Spekulationen über Finanznot Leo Kirchs
Die Dresdner Bank soll auf der Rückzahlung eines Kredits bestehen und Kirch damit in Bedrängnis bringen.
Die Dresdner Bank hat nach Angaben aus Finanzkreisen von der Münchener Kirch-Gruppe die Rückzahlung eines Kredits über 900 Millionen DM gefordert.
„Der Kredit ist bereits fällig. Die Dresdner Bank verlangt die Rückzahlung und ist nicht an einer Verlängerung interessiert“, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus den Kreisen.
Sowohl die mittlerweile zum Allianz-Konzern gehörende Dresdner Bank als auch die Kirch-Gruppe gaben am Dienstag keinen Kommentar zu der Kreditverpflichtung ab.
Analysten sagten, sie gingen davon aus, dass die hochverschuldete Kirch-Gruppe in Bedrängnis geraten wird, falls mehrere Banken in den nächsten Monaten die Rückzahlung von Krediten forderten.
Murdoch dementiert Übernahmepläne
Aus Kirch-nahen Kreisen hatte es am Wochenende geheißen, Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp wolle die Gläubigerbanken der Kirch-Gruppe zur Fälligstellung von Krediten bewegen, um die Kontrolle bei dem Münchener Konzern zu übernehmen.
Murdoch hat jedoch am Montagabend bestritten, dass er eine Übernahme der hoch verschuldeten KirchGruppe plant.
News Corp. arbeite lediglich mit dem deutschen Medienunternehmer zusammen, um ihre eigenen Aktivitäten in Deutschland zu verstärken, erklärte das Unternehmen in New York. Weitere Kommentare machte News Corp. zu dem Thema nicht.
Mehrere deutsche Zeitungen hatten in den vergangenen Tagen berichtet, dass Murdoch die Übernahme der KirchGruppe ins Auge fasse. News Corp. spiele derzeit eine aggressive Strategie durch, mit der die Kirch-Gruppe erst in weitere finanzielle Schwierigkeiten getrieben und dann geschluckt werden solle, berichtete am Freitag die Financial Times Deutschland.
Murdochs Druckmittel
Murdoch ist mit 22 Prozent an der KirchGruppe beteiligt. Nach einer Vereinbarung beider Seiten kann Murdoch verlangen, dass der Münchener Medienhändler ihm diesen Anteil ab Oktober kommenden Jahres wieder abkauft.
Dazu müsste Kirch der Zeitung zufolge rund zwei Milliarden Euro (3,9 Milliarden Mark) aufbringen. Sollte das Unternehmen die Forderung nicht erfüllen können, wäre demnach eine Übernahme der Kontrolle durch Murdoch möglich.
Zur KirchGruppe gehören die Fernsehsender Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 und der Nachrichtenkanal N24. Darüber hinaus betreibt Kirch mit Premiere World das einzige deutsche Bezahlfernsehen. Murdoch gehört unter anderem der britische Pay-TV-Kanal BSkyB.
Quelle:Süddeutsche Zeitung