Keine US-Zinssenkung erwartet
Bei der letzten Sitzung der Fed in diesem Jahr dürften sich die Überraschungen in Grenzen halten
Frankfurt/Washington - Der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank wird in seiner letzten Sitzung in diesem Jahr die Leitzinsen unverändert halten. Kaum ein geldpolitischer Experte erwartet ernsthaft, dass die Federal Reserve am heutigen Dienstag ihren Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds Rate) erneut verringert, nachdem sie diesen am 6. November vor dem Hintergrund der unsicheren Konjunktur um 50 Basispunkte auf 1,25 Prozent gesenkt hatte. Davor hatte die Notenbank die Fed Funds Rate fast ein Jahr stabil gehalten, nachdem sie den Leitzins in zwei Jahren zwölf Mal reduziert hatte.
Keine Senkung erwartet
An den Geldterminmärkten wird für den heutigen Dienstag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte lediglich bei etwa zehn Prozent gesehen und zudem ein Beibehalten der Risikoeinschätzung "ausgewogen" erwartet. Seinen Zinsbeschluss wird das Federal Open Market Committee (FOMC) der Federal Reserve heute um 20:15 Uhr MEZ bekannt geben.
Die im Primärhandel mit US-Staatsanleihen tätigen Primary Dealers erwarten ebenfalls keine weitere US-Zinssenkung zum jetzigen Zeitpunkt. In einer aktuellen Umfrage von Dow Jones Newswires gingen am Montag 20 von 22 Händlern von unverändert 1,25 Prozent Fed Funds Rate aus. Zwei Händler gaben keine Zinsprognose ab. Damit zeigten sich die Primärhändler unbeeindruckt von den am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten für November, die sehr schwach ausgefallen waren.
Fed in Warteposition
Auch für die kommenden Monate rechnen die wenigsten Primärhändler mit weiteren monetären Lockerungen in den USA. Allein bei Dresdner Kleinwort und CIBC World Markets (Zinssenkung um 50 Basispunkte bei der übernächsten FOMC-Sitzung am 18. März) sowie bei Goldman Sachs und Lehman Brothers (Senkung um 25 BP am 18. März) wird noch einmal eine Reduzierung der Fed-Leitzinsen erwartet. Für die zweite Jahreshälfte 2003 werden zudem bereits die ersten Zinsanhebungen vorausgesetzt.
Nach Einschätzung der meisten Fed-Watcher dürfte die US-Notenbank zunächst einmal abwarten, wie sich die US-Wirtschaft weiter entwickelt. So hatte sie auch bereits nach ihrer November-Zinssenkung darauf hingewiesen, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen konjunkturellen Abschwungrisiken und Inflationsgefahren zu sehen. Einige Analysten meinen allerdings, dass angesichts der weiter laufenden Diskussionen über Deflationsszenarien diese Risikoeinstufung wenig glaubwürdig ist.
Stimmungsfördernd
Immerhin scheint die letzte Zinssenkung jedoch stimmungsfördernd gewesen zu sein, wie zumindest einige Indikatoren und die Entwicklung an Wall Street in den vergangenen Wochen gezeigt haben. Andererseits haben die neuesten Arbeitsmarktdaten am Freitag die Zuversicht wieder etwas getrübt. Tatsächlich dürfte es auch noch wenigstens zwei bis drei Quartale dauern, bis sich der November-Zinsschritt ernsthaft realwirtschaftlich niederschlagen wird. Die monetäre Lockerung könnte dabei durch weitere Steuersenkungen in den USA unterstützt werden, über die die Bush-Regierung seit ihrem grandiosen Erfolg bei den Kongresswahlen nachdenkt.
Dennoch, insgesamt ist der Konjunkturoptimismus für 2003 in den USA nicht allzu groß. Hierfür sorgen - wie schon seit einiger Zeit - eine Reihe von Faktoren. Diese reichen von den nach wie vor bestehenden Leerkapazitäten der Industrie über die hohe Verschuldung des privaten Sektors bis hin zu den mäßigen Gewinnaussichten der Unternehmen. Damit verbunden sind ein unsicherer Konsum- wie auch Investitionsausblick. Zudem droht nach wie vor ein militärischer Konflikt mit Irak. Der zuletzt wieder schärfer gewordene Ton zwischen Washington und Bagdad dürfte hier nicht gerade für Beruhigung gesorgt haben, was vor allem auch mit Blick auf die Ölpreisentwicklung gilt.
Vor dem Hintergrund dieser Ausgangslage ist die in den vergangenen Wochen innerhalb der Fed angestoßene Diskussion über geldpolitische Alternativen jenseits von Leitzinsänderungen nicht verwunderlich. So haben Fed-Chairman Alan Greenspan und Fed-Board-Mitglied Ben Bernanke darauf verwiesen, dass die US-Notenbank auch bei Nullzinsen - und bis dahin sind es nur noch 125 Basispunkte - die Möglichkeit zur monetären Stimulierung der Konjunktur hat, beispielsweise über Interventionen am Bondmarkt. Das Signal, das die Fed dabei gegeben ist klar: lieber starke Inflationierung als der Absturz in die Deflation.
