Der ganz große Gewinner des Jahres 2015 bei den Solaraktien war die bis in den Spätfrühling hinhein schon fast totgeschriebene SMA Solar mit einem Kursplus von 238% und hat sich damit mehr als verdreifacht.
Ohne Frage SMA ist wesentlich schneller wieder in die Spur gekommen als jeder gedacht hat:
- in Q3 lag die EBIT-Marge schon wieder bei ordentlichen 6,1% (Q1 und Q2 war sie negativ) und nach der neuen Umsatz- und EBIT-Guidance dürfte die EBIT-Marge in Q4 bei um die 8% liegen
- der 2015er Umsatz wird erheblich besser ausfallen wie vor 12 Monaten erwartet wurde. Jetzige Unternehmensumsatzguidance: 925 Mio. bis 975 Mio. € - vor 12 Monaten wurden lediglich 750 Mio. € erwartet
- trotz des Ende 2014 eingeleiteten und nicht gerade billigen Restrukturierungsprozess (Abbau von 1.600 Mitarbeiter/ein Drittel aller Beschäftigten) wird SMA in 2015 einen positiven Free Cash Flow > 50 Mio. € generieren
- SMA bleibt der absatzgrößte Wechselrichterhersteller mit um die 7 bis 8 GW an verkauften Wechselrichterleistung
- die sehr ehrgeizigen Ziele für das vor ca. 15 Monaten aufgelegte Kostensenkungsprogramm mit einer Senkung der Fixkosten von 40%, was einer Kostenersparnis von rd. 160 Mio. € im Jahr entspricht laut SMA, werden Ende Januar 2016 erreicht sein
- SMA hat es geschafft in allen großen Solarmärkten wieder richtig gut Fuss fassen zu können, vor allem in Indien und Japan. In den USA war SMA aber schon immer sehr gut positioniert
Das alles inkl. des geringen Aktien Free Floats von 25% hat die SMA-Aktien im Turnaround-Jahr toll nach oben getrieben.
Schaut man sich mal die aktuelle fundamentale Bewertung zu SMA an, dann ist SMA nicht mal großartig überbewertet obwohl sich der Kurs verdreifacht hat in den letzten 7 Monate, weil sich die massiven Kosteneinsparungen in diesem Jahr auswirken sollen, der Solarmarkt weiter schön wachsen wird in diesem Jahr im zweistelligen Prozentbereich und SMA mittlerweile in allen wichtigen Solarmärkten gut unterwegs ist.
Aktuell liegt das 2016er KGV bei 21 (2016 EPSe: 2,46 €), das cashbereinigte 2016er KGV bei 17 (Nettocash Ende 2016e: 349 Mio. € = 10,03 € je Aktie) und das 2016er KUV bei 1,7 (Umsatz 2016e: 1,066 Mrd. € -- + 10% gg. 2015). Für ein Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von sehr guten 47%, einer Nettocashposition von rd. 250 Mio. € zu Ende 2015 und einer guten Cash Flow-Generierung ist das gar nicht so hoch insofern SMA die durchschnittlichen Analystenschätzungen erreichen wird.
SMA hat im 2. Halbjahr eine wirklich überraschend gute und dynamische operative Entwicklung genommen und genau das könnte sich in 2016 fortsetzen was dazu führen könnte, dass die derzeitigen Erwartungen beim Umsatz mit 1,07 Mrd. € und einer EBIT-Marge von 11,5% überboten werden. Dann wäre die Aktie logischerweise billiger und genau diese operative Dynamik inkl. den Kosteneinsparungen bringt Fantasie mit und könnte der Aktie trotz der brillanten Kursperformance der letzten 7 Monate durchaus hilfreich sein. Jedoch haben alle Wechselrichterhersteller ein großes Problem, der Preisdruck ist sogar deutlich höher wie bei den Modulen und das macht natürlich die Prognosen/Schätzungen zu SMA alles andere als leicht.
An Nr. 2 nach der 2015er Kursentwicklung liegt mit dem kleinen bayrischen Projektierer Phoenix Solar eine ganz dicke Überraschung mit einem Kursplus von 177%. So ganz ergründen lässt es sich meines Erachtens nicht warum Phoenix Solar so super performt hat im abgelaufen Jahr. Wobei aber Phoenix Solar in Q3 endlich wieder geschafft hat in einem Quartal ein positives EBIT erzielen zu können (1,1 Mio. €) mit einem kleinen Nettoverlust von 0,15 Mio. € und in den ersten 9 Monaten 2015 konnte zudem auch ein positiver operativer Cashflow erreicht werden (2,3 Mio. €). Das heißt im Umkehrschluss, dass Phoenix Solar durch Kostensenkungen bei einem Jahresumsatz von um die 170 Mio. € wohl wieder auf EBIT-Basis schwarze Zahlen bringen kann und bei einem Jahresumsatz von um die 185 Mio. € könnte sogar der Sprung in die Nettogewinnzone gelingen. Ist aber bei einem kleinen Projektierer immer etwas schwierig abzuschätzen, aber trotz der für das kleine Unternehmen Phoenix Solar hohen jährlichen Zinsaufwendungen von 4 Mio. € scheint ein kleiner Nettogewinn in 2016 nach den Q3-Zahlen gar nicht mehr so unrealistisch zu sein.
