Auf der Investorenkonferenz Auge in Auge mit dem Anleger
Investor-Relations-Veranstaltungen leiden unter der Börsenflaute
skr. FRANKFURT, 28. August. Jürgen Schrollinger, Vorstandssprecher der b.i.s. AG, freut sich über das "rege Interesse schon am frühen Morgen". Um halb zehn Uhr vormittags haben sich in dem Tagungsraum des Frankfurter Hilton Hotels ein paar Dutzend Zuhörer zum "Stock Day 2001" eingefunden, auf dem sich vom 28. bis 29. August insgesamt 19 Unternehmen präsentieren. Von den etwa 200 Teilnehmern, die sich nach Angaben des Veranstalters, der Investor Relations Agentur Value Relations, angemeldet haben, ist noch wenig zu sehen. Während der nun folgenden Unternehmenspräsentation schweift Schrollingers Blick deshalb über weitgehend leere Stuhlreihen. Sein Vorstandskollege Klaus Rohr schaut etwas mißmutig vom Podium. Grund genug dazu hat er: Der Anbieter von Börsen- und Finanzinformationen ist mit seinem Geschäft an das Geschehen auf den Kapitalmärkten gekoppelt. Die Auswirkungen der Krise am Neuen Markt und des derzeit flauen Börsenhandels bekommt das Unternehmen deshalb unmittelbar zu spüren. Die Aktie des seit Juli 1999 selbst am Neuen Markt notierten Unternehmens ist mit 3,60 Euro von ihrem Höchststand im Februar 2000, als das Papier noch mehr als 80 Euro gekostet hatte, heute weit entfernt.
Nach dem Ende der Partystimmung am Neuen Markt und angesichts der aktuellen Börsenflaute suchen börsennotierte Unternehmen - oder solche, die es werden wollen - verstärkt nach effektiven Wegen der Ansprache von Investoren. Mit dem Börsenboom der vergangenen Jahre sind Veranstaltungen beliebt geworden, auf denen Unternehmen sich Analysten, Investoren und der Presse präsentieren. So organisiert die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Assetmanagement (DVFA) als Berufsverband von Kapitalmarktexperten mit rund 1300 Mitgliedern schon seit längerem Foren, auf denen börsennotierte Unternehmen Analysten und Fondsmanagern Rede und Antwort stehen. Dies habe man sich zum Vorbild genommen, erklärt Felix Rischbieter, Geschäftsführer von Value Relations. Der Mehrwert, den die Agentur ihren Kunden auf ihrer mittlerweile vierten derartigen Veranstaltung bieten möchte, liege in den direkten Gesprächen, die zwischen Vorständen und Analysten, Investoren sowie der Presse vermittelt würden, meint Rischbieter.
Für am Neuen Markt notierte Unternehmen sei die Investorenarbeit mittlerweile schwieriger geworden, räumt Rischbieter ein. Einige Unternehmen am Neuen Markt seien jedoch zu Unrecht abgestraft worden. Eine ernüchterte Stimmung herrscht denn auch bei den Präsentationen: Zwar werden auch hier wieder Folien mit steigenden Kurven und Landkarten mit noch zu besetzenden Märkten an die Wand projiziert. Doch die Schlagworte heißen heute Restrukturierung, Konzentration auf das Kerngeschäft und Rentabilität. Neben b.i.s. präsentieren sich mit ADS, CDV, Fabasoft, Feedback, Matchnet, Pankl Racing, Phenomedia und Plenum insgesamt neun am Neuen Markt notierte Unternehmen, aber auch die im M-Dax notierte Beteiligungsgesellschaft Gold-Zack ist mit dabei.
