Konjunkturindikator Chemiebranche


Thema
abonnieren
Beiträge: 2
Zugriffe: 316 / Heute: 1
Nassie:

Konjunkturindikator Chemiebranche

 
27.07.03 11:53
Chemiebranche - Vor der Gewinn-Explosion (EurAmS)

   
Chemiekonzerne sind so genannte Frühzykliker. Die profitieren als erste von einem Konjunkturaufschwung. Und es deutet einiges darauf hin, dass die Party bald losgeht
von Thorsten Schüller, Euro am Sonntag 30/03

Manchmal macht es richtig Spaß, den Analysten zuzuhören. Was sie beispielsweise in diesen Wochen aus den Geschäftszahlen der Chemiekonzerne herauslesen, wirkt geradezu euphorisierend. Als hätten sie zuviel Aufputschmittel genommen, prophezeien die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley „eine drei bis fünfjährige Periode mit hoher Profitabilität für Chemiefirmen“. Die Kollegen von UBS Warburg schließen ein „explosives Gewinnwachstum“ in der Branche nicht aus und geben Anlegern unmissverständliche Signale: „Wir sind bullish für die Chemieindustrie.“

Auch bei nüchterner Betrachtung sind diese Annahmen nicht abwegig. Nach Ansicht fast aller Branchenexperten haben die Chemieriesen in den USA und in Europa das Tal der Tränen bereits hinter sich. Und nach dem Ende des Irak-Krieges haben sich die Chancen für eine moderate Erholung der Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte deutlich verbessert. Das dürfte die Kessel der Chemiekonzerne unter Dampf setzen. Denn dort werden die Grundprodukte hergestellt, die fast die gesamte weiterverarbeitende Industrie braucht: Farben und Beschichtungen für Gebäude, Maschinen und Geräte; Kunststoffe für Autoverkleidungen und Verpackungen. Steigt in der Industrie die Nachfrage, muss die Chemiebranche sofort die Produktion hochfahren.

Im Ausland ist der Startschuss schon gefallen, hier zu Lande stagniert die Produktion noch. So kalkuliert der Verband der chemischen Industrie (VCI) nach einem schwachen zweiten Quartal 2003 für das Gesamtjahr lediglich mit einem Produktionszuwachs von 0,5 Prozent. Doch alle weiteren Zeichen verheißen Besserung: Der europäische Chemieverband Cefic geht für den wichtigen US-Markt bereits in diesem Jahr von einem Wachstum von vier Prozent aus. Der Verband gründet seinen Optimismus auf die steigende Nachfrage der Industrie nach chemischen Produkten und die Ausweitung der Exporte. Im nächsten Jahr sollte es bei den Chemiekonzernen auch in Europa kräftig brummen. Cefic rechnet für 2004 mit einem Produktionsplus von immerhin drei Prozent nach nur 1,1 Prozent im laufenden Jahr.

Branchenkenner gehen davon aus, dass die chemische Industrie nicht nur sehr früh, sondern auch anhaltend auf die Konjunkturbelebung reagieren wird. Zumindest lässt sich dieser Schluss aus der Vergangenheit ziehen: Zwischen 1991 und 2001 expandierte der Chemiesektor fast doppelt so schnell wie die gesamte Industrie.

Der Optimismus gründet sich aber nicht nur auf bessere Konjunkturaussichten. Wie kaum eine andere Branche hat die chemische Industrie ihre Hausaufgaben gemacht. Zahlreiche Konzerne haben sich durch aktives Portfoliomanagement auf ihre Kernkompetenzen konzentriert und wenig interessante Geschäftsbereiche abgestoßen. Diese Phase ist nach Einschätzung von Silke Stegemann, Analystin der Landesbank Rheinland-Pfalz, vorerst abgeschlossen. 2003 und 2004 dürften Jahre des organischen Wachstums werden, in denen nur noch vereinzelt Geschäftsteile verkauft werden.

Parallel dazu haben viele Chemiekonzerne ihre Schulden abgebaut und die Kosten massiv gesenkt. So wird der Ludwigshafener Chemie-Riese BASF seine Ausgaben in diesem Jahr um 300 Millionen Euro verringern. Der Leverkusener Wettbewerber Bayer hat im vergangenen Jahr die Kosten um 460 Millionen Euro gedrückt. Bis 2006 sind dort Einsparungen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro geplant.

Darüber hinaus nutzen die Chemiekonzerne ihre Kapazitäten konsequenter aus als bisher. Viele Unternehmen haben ihre Investitionen in neue Anlagen stark runtergefahren, gleichzeitig zieht die Nachfrage nach chemischen Produkten wieder an. Nach Erkenntnissen von UBS Warburg dürfte dies der Treibstoff für steigende Gewinne und Aktienkurse sein. Eine längere Zurückhaltung bei Investitionen und Kapazitätsausbau sei bislang immer ein Signal für höhere Gewinne gewesen.

