Läuten die Strategen die nächste Hausse ein?


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mothy:

Läuten die Strategen die nächste Hausse ein?

 
17.06.02 08:03
Aus der FTD vom 17.6.2002 www.ftd.de/kapital
Das Kapital: Läuten die Strategen die nächste Hausse ein?

Das traditionell schwache Quartal kommt erst, meint HSBC. Im Vergleich zu Renten sind Aktien jetzt bedingungslos billig, sagen Lehman Brothers. Beide haben Recht. Aber es kann nur eine Wahrheit geben.

Statistisch gesehen ist das dritte Quartal eindeutig am schwächsten, das erste und das vierte sind die besten. Das hat zum einen mit den Sommerferien zu tun, zum anderen mit dem Mangel an kursbewegenden Neuigkeiten. Dieses Jahr war allerdings das erste Quartal schon schwach, das zweite bisher düster. Lehman hat berechnet, dass die globalen Börsen nach den üblichen Bewertungsmodellen um 26 Prozent steigen könnten, wenn Rentenrenditen und Gewinnerwartungen unverändert bleiben würden. Die Unterbewertung ist danach ähnlich krass wie im Oktober 1998 und im September 2001, als sie bei 30 beziehungsweise 32 Prozent lag.

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In den USA könnten die Gewinnschätzungen um 19 Prozent fallen - und der Markt wäre immer noch fair bewertet. Selbst wenn Mitarbeiter-Optionen nunmehr als Gehaltskosten gezählt würden, was die Gewinne um rund 15 Prozent schmälerte, wären US-Aktien demnach noch billig. Die globale Industrieproduktion soll in einem Jahr allerdings um vier Prozent wachsen, glaubt Lehman. Wenn das stimmt, müssten die globalen Gewinnschätzungen empirisch gesehen um 13 Prozent steigen, statt nachzugeben. In diesem Fall notierten die Weltaktienmärkte Mitte 2003 mit einem KGV von nur 15,2.


Wenn die Strategen (auch nach HSBC ist der Markt billig) mit derartigen Killer-Argumenten kommen, ist zumindest eine MiniHausse meistens nicht fern. Selbst im laufenden Bärenmarkt ist das zweimal passiert. Allerdings gibt es Haken. Lehman selber sagt, dass es gemessen an den Fondszuflüssen noch keine Kapitulation gegeben hat, und erst danach wäre der Markt bereinigt. Auch emittieren die Firmen viele neue Aktien, um ihre Bilanzen zu reparieren; das zusätzliche Angebot aber begrenzt mögliche Kursgewinne. Derweil pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass die Versicherer große Pakete abstoßen, teilweise gezwungenermaßen.


Dazu reichen die Bewertungsmodelle meistens nur 10 bis 15 Jahre zurück, also in eine Zeit, in der die Börse überaus gut lief. Dass Aktien über lange Perioden schwächeln können, wird so verleugnet. In den USA hat es im 20. Jahrhundert drei Bärenmärkte gegeben, die im Schnitt 16 Jahre dauerten. Schließlich sehen Aktien nicht zuletzt wegen der sinkenden Zinsen optisch billig aus. Aber der Rentenmarkt signalisiert auch, dass mit der Wirtschaft etwas faul ist. Wegen der US-Ungleichgewichte und der japanischen Malaise ist das eindeutig der Fall. Der Bärenmarkt ist noch nicht vorbei, selbst wenn es im dritten Quartal brummt.

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