Samstag, 15.08.2020, 00:11
Nach Jan Marsalek, dem früheren Vorstand des Dax-Wunders Wirecard, wird weltweit gefahndet. Neue Enthüllungen zeigen, wie sich Politiker, Geheimdienstler und Militärs von seiner Machtgier verführen ließen
Das Restaurant Kä - fer an der Münchner Prinzregentenstraße ist Besuch gewohnt, der auf Diskretion setzt. Konzernbosse sprechen hier über Millionendeals, Fußballmanager über Nationalkicker, die sie an die Isar locken wollen. Aber die illustre Herrenrunde, die an jenem Aprilabend 2017 durch die Seitentür in eine der abgeschotteten Stuben verschwand, war sogar hier etwas Besonderes. Und das nicht nur, weil dem Hauptgast der exquisite Wein des Lokals nicht genügte.
Eine unbedeutende Münchner Stiftung hatte den französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy zum Dinner geladen. Allerdings sprengte der Wein-Wunsch des ehemaligen Staatschefs das Budget der Stiftung. Ein Bekannter Sarkozys sprang gerne ein: Jan Marsalek, damals Wirecard-Vorstand, bezahlte den edlen Tropfen. Vom außergewöhnlichen Geschmack konnten sich im Laufe des Abends auch die gut zwanzig anderen Gäste überzeugen, darunter Bayerns einstiger Landesvater Edmund Stoiber, Österreichs Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel und der frühere tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg. Mit an der Tafel saßen zudem hochrangige Militärs wie Angela Merkels einstiger militärpolitischer Berater Erich Vad und Brigadier Gustav Gustenau, österreichischer Offizier und einer der wichtigsten Sicherheitsexperten seines Landes.
So spektakulär die Runde auch war, heute verschwindet die Erinnerung an das Treffen meist im Nebel des Vergessens. Marsalek? Keine Ahnung. Ach ja, er hat einen Toast auf Sarkozy ausgebracht. Dieser habe dann eine Viertelstunde über europäische Sicherheit referiert.
www.focus.de/magazin/archiv/...erk-des-jan-m_id_12292524.html