Stolperstein (es gibt noch ein paar weitere aus meiner Sicht) in den Schlußfolgerungen von Marx, nämlich der Glaube/Hoffnung, daß der von ihm prognostitierte Konzentrations- und Verelendungsprozeß letztlich zur Weltrevolution führe, in deren Anschluß ...
Pareto hatte einmal anhand von Einkommenssteuerstatistiken verschiedener Länder herausgefunden, daß sich eine immer wiederkehrende geradezu identische Verteilung der Einkommen in den Ländern ergab. Er stellte fest, daß der Anteil der Bevölkerung y, der eine bestimmte Einkommensgrenze x überschreitet, logarithmisch gegen x aufgetragen immer eine fallende Gerade ergab (bekannt als die sogenannte paretianische Einkommensverteilung). Ohne weitere (wissenschaftlich haltbare) Analyse folgerte er daraus, daß eben nur ein geringer Teil der Bevölkerung eines x-beliebigen Landes "leistungsfähig" genug sei, ein bestimmtes Einkommen zu erwirtschaften. Hätte er jemanden gefragt, der sich mit sowas auskennt, hätte er erfahren können, daß das was er da gefunden hatte, jeweils eine ganz banale Boltzmannverteilung war, also der Zustand MAXIMALER ENTROPIE bezogen auf die Einkommensverteilung. Dieser ist genau durch das Gegenteil seiner Annahmen gekennzeichnet, er beschreibt nämlich die Verteilung höchster Wahrscheinlichkeit, die sich bei REIN ZUFÄLLIGER Verteilung einer Größe y auf x ergibt, in diesem Fall also unabhängig von Eigenschaften wie "Leistungsfähigkeit".
Was hat das mit den Schlußfolgerungen von Marx zu tun ?
- Sehr einfach: Einen Determinismus hin zu einer vom Kapitalismus abweichenden Wirtschafts-/Gesellschaftsform gibt es nicht. Vielmehr ist der Kapitalismus das System, das sich "von selbst" wieder einstellt, wenn ein System geringerer Entropie (= geordneteres System: hier im Sinne der Einkommensverteilung) zusammenbricht, statt gezielt von einem anderen System höherer Ordnung unmittelbar abgelöst zu werden. Selbst wenn also Konzentration und Verelendung irgendwo einen ungeordneten spontanen Zusammenbruch auslösen sollten, so führt dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder nur zu einem mit dem vorherigen vergleichbaren System (immer bezogen auf den Ordnungsparameter). Ein geordneter Zustand kann demnach nur durch Einigung auf ein bestimmtes definiertes geordnetes System herbeigeführt werden, wobei die Summe der Größen, bezüglich die Ordnung herbeigeführt wird, dadurch zunächst absinkt (in diesem Beispiel das mittlere Einkommen).
Umgekehrt wird der Zusammenbruch eines Systems mit nahezu gleichen Einkommen einen Anstieg des mittleren Einkommens bewirken (können) und somit den Anschein höherer Effizienz des sich anschließenden (kapitalistischen) Systems erwecken.
Eine Gebrauchsanweisung für ein System mit "gerechterer" Einkommensverteilung muß also nach dieser (der Thermodynamik analogen) Betrachtungsweise gezielt Abweichungen vom Idealfall in Richtung größerer Entropie enthalten, weil es sonst instabil ist und durch geringste Störereignisse wieder zusammenbricht. Es braucht einen "metastabilen Arbeitspunkt". Um der hier vorliegenden Betrachtungsweise gerecht zu werden, muß Einkommen übrigens nicht notwendigerweise eine Erhaltungsgröße sein, es genügt das "Vorliegen von Quasistationarität in einem Fließgleichgewicht" (im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, daß die Austauschverhältnisse zwischen den Individuen deutlich schneller vonstatten gehen als die Veränderung der Gesamtgröße).