Privatverbrauch verhindert im 2. Quartal Schrumpfen der deutschen Wirtschaft
ks Frankfurt - Das 2. Quartal blieb in Deutschland im Vergleich zum 1. Quartal saisonbereinigt ohne Wirtschaftswachstum. Während dieser Umstand seit dem jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank bekannt war, haben aber die Details und auch die Revisionen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der zurückliegenden Quartale durch das Statistische Bundesamt Überraschendes zutage gefördert. Gerade der private Verbrauch hat sich zuletzt viel günstiger entwickelt als bislang vermutet.
So ist es letztlich dem Konsum zu verdanken, dass die seit einem Jahr verlangsamte Konjunktur im 2. Quartal 2001 nicht deutlich in den rezessiven Bereich abgerutscht ist (siehe Grafik). Wie aus den Angaben des Statistischen Bundesamts folgt, erreichte das reale BIP letztlich nur eine rote Null. Nicht nur die aktuellen Zahlen, auch die Revisionen haben dabei "das ökonomische Weltbild geändert", wie die Volkswirte von DGZ-DekaBank in einer Stellungnahme schreiben. Musste man aufgrund der bislang vorgelegten amtlichen Angaben davon ausgehen, dass der private Verbrauch im 1. Quartal mit + 0,1 % gegen Vorquartal nahezu stagnierte und nichts für das Wirtschaftswachstum in Deutschland leistete, ergab die Revision nun ein sattes Quartalsplus von 1,0 %. Diesem folgte im 2. Quartal eine Zunahme in fast gleicher Größe. Somit scheint der von den Steuersenkungen potenziell ausgehende Nachfrageanreiz durch die höhere Inflation doch nicht in dem Umfang beschnitten worden zu sein, wie man dies bislang, etwa aufgrund der Einzelhandelsumsätze, vermuten musste. Dafür fiel aber der Rückgang in der zweiten Jahreshälfte 2000 mit revidiert rund 0,7 % etwa doppelt so groß aus wie bislang berichtet.
Auffallend ist im 1. Quartal auch die Revision der Lagerhaltung, die aus einem leicht negativen nun einen deutlich negativen Wachstumsbeitrag von - 1,4 % machte. Bei den Investitionen setzte sich auch nach den Revisionen der Einbruch fort. Sie verringerten sich seit Herbst 2000 pro Quartal um 1 % und mehr, allein im 2. Quartal um 1,3 %. Vor allem die Ausrüstungsinvestitionen fielen im Zeitraum April bis Juni um 2,7 %. Bei Bauten verlangsamte sich die Talfahrt auf zuletzt - 0,7 %. Da, anders als im 1. Quartal, im Frühjahr 2001 die Importe mit + 1,1 % wieder stärker zunahmen als die Exporte (+ 0,7 %), fiel der Außenbeitrag leicht negativ aus.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal nahm das BIP im 2. Quartal nur noch um 0,6 % zu, nach + 1,4 % im 1. Quartal. Für das 1. Halbjahr ergibt sich damit eine Wachstumsrate von 1 %. Die Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde ist im 2. Quartal um 1,6% höher gewesen, da sich die je Erwerbstätigen geleistete Arbeitszeit gegenüber dem 2. Quartal 2000 verringert hat.
Eine weitere Konsequenz aus den Revisionen der zurückliegenden volkswirtschaftlichen Daten ist der für 2001 nochmals geringere statistische Überhang. Da somit die Gesamtproduktion in das laufende Jahr von einem noch niedrigeren Niveau aus startete, wurden die in der jüngsten Zeit ohnehin beständig nach unten korrigierten Wachstumsprognosen für das laufende Jahr nochmals gesenkt, zum Teil unter 1 %.
Unveränderte Teuerung
Derweil hat sich die Lage an der Preisfront in Deutschland im August nicht weiter entspannt. Nachdem die Jahreszunahmerate des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Mai mit 3,6 % ihren bisherigen Höhepunkt markierte, ist sie bis Juli auf 2,6 % gesunken, verharrte nach vorläufigen Angaben im August aber auf diesem Niveau. Erste Länderdaten schienen zunächst einen weiteren Rückgang anzudeuten.
