Deutsche Bank: Renten werden Aktien langfristig schlagen
Studie hält festverzinsliche Titel für einträglicher / „Hausse der vergangenen Jahrzehnte war durch Sonderfaktoren bedingt“
mrm. München – Wer sein Geld in festverzinsliche Papiere statt in Aktien steckt, wird auf lange Sicht vermutlich besser fahren. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Bank. Den Berechnungen zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Dividendenpapiere in den kommenden 10 bis 20 Jahren bessere Erträge bringen als Anleihen, in den USA und Deutschland bei weniger als der Hälfte. Wichtigstes Argument: Der Börsenboom der vergangenen Jahrzehnte habe auf einer Reihe günstiger Faktoren beruht, die in absehbarer Zeit nicht mehr gegeben seien. Zudem seien Aktien im historischen Vergleich extrem teuer. „Aktien erscheinen überbewertet und anfällig für weitere Kurskorrekturen.“
Die Forscher aus der Bank-Abteilung für Globale Finanzmärkte nahmen vor allem zwei Aktien-Kennzahlen zum Maßstab: die Dividenden- und die Gewinnrendite. Basis beider Daten ist der aktuelle Kurs eines Unternehmens. Bei der Dividendenrendite wurde er in Relation gesetzt mit der Ausschüttung für das vergangene Geschäftsjahr, bei der Gewinnrendite mit dem Überschuss derselben Periode. Ergebnis für die Mitglieder des amerikanischen S&P-500- Index’: Beide Kennzahlen sind zuletzt stark gefallen – vor allem durch die gute Kursentwicklung – und liegen so niedrig wie seit mindestens drei Jahrzehnten nicht mehr. Insbesondere der Verfall der Dividendenrendite lasse erfahrungsgemäß künftig geringe Erträge aus Aktien erwarten, heißt es in der Studie weiter.
Wichtigste Gründe für die US-Hausse der vergangenen beide Jahrzehnte seien die sinkenden Inflationsraten und die fallenden langfristigen Zinsen gewesen. Denn eine geringere Teuerung spreche für ein stabiles wirtschaftliches Umfeld und steigere die Zuversicht in die Unternehmensgewinne. Und sinkende Zinsen machten Aktien als Alternativ-Investments generell attraktiver. Weitere Ursachen des Kursabschwunges seien niedrigere Steuern auf Kapitalerträge, das große Aktieninteresse der geburtenstarken Jahrgänge aus den 50ern, der Transport eines „übertriebenen Optimismus’ von Analysten“ über die Medien sowie die Ausweitung der Engagements von Pensionsfonds. „Es ist unwahrscheinlich, dass sich dieses außergewöhnliche Zusammentreffen unterstützender Faktoren wiederholen wird.“ Insbesondere sei kaum zu erwarten, dass sich die Inflationsrate weiterhin verringert.
Primär auf die USA bezogen
George Cooper, einer der Autoren der Studie, sagte auf SZ-Anfrage, die Ergebnisse der Analyse gälten grundsätzlich sowohl für den amerikanischen als auch für den deutschen Aktienmarkt. Allerdings sei die Überbewertung in der Bundesrepublik „weniger extrem“. Beispielsweise betrage die durchschnittliche Dividendenrendite der Dax-Werte immerhin noch 3 Prozent, während sie im S&P 500 bei lediglich 1,4 Prozent liege. Wichtiges Resultat der Studie für Investoren sei es, sich von der Vorstellung zu lösen, dass Aktien auf längere Sicht stets festverzinslichen Papieren überlegen seien. „Wir glauben, dies ist eine falsche Annahme.“ Privatanleger sollten für ihre Altersvorsorge die Konsequenz ziehen, mehr als bislang einzuzahlen und Anleihen zu favorisieren. Nach den Worten Coopers ergibt sich aus der Studie nicht, dass die Aktienkurse nun rasch nach unten gehen müssen. Es sei im Gegenteil durchaus vorstellbar, dass im Zuge einer US-Konjunkturerholung die Kurse kurzfristig wieder nach oben gehen, weil sich dann die Aussichten für die Unternehmensgewinne verbesserten.
