Jahrelange Schuldenwirtschaft brachte den verschwiegenen Medienkonzern in eine fast ausweglose Lage. Kirchs Verbindlichkeiten betragen nun fast sechs Milliarden Euro. Von Klaus Boldt
Seit geraumer Zeit schon darf gerätselt werden, ob es Dr. rer. pol. Leo Kirch (75) nicht ziemlich dreckig geht: Unter all den Schulden, die den Münchener Medienunternehmer nachgerade verschütten, verbirgt sich doch mit Sicherheit nicht nur wirtschaftliches, sondern wohl auch wachsendes soziales Elend, oder?
Das besorgte Publikum irrt: Leo Kirch machte diese Last in Wahrheit nie etwas aus. Spieler sind so.
Mag der Milliardensassa auch in unerforschte Dimensionen des Misswirtschaftens vorgestoßen sein - ihn quälen andere Sorgen: Seine Zuckerkrankheit peinigt ihn; er ist fast blind. Verträge, die er schließt, müssen ihm Vertraute vorlesen. Im Jahr 2000 bekam er Bypässe; neulich erst wurden ihm mehrere Zehen amputiert.
Doch wie ein Alter am Daddelautomaten in der Bahnhofskneipe hängt Kirch der Zocker-Philosophie an: Der Gewinn ist mir wurscht, solange ich mir den Einsatz pumpen kann.
Kirchs Kalamitäten:
Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 6 Milliarden Euro.
Milliardenverluste beim Pay-TV Premiere.
Verkaufsoptionen der Anteilseigner Rupert Murdoch (Premiere) und Axel Springer Verlag (Pro Sieben Sat 1 Media), die für Kirch kaum finanzierbar sind.
Gewinnrückgang im Kerngeschäft.
Klagen von Programmlieferanten (Universal, Paramount Pictures) wegen Zahlungsrückständen.
Drastischer Kursverfall der Aktie der Pro Sieben Sat 1 Media AG.
Kein schöner Anblick. Aber irgendwie mag man ihn. Irgendwie gehört Dr. Kirch einfach dazu.
Gewichtige Helfer haben den gottesfürchtigen Mann bislang zuverlässig vor dem Ruin bewahrt und ihm stets höflich salutiert: die Kumpel aus der Münchener Staatskanzlei, die Manager der HypoVereinsbank und der Bayerischen Landesbank und der DG Bank und der Deutschen Bank und der Dresdner Bank und so weiter.
Nach heutigem Kenntnisstand freilich kann den Altmeister der Heimlichtuerei nur ein Mirakel größten Ausmaßes retten. Mit Kirchs Unternehmungen in ihrer jetzigen Form geht es zu Ende: Tochterfirmen leiden schwer unter Rezession und Werbekrise, alte Kredite laufen aus, neue lassen sich kaum ergattern.
Nur, wer könnte das Wunder vollbringen? Die Drähte Kirchs ins Kanzleramt baumeln lose, seit Freund Helmut Kohl dort nicht mehr waltet. Und unter Kirchs Höflingen verfügt keiner über jene stechende Raffinesse, die Joachim Theye auszeichnete, den besten Berater, den Kirch je hatte.
Kanzlerkandidat Edmund Stoiber sucht neue Medienfreunde. Seine Wahlkämpfer fürchten, dass die Bayerische Landesbank, Kirchs größter Gläubiger, in eine Megapleite verwickelt werden könnte.
Gute Kontakte, ob zur Welt der Banken oder der Politik, würden ohnehin nicht mehr viel nützen. Knapp sechs Milliarden Euro ist Kirchs Schuldenkonto schwer; die Verpflichtungen insgesamt, meldet ein Aufsichtsrat, liegen bei über neun Milliarden.
Die Dresdner Bank verlängerte ein Darlehen erst in letzter Minute um drei Monate bis April. Und auch die Deutsche Bank macht Kummer: Zwar hat sie ihre Kredite durch die Springer-Beteiligung (Wert: rund 1,7 Milliarden Euro) komfortabel abgedeckt. Doch im Mai tritt Josef Ackermann die Institutsleitung an. Und der gilt als Kirch-Skeptiker.
Das Kerngeschäft der Gruppe, die Kirch Media (Umsatz 2000: 3,3 Milliarden Euro), in der Rechtehandel und Fernsehen gebündelt sind, rutschte im dritten Quartal 2001 in die roten Zahlen; weitere Abschreibungen auf Filmvermögen belasten das Jahresergebnis. Schulden: 2,2 Milliarden Euro.
