Insiderhandel
Ins Netz geraten
Sascha Opel, Vizechef des »Aktionär«, soll Insiderhandel betrieben haben. Chefredakteur Bernd Förtsch gerät unter Druck
Eigentlich wollte er nur Ruhe haben. Bernd Förtsch, Chef der Börsenmedien AG (»Der Aktionär«), flog für eine Woche auf die Seychellen: Sonne tanken, schnorcheln, fischen. Am vergangenen Donnerstag konnte es der Börsenguru dann doch nicht lassen – in Bermuda-Shorts und Consors-T-Shirt ein Anruf in der Firma. Was Förtsch am anderen Ende der Leitung zu hören bekam, hat ihn aus den Badelatschen gehauen: Das Landeskriminalamt, das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel und die Staatsanwaltschaft Stuttgart »durchwühlen unsere Büros«.
Sascha Opel, Vizechef des Anlegermagazins »Der Aktionär«, und einer weiteren Person, die angeblich dem Stuttgarter Rotlichtmilieu angehört, wird Insiderhandel vorgeworfen. »Grundsätzlich sind beide geständig«, sagt Bernd Christ von der Staatsanwaltschaft. Förtsch soll auch mit von der Partie gewesen sein. Einen Beweis gibt es dafür nicht. »Warum sollte ich Kleinanleger abzocken, wenn ich mit meinen Fonds ohnehin genug verdiene?«, sagt Förtsch.
Zwar gesteht er, dubiose Angebote bekommen zu haben, »aber da habe ich sofort abgeblockt«. Sascha Opel habe er angewiesen, den Kontakt mit »dem Typen« abzubrechen. Doch das allein reicht der Staatsanwaltschaft nicht: Sie geht der Sache weiter nach, Untersuchungen in anderen Fällen laufen noch. Damit steigt der Druck auf Förtsch: Kann er die Vorwürfe nicht bald entkräften, dürften Anleger zunehmend Geld aus seinen sieben Fonds abziehen.
Anleger skalpiert? Sascha Opel wurde von Förtsch mittlerweile suspendiert. Ein Bauernopfer? Oder hat der Börsenguru tatsächlich nicht gewusst, was Opel treibt? Wie auch immer: Die Dummen sind die Kleinanleger. Einem bestimmten Investorenkreis sollen Opel und sein Kompagnon sichere Gewinne versprochen haben. Sie müssten nur bestimmte Aktien kaufen, die später massiv im »Aktionär« empfohlen würden. Als dann die Masse einstieg, waren die beiden längst wieder draußen. Im Fachjargon nennt man das »Scalping« – den Anleger »skalpieren«. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Kreditwesen- und Wertpapierhandelsgesetz. »Außerdem besteht der Verdacht des Betrugs und der Untreue«, erklärt Staatsanwalt Christ.
Der frühere Buchhalter Förtsch ist nicht zum ersten Mal ins Visier der Fahnder geraten. Bereits im August fiel er durch spektakuläre Empfehlungen im Börsenspiel der »3sat-Börse« auf. Förtsch lobte Aktien wie Morphosys, Comroad und Edel Music in den Himmel. Nicht ohne Eigennutz: Die Papiere lagen bereits in seinen Fonds. Weitere Vorwürfe: Förtsch kaufe Aktien zuerst für seine Fonds. Dann pushe er die Papiere in seinen diversen Börsenblättern und auf seinen Hotlines. »Das machen alle in der Branche«, wiegelte der Porsche-Fahrer in einem Interview mit dem Berliner »Tagesspiegel« einst ab.
Regina Nößner vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel glaubt trotzdem an einen Verstoß gegen das Gesetz: »Wir führen Untersuchungen durch.« Förtsch müsse bis zum 15. November schriftlich Stellung beziehen. Dazu wird es laut Förtsch kaum kommen: »Wie soll das gehen? Die Jungs von der Kripo haben bei der Razzia meine ganzen Unterlagen beschlagnahmt.«
Aktien blieben verschont. Die jüngsten Vorwürfe gegen Förtsch hatten bisher kaum Auswirkungen auf seine Aktienpakete. D.Logistics, die größte Position im DAC-Kontrast-Universal-Fonds, notierte am Dienstag fast unverändert. Auch die anderen Titel hatten keine dramatischen Kursverluste. Doch das könnte sich bald ändern: Wird Förtsch die Verbindung zu Opels Rotlicht-Connection nachgewiesen, dürften Anleger versuchen, schnell ihre Anteile zu verkaufen. Förtsch müsste, um Liquidität zu schaffen, Aktien abstoßen. Dies hätte entsprechende Auswirkungen auf die Kurse – schließlich hat Förtsch rund drei Milliarden Mark unter seinen Fittichen.
