KURSSTURZ um 50 Prozent möglich


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KURSSTURZ um 50 Prozent möglich

 
25.02.02 06:12

Ein Risiko-Führer für die Aktienmärkte  


 
Einige der größten Gefahren für Investoren / Technologieaktien überbewertet  
 
Auch wenn viele Investment-Strategen für die zweite Jahreshälfte eine Erholung der Wirtschaft voraussagen: Es gibt immer noch genügend Unsicherheitsfaktoren auf den Aktienmärkten. Manche Investoren sind so nervös, dass sie Zuflucht in sicheren Anlageformen suchen. "Ich habe die Hälfte meines Vermögens in Goldaktien angelegt", sagt beispielsweise Hugh Hendry, ein Partner bei der Hedgefond-Gesellschaft Odey Asset Management in London. Wo lauern die größten Risiken für die Kapitalmärkte und wie kann man ihnen entgehen?

Problemfall Japan: Zurzeit schlittert das Land in eine ausgewachsene Rezession. "Mir macht Japan riesige Sorgen", sagt Alan Brown, oberster Investment-Manager bei State Street Global Advisors in London. Die Wirtschaft des Landes hat seit Jahren an Schwung verloren. Sollte diese Entwicklung anhalten, wird auch der Verfall der japanischen Währung nichts helfen: "Wenn der Yen fällt, heißt das nicht, dass die Nachfrage nach japanischen Gütern steigen wird", sagt Brown. Der Schwachpunkt ist vor allem das Finanzsystem des Landes. Nach offiziellen Schätzungen schieben die japanischen Banken rund 370 Milliarden Euro notleidender Kredite vor sich her. Wegen der Deflation und dem hohen öffentlichen Defizit, das bei sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts liegt, steht zudem zu befürchten, dass das Kredit-Rating des Landes gesenkt wird.

Doch nicht nur das Bankensystem müsste dringend reformiert werden, sondern auch die Versicherungsbranche. "Die Versicherungsbranche ist ein einziger Unfall, der nur darauf wartet, zu passieren", sagt Brown. Genau wie überall auf der Welt neigen japanische Versicherer dazu, große Summen in Regierungsanleihen anzulegen. Aber im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld sind auch diese nicht so sicher, wie sie es normalerweise sind. Die Agentur Moody's hat bereits eine Überprüfung ihrer Einschätzung angekündigt.

Eine Verschärfung der Krise in Japan hätte weit reichende Folgen auf die Aktienmärkte weltweit. "Der Rückfluss japanischen Vermögens würde vor allem Europa und die USA treffen", sagt Brown. Anleger sollten deshalb ihr Portfolio auf Unternehmen durchsehen, die intensive Geschäftsverbindungen nach Japan unterhalten.

Zu hohe Gewinnerwartungen: Technologie-Aktien und andere zyklische Papiere sind zwar gestiegen, weil die Investoren darauf setzen, dass die Wirtschaft wieder anzieht. Die Unternehmensgewinne müssten jedoch um 84 Prozent klettern, damit die Bewertung der Technologiewerte in den internationalen Indizes gerechtfertigt wären. Doch es sind nicht nur die High-Tech-Unternehmen, die überbewertet sind, sondern auch klassische zyklische Unternehmen wie der französische Stahlhersteller Pechiney oder BASF zum Beispiel. "Die Aktienpreise beinhalten bereits die Erwartung von Wachstum", sagt Paul Casson von Scottish Value Management. "Wahrscheinlich werden die Gewinne aber seitwärts tendieren." Hugh Hendry von Odey Asset Management sieht sogar die Gefahr, dass die Aktienkurse in diesem Jahr um 50 Prozent fallen. Anleger, die trotzdem in europäische Unternehmen investieren möchten, sollten statt Aktien Unternehmensanleihen kaufen.

Überschuldete Unternehmen: Einige schwer verschuldete europäische Firmen sind wahrscheinlich gezwungen, Bezugsrechte zu emittieren. Im ungünstigsten Fall müssen sie dies mit hohem Abschlag tun, was den Aktienpreis drückt. France Télécom gilt hier als einer der wahrscheinlichsten Kandidaten. Das Unternehmen sitzt auf 65 Milliarden Euro Schulden, und Investoren fürchten, dass auch die Kosten von 11,42 Millionen Euro für den UMTS-Ausbau des deutschen Partners Mobilcom an den Franzosen hängen bleiben. Auch die Deutsche Telekom und KPN aus den Niederlanden werden sich möglicherweise per Bezugsrechte finanzieren. Die Schulden drücken jedoch nicht nur Telekommunikations-Konzerne: Repsol YPF, die spanisch-argentinische Ölfirma, hat für YPF über 17 Milliarden Euro an den argentinischen Staat bezahlt. "Die Schulden des Unternehmens sind so hoch wie seine Marktkapitalisierung", sagt Casson.

Die Anleger sollten sich deshalb die Unternehmen genau anschauen und sich nicht nur darauf verlassen, was in den Bilanzen steht. Nützlich sind zum Beispiel Berichte an Kapitalmarkt-Aufsichtsbehörden oder auch Gespräche mit Renten-Analysten bei Investmentbanken. Bei France Télécom etwa zeigt näheres Hinsehen, dass das Unternehmen im März 49,7 Millionen Aktien von Vodafone zurückkaufen muss - für 100 Euro pro Stück, bei einem aktuellen Preis von 29 Euro. Casson: "Damit werden die Schulden von France Télékom um fast fünf Milliarden Euro steigen."

Verdeckte Risiken: Immer neue Enthüllungen zur Bilanzpolitik von Enron zeigen es: Kluge Anleger sollten auch die Folgen von Geschäftsstrategien sorgfältig abwägen. Hendry von Odey Asset Management sieht vor allem in der Versicherungsbranche Probleme; dort haben die Unternehmen fröhlich Produkte mit Garantie-Renditen verkauft. Als die Aktienpreise fielen, mussten sie immer riskantere Anleihen kaufen. Eine der Firmen, vor denen Anleger sich hüten sollten, so Hendry, sei die Versicherungsgruppe Swiss Life. Erst Ende Januar hat das Unternehmen eine Gewinnwarnung herausgegeben.

Die spanische Bank Santander Central Hispano hat 1,29 Milliarden Euro zurückgestellt, um die Verluste in Argentinien abzudecken. Da Banken mit hohen Fremdkapital-Anteilen arbeiten, könnte die Bank laut Hendry drei bis vier Mal das in Argentinien investierte Eigenkapital verlieren.

Politische Einflüsse: Auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich ist: Sollte die englische Regierung den Euro einführen, könnte das eine schlechte Nachricht für den dortigen Aktienmarkt sein. Fondsmanager fürchten, dass dann Mittel aus England ins Euroland abfließen, wodurch die Aktienkurse auf der Insel fallen würden.

Schließlich bleiben Terrorattacken ein großes Risiko für die Aktienmärkte weltweit. Einige Leute fürchten, dass die langfristigen Folgen eines weiteren Anschlags weit schlimmer wären als im September. Aber auch eine US-Militäraktion im Persischen Golf wäre schlecht für die Aktienmärkte. Die Anleger sollten deshalb in Branchen investieren, denen Krieg und Terror nützen, wie zum Beispiel Rüstungsunternehmen und Sicherheitsdienste.  
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