Kleine Werte klettern nach oben


Thema
abonnieren
Beiträge: 2
Zugriffe: 281 / Heute: 1
Happy End:

Kleine Werte klettern nach oben

 
17.03.02 23:26
Unüberschaubare Bilanzblähungen wie beim ehemaligen Stromriesen Enron sind bei Familienunternehmen nicht zu befürchten. Auch die Kursentwicklung amerikanischer Small-Caps kann sich sehen lassen.

WIEN (p. o.). Das Platzen der High-Tech-Blase, der Zusammenbruch unüberschaubarer Riesen wie Enron und die Entwertung berühmter Marken wie Arthur Andersen bringt neue, unspektakuläre Protagonisten ins öffentliche Bewußtsein - wie etwa Charles R. Dreifus. Er verwaltet für die Bank Gutman einen US Special Equity Fonds, der auf Small und Micro Caps (Marktkapitalisierung von maximal 500 Mill. Dollar/574,71 Mill. Euro) spezialisiert ist. Der von ihm gemanagte Fonds wuchs im schwierigen Jahr 2001 um stattliche 36 Prozent erzielte seit Beginn Ende 1996 einen jährlichen Zuwachs von 22 Prozent.

Dreifus hat weder das Gehabe noch den Auftritt eines Star-Managers. "Jetzt interessieren sich plötzlich alle für das, was ich mache - aber ich mache schon seit 22 Jahren dasselbe. Ich bin immer der gleiche, nur die Zeiten haben sich geändert", erklärt er. Dreifus ist studierter Buchprüfer und bevorzugt für seine Investments Familienunternehmen der Old Economy. "Die gehen vorsichtiger mit dem Geld um". Und: Weil sie wesentlich weniger im Rampenlicht stehen als umschwärmte Blue Chips verleite der Druck des Anleger-Publikums nicht nicht zu "aggressiver Buchführung". Der Nachteil, daß die Familie das Unternehmen kontrolliert und die Aktionäre weniger Mitsprache bei der Unternehmensführung haben, werde durch die glaubwürdigeren Bilanzen ausgeglichen.

"Jahre der Indexierung"

Aber die Hauptverlockung bei Small Caps einzusteigen, besteht zweifellos in ihrer niedrigen Bewertung: Insbesondere in den Jahren 1992 bis 1998 stiegen Blue Chips an den Börsen unvergleichlich stärker als die Nebenwerte - Dreifus spricht von Jahren der "Indexierung". Obwohl die Small Caps seither beständig aufholen, seien sie immer noch vergleichsweise billiger zu haben.

Die Kehrseite der Unterbewertung von Smallcaps heißt normalerweise: geringe Liquidität und Probleme damit, Kurssteigerungen auf dem Papier beim Verkauf der Anteile auch zu realisieren. Dreifus: "Die Leute fragen mich immer danach, aber es ist viel schwieriger eine 100-Dollar-Note um 60 Dollar zu kaufen als sie um 80 zu verkaufen". Daß dieses Prinzip nicht überall klaglos - Beispiel Österreich - funktioniert, kann nach Dreifus nur an den Rahmenbedingungen liegen: zu geringe Transparenz.

Bei der Auswahl der Werte, die er kauft, läßt sich der betont konservative Fondsmanager vom Computer helfen. Der wertet die Fundamentaldaten von Firmen aus und schlägt Kaufobjekte vor. Diese nimmt dann der gelernte Buchprüfer Dreifus dann unter die Lupe. "Von zehn kaufe ich im Schnitt eines." Dabei schwört er ausschließlich auf die Analyse des tatsächlichen wirtschaftlichen Wertes der Unternehmen. Von Technischer Analyse lasse er sich erst dann inspirieren, wenn die grundsätzliche Kauf-Entscheidung gefallen sei und die Wahl des Kaufzeitpunkts ansteht.

Die Enron-Krise hat sein Vertrauen in die zur Verfügung stehenden Unternehmens-Daten nicht erschüttert: "Wenn du betrogen wirst, kannst du nichts machen", sagt Dreifus, aber das geschehe nur in wenigen Ausnahmefällen. Daß Bilanzen im "zu weiten" Rahmen des erlaubten aufgebläht werden und dadurch einen unzutreffenden Eindruck vom betreffende Unternehmen vermitteln, sei hingegen weit verbreitet, aber für den Profi erkennbar: "Bei aggressiver Buchführung kaufe ich prinzipiell nicht", so Dreifus.

Seiner Meinung nach ist das Studieren von Bilanzen in erster Linie eine harte Arbeit, die niemand gerne macht - weshalb sie bisher oft schlampig erledigt worden sei. Bisher. "Das wird sich nach Enron bestimmt ändern."

Antworten
chrismitz:

Happy, gibt ein Problem! o.T.

 
17.03.02 23:31
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--