Krieg, Dollarisierung und die neue Weltordnung


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DarkKnight:

Krieg, Dollarisierung und die neue Weltordnung

 
21.01.02 14:33
Bitte nur weiterlesen, wenn man WTC-Verschwörungstheorethiker ist. Sonst ist es Zeitvergeudung.

Aktienfazit des ganzen: Halliburton kaufen, ENI putten.


www.steinberg.populus.ch/rub/7


Mindestens bis 1998 kooperierten die afghanischen Taliban und die USA miteinander. Gemeinsam wollten sie an das turkmenische Erdgas gelangen mit einer Zwei-Milliarden- Dollar-Leitung über 1400 km durch Afghanistan hindurch, und in Pakistan bis zum Indischen Ozean. Hervé Kempf von Le Monde schreibt (21.10.01): Außer der texanischen Firma Unocal aus Houston und der saudi-arabischen Firma Delta waren auch eine japanische und eine koreanische Firma beteiligt. Das Gas sollte nicht in das von Rußland versorgte Europa gehen, sondern aus Asien Profit bringen, wo es dem englischen Guardian zufolge (23.10.2001) knapp ist. 15 Cents pro tausend Kubikfuß Gas (28 m³), also etwa einen Pfennig für die Durchleitung von Gas mit dem Brennwert von einem bis zwei Litern Rohöl sollten die Taliban bekommen. Bei angestrebten 50 Millionen Kubikmetern pro Tag wären das pro Jahr 180 Millionen DM für die Taliban gewesen.

Die texanische Unocal hatten zuvor den argentinischen Konkurrenten Bridas überrundet, dessen Klage von einem -texanischen - Gericht abgewehrt und dann dem amerikanischen Repräsentatenhaus erklärt, warum die Pipeline lebenswichtig sei für Amerika. Auf den Iran - ansich ein kurzer Weg ans Rote Meer und nach Asien - sei kein Verlaß. Außerdem ist der Iran Konkurrent der USA. Was schließlich Rußland anlangt: Die mittelasiatischen Länder gelte es von Rußland unabhängig zu machen für den freien Markt.

Aber 1998 stieg Unocal plötzlich aus, sei es, weil die Taliban noch einen zweiten Cent dazu haben wollten, sei es, weil den Taliban die Stationierung von 6000 GI's auf saudischem Boden nach dem Kuweit-Krieg tatsächlich gegen den Strich ging, wie Ossama Bin Laden in seiner Fernsehansprache aus Qatar nach dem 11. September versicherte. Etwas war jedenfalls schief gelaufen, und bald darauf, das schrieb die Neue Züricher Zeitung 30 Tage vor den Kerosin-Bomben auf das World Trade Center, ging für die USA noch mehr daneben im großen Gas- und Ölpoker ums Kaspische Meer. Die kasachischen Ölfelder um Tengiz waren zwar seit langem fest in der Hand der beiden US-Giganten Chevron und Mobil, aber den Russen gelang es, ein internationales Konsortium zu schmieden für eine Öl-Pipeline über russisches Gebiet nach Novorossisk am Schwarzen Meer. Das war für die Russen zentral, denn die tschetschenischen Taliban-Freunde hatten den Russen nach gescheiterten Preisverhandlungen über die Wegezollhöhe immer wieder die alte sowjetische Ölleitung, die sogenannte Nordroute von Baku ans Schwarze Meer, in Brand gesteckt. Außerdem ist eine kleinere Ölleitung von Baku nach Supsa am Schwarzen Meer in Betrieb, die nicht über Rußland läuft und auch das befreundete Armenien umgeht.

Außerdem war der russischen Gazprom zusammen mit dem italienischen Ölriesen Eni ein zweiter Coup gelungen: Der Bau einer Erdgasleitung von Rußland in bis zu 2000 m Tiefe durchs Schwarze Meer in die Türkei ist tatsächlich begonnen worden. So drohen die amerikanischen Leitungspläne einer Main Export Line für alles Kasachische Öl von Azerbeidschan über Georgien und die Türkei ans Mittelmeer unrentabel zu werden. In Georgien, nahe bei und auf möglichen Trassenführungen, hatten die Abchasen, die Adscharen und die Süd-Ossetier Kämpfe begonnen - und wurden von den Russen unterstützt. Azerbeidschan, Ausgangspunkt für alle transkaukasischen Leitungen, lag ja, man erinnert sich, über Nagorny-Karabach mit dem russisch orientierten Armenien allzu lange im Krieg. Das doch grad' immer da die Ethnien erwachen, wo das Öl plätschern soll!  

Und genau in dieser Situation, als den USA in Mittelasien die Felle wegschwimmen, fliegen am 11. September 2001 Hunderte Tonnen Erdölraffinade gegen die Twin Towers und die Festungsmauern des Pentagon. Ölindustrievertreter Bush und sein Putsch-Kumpan Cheney wissen, wo der Bartel den Most holt: zwischen Kaspischem Meer und Indischem Ozean. In Usbekistan würden fundamentalistische Täter hocken, so Bush in seiner großen Kriegsrede, aber vor allem in Afghanistan. Nun bomben sie und werden Stützpunkte errichten in Uzbekistan und Afghanistan, und kein argentinischer, iranischer oder fundamentalistischer Konkurrent, Wegelagerer oder Erpresser kann mehr die amerikanischen Konzerne am Pipeline-Bau hindern.

Vorgemacht haben das die USA schon vielfach. Zuletzt, ganz zuletzt auf dem Balkan. Vor einem Monat, die mazedonische Regierung war bereits vollständig unter den Freiheitsforderungen der taliban-infiltrieten UÇK eingeknickt, wurde mit dem Bau der AMBO-Pipeline begonnen: von Burgas in Bulgarien am Schwarzen Meer nach Vlorë an der albanischen Adria-Küste, quer durch den Teil Mazedoniens, der ans Kosovo grenzt. Im Kosovo steht inzwischen die amerikanische Festung Bondsteel, der größte US-amerikanische militärische Bau außerhalb der USA seit dem Vietnamkrieg. Die Festung schützt die Gegend. Sie wird auch die Pipeline schützen. Vizepräsidend Dick Cheney, schreibt die Chicago Tribune am 25. Oktober 2001, war vor Amtsantritt Generaldirektor der Firma Halliburton und ist bis heute deren Aktionär. Im Jahre 2000 erhielt die Halliburton-Tochter Brown & Root einen 180-Millionen-Dollar-Auftrag über die Versorgung der US-Truppen im Balkan. Die gleiche Vizepräsidentenfirma hat die Machbarkeitsstudie für den Pipeline-Bau quer durch Mazedonien gefertigt. Die Leitung soll über eine Milliarde Dollar kosten und 750 000 Barrel Rohöl pro Tag bewältigen: Das entsprecht der dauernden Versorgung von etwa 20 Millionen Autos mit Benzin. Laut emperor's clothes und der Schweizer Zeitschrift Zeit-Fragen liegt die Pipeline im Euro-Korridor Nummer 8. Dessen Ausbau konkurrierte lange mit dem Ausbau des Korridors von Constanta in Rumänien am Schwarzen Meer durchs Donau-Tal oder südlich parallel dazu nach Triest in Italien.

Doch dieser Konkurrent, von Eni und den anderen europäisachen Konzernen favorisiert, wurde mit dem Jugoslawienkrieg beseitigt: Vier Brücken liegen seit dem Jugoslawienkrieg im Donauwasser, statt es zu überspannen. An einen Aufbau ist nicht zu denken, denn mit Korridor 8 sind vorerst weitere Trassen unrentabel.

Das große Spiel um Erdgas und Öl kann weitergehen. Tomas Avenarius schreibt in der SZ vom 29.10.2001, zur weiteren Bombardierung Afghanistans bestünde keine Alternative. Das stimmt: Imperialisten müssen bomben, bomben, bomben - sonst geht ihnen das Öl aus, und dann sind sie keine mehr.

