Hans A. Bernecker kennen viele. Seine Söhne sind weniger bekannt.
Daniel Bernecker, der "kleine Bernie", ist Herausgeber des "Aktionärs-
brief". Was er in der neuseten Ausgabe Nr.12/06 zum US-Markt schreibt,
ist es wert, gelesen zu werden:
"Die Ampeln in Wall Street stehen auf Grün, aber der Markt gibt sich
farbenblind. Der Standard & Poor’s 500-Index und der Dow-Jones-Industrial
haben ihre Widerstandslinien klar übersprungen und notieren auf dem
höchsten Stand seit fünf Jahren. Dem Nasdaq-Composite-Index fehlen noch
18 Pünktchen zum Ausbruch bei 2.333 Punkten, weniger als 1 %.
Aber die meisten Marktteilnehmer trauen dem Braten nicht. In den letzten
12 Monaten gab es mehrfach Fehlsignale. Deshalb fürchtet man, auch dieses
Mal könnten sich die Breaks wieder als eine der berüchtigten „Bullenfallen“
erweisen. Dagegen sprechen allerdings die jetzt wieder stärker steigenden
200-Tage-Linien. Für uns wäre es keine Überraschung mehr, wenn der DJII
in den nächsten Wochenseine bisherige Rekordmarke von 11.700 Punkten
einstellen würde. Das sind ja nur noch knapp 4 %.
Der S&P 500 steuert jetzt 1.400 Punkte an. Damit läge er dann zwar immer
noch fast 10 % unter seiner historischen Höchstmarke vom September 2000,
aber immerhin: 7 % Indexplus verheißen Gewinne von 20 % und mehr bei
einzelnen Aktien. Das Potential des Nasdaq-Index ist - aus rein technischer
Sicht - wesentlich schwerer einzuschätzen. Er hat, falls ein nachhaltiger
Break bei 2.333 gelingt, bis mindestens 2.850 überhaupt keinen wirklichen
Widerstand mehr. Richtig dünn würde die Luft sogar erst ab 3.100 Punkten.
Solche Kursziele erscheinen nach allen anderen Kriterien derzeit utopisch.
Aber man darf auch nicht vergessen, daß der Aktienmarkt fast 2 Jahre lang
durch insgesamt 14 Leitzinserhöhungen geblockt wurde, die Kurse der Blue
Chips und Standardwerte großenteils stagnierten, die Gewinne der Unter-
nehmen aber in diesem Zeitraum immer weiter stiegen.
Keine Frage: Amerikanische Aktien sind höher bewertet als deutsche und
andere europäische, aber sie sind auf keinen Fall zu teuer und auf jeden
Fall billiger als im Frühjahr 2004, bevor die Fed auf die Stotterbremse
trat.
Woher soll die nötige Liquidität für eine neue Rally kommen? Hauptsächlich
aus drei Quellen:
Aus dem amerikanischen Bondmarkt, der immer noch recht wacklig wirkt.
Dann vor allem aus dem Immobiliensektor, ohne daß es dort gleich zu einem
Platzen der Blase kommen muß und drittens durch die Rückkehr institutio-
neller Gelder aus dem Ausland. (Anm.: Japan, Arabischer Raum, Brasilien.
"Money comes home").
Die Kurseinbrüche an den Börsen im Mittleren Osten und einigen Emerging-
Markets deuten schon in diese Richtung. Wenn Wall Street die Breaks nach-
haltig bestätigt, werden auch andere Auslandsgelder Richtung New York
fließen."