Quelle: manager-magazin
Seit geraumer Zeit schon darf gerätselt werden, ob es Dr. rer. pol. Leo Kirch (75) nicht ziemlich dreckig geht: Unter all den Schulden, die den Münchener Medienunternehmer nachgerade verschütten, verbirgt sich doch mit Sicherheit nicht nur wirtschaftliches, sondern wohl auch wachsendes soziales Elend, oder?
Das besorgte Publikum irrt: Leo Kirch machte diese Last in Wahrheit nie etwas aus. Spieler sind so.
Mag der Milliardensassa auch in unerforschte Dimensionen des Misswirtschaftens vorgestoßen sein - ihn quälen andere Sorgen: Seine Zuckerkrankheit peinigt ihn; er ist fast blind. Verträge, die er schließt, müssen ihm Vertraute vorlesen. Im Jahr 2000 bekam er Bypässe; neulich erst wurden ihm mehrere Zehen amputiert.
Doch wie ein Alter am Daddelautomaten in der Bahnhofskneipe hängt Kirch der Zocker-Philosophie an: Der Gewinn ist mir wurscht, solange ich mir den Einsatz pumpen kann.
Kirchs Kalamitäten:
Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 6 Milliarden Euro.
Milliardenverluste beim Pay-TV Premiere.
Verkaufsoptionen der Anteilseigner Rupert Murdoch (Premiere) und Axel Springer Verlag (Pro Sieben Sat 1 Media), die für Kirch kaum finanzierbar sind.
Gewinnrückgang im Kerngeschäft.
Klagen von Programmlieferanten (Universal, Paramount Pictures) wegen Zahlungsrückständen.
Drastischer Kursverfall der Aktie der Pro Sieben Sat 1 Media AG.
Kein schöner Anblick. Aber irgendwie mag man ihn. Irgendwie gehört Dr. Kirch einfach dazu.
Gewichtige Helfer haben den gottesfürchtigen Mann bislang zuverlässig vor dem Ruin bewahrt und ihm stets höflich salutiert: die Kumpel aus der Münchener Staatskanzlei, die Manager der HypoVereinsbank und der Bayerischen Landesbank und der DG Bank und der Deutschen Bank und der Dresdner Bank und so weiter.
Nach heutigem Kenntnisstand freilich kann den Altmeister der Heimlichtuerei nur ein Mirakel größten Ausmaßes retten. Mit Kirchs Unternehmungen in ihrer jetzigen Form geht es zu Ende: Tochterfirmen leiden schwer unter Rezession und Werbekrise, alte Kredite laufen aus, neue lassen sich kaum ergattern.
Nur, wer könnte das Wunder vollbringen? Die Drähte Kirchs ins Kanzleramt baumeln lose, seit Freund Helmut Kohl dort nicht mehr waltet. Und unter Kirchs Höflingen verfügt keiner über jene stechende Raffinesse, die Joachim Theye auszeichnete, den besten Berater, den Kirch je hatte.
Kanzlerkandidat Edmund Stoiber sucht neue Medienfreunde. Seine Wahlkämpfer fürchten, dass die Bayerische Landesbank, Kirchs größter Gläubiger, in eine Megapleite verwickelt werden könnte.
Gute Kontakte, ob zur Welt der Banken oder der Politik, würden ohnehin nicht mehr viel nützen. Knapp sechs Milliarden Euro ist Kirchs Schuldenkonto schwer; die Verpflichtungen insgesamt, meldet ein Aufsichtsrat, liegen bei über neun Milliarden.
Die Dresdner Bank verlängerte ein Darlehen erst in letzter Minute um drei Monate bis April. Und auch die Deutsche Bank macht Kummer: Zwar hat sie ihre Kredite durch die Springer-Beteiligung (Wert: rund 1,7 Milliarden Euro) komfortabel abgedeckt. Doch im Mai tritt Josef Ackermann die Institutsleitung an. Und der gilt als Kirch-Skeptiker.
Das Kerngeschäft der Gruppe, die Kirch Media (Umsatz 2000: 3,3 Milliarden Euro), in der Rechtehandel und Fernsehen gebündelt sind, rutschte im dritten Quartal 2001 in die roten Zahlen; weitere Abschreibungen auf Filmvermögen belasten das Jahresergebnis. Schulden: 2,2 Milliarden Euro.
Quelle: manager-magazin