Thomas Immanuel Steinberg



"Ziel - des Afghanistan-Kriegs - ist keine kurzfristige wirtschaftliche Ausbeutung, wie viele der Linken meinen. Washington muß nicht Mittelasien dezimieren, um diese oder jene Bodenschätze in den Griff zu bekommen, beispielsweise Öllagerstätten, oder um eine Pipeline oder ein anderes Wirtschaftsprojekt durchzuziehen. Washington geht es um bei weitem größere Angelegenheiten. Die Ziele sind:

1) die Nationen der ehemaligen Sowjetunion sollen auf US-amerikanisch beherrschte Gebiete herabgestuft werden, außer Stande, ihre Schätze, ob Öl, Gold oder Wälder, Land oder Leute, oder auch Erdgas, zu schützen;
2) die Bedrohung auszuschließen, die die ehemaligen Sowjetrepubliken als eine mächtige politische und militärische Kraft dadurch entwickeln könnten, daß sie Washingtons Fähigkeit erschütttern, das gleiche auf der ganzen Welt zu machen."

Auszug aus:  

Washington Plots, Moscow Crawls, Kabul Burns
by Jared Israel [19 October 2001] Lien vers emperors-clothes.com/misc/burns.htm



Die (US-amerikanische) Regierung hat viele Gründe für diesen Krieg:

 Die Politik der imperialen Glaubwürdigkeit, die in Vietnam zu einem destruktiven Extrem geführt wurde. Ungefähr während der letzten fünf Jahre direkter US-Einwirkung dort war das Ziel nicht zu "siegen", sondern Vietnam so einen hohen Preis zahlen zu lassen, daß andere Nationen nicht mehr daran denken würden, den USA in die Quere zu kommen.

 Das Öl und das Erdgas Zentralasiens, dem nächsten Nahen Osten. Die Lage zwischen dem Kaspischen Becken und den riesigen Märkten in Japan, in China und dem indischen Subkontinent verleihen Afghanistan entscheidende Bedeutung. Ein US-amerikanisch beherrschter Vasallenstaat in Afghanistan, voraussichtlich unter dem über achzigjährigen früheren König Zahir Shah, verliehe US-amerikanischen Firmen Verfügung über diese Ressourcen. Wie im Nahen Osten streben die Vereinigten Staaten nicht danach, all diese Resourcen zu besitzen, aber sie wollen bestimmen, wie die Bohrlöcher und Pipelines entwickelt und benutzt werden.  

 Die Gelegenheit, ein stramm rechtes innenpolitisches Programm durchzuziehen. Krieg erleichtert die Ausweitung von polizeilicher Macht, die Einschränkung bürgerlicher Freiheiten und die Erhöhung des Rüstungshaushalts.

Dieser Krieg wird um die Ausweitung US-amerikanischer Macht geführt. Er hat wenig damit zu tun, daß die Terroristen vor Gericht gebracht werden, oder mit Rache... Wir sollten nicht die Gefühlsreaktionen der Öffentlichkeit mit den Handlungsgründen der Regierung verwechseln. Regierungen haben keine Gefühle.


Aus: "A War of Lies" von Rahul Mahajan and Robert Jensen. In: Counterpunch, October 8, 2001 Lien vers www.counterpunch.org/jensen7.html


Grundlegende Verschiebung

"Die Bush-Regierung hat offenbar ihre außen- und sicherheitspolitische Blickrichtung seit den Angriffen vom 11. September wesentlich verändert. Terrorismus bietet sich nicht nur als langfristiger Gegenstand politischer Strategie an, sondern liefert auch unbegrenzte Möglichkeiten, US-amerikanische strategische Interessen voranzubringen. Kontrolle über Afghanistan würde die energie-rohstoffreiche zentralasiatische Region mit einer nähergerückten US-Präsenz verknüpfen. US-amerikanischer Einfluß und militärische Präsenz in Afghanistan und in zentralasiatischen Staaten, nicht unähnlich denen in den ölreichen Golfstaaten, wären ein bedeutender strategischer Gewinn. Die Ostgrenzen der NATO liegen bereits am Ostufer des Schwarzen Meeres. Die USA haben eine militärische Regelung mit Turkmenistan und Tadschikistan erzielt. Uzbekistan hält sich mit seinem Wunsch, mit US-amerikanischer Hilfe Einfluß in Afghanistan wiederzuerlangen, nicht zurück. Eine westliche Militärpräsenz in einem Gebiet , das von der Türkei bis Tadschikistan reicht, hätte weitreichende strategische Folgen. Die Energie-Szenarios für 21. Jahrhunderts wären in solch einer Konstellation grundlegend verschoben."  

So V.R. Raghavan in "War in Afghanistan". The Hindu, Online edition, 02.Oktober 2001,Lien vers www.hinduonnet.com/thehindu/2001/10/02/stories/05022523.htm.

V.R. Raghavan ist pensionierter indischer Generalleutnant und war laut www.nautilus.org zuletzt Director General of Military Operations im Punjab. Er setzt seine Ausführungen fort mit einem anti-islamistischen und eher pro-westlich klingenden Bekenntnis: "Das heißt nicht, daß diese Konstellation nicht wünschenswert wäre. Die Region könnte eine bedeutende Quelle von Wohlstand und Stabilität sein, wenn der Terrorismus ausgeschaltet und der radikal-islamische Eiinfluß ersetzt sind.

Umso überzeugender wirken auf mich Raghavans fachliche Ausführungen, denen zufolge es wesentlich um Erdgas und Erdöl geht, um geopolitische Ziele der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Oder, wie www.tenc.net nahelegt, um die Zerschlagung der UdSSR-Reste und dann Rußlands.  





Im folgenden Interview aus dem Jahre 1998 gesteht der ehemalige Berater von Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski, ein, daß die USA mithilfe der Mudjahedin den tötlichen Krieg der Sowjetunion in Afghanistan angezettelt haben. Englische Fassung: ,Lien vers emperors-clothes.com/interviews/brz.htm.


Nouvel Observateur N° 1732 (15.-21. Januar 1998, S. 76)  


LES REVELATIONS D'UN ANCIEN CONSEILLER DE CARTER  

Oui, la CIA est entrée en Afghanistan avant les Russes...  


Le Nouvel Observateur. ­ L'ancien directeur de la CIA Robert Gates l'affirme dans ses Mémoires (1) : les services secrets américains ont commencé à aider les moudjahidine afghans six mois avant l'intervention soviétique. A l'époque, vous étiez le conseiller du président Carter pour les affaires de sécurité ; vous avez donc joué un rôle clé dans cette affaire. Vous confirmez ?  

Zbigniew Brzezinski (2). ­ Oui. Selon la version officielle de l'histoire, l'aide de la CIA aux moudjahidine a débuté courant 1980, c'est-à-dire après que l'armée soviétique eut envahi l'Afghanistan, le 24 décembre 1979. Mais la réalité, gardée secrète jusqu'à présent, est tout autre : c'est en effet le 3 juillet 1979 que le président Carter a signé la première directive sur l'assistance clandestine aux opposants du régime prosoviétique de Kaboul. Et ce jour-là, j'ai écrit une note au président dans laquelle je lui expliquais qu'à mon avis cette aide allait entraîner une intervention militaire des Soviétiques.

N. O. ­ Malgré ce risque, vous étiez partisan de cette « covert action » [opération clandestine]. Mais peut-être même souhaitiez-vous cette entrée en guerre des Soviétiques et cherchiez-vous à la provoquer ?  

Z. Brzezinski. ­ Ce n'est pas tout à fait cela. Nous n'avons pas poussé les Russes à intervenir, mais nous avons sciemment augmenté la probabilité qu'ils le fassent.

N. O. ­ Lorsque les Soviétiques ont justifié leur intervention en affirmant qu'ils entendaient lutter contre une ingérence secrète des Etats-Unis en Afghanistan, personne ne les a crus. Pourtant, il y avait un fond de vérité... Vous ne regrettez rien aujourd'hui?

Z. Brzezinski. ­ Regretter quoi ? Cette opération secrète était une excellente idée. Elle a eu pour effet d'attirer les Russes dans le piège afghan et vous voulez que je le regrette ? Le jour où les Soviétiques ont officiellement franchi la frontière, j'ai écrit au président Carter, en substance : « Nous avons maintenant l'occasion de donner à l'URSS sa guerre du Vietnam. » De fait, Moscou a dû mener pendant presque dix ans une guerre insupportable pour le régime, un conflit qui a entraîné la démoralisation et finalement l'éclatement de l'empire soviétique.

