Jeden Tag eine neue Leiche: Auf Enron folgt Global


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sir charles:

Jeden Tag eine neue Leiche: Auf Enron folgt Global

 
26.02.02 09:35
Jeden Tag eine neue Leiche: Auf Enron folgt Global Crossing

Machenschaften werfen nun ein schiefes Licht auf die Telekom-Branche der USA.



WASHINGTON. Die Enthüllungen im Fall Global Crossing (GX) folgen Schlag auf Schlag, die Verfehlungen sind möglicherweise noch gravierender als beim Energiekonzern Enron. Der Zusammenbruch des Telekom-Konzerns GX war der viertgrößte Bankrott der US-Geschichte. Die Aktionäre verloren alles, die Gläubiger erlitten Verluste von mehr als zwölf Mrd. Dollar (13,77 Mrd. Euro/ 189,5 Mrd. S). Auch die Angestellten verloren das meiste, was sie hatten: Die Sozialplan-Zahlungen wurden am Tag der Bankrotterklärung (28. Jänner) gestoppt, die Krankenkasse wurde an jenem Tag gestrichen - und dies, obwohl der Konzern noch 600 Mill. Dollar besaß.

Den Top-Managern erging es wesentlich besser, wie Recherchen der "New York Times" und anderer Blätter jetzt zeigen. John Legere, der gegenwärtige Konzernchef, bekam bei seinem Eintritt im Oktober einen Bonus von 3,5 Mill. Dollar, obwohl er bereits CEO der GX- Schwester "Asian Global Crossing" war, und ein Darlehen von zehn Mill. Dollar, das er nicht zurückzahlen muß, wenn er ein weiteres Jahr bei GX bleibt.

Mitte Jänner, als der Bankrott unmittelbar bevorstand, zog der Verwaltungsrat das Auszahlungsdatum für die Saläre der übrigen Chefs um eine Woche vor, um die Zahlungen noch rechtzeitig vor dem Bankrott abwickeln zu können. Bereits im Dezember waren die Statuten des "zusätzlichen Pensionskassenplans" für die Manager geändert worden, damit diese ihre Pensionszahlungen sofort bekamen statt erst in ein paar Jahren. 65 Manager machten von dem Angebot Gebrauch, die Firma verteilte 15 Mill. Dollar. Die Manager haben dank des Verkaufs von Aktien und Optionen 1,3 Mrd. Dollar herausgeholt - mehr als bei Enron.

Die Zahlungen an die Manager wurden vom Verwaltungsrat abgesegnet, als Begründung dienten die offiziellen Umsatz- und Gewinnzahlen. Aber diese waren höchstwahrscheinlich frisiert, wie sich jetzt herausstellt. Denn Global Crossing bediente sich in großem Stil sogenannter "swaps". Diese erlauben es Telekom-Gesellschaften, die Netze ihrer Konkurrenten zu benützen. Im Gegenzug beteiligt man sich am Bau neuer Netze.

Fragwürdige Geschäfte

Buchhalterisch ist dies attraktiv, denn die Miete kann man als Einnahme verbuchen, während die Gegenzahlung aus der Ertrags- und Verlustrechnung herausgehalten werden kann. Solche Swaps sind in der Branche offenbar gang und gäbe - ein weiteres Problem, dem die Behörden jetzt langsam ihre Aufmerksamkeit schenken. Aber GX erhob die "swaps" zu einer neuen Kunstform. Man beteiligte sich an Dutzenden Projekten, deren Sinn fragwürdig oder inexistent war. Die meisten Swaps wurden wenige Tage vor Quartalsende abgeschlossen.

Die Revisionsfirma, Arthur Andersen, drückte dabei beide Augen zu. Der Finanzchef von GX, Joe Perrone, war von Andersen gekommen; dort war er für das GX-Dossier zuständig gewesen - solche Frontwechsel sind in der US-Revisionsbranche üblich. Perrones Sohn besitzt eine kleine Internet-Firma in Chicago. Ihr schanzte GX, offenbar ohne Wissen des Verwaltungsrats, lukrative Aufträge zu. Dies, obwohl die Firma des Sohns in der Branche völlig unbekannt ist.

Nicht ideal war auch die Zusammensetzung des Verwaltungsrats. Denn vier der elf Mitglieder waren GX-Manager. Einer war ein Anwalt, der allein im Jahr 2000 von GX 900.000 Dollar an Honoraren erhalten hatte, und ein weiteres Mitglied war die Chefin der privaten Vermögensverwaltungs-Abteilung von J. P. Morgan - vermutlich die Firma, die den Hauptteil der Vermögen der GX-Manager verwaltet. J. P. Morgan, deren Beziehungen zu Enron und Global Crossing nun auch von der US-Notenbank Fed unter die Lupe genommen werden, war auch der größte Gläubiger von GX.

Inzwischen sind weitere seltsame Umstände zum Vorschein gekommen. GX-Chef Gary Winnick und Verwaltungsrat Steven Green beteiligten sich kurz vor dem Bankrott an "K 1 Ventures". Diese Firma wird von der Regierung von Singapur kontrolliert, die angeboten hat, zusammen mit Hutchison Whampoa den bankrotten GX-Konzern für 750 Mill. Dollar zu übernehmen. Dies würde zwar den Aktionären nichts bringen, aber die Gläubiger teilweise entschädigen.


Winnick und Green investierten je 12,5 Mill. Dollar. Green, ehemaliger US-Botschafter in Singapur, benützte dabei seine private Anlagefirma "Greenstreet". Den GX-Verwaltungsrat informierten sie jedoch nicht, und auch die Gläubiger erfuhren von den Privatgeschäften nichts.


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