Börsen-Zeitung, 24.8.2001
ks Frankfurt - Das 2. Quartal blieb in Deutschland im Vergleich zum 1. Quartal saisonbereinigt ohne Wirtschaftswachstum. Während dieser Umstand seit dem jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank bekannt war, haben aber die Details und auch die Revisionen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der zurückliegenden Quartale durch das Statistische Bundesamt Überraschendes zutage gefördert. Gerade der private Verbrauch hat sich zuletzt viel günstiger entwickelt als bislang vermutet.
So ist es letztlich dem Konsum zu verdanken, dass die seit einem Jahr verlangsamte Konjunktur im 2. Quartal 2001 nicht deutlich in den rezessiven Bereich abgerutscht ist (siehe Grafik). Wie aus den Angaben des Statistischen Bundesamts folgt, erreichte das reale BIP letztlich nur eine rote Null. Nicht nur die aktuellen Zahlen, auch die Revisionen haben dabei "das ökonomische Weltbild geändert", wie die Volkswirte von DGZ-DekaBank in einer Stellungnahme schreiben. Musste man aufgrund der bislang vorgelegten amtlichen Angaben davon ausgehen, dass der private Verbrauch im 1. Quartal mit + 0,1 % gegen Vorquartal nahezu stagnierte und nichts für das Wirtschaftswachstum in Deutschland leistete, ergab die Revision nun ein sattes Quartalsplus von 1,0 %. Diesem folgte im 2. Quartal eine Zunahme in fast gleicher Größe. Somit scheint der von den Steuersenkungen potenziell ausgehende Nachfrageanreiz durch die höhere Inflation doch nicht in dem Umfang beschnitten worden zu sein, wie man dies bislang, etwa aufgrund der Einzelhandelsumsätze, vermuten musste. Dafür fiel aber der Rückgang in der zweiten Jahreshälfte 2000 mit revidiert rund 0,7 % etwa doppelt so groß aus wie bislang berichtet.
Auffallend ist im 1. Quartal auch die Revision der Lagerhaltung, die aus einem leicht negativen nun einen deutlich negativen Wachstumsbeitrag von - 1,4 % machte. Bei den Investitionen setzte sich auch nach den Revisionen der Einbruch fort. Sie verringerten sich seit Herbst 2000 pro Quartal um 1 % und mehr, allein im 2. Quartal um 1,3 %. Vor allem die Ausrüstungsinvestitionen fielen im Zeitraum April bis Juni um 2,7 %. Bei Bauten verlangsamte sich die Talfahrt auf zuletzt - 0,7 %. Da, anders als im 1. Quartal, im Frühjahr 2001 die Importe mit + 1,1 % wieder stärker zunahmen als die Exporte (+ 0,7 %), fiel der Außenbeitrag leicht negativ aus.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal nahm das BIP im 2. Quartal nur noch um 0,6 % zu, nach + 1,4 % im 1. Quartal. Für das 1. Halbjahr ergibt sich damit eine Wachstumsrate von 1 %. Die Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde ist im 2. Quartal um 1,6% höher gewesen, da sich die je Erwerbstätigen geleistete Arbeitszeit gegenüber dem 2. Quartal 2000 verringert hat.
Eine weitere Konsequenz aus den Revisionen der zurückliegenden volkswirtschaftlichen Daten ist der für 2001 nochmals geringere statistische Überhang. Da somit die Gesamtproduktion in das laufende Jahr von einem noch niedrigeren Niveau aus startete, wurden die in der jüngsten Zeit ohnehin beständig nach unten korrigierten Wachstumsprognosen für das laufende Jahr nochmals gesenkt, zum Teil unter 1 %.
Unveränderte Teuerung
Derweil hat sich die Lage an der Preisfront in Deutschland im August nicht weiter entspannt. Nachdem die Jahreszunahmerate des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Mai mit 3,6 % ihren bisherigen Höhepunkt markierte, ist sie bis Juli auf 2,6 % gesunken, verharrte nach vorläufigen Angaben im August aber auf diesem Niveau. Erste Länderdaten schienen zunächst einen weiteren Rückgang anzudeuten.
Börsen-Zeitung, 24.8.2001