N. O. ­ Vous ne regrettez pas non plus d'avoir favorisé l'intégrisme islamiste, d'avoir donné des armes, des conseils à de futurs terroristes ?

Z. Brzezinski. ­ Qu'est-ce qui est le plus important au regard de l'histoire du monde ? Les talibans ou la chute de l'empire soviétique ? Quelques excités islamistes ou la libération de l'Europe centrale et la fin de la guerre froide ?

N. O. ­ « Quelques excités » ? Mais on le dit et on le répète : le fondamentalisme islamique représente aujourd'hui une menace mondiale... Z. Brzezinski. ­ Sottises ! Il faudrait, dit-on, que l'Occident ait une politique globale à l'égard de l'islamisme. C'est stupide : il n'y a pas d'islamisme global. Regardons l'islam de manière rationnelle et non démagogique ou émotionnelle. C'est la première religion du monde avec 1,5 milliard de fidèles. Mais qu'y a-t-il de commun entre l'Arabie Saoudite fondamentaliste, le Maroc modéré, le Pakistan militariste, l'Egypte pro-occidentale ou l'Asie centrale sécularisée ? Rien de plus que ce qui unit les pays de la chrétienté...


Propos recueillis par Vincent Jauvert

(1) « From the Shadows », par Robert Gates, Simon and Schuster.  

(2) Zbigniew Brzezinski vient de publier « le Grand Echiquier », Bayard Editions.  

Vincent Jauvert




Die amerikanische Kriegsführung in Mazedonien

Bei TFF - The Transnational Foundation for Peace and Future Research - hat Michel Chossudovsky, Wirtschaftsprofessor an der University of Ottawa und mit Jared Israel zusammen Betreiber der beachtlichen Internetseite Emperor’s Clothes (www.tenc.net, zahlreiche auch deutschsprachige Artikel) im Juni 2001 veröffentlicht: America at War in Macedonia, siehe www.transnational.org/forum/meet/2001/...ov_AMBOMacedonia.html Es folgt die vom Autor gestattete, jedoch nicht autorisierte deutsche Übersetzung, besorgt von Thomas Immanuel Steinberg  




Abstract


Washingtons verdeckter Krieg in Mazedonien zielt darauf, Amerikas Einflußsphäre in Südost-Europa zu festigen. Es geht um den Bulgarien-Mazedonien-Albanien-Verkehrs-, Kommunikations-, und Ölpipeline-Korridor, der das Schwarze Meer mit der Adriaküste verbindet. Mazedonien liegt an der strategischen Straßenkreuzung dieses Ölpipeline-Korridors.

Um die Pipeline-Routen zu schützen, strebt Washington einen Flickenteppich von Protektoraten entlang strategischer Korridore auf dem Balkan an. Das Versprechen eines Groß-Albaniens - von Washington ausgesprochen, um albanischen Nationalismus zu nähren, ist Teil einer Militär-Geheimdienst-Masche. Reichlich mit Dokumenten belegt, besteht die Masche darin, die Kosovo Liberation Army (KLA = UÇK) und die ihr nahestehende National Liberation Army (NLA) dafür zu finanzieren und auszustatten, daß sie terroristische Anschläge in Mazedonien verübt.

Die Entfaltung der amerikanischen Einflußsphäre in Südosteuropa - gemeinsam mit Großbritannien – dient den Interessen der Ölgiganten, zu denen BP-Amoco-ARCO, Chevron und Texaco gehören. Die Hoheit zu sichern und die Pipeline-Routen zu "schützen" ist von größter Bedeutung für den Erfolg dieser Multi-Milliarden-Dollar-Unernehmen:

Ein erfolgreiches internationales Ölgeschäft ist eine Verknüpfung von wirtschaftlichen, politischen und militärischen Vorkehrungen zur Unterstützung von Ölförderung und -transport zu den Absatzmärkten. 1.

Das anglo-amerikanische Konsortium, das das Trans-Balkan-Pipeline-Projekt AMBO, also die Verbindung des bulgarischen Hafens Burgas mit dem albanischen Vlorë an der Adriaküste kontrolliert, schließt weitgehend den kontinentaleuropäischen konkurrierenden Ölgiganten Total-Fina-Elf von der Teilnahme am Geschäft aus. 2. Mit andern Worten, die strategische Kontrolle der USA über den Pipeline-Korridor zielt auf die Schwächung der Rolle der Europäischen Union und darauf, konkurrierende europäische Geschäftsinteressen auf Abstand zu halten.




Wer steht hinter der Trans-Balkan-Pipeline?


Das überwiegend US-amerikanische Pipeline-Konsortium AMBO ist unmittelbar verknüpft mit dem Kern der politischen und militärischen Macht in den Vereinigten Staaten und mit Vizepräsident Dick Cheneys Firma Halliburton Energy. 3.

Die Machbarkeitsstudie für die Trans-Balkan-Öl-Pipeline von AMBO, durchgeführt von der internationalen Ingenieurfirma Brown & Root Ltd., der britischen Tochter von Halliburton, hat ermittelt, daß diese Pipeline ... Teil der entscheidenden Ost-West -Korridor-Infrastruktur dieser Region werden wird, mit Autobahn, Eisenbahn, Gas- und Glasfaser-Telekommunikationsleitungen. 4.

Und bei Fertigstellung der Machbarkeitsstudie durch Halliburton wechselte ein Spitzenmanager von Halliburton zu AMBO. Halliburton hatte auch einen Vertrag über Dienstleistungen für die amerikanischen Streitkräfte auf dem Balkan erhalten und "Bondsteel" im Kosovo gebaut, das jetzt "die größte ausländische amerikanische Militärbasis seit Vietnam" ist. 5. Zufällig hat auch White and Case LLT, die New Yorker Anwaltskanzlei, zu der Präsident William J Clinton stieß, als er das Weiße Haus verließ, einen Anteil am AMBO-Pipeline-Geschäft.




Militarisierung der Pipeline-Korridore


Das AMBO-Trans-Balkan-Pipeline-Projekt würde anschließen an die Pipeline-Korridore zwischen Schwarzem Meer und dem Kaspischen Meeresbecken, das größten unerforschten Ölreserven der Welt birgt (siehe Karte unter www.bsrec.bg/taskforce/SYNERGY/oilprojects2.html ). Die Militarisierung dieser verschiedenen Korridore ist integraler Bestandteil der Washingtoner Pläne.

Die US-Politik des Schutzes der Pipelines, die aus dem Kaspischen Meeresbecken heraus und denen, die durch den Balkan führen, wurde von Clintons Energieminister Bill Richardson wenige Monate vor der Bombardierung Jugoslawiens im Jahre 1999 formuliert:

"Es geht um Amerikas Energiesicherheit. Es geht auch darum zu verhindern, daß Leute strategisch eingreifen, die nicht unsere Werte teilen. Wir versuchen, die neuerdings unabhängigen Länder nach Westen zu bekommen. Wir möchten, daß sie sich auf westliche wirtschaftliche und politische Interessen stützen und nicht andere Wege gehen. Wir haben politisch erheblich in die Kaspische Region investiert, und für uns ist sehr wichtig, daß die Pipeline-Karte und die Politik zusammenpassen." 6.

Die anglo-amerikanischen Ölgiganten, zu denen BP-Amoco-ARCO, Texaco und Chevron gehören - unterstützt von der US-Militärmacht - konkurrieren mit dem europäischen Ölriesen Total-Fina-Elf (der seinerseits verbunden ist mit der italienischen ENI). Letzterer spielt eine große Rolle auf den ölreichen nordost-kaspischen Kaschagan-Ölfeldern von Kasachstan. Es geht um viel: Kaschagan soll "sogar größer sein als die Ölreserven der Nordsee." 7. Dem konkurrierenden EU-Konsortium fehlt es an einem bedeutenden Anteil an den oder Einfluß auf die Hauptleitungen aus dem Kaspischen Meeresbecken heraus und - über das Schwarze Meer und den Balkan - zurück nach Westeuropa. Die entscheidenden Leitungsprojekte - und darunter das AMBO-Projekt und das Baku-Ceyhan-Projekt durch die Türkei zum Mittelmeer - sind weitgehend in der Hand ihrer anglo-amerikanischen Rivalen, die sich stark auf die US-amerikanische politische und militärische Präsenz sowohl im Kaspischen Becken, als auch auf dem Balkan stützen.