Die nächsten FOMC-Sitzungstermine (1. Halbjahr 2003): 28./29. Jänner, 18. März, 6. Mai sowie 24./25. Juni. (APA/vwd)
Bei der letzten Sitzung der Fed in diesem Jahr dürften sich die Überraschungen in Grenzen halten
Frankfurt/Washington - Der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank wird in seiner letzten Sitzung in diesem Jahr die Leitzinsen unverändert halten. Kaum ein geldpolitischer Experte erwartet ernsthaft, dass die Federal Reserve am heutigen Dienstag ihren Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds Rate) erneut verringert, nachdem sie diesen am 6. November vor dem Hintergrund der unsicheren Konjunktur um 50 Basispunkte auf 1,25 Prozent gesenkt hatte. Davor hatte die Notenbank die Fed Funds Rate fast ein Jahr stabil gehalten, nachdem sie den Leitzins in zwei Jahren zwölf Mal reduziert hatte.
Keine Senkung erwartet
An den Geldterminmärkten wird für den heutigen Dienstag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte lediglich bei etwa zehn Prozent gesehen und zudem ein Beibehalten der Risikoeinschätzung "ausgewogen" erwartet. Seinen Zinsbeschluss wird das Federal Open Market Committee (FOMC) der Federal Reserve heute um 20:15 Uhr MEZ bekannt geben.
Die im Primärhandel mit US-Staatsanleihen tätigen Primary Dealers erwarten ebenfalls keine weitere US-Zinssenkung zum jetzigen Zeitpunkt. In einer aktuellen Umfrage von Dow Jones Newswires gingen am Montag 20 von 22 Händlern von unverändert 1,25 Prozent Fed Funds Rate aus. Zwei Händler gaben keine Zinsprognose ab. Damit zeigten sich die Primärhändler unbeeindruckt von den am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten für November, die sehr schwach ausgefallen waren.
Fed in Warteposition
Auch für die kommenden Monate rechnen die wenigsten Primärhändler mit weiteren monetären Lockerungen in den USA. Allein bei Dresdner Kleinwort und CIBC World Markets (Zinssenkung um 50 Basispunkte bei der übernächsten FOMC-Sitzung am 18. März) sowie bei Goldman Sachs und Lehman Brothers (Senkung um 25 BP am 18. März) wird noch einmal eine Reduzierung der Fed-Leitzinsen erwartet. Für die zweite Jahreshälfte 2003 werden zudem bereits die ersten Zinsanhebungen vorausgesetzt.
Nach Einschätzung der meisten Fed-Watcher dürfte die US-Notenbank zunächst einmal abwarten, wie sich die US-Wirtschaft weiter entwickelt. So hatte sie auch bereits nach ihrer November-Zinssenkung darauf hingewiesen, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen konjunkturellen Abschwungrisiken und Inflationsgefahren zu sehen. Einige Analysten meinen allerdings, dass angesichts der weiter laufenden Diskussionen über Deflationsszenarien diese Risikoeinstufung wenig glaubwürdig ist.
Stimmungsfördernd
Immerhin scheint die letzte Zinssenkung jedoch stimmungsfördernd gewesen zu sein, wie zumindest einige Indikatoren und die Entwicklung an Wall Street in den vergangenen Wochen gezeigt haben. Andererseits haben die neuesten Arbeitsmarktdaten am Freitag die Zuversicht wieder etwas getrübt. Tatsächlich dürfte es auch noch wenigstens zwei bis drei Quartale dauern, bis sich der November-Zinsschritt ernsthaft realwirtschaftlich niederschlagen wird. Die monetäre Lockerung könnte dabei durch weitere Steuersenkungen in den USA unterstützt werden, über die die Bush-Regierung seit ihrem grandiosen Erfolg bei den Kongresswahlen nachdenkt.
Dennoch, insgesamt ist der Konjunkturoptimismus für 2003 in den USA nicht allzu groß. Hierfür sorgen - wie schon seit einiger Zeit - eine Reihe von Faktoren. Diese reichen von den nach wie vor bestehenden Leerkapazitäten der Industrie über die hohe Verschuldung des privaten Sektors bis hin zu den mäßigen Gewinnaussichten der Unternehmen. Damit verbunden sind ein unsicherer Konsum- wie auch Investitionsausblick. Zudem droht nach wie vor ein militärischer Konflikt mit Irak. Der zuletzt wieder schärfer gewordene Ton zwischen Washington und Bagdad dürfte hier nicht gerade für Beruhigung gesorgt haben, was vor allem auch mit Blick auf die Ölpreisentwicklung gilt.
Vor dem Hintergrund dieser Ausgangslage ist die in den vergangenen Wochen innerhalb der Fed angestoßene Diskussion über geldpolitische Alternativen jenseits von Leitzinsänderungen nicht verwunderlich. So haben Fed-Chairman Alan Greenspan und Fed-Board-Mitglied Ben Bernanke darauf verwiesen, dass die US-Notenbank auch bei Nullzinsen - und bis dahin sind es nur noch 125 Basispunkte - die Möglichkeit zur monetären Stimulierung der Konjunktur hat, beispielsweise über Interventionen am Bondmarkt. Das Signal, das die Fed dabei gegeben ist klar: lieber starke Inflationierung als der Absturz in die Deflation.
Die nächsten FOMC-Sitzungstermine (1. Halbjahr 2003): 28./29. Jänner, 18. März, 6. Mai sowie 24./25. Juni. (APA/vwd)