In Lufthansa bin ich schon lange, also seit Jahren, nicht mehr investiert. Dies liegt nicht nur an den Unwägbarkeiten des Geschäfts von Fluggesellschaften an sich, sondern auch generell daran, dass ich inzwischen in erster Linie passiv und langfristig investiere. Von daher beschäftige ich mich auch nicht mehr im Detail mit dem Unternehmen. Das als Warnung vorneweg.
Ich bin relativ optimistisch was die Coronakrise insgesamt angeht. Allerdings ist die Situation für die Fluggesellschaften in dieser Krise ist eine andere als für viele andere Unternehmen, vielleicht zu vergleichen mit der Situation der Banken bei der Finanzkrise 2008/2009. Die Fluggesellschaften haben bereits jetzt dramatische Einnahmeverluste, während die Ausgaben nur teilweise reduziert werden können. Es wird also massiv Geld verbrannt. Außerdem ist nicht klar, wie schnell der Flugverkehr wieder zur Normalität zurück finden wird, und ob er das überhaupt je tun wird. Ich halte es für vorstellbar, dass dies über längere Zeit eben nicht passiert. Von daher ist die Kursentwicklung nachvollziehbar.
Ich glaube nicht, dass man Lufthanse wird pleitegehen lassen. Es ist aber wichtig für die Investierten zu verstehen, dass dies nicht gleich bedeutend damit ist, dass die Aktionäre keine massiven Verluste zu tragen haben. Eine Rettung eines Unternehmens kann nämlich auch bedeuten, dass die Altaktionäre durch Verwässerung herausgedrängt werden, wie es in der Finanzkrise bei einigen Banken passiert ist. Das kann dann auch fast einem Totalverlust gleichkommen. Ich spreche aus leidvoller Erfahrung.
Es kann natürlich auch alles gutgehen, und man kann seinen Einsatz hier vervielfachen. Das hielte ich dann aber für ein Glücksspiel. Früher habe ich solche Spekulationsgeschäfte gerade mit Lufthansa häufiger gemacht; man konnte dort mehrmals bei 8-10 Euro rein und bei um 18-22 Euro wieder raus. Aber wie gesagt: Das waren andere Krisen. 2001 war ich noch nicht dabei; damals hatte man sich nach den Terroranschlägen sicher auch grundsätzliche Fragen zum Luftverkehr gestellt. Damals ging's bekanntlich gut.
Mein Schlussfolgerung aus vielen Jahren Börsenerfahrung ist jedoch eine andere: Dass Markt-Timing und Stock-Picking nichts für mich ist (und ich würde behaupten: für die meisten anderen auch nicht), und dass man mit einer langfristigen, passiven Strategie besser fährt.
Ich wünsche euch allen gute Nerven und ein gutes Händchen, und denkt mal über eure langfristige Strategie nach.