Washington plant, gegebenenfalls alle drei AMBO-Länder, also Bulgarien, Mzedonien und Albanien, von deutsch-europäischem Einfluß fernzuhalten durch die Etablierung völlig flügge gewordener US-Protektorate. Mit andern Worten, US-Militarisierung und geopolitische Kontrolle über die geplante Pipeline zwischen Burgas in Bulgarien und dem albanischen Adriahafen Vlorë sollen sowohl den EU-Einfluß untergraben, als auch die konkurrierenden franko-belgisch-italienischen Ölinteressen schwächen.

Verhandlungen über die AMBO-Leitung wurden von Vertretern der US-Regierung über die South Balkan Development Initiative (SBDI) der Trade and Development Agency (TDA) unterstützt. Die Initiative "soll Albanien, Bulgarien und der Früheren Jugoslawischen Republik Mazedonien helfen, ihre Verkehrsinfrastruktur entlang des Ost-West-Korridors, der sie verbindet, weiter zu entwickeln." 8.

Die TDA verweist auf die Notwendigkeit für die drei Länder, "regionale Synergien zu nutzen, um neues staatliches und privates Kapital (von US-Firmen) anzuziehen", und unterstreicht die Verantwortung der US-Regierung dafür, "die Initiative durchzuführen". Hinsichtlich der AMBO-Pipeline sieht es so aus, als ob die EU weitgehend aus Planung und Verhandlungen ausgeschlossen worden wäre. „Verständigungsvermerke“ sind bereits mit den Regierungen von Albanien, Bulgarien und Mazedonien unterzeichnet worden, die die staatliche Souveränität der Länder sowohl über die Pipeline, als auch die Transportkorridore aufheben, indem sie dem anglo-amerikanischen Konsortium Ausschließlichkeitsrechte gewähren:

"Der Verständigungsvermerk besagt, daß der AMBO als einziger Institution der Bau der geplanten Burgas-Vlorë-Ölleitung erlaubt ist. Insbesondere erhält AMBO das Exklusivrecht zur Verhandlung mit Investoren in und Kreditgebern für das Projekt. Außerdem verpflichtet es (die Regierungen von Bulgarien, Mazedonien und Albanien), bestimmte vertrauliche Informationen über das Pipeline-Projekt nicht zu offenbaren." 9.




"Ost-West-Korridor 8"


Das AMBO-Pipeline-Projekt ist verknüpft mit einem anderen strategischen Projekt, genannt "Korridor 8" - das ursprünglich von der Clinton-Regierung im Zusammenhang mit dem Balkan-Stabilitätspakt vorgeschlagen wurde. Von strategischer Bedeutung sowohl für die USA, als auch die Europäische Union, umfaßt "Korridor 8" Autobahn-, Eisenbahn-, Elektrizitäts- und Telekommunikationsinfrastruktur. Die vorhandene Infrastruktur in diesen Sektoren ihrerseits ist zur Deregulierung und Privatisierung (zu Tiefstpreisen) unter WMF-/Weltbank-Aufsicht freigegeben.

Obwohl von den EU-Verkehrsministern als Teil des europäischen wirtschaftlichen Integrationsprozesses durchgewunken, wurden die Machbarkeitsstudien zu "Korridor 8" von US-Firmen erstellt, die direkt von der TDA finanziert wurden. Mit andern Worten, Washington scheint die Szene für die Übernahme der Verkehrs- und Nachrichteninfrastruktur der Länder hergerichtet zu haben. Mit finanzieller Unterstützung der US-Regierung konkurrieren amerikanische Firmen wie Bechtel, Enron und General Electric mit Firmen aus der Europäischen Union.

Washington will den ganzen Korridor US-amerikanischen Multis in einer Gegend öffnen, die im "wirtschaftlichen Hinterhof" der Europäischen Union liegt, dort, wo die D-Mark eher mächtiger ist als der US-Dollar.




EU-Erweiterung



Anfang 2000 hat die Europäische Kommission begonnen, mit Mazedonien, Bulgarien und Albanien über deren Assoziierung zu verhandeln. Und im April 2001, auf dem Höhepunkt der Terrorüberfälle, hat Mazedonien als erstes Land auf dem Balkan eine sogenannte Stabilisierungs- und Assoziierungsvereinbarung (SAA) unterzeichnet, die einen wichtigen Schritt hin zur Vollmitgliedschaft bedeutet. Die Vereinbarung liefert die Grundlage für "Handelsliberalisierung, politische Zusammenarbeit, wirtschaftliche und institutionelle Reformen und die Übertragung von EU-Gesetzen". Unter dem SAA würde Mazedonien (de facto) in das europäische Währungssystem integriert, mit vollständigem Zugang zu den EU-Märkten. 10.

Die Terrorüberfälle deckten sich zeitlich mit dem Prozeß der EU-Erweiterung und gewannen an Schwung wenige Wochen vor dem historischen Assoziierungsabkommen mit Mazedonien. Reichlich dokumentiert ist, daß US-Militärberater bei den Terroristen arbeiten. War das reiner Zufall?

Des weiteren wurde Robert Frowick, "ein früherer US-Diplomat", Mitte März zum Leiter der OSZE-Mission in Mazedonien ernannt, wiederum wenige Wochen vor der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens. In enger Verbindung mit Washington und der Botschaft in Skopje begann Frowick einen "Dialog" mit dem NLA-Rebellenführer Ali Ahmeti. Er war auch dienlich bei der Einfädelung einer Vereinbarung zwischen Ahmeti und den Führern der Albaner-Parteien, die in der Regierungskoalition sitzen.

Diese von Frowick vermittelte Vereinbarung hat erheblich zur Destabilisierung der politischen Institutionen beigetragen und dabei den Prozeß der EU-Erweiterung gefährdet. 11. Außerdem hat die verschlechterte Sicherheitslage in Mazedonien einen Vorwand für gesteigerte politische "humanitäre" und militärische US-amerikanische Eingriffe geliefert und dabei zur Schwächung der wirtschaftlichen und politischen Bindungen Skopjes an Deutschland und die EU beigetragen. In dieser Hinsicht ist eine der "bindenden Bedingungen" des "Assoziationsabkommens", daß Mazedonien den "EU-Standards für Demokratie" genügt. 12. Unnötig zu sagen, daß ohne eine "funktionierende Regierung" in Mazedonien das EU-Assoziierungsverfahren nicht vorankommen kann.

Die eingesetzten Marionettenregierungen in Tirana, Skopje und Sofia - obwohl weitgehend US-amerikanischem Diktat folgend - pendeln gegenwärtig zur Europäische Union hin. Washingtons Ziel ist aber letztlich, Deutschlands "Lebensraum" (im Original deutsch, d. Übers.) in Südosteuropa einzuschränken. Die USA haben Lippenbekenntnisse zur EU-Erweiterung abgelegt und zugleich durchgängig einer NATO-Erweiterung den Vorzug gegeben, um ihrer strategischen Interessen in Osteuropa und auf dem Balkan zu verfolgen, während Deutschland und Frankreich dagegen waren.

Während der Ton in der internationalen Diplomatie gesittet und höflich bleibt, ist die amerikanische Außenpolitik unter Bushs Regierung entschieden "anti-europäisch" geworden. Einem Beobachter zufolge sei

"im Kern des Bush-Teams Colin Powell der Freund der Europäer, während die andern Minister und Berater als arrogant, hart und dem Zuhören abgeneigt gelten und den Europäern keinen Platz lassen wollen." 13.




Deutschland und Amerika


Wie hinreichend belegt ist, steht der CIA hinter den KLA- (UÇK-) und den NLA-Rebellen, die die Terrorüberfälle auf die mazedonischen Sicherheitskräfte veranstalten. Vor dem Krieg 1999 arbeitete das deutsche Gegenstück zum CIA, der Bundesnachrichtendienst BND mit dem CIA zusammen bei Aufsicht und Bezahlung der UÇK. Neuere Entwicklungen legen nahe, daß der BND an Washingtons Militär-Geheimdienst-Masche in Mazedonien nicht beteiligt ist. 1.