Selbst Anleger, die nicht in seine Fonds investierten, aber den Empfehlungen folgten, wären betroffen. Beispiel Morphosys: Förtsch empfahl das Papier in der »3sat-Börse« in fränkischem Dialekt. Kursziel: »Dausend Euro.« Viele Kleinanleger stiegen ein. Eine Falle: Vom Kursziel ist die Aktie derzeit 570 Prozent entfernt. Damit nicht genug: Das Papier gehört zu den größten Werten des DAC-UI-Fonds und DAC-Kontrast-Universal-Fonds. Und Morphosys ist kein Einzelfall: Auch andere Schwergewichte hat der Börsenprophet immer wieder empfohlen.
DIE FAVORITEN DES AKTIENGURUS
In seinen zwei größten Fonds setzt Bernd Förtsch vor allem auf spekulative Werte. Kritiker werfen ihm vor, er pushe sie über seine Fernsehauftritte.
im DAC-FONDS U1 im DAC-KONTRAST-
UNIVERSAL-FONDS
Vertex
Protein Design Labs
Millenium
Medarex
Human Genome Sciences
Morphosys
Genentech
Myriad Genetics
Commerce One
Abgenix
D.Logistics
Protein Design Labs
Vertex
ACG
Morphosys
Medigene
Comroad
Mühl Product & Service
Internationalmedia
Millenium
Quelle: Börsenmedien AG, Platzierung nach Gewichtung im Fonds
Förtsch rechnet jedoch nicht mit negativen Auswirkungen auf seine Fonds: »Als die letzten Vorwürfe gegen mich laut wurden, haben wir profitiert.« Angeblich flossen zwischen sechs und 20 Millionen Mark pro Tag in seine sieben Fonds. Es ist jedoch fraglich, ob sich die Anleger ein zweites Mal mit negativen Schlagzeilen locken lassen. Dass der Hobbyfischer gut ködern kann, bewies er auf den Seychellen: Kurz bevor er mit seinem Büro in Kulmbach telefonierte, zog er einen Haifisch an Land. »Der war über einen Meter groß.« Wer geht als Nächster ins Netz?
A. Haslauer/T. Jacobs
Ins Netz geraten
Sascha Opel, Vizechef des »Aktionär«, soll Insiderhandel betrieben haben. Chefredakteur Bernd Förtsch gerät unter Druck
Eigentlich wollte er nur Ruhe haben. Bernd Förtsch, Chef der Börsenmedien AG (»Der Aktionär«), flog für eine Woche auf die Seychellen: Sonne tanken, schnorcheln, fischen. Am vergangenen Donnerstag konnte es der Börsenguru dann doch nicht lassen – in Bermuda-Shorts und Consors-T-Shirt ein Anruf in der Firma. Was Förtsch am anderen Ende der Leitung zu hören bekam, hat ihn aus den Badelatschen gehauen: Das Landeskriminalamt, das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel und die Staatsanwaltschaft Stuttgart »durchwühlen unsere Büros«.
Sascha Opel, Vizechef des Anlegermagazins »Der Aktionär«, und einer weiteren Person, die angeblich dem Stuttgarter Rotlichtmilieu angehört, wird Insiderhandel vorgeworfen. »Grundsätzlich sind beide geständig«, sagt Bernd Christ von der Staatsanwaltschaft. Förtsch soll auch mit von der Partie gewesen sein. Einen Beweis gibt es dafür nicht. »Warum sollte ich Kleinanleger abzocken, wenn ich mit meinen Fonds ohnehin genug verdiene?«, sagt Förtsch.
Zwar gesteht er, dubiose Angebote bekommen zu haben, »aber da habe ich sofort abgeblockt«. Sascha Opel habe er angewiesen, den Kontakt mit »dem Typen« abzubrechen. Doch das allein reicht der Staatsanwaltschaft nicht: Sie geht der Sache weiter nach, Untersuchungen in anderen Fällen laufen noch. Damit steigt der Druck auf Förtsch: Kann er die Vorwürfe nicht bald entkräften, dürften Anleger zunehmend Geld aus seinen sieben Fonds abziehen.
