Kapitalflucht nach Deutschland


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Kapitalflucht nach Deutschland

 
08.02.07 23:07
HANDELSBLATT, Donnerstag, 8. Februar 2007, 20:42 Uhr
Schweizer legen an

Kapitalflucht nach Deutschland

Von Oliver Stock

Im Grenzdorf Jestetten spielen sich derzeit merkwürdige Szenen ab: Die Parkplätze in der 5000-Seelen-Gemeinde sind fast täglich gefüllt mit Autos mit Schweizer Kennzeichen. Kunden tragen ihre Geldkoffer in die beiden einzigen Banken des Ortes. Die kleinen Filialen von Volksbank und Sparkasse stehen bei den Eidgenossen hoch im Kurs. Das Konto mit gewöhnlicher Plastikkarte reizt sie aus ganz bestimmten Gründen.


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Kapitalflucht nach Deutschland 3080664
200051)" target=_new rel="nofollow" rel="nofollow" class="showvisited">Kapitalflucht nach Deutschland 3080664Zur Geldanlage nach Deutschland. Viele Schweizer locken Angebote mit für sie günstige Konditionen. Foto: ap

JESTETTEN. Blauburgunderland nennen sich die sanft geschwungenen Hügel bei Schaffhausen. Wer von Zürich den kürzesten Weg hierher wählt, muss zweimal den Pass zücken, weil er einige Kilometer durch deutsches Gebiet reist. Jestetten heißt die 5000-Seelen-Gemeinde, die er dann passiert. Der Ort ist auf drei Seiten umgeben von Schweizer Gebiet. Nur eine Volksbank und eine Sparkasse machen den Finanzplatz Jestetten aus. Er steht gleichwohl bei Schweizern hoch im Kurs.

Während Finanzminister Peer Steinbrück mit der jährlich anonym überwiesenen Zinsertragssteuer aus der Schweiz, die ihm von deutschen Kontoinhabern zufließt, in Berlin keine großen Löcher stopfen kann, könnte es sich für Steinbrücks Kollegen aus Bern, Hans-Rudolf Merz demnächst lohnen, ein kritisches Auge Richtung Jestetten zu werfen. Denn dass die Eidgenossen ihr Geld nicht zuletzt aus dem gleichen steuerlichen Grund ins Ausland schaffen wie die Deutschen – nur eben in die umgekehrte Richtung –, daraus machen die Bankenberater in Jestetten keinen Hehl.

Christian Merx beispielsweise ist hier Leiter der Vermögensberatung bei der Volksbank. Das Gebäude an der Schaffhauser Straße, in dem er arbeitet, sieht mit seinen vier von halb heruntergelassenen Rollos verdeckten Fenstern im Obergeschoss ein wenig aus wie ein Wohnhaus im Mittagssschlaf. Tatsächlich aber geht drinnen für Jestetter Verhältnisse die Post ab. Vier von sechs Autos, die auf dem Kundenparkplätzen stehen, tragen ein Schweizer Kennzeichen. Rund eine halbe Million Euro, die in der Schweiz verdient wurde, hat Merx allein in den vergangenen zwei Wochen neu entgegengenommen und auf die entsprechenden Konten seiner Schweizer Volksbank-Kunden verteilt.

„Mancher Kunde kommt mit dem Geldkoffer“, sagt der Vermögensberater. Ob die Eidgenossen die Zinsen, die ihr Geld in Deutschland abwirft, bei ihrem kantonalen Steueramt angeben, „können wir nicht beurteilen“, erklärt Merx – und es klingt nicht danach, als würde er sich gerne die Mühe machen, es beurteilen zu müssen. Klar ist nur, dass die benachbarten Behörden aus dem Land, das weder der Europäischen Union (EU) noch dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) angehört, einigen Aufwand betreiben müssten, wenn sie ihren Staatsbürgern auf die Schliche kommen wollten.

Und so machen denn Volksbanken und Sparkassen im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet munter Werbung um die lukrative Klientel aus der Alpenrepublik. „Zinserträge ohne Steuerabzug“ für Schweizer Kunden stellt die Volksbank Jestetten auf ihrem Selbstporträt als gewaltigen Pluspunkt heraus. „Als Schweizer Staatsbürger bekommen sie Zinserträge ohne Steuerabzug ausbezahlt – das lohnt sich!“ wirbt auch die Konkurrenz von der Sparkasse Hochrhein auf einer eigenen Seite ihrer Homepage um die finanzstarken Eidgenossen. Merx und sein Kollege Bernhard Behringer von der Sparkasse in Jestetten nennen aber noch andere, ganz handfeste Vorteile, warum es sich für die Eidgenossen lohnt, bei den Filialen im Grenzgebiet eine kreative Pause einzulegen.

