Die chinesische Handelskammer für Import und Export wird in Kürze Verhandlungen mit der EU aufnehmen und offenbar folgenden Kompromissvorschlag vorlegen:
- Modulmindestpreise zwischen 0,50 bis 0,54 €/W
- jährliches Import-Kontingent für chinesische Solarprodukte von 10 GW
Dass die EU-Kommission diese chinesische Vorschläge annimmt kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. So kosten europäischen Module derzeit zwischen 0,60 bis 0,70 €/W und die Unternehmen machen mit diesen Preisen Verluste.
Es wird in der EU ein Solarzubau in diesem Jahr von um die 12 bis 13 GW erwartet und damit würde China mit einem Import-Kontingent von 10 GW einen Marktanteil von 77 bis 83% in Europa erreichen können.
Der Link dazu:
solarpvinvestor.com/spvi-news/...entative-to-negotiate-with-eu
("Chinese PV Companies Representative to Negotiate with EU")
Sollte es wirklich bis zum August zu einer Einigung kommen zwischen der EU-Kommission und China um die vorläufigen Zölle bis Dezember zu verhindern, dann müssen die Chinesen wohl ihre Verhandlungsvorschläge deutlich verändern mit höheren Mindestpreisen (meine Schätzung 15 bis 20% höher) und einem deutlich niedrigeren Importdeckel von 5 bis 6 GW, so dass die China-Solaris in der EU einen Marktanteil von unter 50% haben.
Die chinesische Regierung hat heute wieder mal bekräftigt, dass man "den blinden Ausbau der Solarfertigungskapazitäten eindämmen wird". Jedoch hat die chinesische Regierung auch gesagt, dass man Unternehmensfinanzierungen erleichtern wird umso die inländische Branchenkonsolidierung zu forcieren (den Starken und Großen wird geholfen und den Finanzschwachen wird der Garaus gemacht). Außerdem will China Übernahmen und Fusionen fördern. Darüber hinaus wird China die Solar-Binnennachfrage weiterhin stark unterstützen. So werden chinesische Energieversorger aufgefordert Solarstrom bevorzugt zu kaufen. Das leidige Thema Stromnetze wird China jetzt auch in die Hand nehmen und es müssen Hochspannungsnetze von den Energieversorger gebaut werden sobald der Bau eines genehmigten Solarkraftwerkes beginnt, so dass das Solarkraftwerk ohne große Verzögerung ans Stromnetz gehen kann. Das ist heute bei weitem nicht der Fall bei größeren Solarkraftwerken.
Hier die Links dazu:
www.businessweek.com/news/2013-06-14/...financing-cabinet-says
("China to Aid Solar Industry by Easier Financing, Cabinet Says")
www.shanghaidaily.com/nsp/Business/2013/06/...olar%2Bindustry/
("State Council takes action to boost domestic solar industry")
In den nächsten Wochen (Ende Juni ??) steht die endgültige Entscheidung an wie hoch in China die Einspeisevergütungen ausfallen werden. Für Jinko ist das eine sehr wichtige Entscheidung auf dem Weg in Richtung Profitabilität. Erstens weil Jinko selbst Solarkraftwerksprojekte in China umsetzt und zweitens weil China für Jinko der mit Abstand größte Absatzmarkt ist mit einem zu erwartendem Moduljahresabsatzanteil von um die 50% in diesem Jahr (ca. 800 MW). Jinko hat derzeit immerhin in China 140 MW an eigenen Solarkraftwerksprojekte am Laufen und man wird weitere rd. 200 bis 250 MW in diesem Jahr noch in Angriff nehmen.
Laut dem ersten Entwurf zur „distributed generation“ soll zusätzlich zum lokalen Strompreis eine Einspeisevergütung von 0,06 $/kWh (0,35 RMB/kWh) gezahlt werden. Zusammen mit dem durchschnittlichen chinesischen Strompreis von rd. 0,12 $/kWh (0,75 RMB/kWh) würde das für ein Solarkraftwerk eine Vergütung von 0,18 $/kWh ergeben (1,1 RMB/kWh). Das soll dann für 20 Jahre garantiert werden und wird die Investitionssicherheit ganz gehörig gewährleisten können. Hoffentlich kommt bald diese Entscheidung, denn dann ist eine Unsicherheit für Jinko erst mal weg. Gemunkelt wird, dass die Einspeisevergütungen sogar um rd. 30% bzw. auf 0,08 $/kWh gegenüber dem ersten Vorschlag noch erhöht werden könnten. Für Jinko wäre das natürlich eine absolute Topmeldung. Damit würden die Gewinnmargen für Jinkos eigene Solarkraftwerksprojekte, die nach Angaben von Jinko aktuell zwischen 10 bis 15% liegen, in Richtung 20% oder leicht darüber steigen.
Wenn die großen Unischerheiten von EU-Zöllen nicht wäre, dann würde es für Jinko als Unternehmen und vor allem für die Aktie richtig gut aussehen. Die Aussichten werden für die Solarbranche und somit auch für Jinko von Monat zu Monat besser:
- die globale Nachfrage beschleunigt sich gegenüber 2012 (Nachfrage: 30 GW) in 2013 (erwartete Nachfrage bei 35 GW) und 2014 (erwartete Nachfrage > 40 GW).
- durch die Branchenkonsolidierung in den letzten 12/18 Monate sind relativ große Produktionskapazitäten vom Markt verschwunden, vor allem die technologisch und fertigungstechnischen sehr anspruchsvollen Zellfertigungskapazitäten. Die effektiven Zellfertigungskapazitäten auf Siliziumbasis liegen nur noch bei um die 50 GW. Laut den letzten Quartalsberichten der Chinesen, Taiwanesen und Japaner, bei denen insgesamt etwa 90% aller Siliziumzellfertigungskapazitäten stehen, sind etwa zwei Drittel der führenden Zellen– und voll integrierten Modulhersteller voll ausgelastet. Das trifft auch auf Jinko zu. Da derzeit kaum in ZEllfertingungskapazitäten investiert wird, ist abzusehen, dass es in 12/18 Monaten bei den Zellen zu Engpässen kommen könnte.
- in vielen Länder hat Solar mittlerweile die Grid Parity („Netzparität“) erreicht, was weiteres Wachstum auch ohne jegliche staatlichen Subventionen erhoffen lässt.