Das urdeutsche Produkt Genussschein hat an Anziehungskraft verloren. Privatanleger, die sich gegen eine Einzelanlage in die Papiere entscheiden, haben dafür schlagkräftige Argumente: Die Vergleichbarkeit der Titel ist aufgrund ihrer höchst unterschiedlichen Ausstattung stark eingeschränkt, der mit der Überwachung einer Investition verbundene Aufwand dementsprechend hoch: Je nach den gesetzlich nicht vorgeschriebenen Emissionsbedingungen haben die Papiere eher renten- oder aktienähnlichen Charakter; das Gros der umlaufenden Titel ist rentenähnlich ausgestattet und von Banken emittiert.
Der Markt ist eng, die Liquidität der börsengehandelten Titel lässt zu wünschen übrig. Grund genug auch für Wertpapierberater, mit einzelnen Anlageempfehlungen für Genussscheine zurückhaltend zu sein und sich auf den Vertrieb provisionsträchtigerer Anlageprodukte zu konzentrieren.
Attraktive Renditeaufschläge
Dabei sind sich die Analysten einig: Genussscheine bieten aktuell attraktive Renditeaufschläge gegenüber Schuldverschreibungen und Bundesanleihen. Nach Angaben der Landesbank Baden-Württemberg rentieren Titel bonitätsstarker Banken im zwei- bis fünfjährigen Laufzeitenbereich mehr als 80 Basispunkte über den ebenfalls von ihnen emittierten Bankschuldverschreibungen. Über alle Laufzeiten hinweg macht die DG Bank bei liquiden Genussscheinen einen Renditevorteil von 190 bis 260 Basispunkten gegenüber Bundesanleihen aus. Die Prämien ergeben sich zum einen aus der Nachrangigkeit der im Genussschein verbrieften Forderungen gegenüber Fremdkapital im Konkursfall. Zum anderen spiegelt sich darin die Illiquidität vieler Titel wider.
Fonds: Geringe Infokosten
Eine Möglichkeit, die Renditevorteile zu genießen und gleichzeitig die aufgeführten Unwägbarkeiten zu umschiffen, ist die Investition in einen Genussscheinfonds. So sieht es Daniel Endrikat, der für das Management der Fonds "DWS Euro Spezial" und "DWS Inter Genuss" verantwortlich zeichnet. Der Anleger könne so die anfallenden Informationskosten gering halten und von der Marktexpertise profitieren. Bei seinen Investmententscheidungen stütze er sich auf die Informationen eines spezialisierten Credit-Research-Teams. Die Verwendung eines "Spread-Rating-Modells" ermögliche ihm die Verfolgung eines echten Trading-Ansatzes: Sollten die Renditeaufschläge bei einem Emittenten nicht mehr attraktiv sein, würden die entsprechenden Titel zugunsten attraktiverer Investitionen konsequent verkauft. Im volumenstärksten deutschen Genussscheinfonds, dem DWS Euro Spezial, befänden sich 80 Titel von Banken und Landesbanken mit ausschließlich rentenähnlichem Charakter. Aufgrund der von ihm erwarteten Zinsentwicklung präferiert Endrikat derzeit den mittleren Laufzeitenbereich. Die durchschnittliche Restlaufzeit liege bei 5,4, die Duration des Fonds bei 5,1 Jahren. Die Investitionsquote ist mit 94 % voll ausgeschöpft.
Im Gegensatz zum "Euro Spezial" investiere der "Inter Genuss" auch in genussscheinähnliche Papiere internationaler Emittenten, so dass der US-Dollar-Anteil derzeit circa bei 7 % liege. Beigemischt würden sowohl Unternehmensanleihen als auch Tier-1-Anleihen. Das höhere Risiko hat sich in den vergangenen drei Jahren jedoch stärker als bei jedem anderen Fonds bezahlt gemacht. Der Inter Genuss weist mit Abstand die höchste Sharpe-Ratio aus.