Wenige Wochen vor dem Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union, nämlich Mitte März 2001, wurden in der Tetovo-Region von Mazedonien stationierte deutsche Soldaten "versehentlich" beschossen. Während die westlichen Medien - im Chor die amtlichen Verlautbarungen wiedergebend - darauf beharren, daß deutsche Soldaten "ins Kreuzfeuer" geraten seien, legen Berichte aus Tetovo nahe, daß der UÇK-Beschuß absichtlich passiert ist. In jedem Falle wäre das Ereignis nicht eingetreten, wenn der deutsche BND mit der Rebellenarmee zusammengearbeitet hätte:

" Bis zu 600 deutsche Soldaten waren gezwungen, Tetovo über Nacht zu verlassen, nachdem ihre Kasernen ... ins Kreuzfeuer geraten waren ... (Die Soldaten) waren zu leicht bewaffnet, um sich gegen die Albaner verteidigen zu können. Die Deutschen werden die abgezogenen Soldaten durch eine Leopard-Panzer-Bataillon ersetzen (die zur Panzer-Artillerie-Division gehört, die in Nordrhein-Westfalen stationiert ist). Die neue (deutsche) Feuerkraft kann dazu verwendet werden, die albanischen Positionen rund um Tetovo auszuschalten." 15.

Zwei für die Terrorüberfälle in der Tetovo-Region verantwortliche Kommandeure, welch bittere Ironie, waren von britischen Special Forces ausgebildet worden:

"Peinlicherweise für die KFOR kam heraus, daß zwei der im Kosovo stationierten Kommandeure, die den albanischen Vorstoß (in die Tetovo-Region) angeführt hatten, von ehemaligen britischen SAS- und Fallschirmjäger-Regiment-Offizieren ausgebildet worden waren, in den Tagen als die NATO sich mit der gerade flügge gewordenen UÇK besser verstand. Ein früheres Mitglied einer europäischen Spezialeinheit, der die UÇK während des Kosovo-Konflikts begleitet hatte, sagte, daß ein Kommandeur mit dem Tarnnamen Bilal den Waffen- und Kämpferstrom nach Mazedonien organisiert und daß der UÇK-Kommandeursveteran Adem Bajrami den Überfall auf Tetovo zu koordinieren geholfen hätten. Beide wurden von britischen Soldaten 1998 und 1999 in den heimlichen Trainingslagern oberhalb Bajram Curri in Nord-Albanien unterrichtet." 1

Die gleichen britisch trainierten Rebellenkommandeure sehen Deutschland als den "Feind", weil Bundeswehrsoldaten in Mazedonien und Kosovo - statt den "Freiheitskämpfern" von der UÇK in gleicher Weise "Schutz" zu bieten wie ihre britischen und amerikanischen KFOR-Kollegen - häufig "vermutete Terroristen" an der Grenze festhalten:

"Ein Sprecher der NLA in Priština warnte die Bundeswehr davor, sich einzumischen. Das könne als eine 'Kriegserklärung der Bundesrepublik Deutschland' aufgefaßt werden.“ 17.

Als Antwort auf UÇK-Drohungen entsandte die Bundeswehr ihre eigenen Spezialeinheiten, die Fallschirmjäger (im Original deutsch, d. Übers.), die mit ihrem Panzer-Bataillon zusammenarbeiten. 18. Der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping bestätigte, daß er bereit sei, "mehr Panzer und Soldaten zu entsenden, um die Bundeswehrkräfte zu verstärken." 19. Doch nach neuesten Entwicklungen hat Berlin entschieden, die meisten seiner Soldaten aus der Tetovo-Region abzuziehen und in keiner Weise die US-Miltär-Geheimdienst-Masche zur Unterstützung der UÇK-Rebellen zu behindern. Einige dieser deutschen Soldaten sind jetzt auf der Kosovo-Seite der Grenze stationiert.

Während die UÇK eine Lieferung nagelneuer moderner Waffen "made in America" erhielt, schenkte Deutschland Mitte Juni den mazedonischen Sicherheitskräften Geländefahrzeuge und Waffen "für raffinierte Infrarot-Verfolgung auf dem Schlachtfeld". Einem Bericht aus Mazedonien zufolge geriet das kleine Kontingent deutscher Soldaten, das noch in der Tetovo-Region verblieben ist, "unter heftigen Beschuß der Terroristen, die sie mit Mörsern aus den Bergen oberhalb Tetovos angriffen. Das ist offenbar die Antwort auf das gestrige (14. Juni 2001-) Geschenk der deutschen Regierung an unsere Armee." 20.

Während Differenzen zwischen NATO-Alliierten nie öffentlich gemacht werden, hat Deutschlands Außenminister Joschka Fischer mit starken Worten vor dem Bundestag eine Erklärung gegen die "albanischen Extremisten in Mazedonien " gerichtet und ein "langfristiges Abkommen" eingefordert, das "die ganze Region näher an Europa rückt" ( also frei ist von US-Beeinträchtigungen). Die deutsche Position steht in betontem Gegensatz zu der von den Vereinigten Staaten vorgetragenen, die die Skopje-Regirung auffordern, den Terroristen Amnestie zu gewähren, die Landesverfassung zu ändern und die UÇK-Rebellen in die zivile Politik einzubeziehen:

"Die Vereinbarung ruft die Rebellen dazu auf, den Kampf einzustellen im Gegenzug dafür, daß ihnen Amnestie gewährt wird. Die Rebellen sollen auch das Recht erhalten, gegen künftige politische Entscheidungen ihr Veto einzulegen, die ethnische albanische Rechte betreffen. Die Vereinbarung soll durch Vermittlung von Robert Frowick zustande gekommen sein, einem ehemaligen US-Gesandten, der augenblicklich Balkan-Verteter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ist." 21.




Die anglo-amerikanische Achse


Der Zusammenstoß zwischen Deutschland und Amerika auf dem Balkan ist Teil eines viel größeren Prozesses, der den Kern des westlichen militärisch-industriellen Komplexes und Verteidigungs-Establishments betrifft.

Von den frühen Neunzigern an haben die Vereinigten Staaten und Deutschland gemeinsam als NATO-Partner auf dem Balkan gehandelt und dabei ihre militärischen, nachrichtendienstlichen und außenpolitischen Initiativen aufeinander abgestimmt. Sie hielten in ihren öffentlichen Erklärungen den Anschein von politischer Einheit noch aufrecht, als ernster Zwist nach dem Dayton-Abkommen (1995) zu entstehen begann und die deutschen Banken danach strampelten, die D-Mark durchzusetzen und die Währungssysteme der Jugoslawien-Nachfolgerstaaten zu übernehmen.

Darüber hinaus haben nach dem Jugoslawienkrieg 1999 einerseits die Vereinigten Staaten ihre strategischen, militärischen und nachrichtendienstlichen Bande mit Großbritannien gefestigt. Großbritannien hat anderseits viele seiner Bindungen zu Deutschland und Frankreich (vor allem in der Rüstung und Luftfahrt) gelöst .  

Anfang 2000 lanciert, haben US-Verteidigungsminister William Cohen und sein britischer Kollege Geoff Hoon eine „Erklärung über die Grundsätze für Verteidigungsausstattung und industrielle Zusammenarbeit“ unterzeichnet. 22. Washingtons Ziel war es, zum Bau einer „transatlantischen Brücke“ zu ermutigen, „über die das US-amerikanische Verteidigungsministerium seine Globalisierungspolitik nach Europa tragen kann.“ 23.

Die US-Rüstungsindustrie – zu der jetzt British Aerospace Systems (BaeS) gehört – kollidiert mit dem Französisch-Deutschen Rüstungskonsortium EADS – einem Konglomerat aus der französischen Aérospaciale Matra, der Deutschen Aerospace - einem Teil der mächtigen Daimler-Gruppe - und Spaniens CASA. Mit andern Worten, eine große Spaltung hat sich im westlichen militärisch-industriellen Komplex vollzogen mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien auf der einen und Deutschland und Frankreich auf der anderen Seite.

