Die Welt der Philologen blickt nun schon seit Jahrhunderten mit weit aufgerissenen Intellektuellen-Augen und schweissnassen Grobstrickpullundern auf das mannigfaltige Angebot deutscher Wortschöpfungen. Ob nun "Weltschmerz", "Zeitgeist", "Bildungsbürgertum", "Wanderlust", "Schöngeist" oder "Schadenfreude": all diese eigenartigen Konstruktionen sind Ausdruck eines Kulturverständnisses, dessen Ursprung oft in der deutschen Seele selbst verborgen ist. Aber liebe Woody Allens und Susan Sonntags der Gegenwart: kennt ihr schon das eklige Wort "Kaffeedurst"?
Kaffeedurst. Das gibt es wirklich. Zwar muss ich eingestehen, dass das hübsche eklige Wort zunehmend durch die Espresso-isierung, Ruccola-isierung und Prosecco-isierung der von mir immer wieder gerne erwähnten, feinbürgerlichen Cool-Hip-Gesellschaft im Kampf gegen die gemeine Kohlroulade muffiger Nachkriegskultur, gefährdet wird - es gibt aber durchaus noch Winkel und Ecken im deutschen Sprachraum, in denen man diese drollige Vokabel vernehmen kann.
So zum Beispiel auf dem Bus-Parkplatz der Bundesgartenschau 2001 in Potsdam - einem Endpunkt so manch anstrengender Autobahn- Landstraßen- und Spreegurkerei. Die Ansammlung moderner Reisebusse, die einen wegen der insektenfühler-artigen Seitenspiegel eher an Weltraumriesenheuschrecken, denn an Reiseunternehmen mit Namen wie "Kriner Kruen Ferienglück", Ehrlich-Touristik oder Sippeltravel erinnern, ließ mich zu einem staunend stehenden Hindernis auf lehmiger Parkplatzscholle erstarren.
Erst das Hupen eines Busfahrers namens "Manni" (so auf dem an der Windschutzscheibe platzierten, ziemlich großen Blechschild gelesen) bewirkte, dass sich mein Körper Haken schlagend an die Seite rettete. Die Ohren vor Aufregung angelegt und mit pumpendem Herzchen ließ ich mich auf einem Zaunbalken nieder und beobachtete das Geschehen. Der Busfahrer stoppte den Motor mit einem laut furzenden Geräusch, woraufhin sich die Tür öffnete und drei übergewichtige, rotgesichtige Damen mit Wollhüten und Handtaschen auf Brandenburger Boden landeten, um kurz darauf ein ebensolches Geräusch wie das des Motors von sich zu geben.
"Herrliche Luft hier. Wie das riiiecht"
"W.u.n.d.e.r.b.a.r"
"H.e.r.r.l.i.c.h! Jetzt bin ich auch ganz schön geschafft."
(...erneutes Donnern, weitere behandtaschte Gestalten plumpsen aus "Mannis" Reisebus.)
"Jetzt habe ich aber so richtig Kaffeedurst"
"Du sagst es, Annemarie, und dazu ein ordentliches Stück Torte"
"Ich persönlich könnte gut was Herzhaftes essen, 'n schönes Wurstbrot oder so - Kaffeedurst habe ich allerdings auch."
Ich folge den drei holden Grazien. Sie passieren den Eingang zum Buga-Gelände und bewegen sich schnurstracks und wie GPS-gesteuert zum BUGA-Gastro-Bereich, lassen sich nieder und bestellten tatsächlich eimerweise Kaffee, Sahnetorte und belegte, hilflos mit Petersilie garnierte Wurstbrote.
Den Kaffee konsumierten sie zwar damenhaft mit abgespreiztem Fingerchen, jedoch konnte man über die Trinkgeschwindigkeit nur staunen.
Hätte ein Strömungstechniker eine Mess-Sonde in einer der drei Speiseröhren platziert, so hätte er vermutlich eine Revolution in der modernen Turbinenforschung ausgelöst.
Quelle: s.i.n. olex
Kaffeedurst. Das gibt es wirklich. Zwar muss ich eingestehen, dass das hübsche eklige Wort zunehmend durch die Espresso-isierung, Ruccola-isierung und Prosecco-isierung der von mir immer wieder gerne erwähnten, feinbürgerlichen Cool-Hip-Gesellschaft im Kampf gegen die gemeine Kohlroulade muffiger Nachkriegskultur, gefährdet wird - es gibt aber durchaus noch Winkel und Ecken im deutschen Sprachraum, in denen man diese drollige Vokabel vernehmen kann.
So zum Beispiel auf dem Bus-Parkplatz der Bundesgartenschau 2001 in Potsdam - einem Endpunkt so manch anstrengender Autobahn- Landstraßen- und Spreegurkerei. Die Ansammlung moderner Reisebusse, die einen wegen der insektenfühler-artigen Seitenspiegel eher an Weltraumriesenheuschrecken, denn an Reiseunternehmen mit Namen wie "Kriner Kruen Ferienglück", Ehrlich-Touristik oder Sippeltravel erinnern, ließ mich zu einem staunend stehenden Hindernis auf lehmiger Parkplatzscholle erstarren.
Erst das Hupen eines Busfahrers namens "Manni" (so auf dem an der Windschutzscheibe platzierten, ziemlich großen Blechschild gelesen) bewirkte, dass sich mein Körper Haken schlagend an die Seite rettete. Die Ohren vor Aufregung angelegt und mit pumpendem Herzchen ließ ich mich auf einem Zaunbalken nieder und beobachtete das Geschehen. Der Busfahrer stoppte den Motor mit einem laut furzenden Geräusch, woraufhin sich die Tür öffnete und drei übergewichtige, rotgesichtige Damen mit Wollhüten und Handtaschen auf Brandenburger Boden landeten, um kurz darauf ein ebensolches Geräusch wie das des Motors von sich zu geben.
"Herrliche Luft hier. Wie das riiiecht"
"W.u.n.d.e.r.b.a.r"
"H.e.r.r.l.i.c.h! Jetzt bin ich auch ganz schön geschafft."
(...erneutes Donnern, weitere behandtaschte Gestalten plumpsen aus "Mannis" Reisebus.)
"Jetzt habe ich aber so richtig Kaffeedurst"
"Du sagst es, Annemarie, und dazu ein ordentliches Stück Torte"
"Ich persönlich könnte gut was Herzhaftes essen, 'n schönes Wurstbrot oder so - Kaffeedurst habe ich allerdings auch."
Ich folge den drei holden Grazien. Sie passieren den Eingang zum Buga-Gelände und bewegen sich schnurstracks und wie GPS-gesteuert zum BUGA-Gastro-Bereich, lassen sich nieder und bestellten tatsächlich eimerweise Kaffee, Sahnetorte und belegte, hilflos mit Petersilie garnierte Wurstbrote.
Den Kaffee konsumierten sie zwar damenhaft mit abgespreiztem Fingerchen, jedoch konnte man über die Trinkgeschwindigkeit nur staunen.
Hätte ein Strömungstechniker eine Mess-Sonde in einer der drei Speiseröhren platziert, so hätte er vermutlich eine Revolution in der modernen Turbinenforschung ausgelöst.
Quelle: s.i.n. olex