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Israelis werden zum neuen Helden im Pharma-Markt
Derzeit vergeht kaum ein Tag ohne neue Hiobsbotschaften aus dem Pharma-Sektor, der lange Jahre als Garant für stetes Wachstum und erquickliche Margen galt. Nun aber beherrschen Umsatz- und Gewinnwarnungen die Börsennachrichten und vieles deutet daraufhin, dass sich die Investorengemeinde zumindest vorübergehend auf weitere Negativ-Schlagzeilen einstellen muss. Einer der wichtigsten Gründe für das aktuelle Dilemma der großen Pharmakonzerne ist die nie da gewesene Flutwelle auslaufender Patente, die in den nächsten Jahren eher zunehmen wird. Analysten beziffern das Umsatzvolumen der bis 2005 vom Ablauf des Patenschutzes betroffenen Präparate auf bis zu 75 Milliarden Dollar.
Das Gros dieser Erlöse wird den großen Medizin-Konzerne künftig fehlen und wer nicht mit entsprechenden neuen Produkten aufwarten kann, der wird in den kommenden Jahren sehr unruhige Zeiten verleben. Das Ausmaß der befürchteten Umsatzerosion veranschaulicht eindrucksvoll das Beispiel des ehemaligen Eli Lilly-Blockbusters Prozac, der noch im Jahr 2000 mehr als zwei Milliarden Dollar in die Kassen des Pharmakonzerns gespült hatte. Im vergangenen Sommer lief der Patentschutz für Prozac ab und prompt drängten die Anbieter sogenannter Nachahmer-Präparate (Generika) in den Markt und nahmen dem originären Antidepressivum binnen sechs Monaten rund 80 Prozent des Marktes ab. Bei weitem kein Einzelfall, wie die jüngsten Gewinnwarnungen bei Bristol-Myers Squibb und anderen belegen.
Die Stunde der Generika-Hersteller ist gekommen
Die Profiteure dieses Trends sind eben jene Generika-Hersteller, denen Analysten in den kommenden Jahren durchschnittliche Wachstumsraten zwischen 15 und 19 Prozent pro Jahr – und damit doppelt soviel wie dem klassischen Pharma-Sektor – prophezeien. Eine ähnliche Zielsetzung (15 Prozent pro Jahr) verkündete vor wenigen Tagen auch der einzige deutsche Börsenvertreter Stada, dessen Aktie zu den erfolgreichsten Titeln auf dem hiesigen Kurszettel in den letzten Monaten gehörte. Im internationalen Vergleich spielt Stada allerdings nur in der zweiten Liga und die eigentliche Giganten sitzen – wie so oft – in den USA, oder sind zumindest dort aktiv. Das gilt auch für den unangefochtenen Weltmarktführer Teva Pharmaceuticals, der seinen Firmensitz in Israel hat, aber rund 60 Prozent seiner Einnahmen in Nordamerika generiert (selten war dieser Begriff passender).

Künftig soll aber Europa stärker an Gewicht gewinnen, was nicht zuletzt durch die unlängst vermeldete Übernahme des französischen Generika-Geschäftes von Bayer untermauert wurde. Analysten begrüßen diesen Schritt, da der französische Markt mit einer erwarteten Umsatzverdopplung bis zum Jahr 2005 derzeit neben Spanien und Italien zu den spannendsten europäischen Märkten gehört. Und auch wenn Teva in Europa bislang noch keine bedeutenden Marktpositionen innehat, besteht bei Analysten wenig Zweifel dass sie auch hier erfolgreich agieren werden. Dies basiert nicht zuletzt auf dem grundsätzlichen Vertrauen, was sich Teva bei der Anlegergemeinde erarbeitet hat und das sich in deren Kommentaren widerspiegelt. Etwa bei Lehman Brothers, die Teva als Top-Pick im ohnehin positiv eingeschätzten Generika-Segment ansehen. Für Zuversicht sorgen dabei der solide und mehrfach bestätigte Gewinntrend, das starke Management und das breit gefächerte Sortiment.
Bestätigt wird diese Einschätzung von den Strategen der zur Deutschen Apotheker und Ärztebank gehörenden Apo Asset Management, die zudem auf die außerordentlich gut gefüllte Pipeline mit neuen Präparaten verweisen. Mit mehr als 50 Neuentwicklungen, die sich derzeit in der Zulassungsprüfung durch die US-Gesundheitsbehörden befänden, habe Teva die stärkste Pipeline des gesamten Sektors. Anzumerken ist dabei, dass Teva nicht ausschließlich auf Generika setzt, sondern sehr erfolgreich eigene Präparate entwickelt. Das mit Abstand wichtigste ist das Multiple-Sklerose-Mittel Copaxone, das im Schlussquartal 2001 Umsatzzuwächse von 40 Prozent erreichte und als Alternative zu den von Schering, Biogen und Serono angebotenen Beta-Interferonen gilt.
Damit lieferte die Eigenentwicklung einen wesentlichen Beitrag zum äußerst erfolgreichen Jahresabschluss 2001, in dem Teva seine Umsätze um stattliche 19 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Dollar steigern konnte und dabei eine Vorsteuer-Marge von beinahe 20 Prozent erzielte. Der Netto-Gewinn je Aktie kletterte um 50 Prozent auf 2,11 Dollar, womit die Erwartungen der Börse deutlich übertroffen wurden.
Analysten sehen Marktführer-Bonus als gerechtfertigt
Der wiederholte Erfolg überzeugt auch Analysten, die den Generika-Sektor als Ganzen eher verhalten beurteilen, wie etwa die Credit Suisse First Boston. Die quittierte den Abschlussbericht 2001 mit einer „Strong-Buy“-Empfehlung und einer deutlichen Anhebung der Ergebnisprognosen. Wichtige Hoffnungsträger sind dabei die Verkaufsstarts von Nachahmern für Eli-Lillys Prozac und für das Diabetes-Mittel Glucophage, dessen Patentablauf wesentlich zu den schwachen Zahlen bei Bristol-Myers und der deutschen Merck beigetragen hatte. Nach bislang vorliegenden Zahlen hat sich der Verkauf bei beiden außerordentlich gut angelassen und Tevas Ersatzprodukt für den Blockbuster Glucophage erreichte schon nach vier Wochen einen Marktanteil von 17 Prozent, während beim Prozac-Imitat die Einnahmen seit Januar um das 17-fache gesteigert werden konnten.
Damit besteht auch für die am kommenden Montag erwarteten Zahlen zum ersten Quartal 2002 wenig Grund zur Sorge entgegen und es ist leicht vorstellbar, dass diese der Aktie neuen Aufwärtsschwung verleihen. Zumal die Bewertung nach Einschätzung der Analysten durchaus Luft nach oben lässt. Teva weist zwar im direkten Vergleich mit anderen Generika-Anbietern eine deutliche Prämie auf, die allerdings aufgrund der dominierenden Marktposition gerechtfertigt erscheint. Zudem wird die vermeintliche hohe Bewertung (KGV-2003 um 18) durch den Vergleich mit den großen Pharma-Konzerne relativiert, da diesen trotz großer Unsicherheiten und deutlich geringer Wachstumserwartung noch einmal einen spürbarer Aufschlag gewährt wird.
Teva - Barometer
multexinvestor |
Im Artikel erwähnte Firmen

Dominierender Akteur in einem stark wachsenden Markt, der durch politische Sparzwänge zusätzlich gestützt wird
Aktie wird gegenüber anderen Generika-Titeln mit deutlichem "Marktführer-Bonus" bewertet