Öl, Kanonen und das westliche Militärbündnis sind eng verknüpfte Prozesse. Washington beabsichtigt, letztendlich die Dominanz des US-amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes im Bunde mit den anglo-amerikanischen Ölriesen und Großbritanniens großen Rüstungslieferanten zu sichern. Natürlich haben diese Entwicklungen auch Auswirkungen auf die Hoheit über strategische Pipelines, Verkehrs- und Nachrichtenkorridore auf dem Balkan, in Osteuropa und in der ehemaligen Sowjetunion.

Und wiederum wird diese anglo-amerikanische Achse auch begleitet von wachsender Zusammenarbeit zwischen CIA und dem britischen MI 5 im Bereich von Geheimdienst und verdeckten Aktionen, wie sich an der Rolle zeigt, die britische SAS Special Forces beim Training von UÇK-Rebellen spielen.




Krieg, „Dollarisierung“ und die Neue Weltordnung


„Schutz“ der Pipelines, verdeckte Aktionen und Drogengeld-Recycling zur Unterstützung von bewaffneten Aufständen, Militarisierung strategischer Korridore und Rüstungsgüterbeschaffung für „Partnerschaft-für-den-Frieden“(PfP)-Länder sind allesamt integraler Bestandteil der anglo-amerikanischen Achse und ihres Strebens nach Beherrschung der Öl- und Gas-Leitungen und Transportkorridore aus dem Kaspischen Meeresbecken heraus und vom Schwarzen Meer über den Balkan.

Allgemeiner gesagt, ist das, was in der breiten Region zwischen Osteuropa mit dem Balkan und den ehemaligen Sowjetrepubliken passiert, ein erbarmungsloses Strampeln um Herrschaft über Volkswirtschaften durch konkurrierende Unternehmenskonglomerate. Und hinter diesem Prozeß steht das Streben des Wall-Street-Finanz-Establishments im Bunde mit den Rüstungs- und Ölgiganten – die D-Mark (und den Euro) zu destabilisieren und zu diskreditieren mit Blick darauf, der Region den US-Dollar als einzige Währung aufzudrücken.

Macht über die „Geldschöpfung“ – der Welt die Herrschaft des US Federal Reserve Systems aufzubürden – das ist zu einem Hauptzug des US-amerikanischen Expansionismus geworden. In dieser Hinsicht besteht Washingtons Militär-Geheimdienst-Masche nicht nur darin, die EU-Erweiterung zu unterminieren, sondern auch darin zu versuchen, die Herrschaft der größten deutschen Banken im Balkan , z.B. der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Westdeutschen Landesbank, zu schwächen und zu verdrängen.

Mit andern Worten, die Neue Weltordnung ist gekennzeichnet durch den Zusammenprall zwischen Europa und Amerika um koloniale Hoheit über nationale Währungen. Und dieser Konflikt zwischen konkurrierenden kapitalistischen Blöcken wird sich zuspitzen, wenn mehrere Hundertmillionen Menschen von Osteuropa und dem Balkan bis nach Zentralasien am 1. Januar 2002 anfangen, als nationale De-facto-Währung den Euro zu benutzen.


Anmerkungen

Die Anmerkungen wurden nicht übersetzt. Das Fischer-Zitat ist eine Rückübersetzung aus dem Englischen, also kein Originalzitat

1. Robert V. Baryiski, The Caspian Oil Regime: Military Dimensions, Caspian Crossroads Magazine ,Volume 1, Issue No. 2, Spring 1995.

2. Reference to the European Union in this article should be interpreted as the "European Union minus Britain".

3. See Albanian Telegraph Agency, Tirana 28 July 1998 and Milsnews, Skopje, 23 January, 1997 available at www.freerepublic.com/forum/a379fb721329c.htm.

4. Milsnews, op cit.

5. See Karen Talbot's incisive analysis: "Former Yugoslavia: The Name of the Game is Oil, People's Weekly World, May 2001 at www.ecadre.net/pages/news/stories/990197752.shtml, see also Marjorie Cohn, "Pacification for a pipeline: explaining the US Military presence in the Balkans, The Jurist, Legal Education Network, June 2001, jurist.law.pitt.edu/forumnew22.htm.

6. George Monbiot, A Discreet Deal in the Pipeline, The Guardian, 15 February 2001.

7. Richard Giragosian, "Massive Kashagan Oil Strike Renews Geopolitical Offensive In Caspian", The Analyst, Central Asia-Caucasus Institute, Johns Hopkins University-Paul H. Nitze School of Advanced International Studies, 7 June, 2000, www.soros.org/caucasus/0059.html

8. See the Trade and Development (TDA) by Region at www.tda.gov/region/sbdi.html

9. Alexander Gas and Oil Connections, www.gasandoil.com/goc/news/nte04224.htm, October 2000.

10. Under so-called "asymmetric trade preferences" with the EU.

11. For further details on the role of Robert Frowick, see Michel Chossudovsky, "Macedonia: Washington's Military-Intelligence Ploy". June 2001

12. See AFP, 10 April 2001.

13. According to Pascal Boniface, director of the Paris Institute of International and Strategic Relations, UPI, 11 April 2001.

14. For details on CIA-BND support to the KLA see Michel Chossudovsky, "Kosovo Freedom Fighters Financed by Organised Crime", Covert Action Quarterly, Fall 1999 also available at www.heise.de/tp/english/inhalt/co/2743/1.html

15. Tom Walker, NATO Troops caught in a Balkan Ulster, Sunday Times, London, 18 March 2001

16. Ibid.

17. Ibid.

18. See Deutsche Fallschirmjäger nach Tetovo, Spiegel Online, 24 March 2001, see also, Bundeswehr verlegt Soldaten ins Kosovo, Spiegel Online, 23 March 2001

19. Deutsche Press Agentur, 19 March 2001

20. Information transmitted to the author from Skopje, June 2001

21. Facts on File, World News Digest, 30 May 2001

22. Reuters, 5 February 2000

23. The agreement was signed (according to a Pentagon official quoted in Muradian) shortly after the creation of British Aerospace Systems resulting from the merger of BAe with GEC Marconi. British Aerospace (Bae) was already firmly allied to America‚s largest defense contractors Lockheed Martin and Boeing. For further details see Vago Muradian, Pentagon Sees Bridge to Europe, Defense Daily, Vol. 204, No. 40 Dec. 01, 1999.



Recent articles by the author on the Balkans:
"Washington Finances Ethnic Warfare in the Balkans", April 2001, at www.emperors-clothes.com/articles/choss/fin.htm or www.canadiandimension.mb.ca/extra/x0404mc.htm
"Economic Terrorism", May 2001 at
emperors-clothes.com/articles/choss/eco1.htm or alainet.org/active/show_news.phtml?news_id=1225


Weitere ins Deutsche übersetzte Beiträge des Autors:
www.bos2.alltheweb.com/...t=web&lang=german&query=chossudovsky mazedonienAt  

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Stox Dude:

hochinteressesant o.T.

 
21.01.02 15:24
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Reila:

Ist wohl auch eher keine Verschwörung,

 
21.01.02 15:31
sondern langfristige Stategie. Gibt allerdings noch einen großen, oben ungenannten Spieler. Und der heißt Lukoil. In Aserbeidschan sitzen die schon ziemlich fest im Sattel, ebenso im Irak und ein wenig in Ägypten. Auf dem Balkan wollen sie gerade ihre Präsenz ausbauen und ebenso in den anderen osteuropäischen Ländern. Sie verfügen vermutlich über die weltgrößten Reserven und sind ziemlich niedrig bewertet. Und in Rußland hat man denen gerade alle Steine aus dem Weg geräumt - ganz im Gegensatz zu Gazprom. Ein paar Lukoil-Aktien können wohl nicht schaden, zumal wir auch wieder höhere Ölpreise sehen werden.

R.
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MOTORMAN:

hochexplosiv o.T.

 
21.01.02 15:44
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Reila:

Explosiv?

