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01. August 2001

B E A T I N G   A B O U T   T H E   B U S H

Abstinenz hilft gegen alles!

Von Martin Kilian
George W. Bush im Retro-Rausch: Der US-Präsident probt den Rückschritt in die sittsamen fünfziger Jahre, freut sich auf den "suborbitalen Bomber" und schwört auf sexuelle Abstinenz als Lösung aller gesellschaftlichen Probleme. Doch vielleicht sollte die neue Enthaltsamkeit ganz woanders ansetzen...

 
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Retro-Politik für Fundi-Stimmen: Bush setzt auf Abstinenz

Die Retro-Politik von W. nimmt immer erstaunlichere Formen an. Weshalb ich übers Wochenende einem Friedhof in Berlin Mitte einen hastigen Kurzbesuch abstattete und das Grab von Georg Wilhelm Friedrich Hegel aufsuchte. Der heulte stets mit dem Weltgeist und fand, die Geschichte bewege sich - welch ein Trost! - stets weiter, alles werde besser, bis auch der Letzte einen Bugatti aus dem Hause Piëch fahren werde. George W. Bush sieht das anders. Er will den Weltgeist wieder zurück in die fünfziger Jahre zwingen. Vom Volks-Bugatti keine Spur, stattdessen ein Feldzug gegen Familienplanung und Empfängnisverhütung.

Meine Güte! Man kann nicht einmal ein Wochenende in Berlin bei Hegel verbringen, ohne nach der Landung in Washington von irgendeinem neuerlichen Hammer erschlagen zu werden. Nach diversen unliebsamen Verträgen und Umweltauflagen geht es nun den Kondomen ans Leder. Höchst suspekt sind sie der Libido-Verwaltung in Bushs Gesundheitsministerium. Man erschauert, dass es sie gibt und will sie nicht haben. Denn wer sie auspackt, ist drauf und dran, eine Unsittlichkeit der Extraklasse zu begehen.

So jedenfalls sieht das die Taliban-Fraktion unter Amerikas religiösen Fundis. Weil Bush diese heftig umwirbt, funktioniert er den Präser kurzerhand um: Aus dem Ding wird ein Schnuller, der die Fundis pazifizieren soll. Anatomisch besehen ein arger Missbrauch, aber was soll's - schließlich sind 2004 wieder Präsidentschaftswahlen, man braucht die rabiaten Gottesgläubigen. Statt eines Parisers empfiehlt die Washingtoner Triebkontrollbürokratie deshalb Abstinenz. Erstaunlich, nicht wahr?

Abstinenz hilft eben gegen alles: Aids, Teenager-Schwangerschaften, hohen Benzinverbrauch. Abgeklärt wie der späte Augustinus sollen amerikanische Teenager Lust und Triebwagen - den Rücksitz selbstverständlich inklusive - in der Garage lassen. Bei jeder amerikanischen Eheschließung wäre die Jungfräulichkeit nachweisbar, munter flatterten nach der Hochzeitsnacht auf den Balkonen die Bettücher von Wal-Mart in einer Brise grandioser Sittlichkeit.

Kondome fänden allenfalls noch bei den Streitkräften Verwendung; als bunte Attrappen im Weltall könnten sie Feindraketen auf sich ziehen und dadurch wichtiger Bestandteil der nationalen Raketenverteidigung werden. Gegen Bushs neu erwogenen "suborbitalen Bomber" blieben sie hingegen wirkungslos. Für die Abwehr von Präzisionsmunition aus einhundert Kilometer Höhe ist der Gummi schlicht zu dünn. Die Munition würde ihn glatt durchschlagen.

 
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Kann sich dank amerikanischer Überernährung bald in Sicherheit wiegen: Staatsfeind Ussama Ibn Ladin

Meine amerikanischen Freunde sind wegen der Abstinenzdebatte schon wieder vollkommen aus dem Häuschen; Kondome will der Chef nicht, ein "suborbitaler Bomber" aber kommt ihm gerade recht. Obwohl der "suborbitale Bomber" rein nichts gegen das HI-Virus ausrichten kann, der Präser hingegen als probates Mittel strategischer Kriegsführung taugt.

Die Abstinenzfrage sollte überdies raffinierter angegangen, ja womöglich ganz neu gestellt werden. Schon auf dem Flughafen in Washington fiel mir wieder unangenehm auf, wie fettleibig Amerika geworden ist. Rot und und pausbäckig kommt die Nation daher, sie platzt aus allen Nähten. Und nicht der Geschlechtsverkehr lädt überall ein, sondern Nahrung. Hier ein "Super-Schluck" von zwei Litern Coca-Cola, dort drei Pfund Rinderhack auf einer essbaren Festplatte, nebenan vier Kilo Zucker, liebevoll zu einem Donut verarbeitet.

Das und nicht Sex ist die wahre amerikanische Verlockung. Hier hieße es konsequent abstinent zu bleiben und mit vollem Munde nein zu sagen, wenn die Pasta-Portion beim Pseudo-Italiener um die Ecke ("Mama's Spaghetti Factory") derart über die Ufer tritt, dass sie bestenfalls mit einem XXL-Bagger abgetragen werden kann. Sie wissen schon, wie er beim Tagebau eingesetzt wird. Jede Menge Abstinenz wäre hier vonnöten.

Schließlich wird davon auch die nationale Sicherheit tangiert. Wer kann den "suborbitalen Bomber" fliegen, wenn alle Piloten 300 Kilo wiegen und nicht mehr in die Schleudersitze passen? Wer hingegen kopuliert ("Fit durch Fun") und mäßig speist, ist immer in der Lage, einen "suborbitalen Bomber" zu steuern. Oder durch Afghanistan zu robben und Ussama Ibn Ladin zur Strecke zu bringen. Mir scheint, dem Präsidenten Bush wird hier der Blick auf das Wesentliche, auf das Ding-an-sich, verstellt. Wahrscheinlich müsste er in Berlin mal richtig hegeln, um auf Tuchfühlung mit dem Weltgeist gehen.

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zombi17:

Melde dich mal , ich erreiche dich nicht o.T.

 
01.08.01 19:39
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