Eines der Hauptargumente für eine Fondsanlage ist für Deka-Fondsmanager Oliver Kastner die geringe Liquidität der handelbaren Genussscheine. Um ein aktives Management der Titel im "DekaGenüsse + Renten"zu gewährleisten, verlange er ein Mindestemissionsvolumen von 50 bis 100 Mill. Euro. Allerdings verfolge der Fonds in 60 % aller Fälle eine "buy-and-hold"-Strategie, also das Halten der Titel auf Endfälligkeit. Ebenso wie der DWS Euro Spezial werde das gesamte Laufzeitenspektrum abgedeckt, wobei eine leichte Übergewichtung im mittleren Segment bestehe. Der Fonds kann bis zu 50 % des Fondsvolumens in Genussscheine investieren. Derzeit befänden sich 15 Titel von ausschließlich deutschen Emittenten im Portfolio, die jeweils mit maximal 5 % gewichtet werden. Die restlichen Mittel werden in Bundestitel und Pfandbriefe investiert. Daraus resultiere eine starke Diversifikation, die ein Privatanleger nur in seltenen Fällen darstellen könne. Der Fonds empfehle sich für Anleger ab einem Anlagehorizont von fünf Jahren, wobei der Anteil 15 % des Gesamtvermögens nicht übersteigen solle. Für extrem risikoaverse Anleger sei der Fonds allerdings weniger geeignet.
Steuervorteil wiegt weniger
Vorteile hat die Einzelanlage vor allem unter steuerlichen Gesichtspunkten: Nach dem Hauptversammlungstermin des Emittenten vermindert sich der Kurs des Scheins um die Höhe der Kuponzahlung. Der Anleger kann den Genussschein kurz nach diesem Abschlag kaufen. Er muss - aufgrund der zwölfmonatigen Spekulationsfrist - die nächste Kuponzahlung versteuern und verkauft das Papier kurz vor dem zweiten Ausschüttungstermin. Somit streicht er einen Teil der im Kurs aufgelaufenen Stückzinsen steuerfrei ein.
Die optimale Verfolgung dieser Strategie ist mit der Anlage in die vorgestellten Fonds nur eingeschränkt möglich. Unter Berücksichtigung der vielfältigen Vorteile des Fondsengagements sollte dieser Nachteil jedoch in Kauf genommen werden
Der Markt ist eng, die Liquidität der börsengehandelten Titel lässt zu wünschen übrig. Grund genug auch für Wertpapierberater, mit einzelnen Anlageempfehlungen für Genussscheine zurückhaltend zu sein und sich auf den Vertrieb provisionsträchtigerer Anlageprodukte zu konzentrieren.
Attraktive Renditeaufschläge
Dabei sind sich die Analysten einig: Genussscheine bieten aktuell attraktive Renditeaufschläge gegenüber Schuldverschreibungen und Bundesanleihen. Nach Angaben der Landesbank Baden-Württemberg rentieren Titel bonitätsstarker Banken im zwei- bis fünfjährigen Laufzeitenbereich mehr als 80 Basispunkte über den ebenfalls von ihnen emittierten Bankschuldverschreibungen. Über alle Laufzeiten hinweg macht die DG Bank bei liquiden Genussscheinen einen Renditevorteil von 190 bis 260 Basispunkten gegenüber Bundesanleihen aus. Die Prämien ergeben sich zum einen aus der Nachrangigkeit der im Genussschein verbrieften Forderungen gegenüber Fremdkapital im Konkursfall. Zum anderen spiegelt sich darin die Illiquidität vieler Titel wider.
