Die prozentuale Steigerungsrate für den US-Solarmarkt liest sich mit einem Wachstum von 109% zwar imposant, aber in absoluten Zahlen ist der 2011er Zubau von 1,8 GW bzw. das Wachstum von 0,8 GW eine Enttäuschung. Zum Vergleich: In Deutschland wurden alleine im Dezember 3 GW verbaut !!
Die USA hatte Ende 2011 insgesamt 3,9 GW an installierten PV. Deutschland hat mittlerweile 28 GW. Also fast das Siebenfache mehr und das verdeutlicht dann schon auch ein wenig, dass in Deutschland Solar viel zu hoch subventioniert wurde.
Für 2012 erwartet der amerikanische Solarverband SEIA einen Zubau von 2,8 GW.
Das ganz große Problem für Solarworld in den USA ist der nach wie vor niedrige und sehr schleppende Zubau bei kleinen privaten Aufdachanlagen. In 2011 wurden gerade mal 297 MW an kleinen Aufdachanlagen verbaut und somit gerade mal lächerliche 30 MW mehr wie in 2010. Genau hier liegt das Kernproblem von Solarworld in den USA und sonst nirgends.
Marktführer bei den privaten Aufdachanlagen ist übrigens Sunpower mit rd. 75 MW in 2011 gewesen. Solarworld dürfte im privaten Aufdachanlagengeschäft auf einen Marktanteil von etwa 15% kommen und das wären dann gerade mal so 45 MW in 2011 gewesen. Ist natürlich viel viel zu wenig um die US-Fabrik vernüftig auslasten zu können.
Wachstumstreiber im US-Solarmarkt waren die Großkraftwerke mit einem Zubau von 758 MW bzw. einem Wachstum von 350 MW gegenüber 2010. Insgesamt gab es im sogenannten Utility-Markt 28 neue Kraftwerke mit über 10 MW.
3 GW an Kraftwerken befinden sich derzeit im Bau, davon alleine fast 2 GW von First Solar (z.B. Topaz 550 MW, Sunlight 550 MW, Agua Caliente 290 MW, Copper Mountain 150 MW) und die werden voraussichtlich bis 2015 alle komplett am US-Stromnetz sein. Diese 3 GW Projekte kommen alle noch in den Genuss der Cash Grants und teilweise sind sie auch mit staatlichen Bürgschaften ausgestattet was zu deutlich niedrigeren Finanzierungskosten führt. Bürgschaften und Cash Grants als direkte Subvention gibt es seit Anfang 2012 nicht mehr und gegen eine Wiedereinführung haben die Republikaner gestern im US-Senat gestimmt. Jetzt gibt es als Subventionen "nur" noch die bei weitem nicht so lukrativen Tax Credits, wo man 30% der Investitionen von der Steuer abziehen kann.
Marktführer im US-Großkraftwerksbereich ist First Solar in 2011 mit rd. 250 MW gewesen was einen Marktanteil in diesem Segment von 33% entspricht.
Marktführer in den USA waren in 2011 im gesamten US-Solarmarkt nach meinen Schätzungen und Ableitungen der 2011er Zahlen die beiden US-Unternehmen Sunpower (in 2011 etwa 325 MW abgesetzt/Marktanteil von 17%) und First Solar (in 2011 etwa 300 MW abgesetzt/Marktanteil von 16%) und nicht Solarworld, obwohl Sunpower in den USA über gar keine Produktion verfügt und First Solar in den USA auch nur über Fertigungskapazitäten von 280 MW verfügt. Nr. 3 dürfte Suntech mit 300 MW gewesen sein (haben in den USA eine Modulfertigungskapazität von 90 MW) und danach dürften dann Trina Solar und Yingli mit einem Absatz von jeweils um die 250 MW kommen. Solarworld dürfte in den USA etwa 200 MW abgesetzt haben (Marktanteil ca. 11%) und weitere 50 bis 60 MW in Kanada.
Die von den Unternehmen angegebenen Absatzzahlen passen nicht ganz zu den Zubauzahlen für 2011, denn vor allem im Großkraftwerksbereich sind ja einige Projekte in 2011 noch gar nicht ans Stromnetz angeschlossen, aber die Module wurden schon ausgeliefert bzw. verbaut. Deshalb dürfte es einen Überhang von etwa 300 bis 400 MW gegenüber von der SEIA angegebenen 1.800 MW in 2011 gegeben haben. Ich habe bei den Marktanteilen mit 2.200 MW gerechnet.
In 2012 will First Solar insgesamt in Nordamerika (USA + Kanada) rd. 1 GW verbauen. Ist zwar recht anspruchsvoll was da First Solar vor hat, aber sie haben ja auch eine riesige Projektpipeline. Das wäre ein Marktanteil von etwa 30% im nordamerikanischen Solarmarkt !! Sunpower hat sich 500 MW in den USA für 2012 vorgenommen (etwa 18% an Marktanteile) und aufgrund großer Projekte (z.B. California Valley Solar Ranch mit 250 MW, Kontrakt über 36 MW mit der US-Armee, Stromabnahmeverträge über 711 MW mit der Southern California Edison abgeschlossen) sollte das Sunpower auch schaffen können.
