Aus der FTD vom 8.8.2001
Leitartikel: Flaute auf weiten Strecken
Was sich im Luftfahrtmarkt abspielt, erinnert an die Geschichte von David und Goliath. Da ist auf der einen Seite die kleine Billig-Airline Ryanair, die aggressiv expandiert.
Auf der anderen Seite stehen die großen Fluglinien, die reihenweise Flüge streichen und Kapazitäten abbauen. Doch der Eindruck trügt. Die Kapazitätskürzungen der Großen haben wenig mit der Billigkonkurrenz zu tun.
Zwar haben der starke Anstieg der Passagiere bei der irischen Ryanair und der Rückgang von zahlungskräftigen Passagieren bei KLM, Lufthansa und British Airways zumindest teilweise die gleiche Ursache: die schwächelnde Konjunktur. In der Flaute sparen die Firmen zuerst an den Reisekosten. Mit weniger engen Terminplänen wird den Mitarbeitern zugemutet, statt Business-Class Economy zu fliegen - oder eben Billig-Airlines zu nutzen.
Doch das Problem der etablierten Fluglinien ist nicht in erster Linie der Passagierverlust an die billige Konkurrenz. Noch sind es vor allem die wenig zahlungskräftigen Touristen, die die günstigeren Angebote nutzen. Mehr Sorgen bereitet den Großen, dass auf Interkontinentalstrecken weniger Passagiere zu teuren Full-Fare-Tarifen fliegen. Damit aber hat die Billigkonkurrenz nichts zu tun, denn sie bedient nur innereuropäische Strecken.
Die Kapazitätskürzungen betreffen in erster Linie die Interkontinentalstrecken - und sind dort äußerst sinnvoll. Die Airlines senken damit nicht nur Kosten, sondern verhindern auch, dass es auf Grund von Überkapazitäten zum Preiskampf kommt.
Innereuropäisch dagegen auf die Billigkonkurrenz generell mit Niedrigpreisen zu reagieren, wäre unklug. Schon alleine wegen der hohen Startgebühren auf den City-nahen Flughäfen können die großen Airlines preislich nicht auf breiter Front mit den Billiganbietern konkurrieren. Und irgendwann wird auch die Konjunktur wieder anspringen. Dann werden Firmen ihre Mitarbeiter wieder mit Qualitäts-Fluggesellschaften fliegen lassen. Und wer dann seine Preise zu weit gesenkt hat, kann davon kaum mehr richtig profitieren.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Die New Economy zuckt" und "Blockade in Nordirland" in der FTD-Ausgabe vom 08.08.2001.
© 2001 Financial Times Deutschland
Leitartikel: Flaute auf weiten Strecken
Was sich im Luftfahrtmarkt abspielt, erinnert an die Geschichte von David und Goliath. Da ist auf der einen Seite die kleine Billig-Airline Ryanair, die aggressiv expandiert.
Auf der anderen Seite stehen die großen Fluglinien, die reihenweise Flüge streichen und Kapazitäten abbauen. Doch der Eindruck trügt. Die Kapazitätskürzungen der Großen haben wenig mit der Billigkonkurrenz zu tun.
Zwar haben der starke Anstieg der Passagiere bei der irischen Ryanair und der Rückgang von zahlungskräftigen Passagieren bei KLM, Lufthansa und British Airways zumindest teilweise die gleiche Ursache: die schwächelnde Konjunktur. In der Flaute sparen die Firmen zuerst an den Reisekosten. Mit weniger engen Terminplänen wird den Mitarbeitern zugemutet, statt Business-Class Economy zu fliegen - oder eben Billig-Airlines zu nutzen.
Doch das Problem der etablierten Fluglinien ist nicht in erster Linie der Passagierverlust an die billige Konkurrenz. Noch sind es vor allem die wenig zahlungskräftigen Touristen, die die günstigeren Angebote nutzen. Mehr Sorgen bereitet den Großen, dass auf Interkontinentalstrecken weniger Passagiere zu teuren Full-Fare-Tarifen fliegen. Damit aber hat die Billigkonkurrenz nichts zu tun, denn sie bedient nur innereuropäische Strecken.
Die Kapazitätskürzungen betreffen in erster Linie die Interkontinentalstrecken - und sind dort äußerst sinnvoll. Die Airlines senken damit nicht nur Kosten, sondern verhindern auch, dass es auf Grund von Überkapazitäten zum Preiskampf kommt.
Innereuropäisch dagegen auf die Billigkonkurrenz generell mit Niedrigpreisen zu reagieren, wäre unklug. Schon alleine wegen der hohen Startgebühren auf den City-nahen Flughäfen können die großen Airlines preislich nicht auf breiter Front mit den Billiganbietern konkurrieren. Und irgendwann wird auch die Konjunktur wieder anspringen. Dann werden Firmen ihre Mitarbeiter wieder mit Qualitäts-Fluggesellschaften fliegen lassen. Und wer dann seine Preise zu weit gesenkt hat, kann davon kaum mehr richtig profitieren.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Die New Economy zuckt" und "Blockade in Nordirland" in der FTD-Ausgabe vom 08.08.2001.
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