Die Teilnahmegebühren für derartige Veranstaltungen liegen nach Schätzungen von Beobachtern im fünfstelligen Bereich. Ob der direkte Kontakt mit Analysten und Investoren gelingt, ist indes fraglich. "Die interessanten Gespräche werden doch abends auf dem Cocktailempfang geführt", meint ein Rechtsanwalt, dessen Kanzlei im Bereich Mergers & Aquisitions tätig ist. Uwe Vogel, für Investor Relations der im Kleinwertesegment Smax notierten Triplan AG zuständig, ist gekommen, um die Kontaktmöglichkeiten für Triplan auszuloten. Er bleibt skeptisch: "Wenn wir unsere Halbjahreszahlen herausgeben, dann rufe ich die Analysten selbst an."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2001, Nr. 200 / Seite 25
Investor-Relations-Veranstaltungen leiden unter der Börsenflaute
skr. FRANKFURT, 28. August. Jürgen Schrollinger, Vorstandssprecher der b.i.s. AG, freut sich über das "rege Interesse schon am frühen Morgen". Um halb zehn Uhr vormittags haben sich in dem Tagungsraum des Frankfurter Hilton Hotels ein paar Dutzend Zuhörer zum "Stock Day 2001" eingefunden, auf dem sich vom 28. bis 29. August insgesamt 19 Unternehmen präsentieren. Von den etwa 200 Teilnehmern, die sich nach Angaben des Veranstalters, der Investor Relations Agentur Value Relations, angemeldet haben, ist noch wenig zu sehen. Während der nun folgenden Unternehmenspräsentation schweift Schrollingers Blick deshalb über weitgehend leere Stuhlreihen. Sein Vorstandskollege Klaus Rohr schaut etwas mißmutig vom Podium. Grund genug dazu hat er: Der Anbieter von Börsen- und Finanzinformationen ist mit seinem Geschäft an das Geschehen auf den Kapitalmärkten gekoppelt. Die Auswirkungen der Krise am Neuen Markt und des derzeit flauen Börsenhandels bekommt das Unternehmen deshalb unmittelbar zu spüren. Die Aktie des seit Juli 1999 selbst am Neuen Markt notierten Unternehmens ist mit 3,60 Euro von ihrem Höchststand im Februar 2000, als das Papier noch mehr als 80 Euro gekostet hatte, heute weit entfernt.
Nach dem Ende der Partystimmung am Neuen Markt und angesichts der aktuellen Börsenflaute suchen börsennotierte Unternehmen - oder solche, die es werden wollen - verstärkt nach effektiven Wegen der Ansprache von Investoren. Mit dem Börsenboom der vergangenen Jahre sind Veranstaltungen beliebt geworden, auf denen Unternehmen sich Analysten, Investoren und der Presse präsentieren. So organisiert die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Assetmanagement (DVFA) als Berufsverband von Kapitalmarktexperten mit rund 1300 Mitgliedern schon seit längerem Foren, auf denen börsennotierte Unternehmen Analysten und Fondsmanagern Rede und Antwort stehen. Dies habe man sich zum Vorbild genommen, erklärt Felix Rischbieter, Geschäftsführer von Value Relations. Der Mehrwert, den die Agentur ihren Kunden auf ihrer mittlerweile vierten derartigen Veranstaltung bieten möchte, liege in den direkten Gesprächen, die zwischen Vorständen und Analysten, Investoren sowie der Presse vermittelt würden, meint Rischbieter.
Für am Neuen Markt notierte Unternehmen sei die Investorenarbeit mittlerweile schwieriger geworden, räumt Rischbieter ein. Einige Unternehmen am Neuen Markt seien jedoch zu Unrecht abgestraft worden. Eine ernüchterte Stimmung herrscht denn auch bei den Präsentationen: Zwar werden auch hier wieder Folien mit steigenden Kurven und Landkarten mit noch zu besetzenden Märkten an die Wand projiziert. Doch die Schlagworte heißen heute Restrukturierung, Konzentration auf das Kerngeschäft und Rentabilität. Neben b.i.s. präsentieren sich mit ADS, CDV, Fabasoft, Feedback, Matchnet, Pankl Racing, Phenomedia und Plenum insgesamt neun am Neuen Markt notierte Unternehmen, aber auch die im M-Dax notierte Beteiligungsgesellschaft Gold-Zack ist mit dabei.
Die Teilnahmegebühren für derartige Veranstaltungen liegen nach Schätzungen von Beobachtern im fünfstelligen Bereich. Ob der direkte Kontakt mit Analysten und Investoren gelingt, ist indes fraglich. "Die interessanten Gespräche werden doch abends auf dem Cocktailempfang geführt", meint ein Rechtsanwalt, dessen Kanzlei im Bereich Mergers & Aquisitions tätig ist. Uwe Vogel, für Investor Relations der im Kleinwertesegment Smax notierten Triplan AG zuständig, ist gekommen, um die Kontaktmöglichkeiten für Triplan auszuloten. Er bleibt skeptisch: "Wenn wir unsere Halbjahreszahlen herausgeben, dann rufe ich die Analysten selbst an."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2001, Nr. 200 / Seite 25