Die 3 Komponenten zur Rettung der Banken wirken nicht harmonisch.
Führt die Änderung der Bilanzierungsregeln zu fehlenden Verkäufern?
www.ftd.de/meinung/kommentare/...-der-Kreditklemme/504128.html
Die Regierung Obama stützt sich auf drei zentrale Ansätze: einen einheitlichen Stresstest für alle Großbanken, das von Finanzminister Timothy Geithnervorgeschlagene Public-Private Investment Program (PPIP) und eine Änderung der Bilanzierungsregeln. Es ist jedoch keineswegs ausgemacht, dass sich diese drei Komponenten zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen werden.
Beginnen wir mit dem Stresstest. Unter der Federführung von Notenbank und Aufsichtsbehörden müssen sich alle US-Banken mit einem Bilanzvolumen von mehr als 100 Mrd. $ bis Ende April hinsichtlich ihrer Aktiva einem einheitlich definierten makroökonomischen Stresstest unterziehen.
Der Vorteil eines solchen Vorgehens ist, dass sofort auffällt, wenn eine Bank etwa für ihre Aktiva deutlich geringere Ausfallraten ansetzen würde als die Wettbewerber und so die Ergebnisse schönt.
Allerdings stimmt eines skeptisch: Die zu testenden Szenarien sind von ihrer zeitlichen Dimension (zwei Jahre) sowie der Annahmen etwa für den Arbeitsmarkt eher weicher gehalten, als es sonst üblich ist. So liegen bereits die derzeitigen Konjunkturdaten ziemlich exakt auf den Niveaus, die das schlechtere der zu testenden Szenarien zugrunde legt.
Es ist also nicht auszuschließen, dass es die politische Intention hinter der Kriterienfestlegung war, dem US-Bankensektor ein offizielles Gesundheitsattest auszustellen. Dieser Eindruck wird dadurch bestärkt, dass nach Presseberichten keine einzige Bank den Stresstest mit negativem Ergebnis abgeschlossen hat.
Das Public-Private Investment Program (PPIP) hat die offiziellen Ziele, die Preistransparenz und die Liquidität für toxische Wertpapiere und Kredite zu verbessern sowie die Bilanzen der Kreditinstitute zu entlasten. Die US-Banken sollen dadurch ihr Neukreditvolumen ausweiten können. Die Konstruktion des PPIP ist verhältnismäßig komplex. Im Endeffekt sorgt der Staat über die Vehikel von Kreditgarantien und Risikoübernahme dafür, dass der Gegenwartswert der Zahlungsströme aus den Kreditpools steigt - und damit natürlich auch die Zahlungsbereitschaft der als Abnehmer vorgesehenen Privatinvestoren. Die so realisierten höheren Preise bei einem Verkauf schränken dann die Verluste des Verkäufers gegenüber dem aktuellen Buchwert ein.
Ein oft - etwa von den Ökonomen Paul Krugman oder Joseph Stiglitz - vorgebrachter Kritikpunkt ist, dass der Steuerzahler beim PPIP über den Tisch gezogen wird. Dieses Risiko ist nicht von der Hand zu weisen, auch wenn die Einlagensicherung über die Einzelfallfestlegung einen Hebel auf das Risiko der Allgemeinheit hat.
Aus unserer Sicht deutlich schwerwiegender könnte sein, dass trotz aller Finanzierungshebel auf der Abnehmerseite möglicherweise gar keine Verkäufer vorhanden sind. In den letzten 15 Monaten erzielten Auktionen für Kredite aus insolventen Banken im Durchschnitt Preise von 56 Cent auf 1 $ Nennwert. In bestimmten Kreditkategorien waren es sogar nur 32 Cent.
In den Büchern der Banken ist die Bewertung jedoch teilweise wesentlich höher, weshalb sie derzeit auch nicht freiwillig verkaufen. Es existiert kein Markt, weil beide Seiten nicht zueinanderfinden.
Das Konsistenzproblem der US-Politik ist nun, dass zwar der Stresstest auf der Bankenseite und das PPIP auf der Käuferseite einen Markt entstehen lassen könnten. Die Änderung der Bewertungsrichtlinien ermöglicht es aber den Banken gleichzeitig, ihre Verluste zu verschleiern und die Papiere doch lieber zu behalten.