Fonds: Geringe Infokosten
Eine Möglichkeit, die Renditevorteile zu genießen und gleichzeitig die aufgeführten Unwägbarkeiten zu umschiffen, ist die Investition in einen Genussscheinfonds. So sieht es Daniel Endrikat, der für das Management der Fonds "DWS Euro Spezial" und "DWS Inter Genuss" verantwortlich zeichnet. Der Anleger könne so die anfallenden Informationskosten gering halten und von der Marktexpertise profitieren. Bei seinen Investmententscheidungen stütze er sich auf die Informationen eines spezialisierten Credit-Research-Teams. Die Verwendung eines "Spread-Rating-Modells" ermögliche ihm die Verfolgung eines echten Trading-Ansatzes: Sollten die Renditeaufschläge bei einem Emittenten nicht mehr attraktiv sein, würden die entsprechenden Titel zugunsten attraktiverer Investitionen konsequent verkauft. Im volumenstärksten deutschen Genussscheinfonds, dem DWS Euro Spezial, befänden sich 80 Titel von Banken und Landesbanken mit ausschließlich rentenähnlichem Charakter. Aufgrund der von ihm erwarteten Zinsentwicklung präferiert Endrikat derzeit den mittleren Laufzeitenbereich. Die durchschnittliche Restlaufzeit liege bei 5,4, die Duration des Fonds bei 5,1 Jahren. Die Investitionsquote ist mit 94 % voll ausgeschöpft.
Im Gegensatz zum "Euro Spezial" investiere der "Inter Genuss" auch in genussscheinähnliche Papiere internationaler Emittenten, so dass der US-Dollar-Anteil derzeit circa bei 7 % liege. Beigemischt würden sowohl Unternehmensanleihen als auch Tier-1-Anleihen. Das höhere Risiko hat sich in den vergangenen drei Jahren jedoch stärker als bei jedem anderen Fonds bezahlt gemacht. Der Inter Genuss weist mit Abstand die höchste Sharpe-Ratio aus.
Eines der Hauptargumente für eine Fondsanlage ist für Deka-Fondsmanager Oliver Kastner die geringe Liquidität der handelbaren Genussscheine. Um ein aktives Management der Titel im "DekaGenüsse + Renten"zu gewährleisten, verlange er ein Mindestemissionsvolumen von 50 bis 100 Mill. Euro. Allerdings verfolge der Fonds in 60 % aller Fälle eine "buy-and-hold"-Strategie, also das Halten der Titel auf Endfälligkeit. Ebenso wie der DWS Euro Spezial werde das gesamte Laufzeitenspektrum abgedeckt, wobei eine leichte Übergewichtung im mittleren Segment bestehe. Der Fonds kann bis zu 50 % des Fondsvolumens in Genussscheine investieren. Derzeit befänden sich 15 Titel von ausschließlich deutschen Emittenten im Portfolio, die jeweils mit maximal 5 % gewichtet werden. Die restlichen Mittel werden in Bundestitel und Pfandbriefe investiert. Daraus resultiere eine starke Diversifikation, die ein Privatanleger nur in seltenen Fällen darstellen könne. Der Fonds empfehle sich für Anleger ab einem Anlagehorizont von fünf Jahren, wobei der Anteil 15 % des Gesamtvermögens nicht übersteigen solle. Für extrem risikoaverse Anleger sei der Fonds allerdings weniger geeignet.
Steuervorteil wiegt weniger
Vorteile hat die Einzelanlage vor allem unter steuerlichen Gesichtspunkten: Nach dem Hauptversammlungstermin des Emittenten vermindert sich der Kurs des Scheins um die Höhe der Kuponzahlung. Der Anleger kann den Genussschein kurz nach diesem Abschlag kaufen. Er muss - aufgrund der zwölfmonatigen Spekulationsfrist - die nächste Kuponzahlung versteuern und verkauft das Papier kurz vor dem zweiten Ausschüttungstermin. Somit streicht er einen Teil der im Kurs aufgelaufenen Stückzinsen steuerfrei ein.
Die optimale Verfolgung dieser Strategie ist mit der Anlage in die vorgestellten Fonds nur eingeschränkt möglich. Unter Berücksichtigung der vielfältigen Vorteile des Fondsengagements sollte dieser Nachteil jedoch in Kauf genommen werden