kanntet ihr den?
Dax-Gewinnschätzungen liegen viel zu hoch
Einbruch bei US-Einkaufsmanager-Index zeigt weitere Gefahren auf. Bei 17 deutschen Top-Titeln droht der Rotstift
Von Holger Zschäpitz
Berlin - Dieser Tage wirken Analysten wie Märchenonkel. Allerorten kommen Unternehmen wie etwa Phillip Morris, General Electric oder MyTravel mit Gewinnwarnungen heraus. Doch für die Dax-Unternehmen rechnen die Experten in diesem Jahr noch mit durchschnittlichen Gewinnsteigerungen um 49 Prozent. Und nicht nur das. Auch 2003 sollen die Gewinne der hiesigen Konzerne um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen, 2004 immerhin noch um 26 Prozent. Dabei ist Deutschland von der Schwäche der Weltkonjunktur besonders betroffen. Erst gestern signalisierte der Einbruch des US-Einkaufsmanagerindex unter die magische Marke von 50 die deutliche Gefahr eines abermaligen Wirtschaftseinbruchs an. Für die deutschen Unternehmen ist dies alles andere als ein gutes Umfeld für sprudelnde Ergebnisse. "Bei den Gewinnschätzungen besteht noch Revisionsbedarf nach unten", sagt Johannes Reich, Stratege beim Bankhaus Metzler. "Sollte es wirklich zu einer Rezession im kommenden Jahr kommen, werden die Konzerne kaum ihre Erträge steigern können. Der erwartete Gewinnanstieg um 49 Prozent wäre dann Geschichte."
Doch es bedarf nicht einmal einer Rezession, um an den aktuellen Prognosen zu zweifeln. Nach einer Analyse der WELT stehen hinter den Analysten-Konsens-Schätzungen von gleich 17 Dax-Unternehmen, nämlich Allianz, BASF, Bayer, Hypo-Vereinsbank, Commerzbank, Deutsche Telekom, Epcos, Fresenius Medical Care, Henkel, Infineon, MAN, MLP, Metro, Münchener Rück, SAP, Siemens und Thyssen-Krupp dicke Fragezeichen. Bei all diesen Unternehmen setzten in den vergangenen Wochen bereits erste Experten ihren Rotstift an und weitere dürften folgen.
... Für den Dax heißt dies insgesamt nichts gutes. Denn mit jeder Gewinnrevision bei den Unternehmen zeigt sich, dass Aktien gar nicht so billig sind. Würden die Dax-Firmen in diesem Jahr bei den Ergebnissen ein Nullwachstum hinlegen, läge das Kurs/Gewinn-Verhältnis bei 25 und damit 30 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. ... (Welt, 1.10.02)
Kommentar: In der Tat sind die Gewinnaussichten für die unternehmen noch viel zu hoch angesetzt und damit Aktien noch weit überbewertet. Der Crash muß also noch viel weiter nach unten gehen. Dabei könnte es eine vorübergehende Erholung geben, wenn der Krieg gegen den Irak losbricht. Das alles ändert jedoch nichts daran, daß unserem System schlicht das Fundament unter den Füßen zerbricht. Die Überschuldung der Wirtschaft ist inzwischen so hoch, daß selbst bei guten Bedingungen keine großen Gewinnsteigerungen mehr möglich sind. Deshalb sind die Betriebe dazu gezwungen Arbeitskräfte zu entlassen und Löhne zu kürzen. Automatisch setzt sich deshalb eine Deflationsspirale in Gang, welche aus Arbeitslosigkeit, sinkende Kaufkraft, unternehmenspleiten und Bankzusammenbrüche das Vermögen der Anleger vernichten wird. Niemand kann diese Entwicklung aufhalten, solange nicht das System an sich geändert wird - dazu jedoch scheint keiner der Verantwortlichen heute den Mut dazu zu haben.
Kommentar v. Günter Hannich
Echt fette Geinnsteigerungssraten sind zugrundegelegt. 49% in 2002 und 2003 usw. Wird das was?