Führt die Änderung der Bilanzierungsregeln zu fehlenden Verkäufern?
www.ftd.de/meinung/kommentare/...-der-Kreditklemme/504128.html
Die Regierung Obama stützt sich auf drei zentrale Ansätze: einen einheitlichen Stresstest für alle Großbanken, das von Finanzminister Timothy Geithnervorgeschlagene Public-Private Investment Program (PPIP) und eine Änderung der Bilanzierungsregeln. Es ist jedoch keineswegs ausgemacht, dass sich diese drei Komponenten zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen werden.
Beginnen wir mit dem Stresstest. Unter der Federführung von Notenbank und Aufsichtsbehörden müssen sich alle US-Banken mit einem Bilanzvolumen von mehr als 100 Mrd. $ bis Ende April hinsichtlich ihrer Aktiva einem einheitlich definierten makroökonomischen Stresstest unterziehen.
Der Vorteil eines solchen Vorgehens ist, dass sofort auffällt, wenn eine Bank etwa für ihre Aktiva deutlich geringere Ausfallraten ansetzen würde als die Wettbewerber und so die Ergebnisse schönt.
Allerdings stimmt eines skeptisch: Die zu testenden Szenarien sind von ihrer zeitlichen Dimension (zwei Jahre) sowie der Annahmen etwa für den Arbeitsmarkt eher weicher gehalten, als es sonst üblich ist. So liegen bereits die derzeitigen Konjunkturdaten ziemlich exakt auf den Niveaus, die das schlechtere der zu testenden Szenarien zugrunde legt.
Es ist also nicht auszuschließen, dass es die politische Intention hinter der Kriterienfestlegung war, dem US-Bankensektor ein offizielles Gesundheitsattest auszustellen. Dieser Eindruck wird dadurch bestärkt, dass nach Presseberichten keine einzige Bank den Stresstest mit negativem Ergebnis abgeschlossen hat.
Das Public-Private Investment Program (PPIP) hat die offiziellen Ziele, die Preistransparenz und die Liquidität für toxische Wertpapiere und Kredite zu verbessern sowie die Bilanzen der Kreditinstitute zu entlasten. Die US-Banken sollen dadurch ihr Neukreditvolumen ausweiten können. Die Konstruktion des PPIP ist verhältnismäßig komplex. Im Endeffekt sorgt der Staat über die Vehikel von Kreditgarantien und Risikoübernahme dafür, dass der Gegenwartswert der Zahlungsströme aus den Kreditpools steigt - und damit natürlich auch die Zahlungsbereitschaft der als Abnehmer vorgesehenen Privatinvestoren. Die so realisierten höheren Preise bei einem Verkauf schränken dann die Verluste des Verkäufers gegenüber dem aktuellen Buchwert ein.
Ein oft - etwa von den Ökonomen Paul Krugman oder Joseph Stiglitz - vorgebrachter Kritikpunkt ist, dass der Steuerzahler beim PPIP über den Tisch gezogen wird. Dieses Risiko ist nicht von der Hand zu weisen, auch wenn die Einlagensicherung über die Einzelfallfestlegung einen Hebel auf das Risiko der Allgemeinheit hat.
Aus unserer Sicht deutlich schwerwiegender könnte sein, dass trotz aller Finanzierungshebel auf der Abnehmerseite möglicherweise gar keine Verkäufer vorhanden sind. In den letzten 15 Monaten erzielten Auktionen für Kredite aus insolventen Banken im Durchschnitt Preise von 56 Cent auf 1 $ Nennwert. In bestimmten Kreditkategorien waren es sogar nur 32 Cent.
In den Büchern der Banken ist die Bewertung jedoch teilweise wesentlich höher, weshalb sie derzeit auch nicht freiwillig verkaufen. Es existiert kein Markt, weil beide Seiten nicht zueinanderfinden.
Das Konsistenzproblem der US-Politik ist nun, dass zwar der Stresstest auf der Bankenseite und das PPIP auf der Käuferseite einen Markt entstehen lassen könnten. Die Änderung der Bewertungsrichtlinien ermöglicht es aber den Banken gleichzeitig, ihre Verluste zu verschleiern und die Papiere doch lieber zu behalten.