London, 17. Mai (Bloomberg) - Ist er in Ungnade gefallen, will er nicht mehr oder will man ihn loswerden? Grosses Rätesraten um Guy Hands, Europas umstrittenstem und eventuell gefährlichstem Finanzier. Hands, der quasi im Alleingang den Private Equity Markt in Europa zum Blühen gebracht hat, will die Finanzsparte von Nomura International Plc verlassen und seinen eigenen Fonds auflegen. Warum? Hands wollte von den Japanern noch mehr Investitionskapital und nachdem sie dies wohl abgelehnt haben, hat er das Handtuch geworfen und will mit seinem Team zu neuen Ufern aufbrechen. Wenn er das schafft, dürfte sein neuer Fonds noch mehr Schaden in der europäischen Wirtschaft anrichten.
Der Aufstieg von Guy Hands beweist mal wieder, dass an den Finanzmärkten ganz schlechte Ideen niemals komplett aussterben: sie erhalten einen neuen Anstrich, eine Generalüberholung und werden als brandneu verkauft. Den Dinosaurier, den Hands hat wieder aufleben lassen, sind die Mischkonzerne.
Als Hands 1995 zu Nomura kam, befand sich der Private Equity Markt in Europa in einer Art Dornröschenschlaf. Seine Idee war einfach, aber genial. Er nutzte Nomuras Finanzkraft, um Kapital zu beschaffen, Unternehmen billig einzukaufen und sie dann mit einem Profit wieder zu verkaufen.
Hands ist äußerst einflussreich, eine ganze Legion von Nachahmern folgte seinem Beispiel. Wann immer heutzutage ein Unternehmen in Großbritannien zum Verkauf ansteht, finden sich immer Beteiligungskapitalfirmen unter den Bietern. Private Equity Fonds investierten in Europa im letzten Quartal 2000 13 Mrd. Dollar und weitere 5 Mrd. Dollar im ersten Quartal, berichtet Thomson Financial. Das sind gewaltige Summen, so dass große Bereiche der europäischen Volkswirtschaft sich in den Händen der Beteiligungskapitalfonds befinden.
Auch Hands hat dabei ein kleines Vermögen gemacht. Er handelte mit Nomura eine großzügige Vereinbarung aus, so dass ihm 10 Prozent der Gewinne, die sein Fonds erwirtschaftete, zustanden. Die Zeitung Sunday Times schätzt sein persönliches Vermögen auf 125 Mio. Pfund. Seine Erfolgsgeschichte hat eine ganze Generation von cleveren und ehrgeizigen Investmentbankern inspiriert, eigene Private Equity-Fonds aufzulegen, denn auch sie wollten so das große Geld machen.
Die Banken schauten ebenfalls neidisch auf die Gewinne von Nomura und wollten ein Stück von dem Kuchen abhaben. Aber ist Hands wirklich der "Einstein" des Private Equity Sectors oder wurde er nur erfolgreich als Finanzgenie vermarktet. Fest steht: Innerhalb von sechs Jahren hat er nur einen großen Wurf gelandet, eine Transaktion eingefädelt, die ganz ordentlich war, und viele andere, bei denen der Ausgang noch ungewiss ist.
Private Equity hat einen großen Vorteil: Die Zahlen werden nicht veröffentlicht, und die Performance der Unternehmen, die sich im Portefeuille der Fonds befindet, werden nicht so kritisch unter die Lupe genommen wie bei börsennotierten Unternehmen. Wenn nur genügend die Trommel gerührt wird, wie erfolgreich sie sind, kann niemand das Gegenteil beweisen. Hier wird vieles wird hier unter den Teppich gekehrt und einige Leichen befinden sich im Keller.
Nomuras genialer Coup war die Übernahme von Angel im Jahr 1996. Das Brokerhaus verkaufte die Zugleasinggesellschaft zwei Jahre später mit einem Gewinn von 400 Mio. Pfund. Ganz ordentlich war der Kauf des Buchmachers William Hill, der mit einem Profit von 125 Mio. Pfund wieder verkauft wurde. Aber in erster Linie hat Hands rundum eingekauft. Er kaufte 5.500 britische Pubs (obwohl die Briten weniger trinken), er kaufte 64.000 deutsche Eisenbahnerwohnungen (obwohl sich die deutsche Konjunktur gerade abschwächte) und er will gerade die Hotelkette Le Meridien erwerben. Sind dies gute Geschäfte? Das kann im Moment niemand mit Sicherheit sagen.