Offen bleibt, ob die Deutsche Bank nun wegen dieser Studie ihre Portfolio-Empfehlungen verändern und eher von Aktien abraten wird. Nach den Worten Coopers ist seine Abteilung für solche Entscheidungen nicht zuständig. Und ein Pressesprecher in der Konzernzentrale wollte auf SZ-Anfrage keine Stellung nehmen
Donnerstag, 31.1.2002 aus der Süddeutschen Zeitung
Studie hält festverzinsliche Titel für einträglicher / „Hausse der vergangenen Jahrzehnte war durch Sonderfaktoren bedingt“
mrm. München – Wer sein Geld in festverzinsliche Papiere statt in Aktien steckt, wird auf lange Sicht vermutlich besser fahren. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Bank. Den Berechnungen zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Dividendenpapiere in den kommenden 10 bis 20 Jahren bessere Erträge bringen als Anleihen, in den USA und Deutschland bei weniger als der Hälfte. Wichtigstes Argument: Der Börsenboom der vergangenen Jahrzehnte habe auf einer Reihe günstiger Faktoren beruht, die in absehbarer Zeit nicht mehr gegeben seien. Zudem seien Aktien im historischen Vergleich extrem teuer. „Aktien erscheinen überbewertet und anfällig für weitere Kurskorrekturen.“
Die Forscher aus der Bank-Abteilung für Globale Finanzmärkte nahmen vor allem zwei Aktien-Kennzahlen zum Maßstab: die Dividenden- und die Gewinnrendite. Basis beider Daten ist der aktuelle Kurs eines Unternehmens. Bei der Dividendenrendite wurde er in Relation gesetzt mit der Ausschüttung für das vergangene Geschäftsjahr, bei der Gewinnrendite mit dem Überschuss derselben Periode. Ergebnis für die Mitglieder des amerikanischen S&P-500- Index’: Beide Kennzahlen sind zuletzt stark gefallen – vor allem durch die gute Kursentwicklung – und liegen so niedrig wie seit mindestens drei Jahrzehnten nicht mehr. Insbesondere der Verfall der Dividendenrendite lasse erfahrungsgemäß künftig geringe Erträge aus Aktien erwarten, heißt es in der Studie weiter.
Wichtigste Gründe für die US-Hausse der vergangenen beide Jahrzehnte seien die sinkenden Inflationsraten und die fallenden langfristigen Zinsen gewesen. Denn eine geringere Teuerung spreche für ein stabiles wirtschaftliches Umfeld und steigere die Zuversicht in die Unternehmensgewinne. Und sinkende Zinsen machten Aktien als Alternativ-Investments generell attraktiver. Weitere Ursachen des Kursabschwunges seien niedrigere Steuern auf Kapitalerträge, das große Aktieninteresse der geburtenstarken Jahrgänge aus den 50ern, der Transport eines „übertriebenen Optimismus’ von Analysten“ über die Medien sowie die Ausweitung der Engagements von Pensionsfonds. „Es ist unwahrscheinlich, dass sich dieses außergewöhnliche Zusammentreffen unterstützender Faktoren wiederholen wird.“ Insbesondere sei kaum zu erwarten, dass sich die Inflationsrate weiterhin verringert.
Primär auf die USA bezogen
George Cooper, einer der Autoren der Studie, sagte auf SZ-Anfrage, die Ergebnisse der Analyse gälten grundsätzlich sowohl für den amerikanischen als auch für den deutschen Aktienmarkt. Allerdings sei die Überbewertung in der Bundesrepublik „weniger extrem“. Beispielsweise betrage die durchschnittliche Dividendenrendite der Dax-Werte immerhin noch 3 Prozent, während sie im S&P 500 bei lediglich 1,4 Prozent liege. Wichtiges Resultat der Studie für Investoren sei es, sich von der Vorstellung zu lösen, dass Aktien auf längere Sicht stets festverzinslichen Papieren überlegen seien. „Wir glauben, dies ist eine falsche Annahme.“ Privatanleger sollten für ihre Altersvorsorge die Konsequenz ziehen, mehr als bislang einzuzahlen und Anleihen zu favorisieren. Nach den Worten Coopers ergibt sich aus der Studie nicht, dass die Aktienkurse nun rasch nach unten gehen müssen. Es sei im Gegenteil durchaus vorstellbar, dass im Zuge einer US-Konjunkturerholung die Kurse kurzfristig wieder nach oben gehen, weil sich dann die Aussichten für die Unternehmensgewinne verbesserten.
Offen bleibt, ob die Deutsche Bank nun wegen dieser Studie ihre Portfolio-Empfehlungen verändern und eher von Aktien abraten wird. Nach den Worten Coopers ist seine Abteilung für solche Entscheidungen nicht zuständig. Und ein Pressesprecher in der Konzernzentrale wollte auf SZ-Anfrage keine Stellung nehmen
Donnerstag, 31.1.2002 aus der Süddeutschen Zeitung