In mittelfristige Energieperspektiven investieren:

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In mittelfristige Energieperspektiven investieren: Bronco

In mittelfristige Energieperspektiven investieren:

 
#1
Infos zur südafrikanischen SASOL:

Derzeit sind alternative Energieträger, Klimawandel, Abhängigkeit von politischen Krisenregionen die Themen, die, namentlich im Umfeld des G8-Medienrummels, in keiner Nachrichtensendung fehlen dürfen. Die Investoren und Zocker an den weltweiten Börsen wurden von diesem Rausch schon vor längerer Zeit erfasst und haben die Kurse von Solar-, Wind- und Bioethanolaktien in astronomische Höhen getrieben. Das Risiko, hier noch mitspielen zu wollen, ist enorm: Bei aller Euphorie und lobenswertem Idealismus darf nicht übersehen werden, dass dieser Bereich größtenteils „am Tropf“ der jeweiligen Staaten hängt, da Konkurrenzfähigkeit zu konventionellen Energieträgern nach wie vor nur durch massive Subventionen erreicht wird und das für viele Jahre auch so bleiben wird. Mit einer drohenden Eintrübung am Konjunkturhimmel wachsen berechtigterweise auch die Ängste, dass die „Schönwetterpolitik“ auf diesem Gebiet ein jähes Ende finden könnte. Ist also bei den Energiealternativen schon alles abgegrast ?

Man sollte meines Erachtens die mittelfristigen Perspektiven nicht unbeachtet lassen:

Der Abschied von Öl, Kohle und Gas wird keinesfalls von heute auf morgen passieren. Angesichts der Knappheit von Öl und Gas sowie der Konzentration der Erzeugerstandorte auf Staaten und Regionen, die durch politische Instabilität glänzen, bzw. den westlichen Industrienationen nicht eben übermäßig freundlich gesonnen sind, wird auch niemand den Abschied von der Kohle erklären. Im Gegenteil: Ohne viel „Tamtam“ wird man deren Anteil möglichst stillschweigend wieder hochfahren und begleitend versuchen, durch umweltfreundlichere und effizientere Nutzungstechniken die CO2-Bilanz neutral zu halten. Ebenso sind China und Russland Staaten mit reichhaltigen und wirtschaftlich förderbaren Kohlevorkommen, die sich den Luxus eines Verzichts auf diesen Energieträger gar nicht leisten können und die USA ein Staat der sich diesen Verzicht angesichts versiegender eigener Ölreserven nicht leisten will (egal, ob uns das jeweils passt oder nicht).

Die mittelfristige Perspektive lautet einerseits „Kohlevergasung“: dabei wird glühende Kohle mit Wasserdampf im wesentlichen zu Kohlenmonoxid und Wasserstoff umgesetzt, eine Brenngasmischung, die mit modernen GuD-Turbinen verstromt werden kann. Vorteil: Der Wirkungsgrad der Stromerzeugung liegt mit über 55% deutlich höher als bei der direkten Verbrennung in Dampfkraftwerken (33%) und überkompensiert dabei den Energieaufwand für die Kohlevergasung. Insgesamt ist der Verbrennungsprozess deutlich umweltfreundlicher und die CO2-Bilanz unter dem Strich günstiger als bei herkömmlicher Kohleverbrennung.
Der zweite Teil der mittelfristigen Perspektive ist die Umsetzung von Kohle- oder Erdgas-stämmigen Kohlenmonoxid-/Wasserstoffmischungen zu flüssigen Kohlenwasserstoffen nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren (FT-Verfahren). Man nennt diese Prozesse CTL (Coal To Liquid) bzw. GTL (Gas to Liquid), wobei sich ein kombiniertes Verfahren in besonderer Weise eignet, da hier auch die Mengenverhältnisse von Kohlenmonoxid zu Wasserstoff richtig eingestellt werden können, ohne zusätzlichen Wasserstoff durch „Konvertierung“ von Kohlenmonoxid gewinnen zu müssen (CO+H2O wird umgesetzt zu CO2 + H2).

Die südafrikanische SASOL ist das weltweit größte und erfahrenste Unternehmen auf all den genannten Gebieten der „Kohleveredelung“. Während der Apartheid-Zeit, in der Südafrika aufgrund des weltweiten Boykotts konsequent auf Autarkie setzte, wurden die in Deutschland in der ersten Hälfte des 20.Jh. entwickelten Kohleveredelungstechniken konsequent weiterentwickelt, während der Rest der Welt (einschließlich Deutschland) die Entwicklung im wesentlichen wieder einschlafen ließ. Damit besitzt die SASOL heute ein weltweites Alleinstellungsmerkmal, hat Zugriff auf besonders wirtschaftlich zugängliche Kohlereserven, baut diesen Zugang auch weltweit aus, deckt 28% des Treibstoffbedarfs Südafrikas und ist der Kooperationspartner für alle weltweiten CTL- und GTL-Aktivitäten (darunter Katar, Russland, China). Zahlreiche Kohleveredelungsprodukte der SASOL sind auch als Additive zu gewöhnlichen Erdöl-stämmigen Treibstoffen interessant, so z.B. zur Verbesserung der Cetanzahl bei Dieseltreibstoffen (Verbesserung der Verbrennungseigenschaften; weniger Ruß und krebserregende PAK im Abgas; z.B. für diverse „Power-Diesel“, zu denen heute schon entsprechende Additive zugesetzt werden). Internationale Konkurrenzfähigkeit (einschließlich Transportkosten) erreicht das südafrikanische „Synthoil“ bereits ab einem Rohölpreis von 50 US$ p.b. – der Breakevenpoint ist also auch im internationalen Wettbewerb schon geknackt.

Zahlen:

KGV (06/07): 7,9; Eigenkapitalrendite (06/07): 43,7%; Gesamtkapitalrendite (06/07): 30,5%; KUV (06/07): 2,8; Dividendenrendite (06/07): 3,3%
KBV: 3,45; Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme: 54%; Bilanzsumme 12,1 Mrd. US$;

Bezogen auf das KBV entspricht die Bewertung der SASOL der Bewertung diverser Öl- und Gaskonzerne. Insbesondere in der Eigenkapital- und Gesamtkapitalrendite steckt heute schon „Musik“. Die Wachstumsperspektiven sind enorm. Aufgrund des für westliche Industrienationen immer noch bescheidenen Gesamtvolumens des gesamten Unternehmens ergeben sich zahlreiche Begehrlichkeiten, namentlich da Südafrika auch „politisch geostrategisch“ eine hervorragende Alternative zur Abhängigkeit vom nahen und mittleren Osten bietet. Die Kooperation mit China läuft bereits. China pumpt derzeit Milliarden in die verschiedensten afrikanischen Energieprojekte, um sich seinen künftigen Rohstoffmarkt zu sichern. Von der derzeitigen Erschließung afrikanischer Erdgasvorkommen, wie der des „Kudufield Offshore“ in Namibia oder der Fields Temane und Pande in Mozambique, aus denen SASOL bereits heute Gas bezieht, werden sowohl kombinierte CTL-/GTL-Aktivitäten profitieren als auch der Southern African Power Pool (SAPP) der Southern African Development Community (SADC) mit der Republik Südafrika an der Spitze (in diesem Zusammenhang lohnt die Beobachtung des Elektrokonzerns Eskom sowie der irischen TullowOil and Gas).


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