Nicht alles spricht dafür. Für Thorn Plc. zum Beispiel zahlte Hands 980 Mio. Pfund. In einer Analyse schätzte HSBC Plc den Betriebsgewinn der TV-Mietkette im Jahr 1999 auf 43 Mio. Pfund. Bei einem branchenüblichen KGV von 20 wäre Thorn mit 860 Mio. Pfund bewertet. Bei einem Übernahmepreis von 980 Pfund wäre das nicht so ein tolles Investment. Wenn Hands wirklich so spektakuläre Gewinne machen würde, wie er behauptet, würde sich das auch im Gewinn der Muttergesellschaft niederschlagen. Nomura hat aber schlechter als ihre Broker-Konkurrenten abgeschnitten.
Die offizielle Version für den Weggang von Hands dürfte lauten, dass Nomura bereits 20 Prozent des Kapitals in dieser Einheit stecken hat, und das sei genug. Noch mehr, und aus dem Brokerhaus würde ein Kneipenbesitzer oder Buchmacher. Allerdings kennt der Vorstand am besten die eigenen Zahlen, und es spricht Bände, dass er Hands kein weiteres Geld mehr geben wollte. In diesem Zusammenhang ist es auch interessant, dass UBS AG und Morgan Stanley Dean Witter & Co. einen Verlust im Bereich Private Equity vermeldeten. Nach den Angaben des Sprechers von Nomura, Andrew Dowler, hat Hands für das Unternehmen 1,5 Mrd. Pfund erwirtschaftet.
Insgesamt hat Hands einen konfusen und seltsam anmutendes Konglomerat geschaffen, der teilweise Immobiliengesellschaft, teilweise Buchmacher, teilweise Hotelkette ist. Und damit steht sein Unternehmen vor den selben Problemen wie alle Mischkonzerne. Es kann nicht in allen Disziplinen die erste Geige spielen - egal wie brilliant Hands sein mag, er kann unmöglich ein Spitzenhotelier, ein erstklassiger Buchmacher und ein toller Kneipenwirt sein.
In den neunziger Jahren forderten die Finanzmärkte von den Unternehmen, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und Randaktivitäten abzustoßen. Die Unternehmen sollten sich in den Händen von Leuten befinden, die von dem Geschäft etwas verstehen. Der Boom im Bereich Private Equity bedeutet, dass erhebliche Teile der Wirtschaft jetzt von Leuten geführt werden, die keine besonderen Fähigkeiten oder Kompetenzen mitbringen, außer ein cleverer Finanzier zu sein. Aus diesem Grunde sollten die Institute, bei denen Hands anklopfen wird, um ein paar Millionen für seinen Patchwork-Imperium zu sammeln, ihm sagen, er solle verschwinden und sich einen richtigen Job suchen.
Der Aufstieg von Guy Hands beweist mal wieder, dass an den Finanzmärkten ganz schlechte Ideen niemals komplett aussterben: sie erhalten einen neuen Anstrich, eine Generalüberholung und werden als brandneu verkauft. Den Dinosaurier, den Hands hat wieder aufleben lassen, sind die Mischkonzerne.
Als Hands 1995 zu Nomura kam, befand sich der Private Equity Markt in Europa in einer Art Dornröschenschlaf. Seine Idee war einfach, aber genial. Er nutzte Nomuras Finanzkraft, um Kapital zu beschaffen, Unternehmen billig einzukaufen und sie dann mit einem Profit wieder zu verkaufen.
Hands ist äußerst einflussreich, eine ganze Legion von Nachahmern folgte seinem Beispiel. Wann immer heutzutage ein Unternehmen in Großbritannien zum Verkauf ansteht, finden sich immer Beteiligungskapitalfirmen unter den Bietern. Private Equity Fonds investierten in Europa im letzten Quartal 2000 13 Mrd. Dollar und weitere 5 Mrd. Dollar im ersten Quartal, berichtet Thomson Financial. Das sind gewaltige Summen, so dass große Bereiche der europäischen Volkswirtschaft sich in den Händen der Beteiligungskapitalfonds befinden.
Auch Hands hat dabei ein kleines Vermögen gemacht. Er handelte mit Nomura eine großzügige Vereinbarung aus, so dass ihm 10 Prozent der Gewinne, die sein Fonds erwirtschaftete, zustanden. Die Zeitung Sunday Times schätzt sein persönliches Vermögen auf 125 Mio. Pfund. Seine Erfolgsgeschichte hat eine ganze Generation von cleveren und ehrgeizigen Investmentbankern inspiriert, eigene Private Equity-Fonds aufzulegen, denn auch sie wollten so das große Geld machen.