Solarworld wird es in den USA weiterhin sehr schwer haben, auch wenn wirklich hohe Strafzölle gegen die China-Solaris kommen sollten (über 25%), denn an First Solar und Sunpower kommt Solarworld in den USA trotzdem nicht vorbei und das private Aufdachanlagengeschäft wird deshalb auch nicht gerade explodieren..Zölle hin oder her und somit drohen weitere Abschreibungen im US-Geschäft. Auch gut in den USA ist Sharp und die norwegische REC unterwegs. REC vor allem im kommerziellen Aufdachanlagengeschäft (z.B. bei IKEA oder Walmart).
Solarworld hat es komplett verschlafen ins Projektgeschäft einzusteigen wie man bei den US-Solarzubauzahlen richtig gut erkennen kann. Der Solarmarkt wird in den nöschten 2 Jahren im Kraftwerksbereich wachsen, in den USA, Asien oder Afrika, und nicht allzu sehr im Aufdachanlagengschäft. Diese Entwicklung hat der Asbeck meines Erachtens komplett falsch eingeschätzt.
Wenn der Asbeck es nicht schafft ins Projektgeschäft schnell und signifikant einzusteigen um so einen neuen großen Absatzkanal zu generieren, dann könnte es mehr als hochgefährlich werden für Solarworld. Die Chinesen wie Yingli oder Jinko Solar haben es Solarworld vorgemacht. Die sind im chinesischen Markt mittlerweile als Projektierer unterwegs und erzielen da nach Angaben von der Credit Suisse mittlerweile Bruttomargen von über 25%. So baut Jinko Solar in China PV-Kraftwerke mit Kosten von um die 1,80 $/W und verkauft sie dann für 2,30 $/W. Bei 150 MW, die Jinko in China in diesem Jahr bauen wird, sind das dann ein Gewinn von satten 75 Mio. $. Yingli wird in China wesentlich mehr im Projektgeschäft verbauen als Jinko (dürften so 700 bis 800 MW in diesem Jahr sein) und dann kann man sich selbst ausrechnen was Yingli im chinesischen Projektgeschäft verdienen wird in 2012. Könnte man fast als weitere Subventionen für die China-Solaris ansehen, aber die Bruttorenditen für große Solarkraftwerke in den USA, Italien und Deutachland bewegen sich ja auch im zweistelligen Proentbereich und recht nahe an 20%.
Erstaunlich sind aber immer noch die hohen PV-Systempreise in den USA. So lag der durchschnittliche PV-Systempreis in Q4 2011 für kleine Aufdachanlagen bei 6.180 $/kW. Bei uns in Deutschland liegt der um die 2.600 $/kW (1.950 €/kW). Irgendwie kann ich bei diesen sehr hohen amerikanischen PV-Systempreis absolut kein Dumping erkennen. Zumal die Systempreise für kleine Aufdachanlagen in 2011 gerade mal um 3,6% gesunken sind !!! Jedoch muss man bei den PV-Systemreisen beachten, dass in den USA kleine PV-Aufdachanlagen oft auch geleast werden und das macht den PV-Systempreis um einiges teurer.
Es scheint aber dennoch der Fall zu sein, dass die Großhändler bzw. Distributoren und die Solarteuere in den USA den großen Reibach machen und die Modulhersteller inkl. Solarworld schauen in die Röhre. Vielleicht klagt Solarworld bald auch gegen die US-Großhändler oder Solarteuere. Man weiß ja nie was der Asbeck so unkontrolliert treibt.
Seit Anfang 2010, also die letzten beiden Jahre, sind die Systempreise bei den kleinen, privaten Aufdachanlagen nur um 820 $/kW bzw. knapp 12% gesunken (von 7.000 $/kW auf 6.180 $/kW). Bei uns in Deutschland sind in den letzten zwei Jahren die Systempreise für kleine Aufdachanlagen um 30% bzw. 1.100 $/kW gefallen (von 3.700 $/kW auf 2.600 $/kW bzw. 2.800 €/kW auf 1.950 €/kW).
Wie geschrieben ich sehe im Geschäftsfeld der kleinen Aufdachanlagen in den USA bei diesen Systempreisen absolut kein Dumping. Um hier Dumping erkennen zu können braucht man schon sehr viel Fantasie.
Im Großkraftwerksbereich liegen die Systemkosten bei 3.200 $/kW und hier ist der Unterschied zum deutschen Systempreis für Großkraftwerke (2.150 $/kW bzw. 1.600 €/kW) interessanterweise bei weitem nicht so groß wie bei den kleineren Aufdachanlagen. Zudem sind die Systemkosten im Großkraftwerksbereich um 21% in 2011 in den USA gesunken. Liegen aber trotzdem in den USA um 49% höher wie bei uns in Deutschland. Kommt natürlich auch daher, weil in den USA Solar mit direkten Zuschüssen mittels Tax Credits subventioniert wird und nicht wie bei uns mit Einspeisegarantien auf 20 Jahre garantiert. Deshalb ist der Preisdruck in den USA bei den Systempreisen im Aufdachanlagengeschäft nicht so hoch wie bei uns.
Wer sich für den US-Solarmarkt interessiert, der sollte den 2011er Bericht über den US-Solarmarkt anschauen. Hier der Link dazu:
www.seia.org/galleries/pdf/SMI-YIR-2011-ES.pdf
("U.S.SOLAR MARKET INSIGHT REPORT | 2011 YEAR-IN-REVIEW | EXECUTIVE SUMMARY")