FIT FOR 55:
"Klimaschutz im Luftverkehr kostet"
Luftfahrtbranche verlangt Fairness bei Umsetzung der Vorschläge der EU-Klimaziele. Flugtickets werden wohl teurer werden.
vom 15.07.2021, 13:37 Uhr | Update: 15.07.2021, 16:26 Uhr
Der Energiebedarf beim Starten ist besonders hoch.
- © REUTERS , Bazuki Muhammad/
Der Energiebedarf beim Starten ist besonders hoch.
© REUTERS , Bazuki Muhammad/
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Für den Klimaschutz dürften Flugtickets in Europa auf absehbare Zeit teurer werden. Mit ihrem Paket "Fit for 55" hat die EU-Kommission auch für den Luftverkehr Instrumente vorgeschlagen, die zunächst für erhebliche zusätzliche Lasten sorgen. Verschärfter Emissionshandel, eine neue innereuropäische Kerosinsteuer sowie Mindestquoten für nachhaltige Treibstoffe würden für die Fluggesellschaften zusätzliche Milliardenkosten bedeuten, die sie an ihre Kunden weitergeben müssten. "Mehr Ambition beim Klimaschutz im Luftverkehr kostet, das ist klar", hatte Lufthansa-Stratege Kay Lindemann schon vor den Brüsseler Klimaschutzvorschlägen erklärt.
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Klimaneutralität
Die Luftverkehrslobby hat sich das Ziel der Klimaneutralität längst auf die eigenen Fahnen geschrieben. Doch bei der konkreten Ausgestaltung gibt es viel Kritik an den Vorschlägen der Kommission, beispielsweise vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Emissionshandel und eine innereuropäische Kerosinsteuer belasteten einseitig die europäischen Netzwerkgesellschaften wie Air France und Lufthansa, klagt der Verband. Die starke Konkurrenz aus der Türkei und vom Golf werde bestenfalls für den kurzen Zubringerflug zur Kasse gebeten.
Europäischer Green Deal: Website der EU-Kommission zum Thema
Die mögliche Folge: Umsteige-Fernflüge würden wegen der Kostenvorteile und ohne Rücksicht auf die Klimabilanz auf außereuropäische Drehkreuze verlagert. In Frankfurt, Amsterdam und Paris gingen Arbeitsplätze bei Fluggesellschaften wie Flughäfen verloren.
Emissionsfreie Flieger
Von Lufthansa-Chef Carsten Spohr stammt das Bonmot, dass der letzte Liter Erdöl wahrscheinlich in einer Flugzeug-Turbine verbrannt werde. Zu hoch ist der Energiebedarf der schweren Jets beim Start, als dass bereits heute ausreichend Ersatz für die extrem energiedichten fossilen Brennstoffe existierte. Zwar arbeiten weltweit Start-ups und etablierte Hersteller an zunächst hybriden und später auch vollelektrischen Flugzeugen. Airbus will 2035 das erste emissionsfreie, mit Wasserstoff betriebene Passagierflugzeug marktreif haben, doch auch zu diesem Zeitpunkt werden noch herkömmliche Flugzeuge mit 30 Jahren Betriebsdauer neu in den Dienst gestellt werden.
www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/...rkehr-kostet.html