Die Banken schauten ebenfalls neidisch auf die Gewinne von Nomura und wollten ein Stück von dem Kuchen abhaben. Aber ist Hands wirklich der "Einstein" des Private Equity Sectors oder wurde er nur erfolgreich als Finanzgenie vermarktet. Fest steht: Innerhalb von sechs Jahren hat er nur einen großen Wurf gelandet, eine Transaktion eingefädelt, die ganz ordentlich war, und viele andere, bei denen der Ausgang noch ungewiss ist.
Private Equity hat einen großen Vorteil: Die Zahlen werden nicht veröffentlicht, und die Performance der Unternehmen, die sich im Portefeuille der Fonds befindet, werden nicht so kritisch unter die Lupe genommen wie bei börsennotierten Unternehmen. Wenn nur genügend die Trommel gerührt wird, wie erfolgreich sie sind, kann niemand das Gegenteil beweisen. Hier wird vieles wird hier unter den Teppich gekehrt und einige Leichen befinden sich im Keller.
Nomuras genialer Coup war die Übernahme von Angel im Jahr 1996. Das Brokerhaus verkaufte die Zugleasinggesellschaft zwei Jahre später mit einem Gewinn von 400 Mio. Pfund. Ganz ordentlich war der Kauf des Buchmachers William Hill, der mit einem Profit von 125 Mio. Pfund wieder verkauft wurde. Aber in erster Linie hat Hands rundum eingekauft. Er kaufte 5.500 britische Pubs (obwohl die Briten weniger trinken), er kaufte 64.000 deutsche Eisenbahnerwohnungen (obwohl sich die deutsche Konjunktur gerade abschwächte) und er will gerade die Hotelkette Le Meridien erwerben. Sind dies gute Geschäfte? Das kann im Moment niemand mit Sicherheit sagen.
Nicht alles spricht dafür. Für Thorn Plc. zum Beispiel zahlte Hands 980 Mio. Pfund. In einer Analyse schätzte HSBC Plc den Betriebsgewinn der TV-Mietkette im Jahr 1999 auf 43 Mio. Pfund. Bei einem branchenüblichen KGV von 20 wäre Thorn mit 860 Mio. Pfund bewertet. Bei einem Übernahmepreis von 980 Pfund wäre das nicht so ein tolles Investment. Wenn Hands wirklich so spektakuläre Gewinne machen würde, wie er behauptet, würde sich das auch im Gewinn der Muttergesellschaft niederschlagen. Nomura hat aber schlechter als ihre Broker-Konkurrenten abgeschnitten.
Die offizielle Version für den Weggang von Hands dürfte lauten, dass Nomura bereits 20 Prozent des Kapitals in dieser Einheit stecken hat, und das sei genug. Noch mehr, und aus dem Brokerhaus würde ein Kneipenbesitzer oder Buchmacher. Allerdings kennt der Vorstand am besten die eigenen Zahlen, und es spricht Bände, dass er Hands kein weiteres Geld mehr geben wollte. In diesem Zusammenhang ist es auch interessant, dass UBS AG und Morgan Stanley Dean Witter & Co. einen Verlust im Bereich Private Equity vermeldeten. Nach den Angaben des Sprechers von Nomura, Andrew Dowler, hat Hands für das Unternehmen 1,5 Mrd. Pfund erwirtschaftet.
Insgesamt hat Hands einen konfusen und seltsam anmutendes Konglomerat geschaffen, der teilweise Immobiliengesellschaft, teilweise Buchmacher, teilweise Hotelkette ist. Und damit steht sein Unternehmen vor den selben Problemen wie alle Mischkonzerne. Es kann nicht in allen Disziplinen die erste Geige spielen - egal wie brilliant Hands sein mag, er kann unmöglich ein Spitzenhotelier, ein erstklassiger Buchmacher und ein toller Kneipenwirt sein.
In den neunziger Jahren forderten die Finanzmärkte von den Unternehmen, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und Randaktivitäten abzustoßen. Die Unternehmen sollten sich in den Händen von Leuten befinden, die von dem Geschäft etwas verstehen. Der Boom im Bereich Private Equity bedeutet, dass erhebliche Teile der Wirtschaft jetzt von Leuten geführt werden, die keine besonderen Fähigkeiten oder Kompetenzen mitbringen, außer ein cleverer Finanzier zu sein. Aus diesem Grunde sollten die Institute, bei denen Hands anklopfen wird, um ein paar Millionen für seinen Patchwork-Imperium zu sammeln, ihm sagen, er solle verschwinden und sich einen richtigen Job suchen.