Von Thomas Hillenbrand
Saddam Hussein ist seit Kurzem das Objekt neuer Spekulationen. Beim Dubliner Wettanbieter Tradesports.com können Zocker darauf wetten, wie lange sich der irakische Präsident noch im Amt halten kann.
Dublin/Hamburg - Bein angelsächsischen Buchmachern kann man auf so ziemlich alles setzen. Wetten auf Fußballergebnisse sind ebenso möglich wie Einsätze darauf, wer der nächste Papst wird oder wie die anstehenden britischen Unterhauswahlen ausgehen. Bei dem in Dublin ansässigen Unternehmen Tradesports.com können Zocker jetzt Wetten darauf abschließen, ob Saddam Hussein von den USA durch einen Krieg oder auch mittels politischen Drucks aus dem Amt gefegt wird.
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© AFP / TRADESPORTS / SPIEGEL ONLINE / Grafische Umsetzung: Anna Korolewicz
Anders als bei klassische Buchmachern handelt es sich bei den Wetten, die das von früheren Börsenhändlern gegründete Unternehmen anbietet, um so genannte Futures-Kontrakte, wie sie auch den weltweiten Finanzmärkten gehandelt werden. Bei Futures kaufen die Marktteilnehmer Kontrakte, mit denen sie auf ein in der Zukunft liegendes Ereignis wetten. Tradesports' Saddam-Future liegt folgendes Szenario zu Grunde: "Saddam Hussein ist am 31. März 2003 nicht Präsident/Führer des Iraks". Eine zweite Version des Kontrakts hat als Enddatum den 30. Juni.
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Wer Geld setzt, denkt mehr nach
Doch was sagen diese Wahrscheinlichkeiten aus? Schließlich spiegeln sie nur die Meinung der beteiligten Wetter wider. John Delaney, Vorstandsvorsitzender von Tradesports.com, weist darauf hin, dass die Schätzungen seiner Kunden stark von den auf traditionelle Weise ermittelten Daten abweichen. "Ende vergangenen Jahres glaubten laut einer CNN-Umfrage etwa 80 Prozent der Amerikaner, dass Saddam stürzen wird. Aber sobald die Leute Geld auf ihre Meinung setzen sollen, verändert sich das Bild drastisch", so Delaney. "Dann öffnen die Leute mehr ihre Herzen und sagen, was sie wirklich denken."
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Saddam statt Siemens
Wer richtig liegt, kann mit den Saddam-Futures durchaus Geld verdienen. Falls das Ereignis (Saddams Sturz) eintritt, ist etwa der März-Kontrakt am 31. März 100 Punkte wert. Jeder Zähler entspricht zehn US-Cent. Wer seinen Kontrakt auf dem Tiefpunkt (26 Punkte) gekauft hätte, machte dann einen Gewinn von knapp 300 Prozent. Bleibt der Diktator im Amt, ist der Kontrakt zum Enddatum hingegen wertlos. Wie bei an der Börse gehandelten Futures-Kontrakten kann während der Laufzeit jederzeit verkauft oder gekauft werden - vorausgesetzt der Markt ist liquide. Am Montag wurden etwa 300 Saddam-März-Kontrakte gehandelt.
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Für übermäßig zynisch hält Delaney die Saddam-Wette nicht. "Ich könnte ja etwas Ähnliches machen, wenn ich Kontrakte auf Öl, Gold und Rüstungsaktien kaufen würde. Im Prinzip wird an der Börse ja auch täglich auf den Irak-Konflikt gewettet."


