Währungsunion
Juncker fürchtet Zerfall der Euro-Zone
Die schwere Finanzkrise in Griechenland bereitet Jean-Claude Juncker Sorgen – und nährt Befürchtungen über ein Auseinanderdriften der Euro-Zone. Der Chef der Euro-Gruppe und luxemburgische Ministerpräsident mahnt, die Unterschiede zwischen den 16 Ländern der Währungsunion nicht zu groß werden zu lassen. Den Griechen will er „keine Ruhe lassen“.
HB BERLIN. Die schwere Finanzkrise in Griechenland nährt Befürchtungen über ein Auseinanderdriften der Euro-Zone. Der Chef der Euro-Gruppe und luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker mahnte deshalb, die Unterschiede zwischen den 16 Ländern der Währungsunion nicht zu groß werden zu lassen. „Wir müssen aufpassen, dass die Divergenzen nicht immer breiter werden“, sagte Juncker der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagausgabe).
Der italienische EZB-Banker Mario Draghi ermahnte die Regierung in Athen, dass Investoren nur dann neue Anleihen kaufen würden, wenn Griechenland einen harten Sparkurs einschlagen werde. Wie Juncker und Draghi machten auch deutsche Politiker klar, dass die Griechen nicht automatisch auf europäische Hilfe rechnen können, sondern ihr riesiges Haushaltsdefizit zunächst aus eigener Kraft verringern müssen.
Mit dem Plazet der Europäischen Union will die sozialistische Regierung in Athen ihr Defizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts mit einer Rosskur binnen drei Jahren auf die zulässige Obergrenze von drei Prozent senken. Die Krise lastet schwer auf dem Euro-Kurs, der zum Wochenende zeitweise auf ein Neun-Monats-Tief von 1,35 Dollar fiel. Die Kurse griechischer Staatsanleihen sanken weiter.
Juncker sagte, die Euro-Gruppe werde sich künftig intensiver mit der Wettbewerbsfähigkeit einzelner Mitgliedsländer befassen.
„Wir betrachten die mangelnde Beschäftigung mit der griechischen Lage als mittelmäßig schweren Unterlassungsfehler.“ Eine Währungszone könne auf Dauer nicht bestehen, „wenn die Unterschiede in den Leistungsbilanzen der Volkswirtschaften übergroß werden“. Zwar dürfe es Unterschiede zwischen den einzelnen Euro-Ländern geben, diese dürften aber nicht zu groß werden. An ein Zerbrechen der Euro-Zone glaube er aber nicht.
Juncker kündigte strenge Kontrollen für Griechenland an. Die Griechen müssten sich auf dauernde Fragen nach dem Stand ihres Reformprogramms einstellen. „Wir werden ihnen keine Ruhe lassen“, sagte Juncker. Die griechische Regierung müsse ihr Haushaltsdefizit mit Entschlossenheit bekämpfen und werde dabei streng von EU-Kommission und EZB kontrolliert, erklärte auch Draghi. Ähnlich wie Juncker sprach sich der italienische Notenbankchef dafür aus, dass die EU-Staaten künftig ihre Wirtschaftspolitik besser aufeinander abstimmen sollten.
Der luxemburgische Regierungschef machte ebenfalls deutlich, dass Griechenland seine Finanzprobleme zunächst alleine bewältigen müsse. „Die griechische Regierung muss wissen, dass es ihre ureigene Sache ist, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen.“ Wenn die Griechen alles unternähmen, würden die Europäer ihnen solidarisch zur Seite stehen. „Wir werden im Falle, dass der griechische Staat Refinanzierungsprobleme hat, ihm bei der Bewältigung derselben helfen.“
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter, machte ebenfalls deutlich, dass Griechenland die Krise selbst bewältigen müsse.
Der deutsche Steuerzahler sei nicht für griechische Defizite verantwortlich, sagte der CDU-Politiker dem rbb-Inforadio.
Juncker: Auch Deutschland war Defizitsünder
Der stellvertretende griechische Außenminister Dimitris Droutsas sicherte zu, sein Land werde die Krise aus eigener Kraft bewältigen. Die politische Unterstützung der EU sei dennoch sehr wichtig. Er sei zuversichtlich, dass die Finanzmärkte darauf positiv reagieren würden, sagte Droutsas im Deutschlandradio Kultur.
Die Finanzminister der Euro-Länder werden sich Anfang kommender Woche mit der Griechenland-Krise beschäftigen. Beschlüsse über konkrete Finanzhilfen sind von dem Treffen nach Angaben von EU-Diplomaten nicht zu erwarten.