Anleger skalpiert? Sascha Opel wurde von Förtsch mittlerweile suspendiert. Ein Bauernopfer? Oder hat der Börsenguru tatsächlich nicht gewusst, was Opel treibt? Wie auch immer: Die Dummen sind die Kleinanleger. Einem bestimmten Investorenkreis sollen Opel und sein Kompagnon sichere Gewinne versprochen haben. Sie müssten nur bestimmte Aktien kaufen, die später massiv im »Aktionär« empfohlen würden. Als dann die Masse einstieg, waren die beiden längst wieder draußen. Im Fachjargon nennt man das »Scalping« – den Anleger »skalpieren«. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Kreditwesen- und Wertpapierhandelsgesetz. »Außerdem besteht der Verdacht des Betrugs und der Untreue«, erklärt Staatsanwalt Christ.
Der frühere Buchhalter Förtsch ist nicht zum ersten Mal ins Visier der Fahnder geraten. Bereits im August fiel er durch spektakuläre Empfehlungen im Börsenspiel der »3sat-Börse« auf. Förtsch lobte Aktien wie Morphosys, Comroad und Edel Music in den Himmel. Nicht ohne Eigennutz: Die Papiere lagen bereits in seinen Fonds. Weitere Vorwürfe: Förtsch kaufe Aktien zuerst für seine Fonds. Dann pushe er die Papiere in seinen diversen Börsenblättern und auf seinen Hotlines. »Das machen alle in der Branche«, wiegelte der Porsche-Fahrer in einem Interview mit dem Berliner »Tagesspiegel« einst ab.
Regina Nößner vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel glaubt trotzdem an einen Verstoß gegen das Gesetz: »Wir führen Untersuchungen durch.« Förtsch müsse bis zum 15. November schriftlich Stellung beziehen. Dazu wird es laut Förtsch kaum kommen: »Wie soll das gehen? Die Jungs von der Kripo haben bei der Razzia meine ganzen Unterlagen beschlagnahmt.«
Aktien blieben verschont. Die jüngsten Vorwürfe gegen Förtsch hatten bisher kaum Auswirkungen auf seine Aktienpakete. D.Logistics, die größte Position im DAC-Kontrast-Universal-Fonds, notierte am Dienstag fast unverändert. Auch die anderen Titel hatten keine dramatischen Kursverluste. Doch das könnte sich bald ändern: Wird Förtsch die Verbindung zu Opels Rotlicht-Connection nachgewiesen, dürften Anleger versuchen, schnell ihre Anteile zu verkaufen. Förtsch müsste, um Liquidität zu schaffen, Aktien abstoßen. Dies hätte entsprechende Auswirkungen auf die Kurse – schließlich hat Förtsch rund drei Milliarden Mark unter seinen Fittichen.
Selbst Anleger, die nicht in seine Fonds investierten, aber den Empfehlungen folgten, wären betroffen. Beispiel Morphosys: Förtsch empfahl das Papier in der »3sat-Börse« in fränkischem Dialekt. Kursziel: »Dausend Euro.« Viele Kleinanleger stiegen ein. Eine Falle: Vom Kursziel ist die Aktie derzeit 570 Prozent entfernt. Damit nicht genug: Das Papier gehört zu den größten Werten des DAC-UI-Fonds und DAC-Kontrast-Universal-Fonds. Und Morphosys ist kein Einzelfall: Auch andere Schwergewichte hat der Börsenprophet immer wieder empfohlen.
DIE FAVORITEN DES AKTIENGURUS
In seinen zwei größten Fonds setzt Bernd Förtsch vor allem auf spekulative Werte. Kritiker werfen ihm vor, er pushe sie über seine Fernsehauftritte.
im DAC-FONDS U1 im DAC-KONTRAST-
UNIVERSAL-FONDS
Vertex
Protein Design Labs
Millenium
Medarex
Human Genome Sciences
Morphosys
Genentech
Myriad Genetics
Commerce One
Abgenix
D.Logistics
Protein Design Labs
Vertex
ACG
Morphosys
Medigene
Comroad
Mühl Product & Service
Internationalmedia
Millenium
Quelle: Börsenmedien AG, Platzierung nach Gewichtung im Fonds
Förtsch rechnet jedoch nicht mit negativen Auswirkungen auf seine Fonds: »Als die letzten Vorwürfe gegen mich laut wurden, haben wir profitiert.« Angeblich flossen zwischen sechs und 20 Millionen Mark pro Tag in seine sieben Fonds. Es ist jedoch fraglich, ob sich die Anleger ein zweites Mal mit negativen Schlagzeilen locken lassen. Dass der Hobbyfischer gut ködern kann, bewies er auf den Seychellen: Kurz bevor er mit seinem Büro in Kulmbach telefonierte, zog er einen Haifisch an Land. »Der war über einen Meter groß.« Wer geht als Nächster ins Netz?
A. Haslauer/T. Jacobs