Klar gibt es einen Grund, warum Intel so tief steht: Der (chartgetriebene) Markt verkennt das Potenzial (siehe "Fundamentals" - unten). Bei Pfizer war das im Dezember (20,30 USD) genauso. Hat man dies erkannt, so wird der Kauf zum "Selbstgänger", wenn man die
nötige Geduld aufbringt und sich nicht selber mit Knock-outs unter Druck setzt. Ich hab Aktien und einige langlaufende Optionen (Jan. 2008, im Geld).
Im übrigen darf man finanzstarke, fast schuldenfreie Blue-Chips (Weltmarktführer!) nicht mit drittklassigen, hoch verschuldeten und niemals Gewinne erwirtschaftenden bzw. kränkelnden Klitschen ("Neuer Markt"-Highflyer oder WCM) in einen Topf werfen. Bei denen war/ist der Kauf am vermeintlichen Tief natürlich fatal.
Einen vergleichbaren Blue-Chip/Weltmarktführer-Status haben Microsoft und Pfizer.
Sie erfüllen alle drei das
"Dogs of the DOW"-Kriterium (wer das nicht kennt, schaue bei Google nach).
Intel hatte ich anfangs
getradet (siehe Thread-Name), dann gelten andere Kriterien. Je tiefer die Aktie aber fällt, desto interessanter halte ich sie auch für ein längerfristiges Investment. Intels Gewinne haben sich in den letzten vier Jahren verdreifacht, die Aktie fast halbiert. Die Aktie ist daher (fundamental) sechsmal billiger als vor vier Jahren.
Mit meinem derzeitigen Trade (EK: 18,25 USD) liege ich nur wenige Cents unter dem aktuellen Kurs. Diesmal will ich aber länger halten (bis 2007).
Denn die Fundamentals verheißen Gutes:- neue Core-Serie, die von der Leistungssteigerung her ähnlich "einschneidet" wie der Übergang vom Pentium-3 zum Pentium-4 in 2002 - und Intel zudem als Stromsparer (im Vergleich zu AMD) ausweist. Damit ist das Stromverbrauchs-Totschlagargument passé.
- Markteinführung von "Vista" (Business-Version ab November) - Microsofts erstes auf Dual-Core-Prozessoren optimiertes 64-bit-Betriebssystem;
- Intels Restrukturierung (18.000 Entlassungen) und damit Kostensenkung;
- Kostenvorteile durch 18-Monats-Vorsprung in der 65-nm-Technik vor AMD (= mehr CPUs pro Wafer); die hohen, dafür nötigen Investitionen von 25 Mrd. Dollar gingen bereits jetzt vom Gewinn ab, die Früchte kommen morgen!
- groteske Überschätzung des Konkurrenten AMD, der IMO 2005 "nur mal ein gutes Jahr" hatte
- Überbewertung der derzeit schlechten Zahlen von Intel, die bislang vor jedem Übergang zu einer neuen Prozessor-Generation zu beobachten waren und außerdem eine Folge der 25-Mrd-Investionen sind; die Umsätze blieben bezeichnenderweise fast konstant!
- desgleichen Überbewertung der Marktanteilsverluste an AMD (2001/2002; beim Übergang vom P3 zum P4 in 2001/2002 lagen sie sogar bei 4,3%!). Daraus wird die Illusion gestrickt, AMD könne Intel ausbooten (IMO eine Schnapsidee)
Der Halbleitermarkt wuchs übrigens im letzten Jahr um 8,1 %: "According to the Semiconductor Industry Association, worldwide semiconductor sales were up 8.1% during April. If you looked at charts of semiconductor stocks during April, you would have thought they were quickly going out of business." Dieses Zitat (Rev Shark, Street.com) trifft den Nagel auf den Kopf.
Diversifikation
Im übrigen habe ich außer INTC (45 %; EK 18,25 USD) noch Microsoft (30 %, EK 22,90 USD), Pfizer (20 %, EK 23,62 USD) und Headwaters (5 %, EK 26,60 USD - riskant!). Die Mischung macht's. Intel ist übergewichtet, weil ich da das Potenzial für besonders hoch halte (25 USD wie füx sehe ich auch). Evtl. reduziere ich den Intel-Anteil nach einem stärkeren Anstieg. Im Gegensatz zu Charttechnikern, die bei Anstiegen zukaufen, reduziere ich meine Anteile bei Anstiegen, weil die Aktien dann stärker zu ihrer "fairen" Bewertung zurückgekommen sind und weiteres Anstiegspotenzial mithin kleiner wird, außer es kommt "organisch".
Klar ist das nicht "richtig" diversifiziert (zuviel USA, zuviel PC/Software), aber immer noch besser als das auch hier im Thread verbreitete Glücksspiel "Alles auf eine Karte".
Dollar
Mein EK für den Dollar, den ich separat trade, liegt für die jetzige Tranche bei 1,26. Hab Dollars allerdings vor 18 Monaten schon mal zu EUR/USD = 1,3450 gekauft (siehe Dollar-Thread, auch in dem Fall hatte der Chart "Unrecht"!) und im Sommer 2005 zu 1,22 verkauft; schlägt man diese 12,5 Cents realisierten Gewinn auf meinen jetzigen EK von 1,26 auf, so komme ich für den Dollar auf einen "theoretischen" EK von 1,3850. Ob wir diesen Kurs zu Lebzeiten jemals faktisch sehen werden, bezweifle ich.