Ein besonderes Zuckerl für Anleger ist, dass zahlreiche Werte inzwischen deutlich unterbewertet sind. So weisen die Experten von Morgan Stanley darauf hin, dass die Notierungen vieler Chemiepapiere weit unter den Durchschnittswerten der vergangenen zwei Jahrzehnte liegen.

Dennoch haben die Analysten auch Schwachpunkte ausfindig gemacht. So weist Silke Stegemann darauf hin, dass die bevorstehende Bekanntgabe der aktuellen Geschäftszahlen kurzfristig für Enttäuschungen sorgen könnte. Wenn in den nächsten zwei Wochen Celanese, DuPont, ICI, Clariant, Bayer und BASF ihre Quartalsergebnisse präsentieren, sollten die Anleger damit rechnen, dass Belastungen aus den vergangenen Monaten wie hohe Dollar- und Ölpreise, schwache Produktionsmengen und negative Nachrichten von US-Firmen noch nachwirken. Diese Enttäuschungen sollten jedoch rasch wieder optimistischeren Einschätzungen weichen.

Insbesondere bei soliden Werten bestehe kein Grund zur Sorge, so Stegemann. Beispiel BASF: Die Aktie des weltgrößten Chemiekonzerns habe sich selbst in den zurückliegenden Jahren gut gehalten, das Unternehmen hat auch in dieser Zeit, wo zahlreiche Unternehmen massive Verluste erlitten haben, gut verdient. Lobend erwähnen Branchenkenner auch die solide, wenngleich unspektakuläre Politik der Ludwigshafener. Anstelle von Mega-Akquisitionen begnüge sich der Konzern meist mit kleineren gezielten Zukäufen.

Erst kürzlich hat BASF von der US-Firma MSA für 65 Millionen Dollar das Anorganika-Geschäft übernommen. Das jüngste Joint Venture zwischen der BASF-Tochter Wintershall und dem russischen Erdgasgiganten Gazprom – eine 700-Millionen-Dollar-Investition – stärkt die Position der Pfälzer im ertragreichen Geschäft mit Öl und Gas.

Aufatmen auch beim Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer. Nachdem die Aktionäre in den vergangenen beiden Jahren wegen des Skandals um den Blutfettsenker Lipobay durch ein Tal der Leiden gegangen sind, empfangen Branchenkenner nun wieder positivere Signale. Zum einen hat Bayer mehrere Lipobay-Verfahren in den USA mit einem Freispruch für sich entschieden. Die Wahrscheinlichkeit, auch bei den noch mehr als 8000 anhängigen Klagen Recht zu bekommen, ist damit gestiegen. Zum anderen hat Bayer im ersten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. Nicht zuletzt arbeitet das Management an der Lösung der strategischen Probleme. Ist erst ein Käufer für die im internationalen Vergleich zu schwache Pharmasparte gefunden, dürften Analysten das bislang als Mischkonzern abgestrafte Unternehmen komplett neu bewerten.

Viel Freude hatten bereits die Aktionäre des niederländischen Chemiekonzerns Akzo Nobel. In den vergangenen Monaten hat das Papier stark angezogen, zuletzt besonders kräftig nach der Bekanntgabe der Zahlen für das zweite Quartal. Zwar ist der Nettogewinn um 20 Prozent auf 201 Millionen Euro gesunken, er lag aber deutlich über den Erwartungen von 188 Millionen Euro. Positiv registrieren die Analysten, dass sich der Konzern auf das Geschäft mit Farben und Lacken konzentriert, während die Bedeutung der schwächelnden und zum Verkauf stehenden Pharmasparte zurückgefahren wird. Angesichts der offenen Zukunft von Pharma wird das Papier nach Meinung der SEB-Bank noch immer mit einem Abschlag gehandelt. Bei einer Lösung des Pharmaproblems dürfte der Kurs nochmal anziehen.

Der größte US-Chemiekonzern Dow Chemical gilt nach dem Urteil von ABN Amro langfristig als eines der am besten positionierten Unternehmen mit einer starken Produktpalette. Auch habe das Management erfolgreich die Kosten gesenkt. Allerdings müsse der Konzern seinen Cash-Flow wie auch seine Rentabilität im Bereich Äthylene steigern.

Reine Freude bereitet dagegen die Analyse der Zürcher Kantonalbank über den zweitgrößten US-Chemiekonzern DuPont: „Sehr attraktive zyklische Anlagemöglichkeit“, so das Urteil. In den nächsten drei bis vier Jahren erwarten die Schweizer eine weltweite Erholung im industriellen Bereich, wovon DuPont mit seinen Produkten überdurchschnittlich stark profitieren sollte. Was will man anderes hören?
 
Antworten
Lupo-X:

Chemie - Aktien

 
27.07.03 12:01
Und sofort kaufen wir Montag BASF und Bayer oder doch lieber Infinion ? ! ?
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--