Deflation gefährlicher als Inflation
Eine Deflation ist nach Aussage des Präsidenten des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, viele gefährlicher als Inflation. Dass eine Wirtschaft, in der die Preise kaum stiegen, Probleme haben könne, zeige sich an Japan, sagte Sinn in einem Interview der Finanzzeitschrift "Börse Online". Das Land stecke in einer Liquiditätsfalle.
"Wir Deutschen schauen immer auf die Inflationsgefahr und übersehen, dass Deflation viel gefährlicher ist", sagte Sinn weiter. Die derzeit 2,5 Prozent Jahresteuerung in Deutschland seien in Ordnung, da sie sich auf die Hochphase des konjunkturellen Booms bezögen. "Meine Sorge ist, dass die Inflationsrate im jetzigen konjunkturellen Abschwung zu stark sinken könnte", fügte er hinzu.
Zur Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (der EZB) sagte Sinn, Deutschland würde sicher eine Zinssenkung vertragen. Dies gelte aber nicht für alle Länder der Euro-Zone. Die EZB hatte in der vergangenen Woche ihre Leitzinsen entgegen den Markterwartungen nicht gesenkt und den Hauptrefinanzierungssatz bei 4,75 Prozent belassen. Sinn kritisierte die Zusammensetzung des EZB-Rates, in dem jedes Mitgliedsland die gleiche Stimme hat. "Klüger wäre es gewesen, wenn die Kapitalanteile, die sich nach der Größe der Mitgliedsländer richten, auch die Stimmrechtsanteile bestimmt hätten."
Der Euro wird sich nach Einschätzung des Ifo-Chefs wieder erholen, wenn die Gemeinschaftswährung zum Jahresbeginn 2002 auch als Bargeld eingeführt ist. Belastend wirke derzeit, dass in großem Umfang in Osteuropa hohe Mark-Bestände in Dollar getauscht würden. "Die Größenordnung - in Osteuropa waren rund zehn Prozent der europäischen Geldbasis im Umlauf - ist gewaltig", erklärte Sinn.
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