 
21.01.02 15:52
Scholl-Latour hat mal über Angola berichtet. Da gibt es heute einen vergessenen Krieg. Regierung und Rebellen schlachten sich gegenseitig ab. Das Volk ist bettelarm in einem sehr rohstoffreichen Land. US haben Waffen an die Rebellen geliefert, weil die Geld aus Diamanten hatten und Waffen an die Regierung, weil US-Konzerne an der Küste schürfen durften. Teile und herrsche muß ergänzt werden durch: Und verdiene an beiden Seiten. Funktioniert ganz gut, und was explodiert, sind höchstens Landminen.

R.
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vega2000:

Politisches Alltagsgeschäft der Republikaner

 
21.01.02 15:59
in den USA, -von einer Verschwörungstheorie halte ich nichts, da die Logik des Beitrags für sich spricht. Die Fakten sind bekannt, die Drahtzieher werden von höchsten Kreisen geschützt bzw. sind selbst daran beteiligt. The american way of life...
Krieg, Dollarisierung und die neue Weltordnung 548597mapage.noos.fr/mouss/Vega2000.JPG" style="max-width:560px" >
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DarkKnight:

Rußland, der heimliche Gewinner. Ein Ex-KGB

 
21.01.02 16:01
Chef als Staatspräsident ... honni soit, qui mal y pense, hehe ... bin schon gespannt auf die Geschichtsbücher in 10 Jahren.

Fazit des folgenden, m. E. bemerkenswerten Artikels: Öl ist kalkulierbar. Bei knapp 18 $: Calls kaufen, bei 25 $: Puts kaufen.

Oder seht Ihr das anders?


Barrel außer Kontrolle

Der Ölpreis fällt, weil Moskau die Förderkürzungen der Opec unterläuft - und sich auf die Seite Amerikas schlägt

Von Jürgen Krönig



Russland lässt die Opec ganz schön schwitzen. Während sich das Kartell verzweifelt darum bemüht, einen Kollaps des Ölpreises zu verhindern, ließ sich der sibirische Tiger nur zu einer symbolischen Geste herab. Um 50 000 Fass pro Tag will die drittgrößte Ölmacht der Welt ihre Förderung reduzieren. Nicht mehr als ein Klacks bei einer Tagesproduktion von über sieben Millionen Fass. Die Opec verlangt weitaus mehr, nämlich eine Drosselung von insgesamt 500 000 Fass. Außerhalb der Opec müsste Russland davon den Löwenanteil übernehmen. Bleiben die Russen stur, will das Kartell die eigene Förderung nicht, wie geplant, ab Januar um weitere 1,5 Millionen Fass herunterfahren.

Im Wiener Hauptquartier der Opec bezeichnet man Russlands Verhalten als "schändlich". Man weiß, dass im sibirischen Winter die russische Förderung stets automatisch um ein paar zehntausend Fass zurückgeht, und macht keinen Hehl aus der Verärgerung über das "zynische" Spiel der Russen. Der Zorn der Opec ist begreiflich. Ohne eigenes Zutun hat Russland in den vergangenen Jahren enorm von der Strategie des Kartells profitiert. Während das Kartell den Ölpreis durch eine Serie von Produktionskürzungen hochtrieb - von einem Tiefstand bei 10 Dollar bis auf 35 Dollar pro Fass -, strich die russische Industrie ungeniert die Gewinne ein, investierte in nun profitable Felder und sicherte sich zugleich einen größeren Marktanteil.

Dank des Ölbooms blickt Russland selbstbewusster in die Zukunft. Die Wirtschaft hat sich erholt. Das Wachstum zog an, die Zahlungsbilanz befindet sich im Plus, und die russischen Aktienmärkte legten im Jahr 2001 gegen den internationalen Trend um 50 Prozent zu. Gewiss drücken nach wie vor die Auslandsschulden von 145 Milliarden Dollar. Doch auch hier wird ein Silberstreif am Horizont sichtbar. Gerade erst versammelten sich westliche Bankiers in Moskau zu einem wahrlich historischen Ereignis - Russland zahlt eine fünf Jahre alte internationale Anleihe in Höhe von einer Milliarde Dollar zurück. Laut Kaspar Bartholdy, Analyst von Credit Suisse First Boston und Emerging-Markets-Spezialist, ein "Meilenstein auf dem Weg zu größerer Kreditwürdigkeit". Es passt ins Bild, dass davon als Erste russische Ölkonzerne profitieren, die nun verstärkt im Balkan wie im kaspischen Raum investieren.

Putin profitiert vom Krieg

Die Konfrontation mit der Opec fügt sich nahtlos ein in Wladimir Putins Strategie. Gestärkt durch die größere soziale wie politische Stabilität in seinem Lande, zählt der russische Präsident bereits jetzt zu den Gewinnern des Krieges gegen den Terror. Die Vereinigten Staaten, als Schutzmacht und strategischer Partner bislang vorrangig um Stabilität und Wohlergehen des Hauses Saud besorgt, haben einen intensiven Flirt mit der drittgrößten Ölmacht der Welt begonnen. Die Prioritäten der westlichen Supermacht haben sich seit dem 11. September verschoben. Washington sorgt sich stärker als zuvor über die Abhängigkeit vom "feindlichen Öl" im arabischen Wüstensand. Eine Schwächung des Einflusses der Opec und damit insbesondere der fünf islamischen Ölproduzenten am Golf liegt durchaus im Interesse des Westens. Man mag nicht länger allzu sehr am Tropf der Scheichs hängen. Das ist ein wichtiger Grund dafür, eine neue strategische Partnerschaft mit Russland anzustreben. In Washington spricht derzeit niemand mehr davon, die riesigen kaspischen Öl- und Erdgasfelder durch neue Pipelines anzubinden, die durch Afghanistan führen würden - ein Plan, der noch vor 12 Monaten sogar mit den Taliban erörtert wurde und den allen voran Dick Cheney als Chief Executive von Haliburton International, einem amerikanischen Öl- und Konstruktionskonzern, energisch verfolgt hatte. In einer Rede vor dem Catoinstitut in 1998 hatte er die Begründung geliefert. Gott habe es nicht für nötig befunden, Öl und Gas nur dort in den Boden zu tun, wo es demokratische Regime gebe, die Amerika freundlich gesinnt seien. "We go where the business is." Nun dürften die Ressourcen des neuen geopolitischen Brennpunktes im kaspischen Raum durch Röhren fließen, die durch Russland und den Kaukasus gelegt werden.

Zehn Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges wird Russland wie nie zuvor von den Amerikanern hofiert; Bush rollte den roten Teppich für Putin aus. Die Nato offerierte ihm eine "permanente" Verbindung zur westlichen Allianz. Großbritannien schlug vor, Russland in bestimmten Bereichen ein volles Stimmrecht in der Nato einzuräumen, etwa beim Kampf gegen den Terror, bei friedensstiftenden Operationen auf dem Balkan. Das frühere "Reich des Bösen" hat sich binnen einer Dekade zum beinahe schon unentbehrlichen Freund des Westens gemausert. Das Öl macht vieles möglich. Weshalb Moskau vorerst nicht daran denkt, das Katz-und-Maus-Spiel mit der Opec zu beenden. Der Konflikt um den Ölpreis bietet die ideale Gelegenheit, dem Westen den eigenen Wert eindringlich vor Augen zu führen.

Für die Weltwirtschaft kommt der Streit zwischen Opec und Russland genau zum rechten Zeitpunkt, auch wenn der niedrigere Ölpreis erst mit einer Verzögerung von rund 18 Monaten auf die Konjunktur durchschlägt. Die Opec, noch vor zwölf Monaten ob ihrer gekonnten Kontrolle von Menge und Preis gefürchtet, wird nun wieder schadenfroh als "Papiertiger" bezeichnet. Das mag voreilig sein. Langfristig werden geologische Faktoren und eine wachsende Nachfrage nach dem schwarzen Gold das Pendel wieder zugunsten der Herren des Öls umschlagen lassen. Zumindest eines wird derzeit demonstriert. Es ist schwer, als Kartell zu operieren, das nur eine Minderheit der Ölproduzenten der Welt umfasst und dem sich Russland verweigert. Erst einmal hat die Opec die Verteidigung des Ölpreises teuer bezahlen müssen. Ihr Anteil am Ölexport ist global von 40 auf 34 Prozent heruntergesackt. Weltweit werden derzeit knapp eine Million Fass Rohöl weniger verbraucht als im Vorjahr - der tiefste Fall seit dem Golfkrieg 1990. Die Internationale Energie-Agentur sagt voraus, der Trend werde mindestens bis Mitte 2002 anhalten. Selbst der Winter verheißt keine Entlastung. Resignierend bemerkte Ali Rodriguez, Generalsekretär der Opec, der erhöhte Bedarf angesichts niedrigerer Temperaturen werde diesmal allein durch die Umwandlung ungenutzten Treibstoffes für den Flugverkehr gedeckt.

