binnen weniger Stunden. Fundamentale Daten spielen dabei jedoch meist keine Rolle.
Dabei ging es bis vor kurzem vor der Ruine der St. Pauls Kirche, dem Wahrzeichen Macaus, eher gemächlich zu. Doch inzwischen hat ein Bauboom ohnegleichen eingesetzt. Fast im Monatsrhythmus eröffnen neue Hotel- und Casinoanlagen. Gleichzeitig künden hunderte Kräne und Baugruben davon, was noch kommt. Ergebnis: Im zweiten Quartal betrug das Wirtschaftswachstum stolze 47,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Glücksspielsektor legte gar um 80,3 Prozent zu.
Die Ursachen dieser Entwicklung reichen weit zurück. Als die Portugiesen im Jahre 1516 auf der Insel landeten, nutzten sie den Standort als Handelshafen für ihre Geschäfte im asiatischen Raum. Im 19. Jahrhundert wurde das Glücksspiel auf den drei Inseln legalisiert. Doch erst, als die Portugiesen Macau 1999 an die Chinesen zurückgaben, waren die Voraussetzungen für den heutigen Boom geschaffen. Seither strömen täglich zehntausende spielversessene Chinesen in die Sonderverwaltungsregion. Zur Freude von Stanley Ho.
Der 83jährige ist der ungekrönte König von Macau. Der Sohn einer wohlhabenden Familie, die im Zuge der japanischen Invasion in Hongkong alles verlor, zog 1941 auf die Inseln. Nachdem er mit Handelsgeschäften zum Millionär aufgestiegen war, erwarb er 1962 mit zwei Partnern die einzige Lizenz zum Glücksspiel. Das damals gegründete Unternehmen STDM ist noch heute der größte Arbeitgeber Macaus. Zu Hos Konglomerat zählen unter anderem das legendäre Casino Lisboa, eine Fährflotte sowie Hotels, Kaufhäuser, eine Fluggesellschaft und die größte Bank Macaus. Bis zu zwei Drittel des Steueraufkommens, das in der Sonderverwaltungszone anfällt, wird von Hos Firmenimperium aufgebracht.
Im kommunistischen China ist Ho eine Ausnahmeerscheinung. Der 17fache Vater, der immer noch aktiv Tennis spielt und ein leidenschaftlicher Tänzer sein soll, wird seit Jahren in der vom US-Magazin "Forbes" veröffentlichten Liste der Superreichen angeführt. Aktuell rangiert Ho mit einem geschätzten Vermögen von 1,4 Milliarden Dollar auf Rang 406.
Mit der Liberalisierung des Glücksspiels gingen vier Jahrzehnte Alleinherrschaft zu Ende. Um für Wettbewerb zu sorgen, kündigte die Regierung 2001 Hos Monopol und vergab statt dessen vier neue Glücksspiellizenzen. Zwei davon sicherten sich die Spielmagnaten Steve Wynn und Sheldon Adelson aus Las Vegas, eine ging an Lui Chee-woos Galaxy Casino and Resort, die vierte verblieb in den Händen von Stanley Ho. Effektiv endete dessen Monopol erst im Mai, als Sheldon Adelsons neues Sands Casino die Tore öffnete. Damit war der eigentliche Startschuß für den Wahnsinn der letzten Monate gefallen.
Seither überschlagen sich an der Börse Hongkong die Ereignisse. So reichte allein das Gerücht, daß die Ruili Holding, eigentlich auf die Produktion von Elektronikartikeln und Spielzeug spezialisiert, in das Macau-Geschäft einsteigen wolle, um den Kurs der Aktie binnen zwei Wochen um 320 Prozent nach oben zu treiben. Nur ein Beispiel von vielen. Dabei stört es auch nicht, daß sich mittlerweile viele Unternehmen an den Macau-Boom hängen, die sich bislang wenig bis gar nicht im Hotel- und Glücksspielsektor hervorgetan haben. "Die Hausse nährt die Hausse", sagen sich offenbar viele Investoren. So hält Peter Churchhouse, Analyst bei LIM Advisors, die Kurskapriolen zwar für übertrieben, fügt jedoch hinzu: "Ich würde jetzt nicht aussteigen, das ist die Chance auf schnelle Gewinne."
Doch nicht immer geht die Rechnung der Spekulanten auf. Für einen handfesten Skandal sorgte ausgerechnet Ho selbst. Er hatte zunächst verkündet, sein privates Glücksspielgeschäft in das von ihm geführte Unternehmen Melco International Development zu überführen. Nach starkem Kursanstieg nahm er diese Aussage wieder zurück. Nun ermittelt die Börsenaufsicht. Händler fürchten bereits um den guten Ruf der Finanzmetropole Hongkong.
Für Ausländer ist der Hype ohnehin nur schwer zu durchschauen. Wer dennoch am chinesischen Glücksspiel-Hype mitverdienen will, ist gut beraten, auf etablierte Firmen zu setzen. Kaum verwunderlich, daß an dieser Stelle wieder der Name Stanley Ho zu nennen ist. Sein jüngster Coup: Mitte November kündigte das australische Glücksspielunternehmen Publishing and Broadcasting Ltd (PBL) ein Joint Venture mit Hos Melco an, um den US-Magnaten Wynn und Adelson mit einem Hotel- und Casino-Komplex Paroli zu bieten.
Die Investitionen von 163 Millionen Euro für das von PBL und Melco geplante Park Hyatt Hotel sollen laut einer Studie der Deutschen Bank (Xetra: 514000.DE - Nachrichten - Forum) bereits innerhalb von zwei Jahren wieder eingespielt werden. Derartige Nachrichten halten die Investoren bei Laune und sorgen für weitere Umdrehungen des Glücksrads an der Hongkonger Börse. Analysten prophezeien zudem gute Chancen auf dem Immobilienmarkt. Obwohl sich die Preise innerhalb des vergangenen Jahres bereits verdoppelt haben, sieht Ronald Cheung Yat-fai, Direktor bei Midland Realty, gute Chancen für einen weiteren Anstieg: "Der Bau zusätzlicher Hotels und der daraus folgende Zustrom an Arbeitskräften schafft Potential für weitere 20 Prozent."
Entsprechend kündigte Shun Tak Holdings vergangene Woche den Bau weiterer Hotels und Wohnungen für umgerechnet 433 Millionen Euro an. Dazu wurde bereits das Areal neben dem alles überragenden 338 Meter hohen Macau Tower aufgekauft.
Warnende Stimmen, die ein Überangebot an Hotels und Casinos prophezeien, verhallen derzeit noch ungehört. Dabei ist klar: Das Wachstum Macaus kann nicht ewig so weiter gehen, früher oder später wird es zu drastischen Gewinneinbrüchen und Firmenpleiten kommen. So wandte sich erst kürzlich ein gewisser Dr. Wise in einer Zeitungskolumne an die Investoren. Der Mann, der verblüffende Ähnlichkeit zum Präsidenten der SFC aufweist, verkündete unter der Überschrift "Ein Tag in Macau": "Jeder möchte gerne an der Party teilnehmen… aber man sollte zumindest wissen, was man kauft!"
Ich tippe, Macau Success könnte für 2005 sehr interessant werden.
Eine Hotel-Casino Anlage mit vielen Shoppingmöglichkeiten bzw. kulturelle Angebote, direkt im inneren Hafen von Macau klingt verlockend.