In Euro umgerechnet hat der Dow in den letzten bei


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In Euro umgerechnet hat der Dow in den letzten bei

 
15.12.04 19:08
In Euro umgerechnet hat der Dow in den letzten beiden Jahren 7,41 % Verlust gemacht!

von Jochen Steffens

Im November 2002 stand der Dow bei ca. 8600 Punkten. Der Euro hatte zu diesem Zeitpunkt den gleichen Wert wie der Dollar – Parität. Hätte man damals einmal den Dow gekauft, hätte man demnach 8600 Euro bezahlt.

Zwei Jahre später: Der Dow ist um 24 % auf 10670 Punkte angestiegen. Allerdings kriegen Sie für 10670 Dollar bei einem Euro-Kurs von 1,34 Dollar nur noch 7963 Dollar. Sie hätten sozusagen 7,41 % Verlust gemacht. Mit anderen Worten, faktisch und in Euro umgerechnet hat der Dow in den letzten beiden Jahren an Wert verloren!

Der Nasdaq100 notierte im November 2002 bei ca. 1000 Punkten. Aktuell notiert er bei 1672. Das ist ein Anstieg um 67 %! In Euro umgerechnet, stände er bei 1214 Punkten. Immerhin noch ein Gewinn von 21,40 %.

Das erste, was sich daraus ableiten lässt: Investieren Sie nicht in den USA. Das werden auch immer mehr Anleger beherzigen. Denn was bringt es auf dem Papier Gewinne zu machen, wenn unterm Strich kaum noch ein Gewinn oder sogar ein Minus bleibt.

Beim Goldpreis ist es ähnlich: Gold ist aktuell 440 Dollar wert, bringt aber in Euro umgerechnet nur noch 328 Euro! Interessanterweise ist das der ungefähre Dollarwert, bei dem Gold im November 2002 notierte, als der Dollar noch 1 : 1 zum Euro gehandelt wurde. Gold hat sich in den letzten zwei Jahren einfach nur seitwärts bewegt – in Euro gerechnet. Dass die Amerikaner in Gold investieren, ist für sie eine gute Möglichkeit, dem Dollarverfall zu entgehen. Ich würde auch jedem Amerikaner empfehlen, einen Teil seines Vermögens in Gold anzulegen. Wir Europäer können von diesem Dollar getriebenen Boom nur durch währungsgesicherte Zertifikate profitieren.

Bleibt noch das Erdöl. Brent stand im Hoch bei 52 Dollar oder in Euro bei 39 Euro. Gehen wir davon aus, dass sich Öl bei 37 Dollar einpendeln wird, bleibt ein Wert von 27,6 Euro. Und damit liegt der Preis quasi im Zielkorridor, also nichts Spektakuläres. Davon profitieren die europäischen Ölkonzeren. Sie zeigen auf den Ölpreis in Dollar und erhöhen die Preise. Dann muss man nur noch ein wenig Stimmung machen, dass das Öl sich verknappen wird und schon akzeptieren die Verbraucher jede Preiserhöhung. Dabei wissen gerade die Ölkonzerne es besser ...

Das Geld fließt nach Europa

Zurück zum Dollar. Im Umkehrschluss bedeutet der schwache Dollar jedoch: Für Amerikaner ist/war der Dax ein hochlukratives Invest. Auch den Dax würde ich Amerikanern als Absicherung empfehlen. Doch genau das sind Überlegungen, die nicht nur amerikanische Investoren dazu bringen, nicht mehr in den USA, sondern in anderen Ländern, zum Beispiel Europa, zu investieren. Das ist natürlich gut für die europäische Wirtschaft.

Nun hat der Offenmarktausschuss der Fed gestern die Zinsen um 0,25 Basispunkte auf 2,25 % angehoben. Damit liegt der Zins, um 0,25 % Punkte höher als der Leitzins der EZB.

Jetzt werden Befürchtungen laut, der Geldstrom, der sich immer mehr in Richtung Europa ausrichtete, könnte wieder aufgehalten werden. Nachdem Sie die obigen Zahlen gelesen haben, kann ich Sie beruhigen, im Moment ist das noch nicht aktuell.

Dazu passt übrigens auch die heutige Nachricht, dass die Nettokapitalzuflüsse in die USA lediglich bei 48,1 Mrd. US-Dollar lagen, im Vergleich zu 67,5 Mrd. US-Dollar im September. Offenbar (obwohl der Wert hin und wieder sehr schwankungsfreudig ist) wirkt sich hier schon der Dollarverfall der letzten Wochen deutlich aus.

Die Fed muss reagieren

Die Fed wird die Zinsen weiter anheben, das hat sie gestern verkündet. Damit sollte natürlich auch der Verfall des Dollars entweder verlangsamt oder sogar gebremst werden. Die Fed sitzt in der Zwickmühle, der niedrige Dollar zwingt sie gerade dazu, die Zinsen weiter anzuheben, damit nicht noch mehr Geld aus dem Dollarraum ins Ausland fließt. Sie muss dafür auf der anderen Seite in Kauf nehmen, dass die eigene Wirtschaft geschwächt wird.

Und weiterhin ist es der hier schon mehrfach beschriebene Drahtseilakt. Die Zinsen anzuheben, ohne die eigentlich auch durch den Verfall des Dollar angetriebene Wirtschaftserholung zu gefährden. Ganz leicht kann die Wirtschaft in die ein oder andere Richtung abrutschen – entweder in eine galoppierende importierte Inflation oder in eine durch Konsumschwäche verursachte Rezession. Alan Greenspan tanzt sozusagen durch ein Minenfeld – für sein Alter ist das allein schon eine beachtliche Leistung.

EZB bleibt gelassen

Natürlich kann die EZB diesem Treiben noch relativ gelassen zuschauen. Denn, so überraschend es klingen mag, dass die europäische Wirtschaft trotz dieses herben Dollarverfalls sogar noch wachsen kann – dass hier in Europa die Aktienkurse steigen, ist ein Zeichen großer innerer Stärke.

Ich weiß, ich werde nun wieder einige Mails kriegen, die mir das Gegenteil beweisen wollen – doch denken Sie kurz nur darüber nach, dass viele Daxunternehmen in diesem oder im nächsten Jahr Rekordgewinne einfahren werden – Gewinne, die über den Werten von 1999/2000 liegen. Natürlich geht das nur durch hohe Produktivität und damit verbunden ist ein Arbeitsplatzabbau. Natürlich wird dadurch der sowieso schon schwache Binnenkonsum weiter geschwächt, aber die Exportwirtschaft boomt, trotz niedrigem Dollar – wie verrückt. Und das ist erstaunlich genug!

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