Offenbar hat Phoenix Solar an den richtigen Stellschrauben angesetzt bei ihren Restrukturierungsmaßnahmen (Senkung der Personalkosten und der operativen Aufwendungen/Verkauf des deutschen Systemgeschäft) und sich vor allem auf die Wachstumsmärkte USA und Südostasien konzentriert. In den ersten 9 Monaten 2015 generierte Phoenix Solar 89% seiner Umsätze in den USA (73 Mio. €), 7% in Asien und nur noch 4% in Europa. Das zeigt, dass Phoenix den Schritt vor allem in die USA geschafft hat und normaleweise sollte davon Phoenix Solar in den nächsten Jahren profitieren können.
Die Unternehmensbilanz von Phoenix Solar sieht aber alles andere als gut aus mit einem negativen Eigenkapital von 8,7 Mio. €. Das schreit förmlich nach einer Kapitalerhöhung. Zumal Ende September 2016 Kredite über 39,7 Mio. € refinanziert werden müssen. Jedoch liegt das Eigenkapital nach HGB mit 7,5 Mio. € im positiven Terrain mit einer Eigenkapitalquote von 15%.
Ganz so schlecht wie vor 12 Monaten sieht es bei Phoenix Solar nicht mehr aus, das zeigen die Q3-Zahlen wie auch die hohen Umsätze in den USA, aber das Problem bei solch kleinen Projektierer ist halt, dass man oftmals von der Hand in den Mund leben muss (Auftragsbestand bei 85 Mio. € und somit hat Phoenix eine Sicht auf nur 6 Monate) und der Konkurrenzkampf ist recht hoch im alles anderen als hochmargigen EPC-Geschäft (Q3 EBIT-Marge bei 2,6%).
Ein paar ganz dicke Verlierer gab es in 2015 natürlich auch. Der größte Verlierer mit einem Minus von 93%, also quasi ein Totalverlust, war der kleine US-Solarteur RGS Energy, der sich von Kapitalerhöhung zu Kapitalerhöhung hangelt, denn sonst wäre RGS schon längst in der Insolvenz. Obwohl das kleine Aufdachanlagengeschäft in den USA richtig boomt (ca. 100% Wachstum gg. 2014 auf etwas über 2 GW) musste RGS einen Umsatzrückgang hinnehmen in den ersten 9 Monaten 2015 von 17 Mio. $ bzw. 30% und Gewinne hat RGS in ihrer Unternehmensgeschichte auch noch nie geschrieben.
Der zweitgrößte Verlierer mit Minus 86% war der kleine US-Hersteller von flexiblen und biegsamen Solar-"Modulen" Ascent Solar. Die große Preisfrage bei Ascent Solar ist die Technologie, denn ob es für die überhaupt jemals einen richtigen Absatzmarkt geben wird kann wohl derzeit keiner einschätzen. Bis jetzt sieht es nicht danach aus. Ascent Solar verbrennt wie schon die letzten Jahren richtig Geld. In den ersten 9 Monaten 2015 hat Ascent Solar 4,1 Mio. $ umgesetzt bei einem EBIT-Verlust von sage und schreibe 20,9 Mio. $. Aber bei Ascent Solar hat man immer noch Hoffnung, dass man z.B. mit den US-Streitkräften einen Deal aushandeln kann und dazu einen Investor findet, denn ohne einen neuen Investor dürfte Ascent Solar das Geld bald ausgehen.
Die Nr. 3 bei den Solarloseraktien 2015 ist die chinesische Yingli mit Minus 81%. Ist ohnehin ein Wunder dass es den ehemaligen größten Modul/Zellproduzent überhaupt noch an der Börse gibt. Wäre Yingli kein Chinese, dann wären die eh schon längst von der Börse verschwunden. Seit über 4 Jahren konnte Yingli keinen Quartalsgewinn mehr ausweisen (Q3 2011 war der letzte Quartalsgewinnausweis). Von 2011 bis 2014 hat Yingli zusammen 1,53 Mrd. $ an Verluste generiert (2011: 510 Mio. $/2012: 492 Mio. $/2013: 312 Mio. $/2014: 210 Mio. $) und in diesem Jahr werden es über 600 Mio. $ sein. Viel mehr Geld verbrennen geht nicht mehr.