Die Zinsen selbst sind in Deutschland viel höher als in der Schweiz. Die Großbanken UBS und Credit Suisse legen bei einem Privatkonto müde 0,125 Prozent obendrauf. In Jestetten sind es je nach Produkt mehr als drei Prozent.

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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für deutsche Banken spricht einiges

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Gleichzeitig hat der Wettbewerb mit den Direktbanken in Deutschland dazu geführt, dass die Kontoführungsgebühren sinken und teilweise ganz verschwunden sind. In der Schweiz geht die Entwicklung genau in die andere Richtung: Als eine der letzten Banken verlangt inzwischen auch die Migrosbank zum Ärger ihrer Kunden umgerechnet knapp zwei Euro monatliche Gebühr für die Kontoführung.

Schließlich freut es die Eidgenossen, wenn sie über ein Konto in Euro und die dazu gehörige Plastikkarte verfügen, mit der sie auf Ferienreise im Euro-Raum oder nur mal schnell vor dem Einkaufen bei den deutschen Discountern günstig von jedem Automaten Geld abheben können. Mit einem Schweizer Konto in Franken kostet auch eine solche Transaktion deutlich mehr.

Behringer sieht neben diesen offensichtlichen Vorteilen noch einen eher atmosphärischen Grund für die steigende Gunst, in der die grenznahen Banken bei den Eidgenossen stehen: Das beschauliche Jestetten mit seinen Kreditinstituten und den Vermögensberatern, die auch gern schnauzbärtig und in lockerer Kombination von Hose und Sakko auftreten, ist etwas anderes als das polierte Züricher Pflaster, wo Banker außer dunkelblauem allenfalls noch dunkelgraues Tuch tragen und das Eintrittsgeld für Kunden, die eine private Vermögensberatung suchen, bei mindestens einer halben Million Franken liegt.

Bei der Sparkasse Hochrhein beispielsweise gehören Kunden, die 100 000 Euro mitbringen, bereits zum erlauchten Kreis der Vermögenden, die speziell beraten werden. „In diesem Segment sind wir mit unserem Angebot konkurrenzlos“, meint Behringer. Dass daneben die Eidgenossen als Kunden gelten, die ihre Ausgaben im Griff haben, Girokonten nicht hoffnungslos überziehen und, wie ein Berater sich ausdrückt, „nicht ums letzte Achtel feilschen“, macht die Sache für die deutschen Banker umso angenehmer.

Die Gefahr allerdings, die aus Sicht des Schweizer Finanzministers darin besteht, dass der Trend zur Geldanlage im „Jestätter Zipfel“ zum Massenphänomen wird, ist noch nicht wirklich groß. Nach jüngsten Schätzungen der Schweizerischen Bankiervereinigung werden von Schweizer Banken mehr als sieben Billionen Franken betreut. Ein nicht unerheblicher Teil dieses Geldes stammt von deutschen Kunden. „Im Vergleich dazu“, sagt Behringer, „sind die Summen, die bei uns angelegt werden, sehr bescheiden.“

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Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wettbewerbsvorteile deutscher Banken

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Wettbewerbsvorteile deutscher Banken

Steuern:

Die Schweiz ist weder in der EU noch im Europäischen Wirtschaftsraum und tauscht mit ausländischen Finanzämtern keine Daten aus. Ob ein Schweizer Kunde seine Zinserträge aus Deutschland zu Hause versteuert, ist für Finanzminister Hans-Rudolf Merz daher eine spannende Frage.

Zinsen:

In Deutschland werden oft Zinsen auf Guthaben bei Girokonten gezahlt, die höher sind als in der Schweiz. Auch Geld, das für eine kurze Frist festgelegt wird, erzielt bei deutschen Banken höhere Erträge als in der Schweiz.

Gebühren:

Immer mehr Banken in Deutschland verzichten auf eine Kontoführungsgebühr. In der Schweiz dagegen ist der Trend umgekehrt. Karten Mit einer EC-Karte für ein deutsches Konto können Kunden im Euro-Raum günstiger Geld abheben, als mit der Karte einer Schweizer Bank.

Beratung:

Wenn Schweizer eine Vermögensberatung in Anspruch nehmen wollen, müssen sie im deutschen Grenzgebiet viel weniger Geld mitbringen als in der Heimat.

Antworten
pinguin260665:

Alta...

 
08.02.07 23:09
ich hab keine Lust, Romane zu lesen;-)




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The stock exchange can be cruel  
Antworten
permanent:

schlaf schön o. T.

 
08.02.07 23:10
Antworten
Nimbus2007:

Deshalb hab ich ja auch die Commerzbank im Depot o. T.

 
08.02.07 23:15
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