Das Poker um Preis und Menge birgt jedoch auch Risiken für Russland in sich. Gewiss sind Saudi-Arabien und andere Ölstaaten am Golf deutlich abhängiger von den Einnahmen aus dem schwarzen Gold. Öl macht 93 Prozent der gesamten saudischen Exporte aus, während die Zahl für Russland bei nur 24 Prozent liegt. Doch darf das Land nicht übertreiben. Sollte die Opec ohne Rücksicht auf Verluste einen Preiskrieg starten, würde Russland leiden. Öleinnahmen decken immerhin knapp ein Fünftel der Staatsausgaben. Bei einem Preis von unter 18 Dollar pro Fass müsste Russlands Haushalt für das Jahr 2002 bereits neu konzipiert und gekürzt werden. In einem Showdown hätten die Scheichs einen weiteren Vorteil: Am Golf betragen die Produktionskosten 2,5 bis 3 Dollar per Fass. In Sibiriens Permafrost liegen sie bei 10 bis 12 Dollar pro Fass. Das verlangt zwingend russische Bereitschaft, zurückzuschrecken, bevor der Rubikon überschritten wird. Die russischen Ölmagnaten wissen das. Leonid Fedun, Vizepräsident von Lukoil, der größten Ölgesellschaft des Landes, bediente sich absichtsvoll eines eigentümlichen Bildes, um den derzeitigen Konfrontationskurs gegenüber der Opec zu begründen: Ölkonzerne wie Regierung in Russland glaubten vorerst, es sei besser, "arm und krank" mit niedrigen Preisen als "gesund und reich" mit hohen Ölpreisen zu sein; dadurch werde das Immunsystem gestärkt. Mit anderen Worten: Die rabiate Gesundungskur dürfe nicht so weit getrieben werden, dass am Ende der Patient stirbt.

Feduns sibyllinische Worte spiegeln zugleich unterschiedliche Interessen der großen Ölgesellschaften des Landes wider. Lukoil bevorzugte Produktionskürzungen. Man hat in den Feldern Kasachstans investiert, das von der Opec nicht zu einer Drosselung der Produktion aufgefordert wurde. Andere russische Ölkonzerne, etwa Youkos und Sibneft, haben die Förderung drastisch gesteigert und denken nicht daran, sie zurückzufahren. Es gibt überdies sogar praktische Gründe, nicht unverzüglich den Wunsch der Opec zu erfüllen. Um die Produktion zu reduzieren, müsste die russische Industrie diverse Bohrlöcher "abschalten"; es ist nicht, wie am Golf, einfach möglich, den natürlichen Fluss des Öls aus den Quellen zu verringern. In Sibirien wird das Öl aus Bohrlöchern herausgepumpt. Stellt man die Pumpen ab, friert die Quelle ein. Es sei "beinahe unmöglich", so Julian Lee vom Centre for Global Energy Studies, das Bohrloch wieder neu anzuzapfen. Stattdessen dürften die russischen Konzerne dazu übergehen, die Exporte zu drosseln und überschüssiges Öl zu lagern, sollte es am Ende zu einem Kompromiss mit der Opec kommen.

Heimliche Überproduktion

Russlands wahre Absichten werden spätestens zu Beginn des nächsten Jahres offenbart. Ursprünglich hatte die Ölindustrie vor, vom Januar an 500 000 Fass mehr aus den Feldern in Siberien herauszupumpen. Bliebe es dabei, würde die Opec noch stärker unter Druck geraten. Das Kartell der elf müsste entweder die eigene Produktion - sowie die heimliche Überproduktion - noch einmal reduzieren, um eine Ölschwemme auf dem Weltmarkt zu verhindern. Oder die Saudis und ihre Partner müssten in Kauf nehmen, dass der Preis weiter verfällt. Riad geriete in eine furchtbare Bredouille. Schließlich brauchen die Saudis, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen und eine explosive innenpolitische Entwicklung zu verhindern, eigentlich sogar einen Preis von rund 24 Dollar per Fass. Doch es ist unwahrscheinlich, dass sich dieses Schreckensszenario einstellt. Russland würde sich ins eigene Fleisch schneiden. Putin weiß das. Die Turbulenzen in der Welt boten ihm die Chance, Russlands Einfluss zu mehren. Eine Niederlage gegen die Opec würde die russische Ökonomie wie seine Präsidentschaft zerstören; ein Erfolg bedeutet mehr Einfluss in Zentralasien und in Amerika. Weshalb es darauf ankommt, einen Kompromiss als Sieg darzustellen.

Putin steuert entschlossen auf prowestlichem Kurs. In London interpretierte ein russischer Intellektueller Putins Politik in privater Runde als Entscheidung, sich zum "Club des weißen Mannes" zu gesellen. Er führte gute Argumente dafür an. Das russische Atomarsenal veraltet in rasantem Tempo; einen technologischen Wettlauf mit Amerika könnte sich sein Land nicht leisten. Besser also, den amerikanischen Plan für einen Antiraketenschirm zu akzeptieren und sich dafür Gegenleistungen auszubedingen: etwa freie Hand gegenüber Tschetschenien und eine beiderseitige Reduktion von Raketen. Putin ist so weit gegangen, wie es ihm möglich war. Eine andere Frage ist, ob der Westen ganz auf die neue strategische Partnerschaft mit der Ölmacht Russland bauen kann und soll. Sollen alle Pipelines für die kaspischen Felder in Russland und seiner Einflusssphäre installiert werden? Manche Russland-Kenner mahnen zur Vorsicht. Niemand kann ausschließen, dass irgendwann in Moskau wieder politische Gruppierungen ans Ruder kommen, die den Westen und Amerika hassen. Die Strategie der Äquidistanz zwischen China und dem Westen hat eine lange Tradition in Russland. Ein Putin reicht nicht, um sie ein für alle Mal zu zerstören. Ressourcenpolitik besitzt stets ihre Tücken. Für nichts gilt das mehr als für Öl. Es liegt nahe, die Abhängigkeit vom Golf so gering wie möglich zu halten. Politische Erschütterungen dort könnten den Fluss des Öls plötzlich unterbrechen. Doch eine Umorientierung schafft unvermeidlich neue Abhängigkeiten. Was auch die deutschen Politiker wissen, die langfristig angelegte neue Verträge über die Lieferung von Erdgas aus sibirischen Feldern aushandelten. Der U. S. National Intelligence Council bemerkte lapidar, wie "geografisch konzentriert" Erdöl- und Erdgasreserven der Zukunft seien, auf den Golf und die zentralasiatische Region. So oder so - Russland wird zu den Profiteuren der Zukunft zählen.



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(c) DIE ZEIT   50/2001    
Antworten
mod:

ob Republikaner oder Demokraten, beide Parteien

 
21.01.02 16:03
können ohne grosszügige Spenden der Wirtschaft nicht existieren, auf keinen Fall aber die kostspieligen Wahlen bestreiten.
Die Unterschiede in Sachfragen zwischen den beiden Parteien sind äußerst gering.

.. wie in Deutschland auch
Antworten
hjw2:

Tja DK, wenn ich mich so an unsere Telefonate

 
21.01.02 17:35
erinnere......*g*
Antworten
Joshua_XP:

DK

 
21.01.02 18:53

Bin erstaunt wie sehr sich unsere Interessen, Anschauungen und Denkweisen kreuzen und sich so nääher kommen, kann dem meisten von Dir in diesem Thread geposteten zustimmen.



Joshua
Antworten
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