Luxusautos zu Schnäppchenpreisen


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Nassie:

Luxusautos zu Schnäppchenpreisen

 
14.01.04 11:21
Luxuslimousinen zu Dumpingpreisen

Der niedrige Dollar-Kurs bringt den Finanzabteilungen der deutschen Automobilkonzerne zunehmend Probleme. Schnäpchenjäger können bei Oberklasse-Autos 30.000 Euro und mehr sparen, wenn sie jenseits des Atlantiks einkaufen.



Mercedes M-Klasse: Bis zu 19.000 Euro billiger
Hamburg - Drei Jahre Durststrecke sind zu Ende. Die Autoindustrie verzeichnete im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2000 wieder wachsende Zulassungszahlen, doch so recht freuen will sich darüber keiner der deutschen Autobosse. Der schwache Dollar verhagelt ihnen das Geschäft im Ausland. Auf dem wichtigen und hart umkämpften US-Markt lassen sich die Preise nicht mehr viel weiter nach oben schrauben. Übrig bleibt deshalb, wenn überhaupt, nur noch ein sehr geringer Gewinn.
Das ist aber nicht das einzige Problem: Nach Einschätzung des Experten für Automobilwirtschaft, Ferdinand Dudenhöffer, könnte das Preisgefälle zwischen Deutschland und den USA vor allem bei Fahrzeugen der Oberklasse zu einer Flut von Reimporten führen. "Bleibt der Dollar-Kurs in den nächsten zwölf Monaten auf seinem niedrigen Niveau, müssen die Exklusivhersteller durch eine Reimportwelle mit einer Schädigung ihrer Importeurs- und Vertriebsnetze in Europa rechnen", schreibt Dudenhöffer in einer jüngst veröffentlichen Studie des Prognoseinstituts B&D-Forecast. "Die USA haben sich zu einem Einkaufsparadies für Exklusiv-Fahrzeuge entwickelt."



Bentley Continental: 26.000 Euro billiger
Die von der EU-Kommission umgesetzte Liberalisierung des Automobilhandels in Europa verschaffe den Händlern zusätzlichen Spielraum, um das Preisgefälle durch Reimporte zu nutzen.

Besonders kritisch könnte sich dies für den Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche auswirken. Porsche besitzt als einziger deutscher Hersteller keine eigene Fertigung in den USA, kann also die Schwankungen von Dollar und Euro nicht durch eine Anpassung der Produktionszahlen hie oder da abfedern.



Rolls-Royce Phantom: Eklatantes Preisgefälle
Die Folge ist ein eklatantes Preisgefälle. So kostet etwa ein Cayenne Turbo in den USA knapp 21.000 Euro weniger als in Deutschland. Ein Porsche 911 Turbo ist sogar gut 24.000 Euro billiger zu haben.
Den Porsche-Händlern bleibe unter solchen Bedingungen nur die Chance, am Hersteller vorbei selbst in den USA einzukaufen oder zuzuschauen, wie freie Importeure das Geschäft machten. Nach Schätzung von Dudenhöffer werden wohl zehn bis 15 Prozent aller US-Porsche wieder auf dem europäischen Markt auftauchen. Das wären 3000 bis 5000 Fahrzeuge, die dem Stuttgarter Sportwagen-Hersteller die Margen verderben.



Porsche Carrera GT: Extras müssen gesondert bestellt werden
Bei Porsche ist man von der Studie des Auto-Ökonomen nicht begeistert. Die Rechnung, die Dudenhöffer aufmache, sei unseriös, erklärte Porsche-Sprecher Christian Dau gegenüber der "Financial Times Deutschland". "Nach unseren Berechnungen ergibt sich beim Cayenne Turbo ein Preisvorteil von 9000 Euro auf der Grundlage eines Kurses von 1,27 Doillar je Euro", sagt Dau. Dieser Summe stünden allerdings Kosten von 6000 bis 7000 Euro gegenüber, um das Fahrzeug aus den USA nach Deutschland zu bringen, es zu versteuern, zu verzollen und vom TÜV abnehmen zu lassen.
Sein Preisrechnung, erwidert dagegen Dudenhöffer, bewege sich sogar eher am unteren Rand der Möglichkeiten. Denn in den Beispielsrechnungen seien Preise für die auf dem US-Markt üblichen zusätzlichen Goodies, wie etwa Ledersitze oder elektrische Helferlein noch nicht berücksichtigt. Amerikaner aber kauften keine Autos, bei denen Klimaanlage, Automatik und andere Extras gesondert bestellt werden müssten. "Die Rechnung ist nicht ganz einfach, aber im Hochpreissegment kommen da gut und gerne noch ein paar Tausend Euro zusammen", sagte der Experte gegenüber SPIEGEL ONLINE.



Der Jaguar XJ Aluminium: Schnäppchenjäger in Übersee
Die B&D-Studie vergleicht die Preise in Europa und in den USA für eine Reihe von Luxusfahrzeugen. Die Preisunterschiede bewegen sich im Bereich von gut 10.000 bis zu mehr als 85.000 Euro. Spitzenreiter sind neben dem Supersportwagen Carrera GT von Porsche (rund 60.000 Euro) Rolls Royce (85.000 Euro) und Bentley (26.000 Euro) auch der Über-Volkswagen Phaeton mit Zwölfzylinder-Motor, bei dem man einen Preisvorteil in Höhe von fast 30.000 Euro erzielen kann.
Eine Chance bleibe den Herstellern aber noch, sagt Dudenhöffer: Viele Modelle - etwa Dieselfahrzeuge -, die den Geschmack der Deutschen träfen, stießen bei den Amerikanern auf wenig Gegenliebe und umgekehrt. Die beste Strategie zur Vermeidung von Einbußen durch das Amerika-Geschäft sei also die genaue Fokussierung auf die einzelnen Märkte.




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