Du hast recht, wir sollten einen Gang zurück schalten.
Nichtsdestotrotz:
Ich habe nie behauptet, dass es keine kurzfristige Erholung geben würde. Ich sehe mich auch nicht als Orakel. Es ist nur so: Ich denke, es ist eher wahrscheinlich, dass die hausse ihr Ende findet, als dass eine neue Hausse beginnt. Natürlich kann ich nicht auf eine lange Erfahrung an der Börse zurückblicken. Aber muss ich das?
Der Zusammenhang zwischen Konjunktur und Markt ist doch eigentlich klar, oder nicht? Wirtschaftswachstum produziert Gewinne, die wiederum zu höheren Kursen führen.
Natürlich sind die Börsen derzeit unterbewertet, wenn man sich die KGVs anschaut. Aber man muss auch sehen, dass das KGV aus zwei Komponenten besteht, dem Kurs, UND dem Gewinn. Und ich frage mich einfach, ob wir auch in Zukunft noch weiterhin gute Gewinne bei den Unternehmen sehen werden.
1) Dagegen sprechen zunächst die hohen Rohstoffpreise. Nicht jeder Bereich ist gleich stark betroffen, aber das produzierende Gewerbe wird die Rohstoffkosten schon spüren.
2) Die hohen Rohstoffpreise ziehen dem Verbraucher das Geld aus der Tasche. Gemeint ist vor allem der Ölpreis. Nicht von ungefähr kommt, dass die US Wirtschaft derzeit schwächelt. Viel Geld der Amis geht auf Benzin und Energie drauf. Das Geld fehlt wiederum, um andere Güter zu kaufen. Ergo leidet das produzierende Gewerbe genauso wie der Dienstleistungssektor. Dass die Binnennachfrage nachlässt, zeigt sich am korrigierten Bip. Wenn ich mich recht errinnere, hat man nach oben revidiert, weil die Importe zurück gegangen sind. Dass spricht für eine nachlassende Nachfrage.
3) Zudem schwächelt der US Immobillienmarkt. Zar hat die Zahl der Baubeginne wider erwarten zugenommen. Aber es wurden deutlich weniger Baugenehmigungen beantragt. Der Rückgang an Baugenehmigungen ist aber entscheidend, denn es zeigt, dass die Leute in ZUKUNFT nicht mehr bauen wollen.
4) Der Immobilienmarkt hat auch noch ein anderes Problem. Viele US Hypotheken sind an die Leitzinsen gekoppelt. In Zeiten niedriger Zinsen ist das gut für den Verbraucher. In zeiten steigender Zinsen zieht es den Verbrauchern umso mehr Geld aus der tasche.
5) Wir haben eindeutig eine weltweite Zinserhöhungsphase. Und auch die Nullzinspolitik in Japan dürfte beendet sein. Dadurch wird Liquidität von den Märkten abgezogen. Ein erstes Zeichen ist das Zusammenbrechen der Schwellenländer Börsen und Anleihen!
6) Die Aussicht auf ein schwächelndes US Wachstum dämpft zwar die Gefahr weiterer Zinserhöhungen. Es wird aber wohl niemand ernsthaft behaupten, eine schwächelnde US Konjunktur wäre gut für die Börse. Ich denke, es wäre sogar besser, eine starke Konjunktur zu haben, auch wenn die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen größer wäre! Denn Zinsen beeinträchtigen Märkte und Unternehmensgewinne indirekt. Eine schwächlende Konjunktur, also ein Nachlassen der Nachfrage, wirkt sich demgegenüber direkt aus.
7) Das Ende der Zinserhöhungsphase, sollte es denn kommen, schwächt den Dollar, und macht daher die Deutschen Börsen auf mittlere Frist unattraktiv für amerikanische Investments. Ein schwächelnder Dollar wirkt sich zudem negativ auf den Exportweltmeister Deutschland aus. Die amerikanische Konjunktur trifft uns also doppelt. Erstens auf der Nachfrageseite, weil weniger nachgefragt wird. Zweitens wieder auf der Nachfrageseite, weil die Kaufkraft relativ gesehen sinkt.
8) Die schwächelnde US Konjunktur soll angeblich durch China und Indien kompensiert werden. Nun hat gerade China eine der höchsten Sparquoten. Zwar will die chinesiche Regierung die Binnennachfrage stärken. Aber wie schnell ihr das gelingt, ist fraglich.
9) Hinzu kommt auch, das gerade die Schwellenländer besonders stark unter steigenden Rohstoffpreisen leiden. Denn sie verbrauchen Rohstoffe in Unmengen. Sie sind also wesentlich anfälliger, als die entwickelten Länder. Wer sagt, dass nicht deren Unternehmen irgendwann in die Bredouille kommen. Ganz zu schweigen von den vielen faulen chinesischen Krediten.
10) Dass die Ölpreise fallen werden...... daran glaube ich nicht. Im Gegenteil: Wenn die Binnennachfrage in China tatsächlich zunehmen sollte, dann sicher auch der Verbrauch an Öl/Benzin.
11) Ob dieser Mehrverbrauch tatsächlich durch neue Ölförderungen kompensiert werden wird,.... Fuzzi, das kann ich mir kaum vorstellen. Zum einen wird es einige Quartale dauern, bis dass Öl auf dem Weltmarkt ankommt. Bis dahin könnten wir schon in eine Rezession geglitten sein. Hinzu kommt aber: Wer hätte ein Interesse daran, dass die Ölpreise wieder fallen? Russland, dessen BIP zu 80 % aus Rohstoffen besteht? Die arabischen Emirate, die sonst nichts produzieren? Die Ölfirmen, die derzeit soviel verdienen, wie nie zuvor? Hatten wir nicht schon einmal ein ähnliches Gespräch? Hieß es nicht schon einmal, die US Reserven seien wesentlich höher, als erwartet? Und hat es den Ölpreis irgendwie gedrückt? Wohl kaum....... jedenfalls nicht signifikant.
12) Insgesamt sehe ich die Lage.... langfristig ....... als eher schwierig an. Sind nicht gerade heute erst wieder schlechte Daten rausgekommen? Ist der Einkaufsmangerindex nicht stark zurückgegangen? Ist das kein Zeichen für eine sich abschwächende US Konjunktur? Mag ja sein, dass das BIP für die ersten Quartale nach oben korrigiert worden ist. Aber die ersten Quartale sind vorbei. Was zählt ist was kommt.
13) Die Gegenfrage ist: Was stimmt euch positiv? Abgesehen von der zur Zeit wirklich erfreulichen WM :-)