Juncker warnte davor, den südeuropäischen Ländern ein schlechteres Wirtschaften als den Nordeuropäern vorzuwerfen. „Mit Verlaub, ich würde nicht so despektierlich über die Südländer reden.“ 2003 seien es Deutschland und Frankreich gewesen, die die Grenzen des Stabilitätspaktes verletzt hätten.
http://www.handelsblatt.com/politik/...erfall-der-euro-zone;2529291;2
Juncker fürchtet Zerfall der Euro-Zone
Die schwere Finanzkrise in Griechenland bereitet Jean-Claude Juncker Sorgen – und nährt Befürchtungen über ein Auseinanderdriften der Euro-Zone. Der Chef der Euro-Gruppe und luxemburgische Ministerpräsident mahnt, die Unterschiede zwischen den 16 Ländern der Währungsunion nicht zu groß werden zu lassen. Den Griechen will er „keine Ruhe lassen“.
HB BERLIN. Die schwere Finanzkrise in Griechenland nährt Befürchtungen über ein Auseinanderdriften der Euro-Zone. Der Chef der Euro-Gruppe und luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker mahnte deshalb, die Unterschiede zwischen den 16 Ländern der Währungsunion nicht zu groß werden zu lassen. „Wir müssen aufpassen, dass die Divergenzen nicht immer breiter werden“, sagte Juncker der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagausgabe).
Der italienische EZB-Banker Mario Draghi ermahnte die Regierung in Athen, dass Investoren nur dann neue Anleihen kaufen würden, wenn Griechenland einen harten Sparkurs einschlagen werde. Wie Juncker und Draghi machten auch deutsche Politiker klar, dass die Griechen nicht automatisch auf europäische Hilfe rechnen können, sondern ihr riesiges Haushaltsdefizit zunächst aus eigener Kraft verringern müssen.
Mit dem Plazet der Europäischen Union will die sozialistische Regierung in Athen ihr Defizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts mit einer Rosskur binnen drei Jahren auf die zulässige Obergrenze von drei Prozent senken. Die Krise lastet schwer auf dem Euro-Kurs, der zum Wochenende zeitweise auf ein Neun-Monats-Tief von 1,35 Dollar fiel. Die Kurse griechischer Staatsanleihen sanken weiter.
Juncker sagte, die Euro-Gruppe werde sich künftig intensiver mit der Wettbewerbsfähigkeit einzelner Mitgliedsländer befassen.
„Wir betrachten die mangelnde Beschäftigung mit der griechischen Lage als mittelmäßig schweren Unterlassungsfehler.“ Eine Währungszone könne auf Dauer nicht bestehen, „wenn die Unterschiede in den Leistungsbilanzen der Volkswirtschaften übergroß werden“. Zwar dürfe es Unterschiede zwischen den einzelnen Euro-Ländern geben, diese dürften aber nicht zu groß werden. An ein Zerbrechen der Euro-Zone glaube er aber nicht.
Juncker kündigte strenge Kontrollen für Griechenland an. Die Griechen müssten sich auf dauernde Fragen nach dem Stand ihres Reformprogramms einstellen. „Wir werden ihnen keine Ruhe lassen“, sagte Juncker. Die griechische Regierung müsse ihr Haushaltsdefizit mit Entschlossenheit bekämpfen und werde dabei streng von EU-Kommission und EZB kontrolliert, erklärte auch Draghi. Ähnlich wie Juncker sprach sich der italienische Notenbankchef dafür aus, dass die EU-Staaten künftig ihre Wirtschaftspolitik besser aufeinander abstimmen sollten.
Der luxemburgische Regierungschef machte ebenfalls deutlich, dass Griechenland seine Finanzprobleme zunächst alleine bewältigen müsse. „Die griechische Regierung muss wissen, dass es ihre ureigene Sache ist, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen.“ Wenn die Griechen alles unternähmen, würden die Europäer ihnen solidarisch zur Seite stehen. „Wir werden im Falle, dass der griechische Staat Refinanzierungsprobleme hat, ihm bei der Bewältigung derselben helfen.“
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter, machte ebenfalls deutlich, dass Griechenland die Krise selbst bewältigen müsse.
Der deutsche Steuerzahler sei nicht für griechische Defizite verantwortlich, sagte der CDU-Politiker dem rbb-Inforadio.
Juncker: Auch Deutschland war Defizitsünder
Der stellvertretende griechische Außenminister Dimitris Droutsas sicherte zu, sein Land werde die Krise aus eigener Kraft bewältigen. Die politische Unterstützung der EU sei dennoch sehr wichtig. Er sei zuversichtlich, dass die Finanzmärkte darauf positiv reagieren würden, sagte Droutsas im Deutschlandradio Kultur.
Die Finanzminister der Euro-Länder werden sich Anfang kommender Woche mit der Griechenland-Krise beschäftigen. Beschlüsse über konkrete Finanzhilfen sind von dem Treffen nach Angaben von EU-Diplomaten nicht zu erwarten.
Juncker warnte davor, den südeuropäischen Ländern ein schlechteres Wirtschaften als den Nordeuropäern vorzuwerfen. „Mit Verlaub, ich würde nicht so despektierlich über die Südländer reden.“ 2003 seien es Deutschland und Frankreich gewesen, die die Grenzen des Stabilitätspaktes verletzt hätten.
http://www.handelsblatt.com/politik/...erfall-der-euro-zone;2529291;2