In Zeiten der Schwäche des Neuen Marktes hat die IBS AG einen
fulminanten Start hingelegt. Im Vergleich zum Ausgabepreis hat sich der
Wert in wenigen Tagen in der Spitze sogar verdoppelt. Ariva.de sprach
nach dem erfolgreichen Börsenstart mit Finanzvorstand Eric Massmann über
die Hintergründe des erfolgreichen Börsendebüts und die Bewertung des
Unternehmens am Markt.
Ariva.de: Herr Massmann, Sie haben trotz der derzeitigen Schwäche des
Neuen Marktes einen fulminanten Start hingelegt. Wie erklären Sie sich
das?
Massmann: Es war eine Mischung aus positiven Umständen und Zufall. Der
Markt hat ja gerade in dem Moment auf Unternehmen wie unseres geguckt.
Vor einem Jahr hätte man uns vielleicht mehr mit dem Prädikat langweilig
versehen. Nun hat man gesehen und honoriert, dass wir eine Firma mit
Geschichte und Substanz sind, die vor allem eines tut: nämlich schwarze
Zahlen zu schreiben. Und das bei einem interessanten Wachstum von 20 bis
30 Prozent.
Ariva.de: Bei den schwarzen Zahlen soll es denn auch bleiben? Oder
rutschen Sie, wie so viele nach dem Börsengang, in den roten Bereich?
Massmann:. Davon gehen wir absolut nicht aus. Wir bekennen uns zu unsrem
Business-Plan, der schon allein aus Selbstschutz mit einem ausreichenden
Puffer versehen ist. Es bleibt bei uns bei schwarzen Zahlen.
Ariva.de: Was sind die nächsten Schritten?
Massmann: Wir werden international stärker auftreten, also unseren
Kunden verstärkt folgen. In den USA haben wir gerade eine Tochter
gegründet – das Geschäft dort muss unbedingt forciert werden. Zudem gibt
es in Europa sehr viel zu tun. Zum einen in den Branchen, in denen wir
schon präsent sind und darüber hinaus in jenen, die wir uns erschließen
wollen?
Ariva.de: Welche Branchen sind das?
Massmann: Wir haben ja das Glück, dass wir viele Blue Chip-Kunden haben,
so dass wir uns deren Klientel auch erschließen können.
Schwerpunktbranchen in der Vergangenheit waren die Verpackungs-, sowie
die Automobiliindustrie und deren Zulieferer und die Chemie- und
Pharmaindustrie. Großes Potenzial sehen wir in der Biotechnologie. Aber
auch bei der Fertigung von Systemkomponenten, also bei Firmen wie Hilti
und Leifheit, sehen wir Marktpotenzial für uns. Ganz allgemein
gesprochen sehen wir überall dort große Chancen, wo es extrem wichtig
ist, perfekte Qualität zu liefern, weil man sonst rechtliche
Konsequenzen befürchten muss und dort, wo hohe Stückzahlen produziert
werden und sich daher nicht Nachbessern lässt. Denken Sie nur an die
Halbleiterindustrie.
Ariva.de: Sie haben sich an der Firma SINIC beteiligt. Wie hoch ist Ihr
Anteil?
Massmann: Unser Anteil beträgt 85 Prozent. SINIC ist im selben Segment
tätig wie wir, aber mit 19 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,6,
Millionen Mark sehr viel kleiner. Wir ergänzen uns daher sehr gut, da
wir nun deren Produkt bei uns integrieren können. Wir haben SINIC ja
kurz vor unserem Börsengang gekauft, bezahlt haben wir sie und deren
Zahlen sind in unseren Planungen noch gar nicht erfasst.
Ariva.de: Was bringt Ihnen die Beteiligung?
Massmann: Wir versprechen uns davon vor allem etwas auf dem englischen
Markt, wo billigere Produkte wie die von SINIC gefragt sind. Wir sind ja
in England schon vertreten. Diese Akquisition aber kann uns dort weiter
voran bringen.
Ariva.de: Der Ruf des Neuen Marktes leidet derzeit arg. Die
Wirtschaftspresse spricht von Gründern, die tricksen, von nicht
gehaltenen Versprechungen von Vorständen und viel Schlaumschlägerei. Was
sagen Sie dazu?
Massmann: Es wurde Zeit, dass dies mal bemerkt wurde. Viel eher hätten
Anleger die Unternehmen genauer unter Lupe nehmen sollen, versuchen
müssen, Geschäftsideen überhaupt nachzuvollziehen, sich fragen stellen
müssen nach der Geschichte eines Unternehmens. Man darf nicht
pauschalieren, aber eines lässt sich mit Bestimmtheit sagen: Die
Halbierung eines Jahresumsatzes bemerkt man nicht urplötzlich, so etwas
ist absehbar. Man mag mal mit zehn Prozent daneben liegen, aber 50
Prozent, das ist schier nicht möglich.
Ariva.de: Das also kann Ihnen nicht passieren?
Massmann: Wir haben einen Business-Plan, mit dem wir uns wohl fühlen.
Ich möchte selber nicht in die Situation geraten, Ihnen nächstes Jahr
mitteilen zu müssen, wir hätten unseren Plan überhaupt nicht einhalten
können. Lieber sagen ich Ihnen, wir stehen viel besser da als erwartet.
IBS mag etwas weniger pep haben als andere – dafür haben wir eine grund
solide Basis
Ariva.de: Woran kann ein Investor die Seriosität Ihres Unternehmens
erkennen ?
Massmann: Dazu muss er sich die Mühe machen, sich mit dem Unternehmen zu
beschäftigen. Man kann Studien anfordern, auf unsere Homepage gehen,
sich unsere Geschichte ansehen. Dann wird man z. B. feststellen, dass
unser Vorstandsvorsitzender die Firma seit 18 Jahren betreibt,
promovierter Maschinenbauingenieur ist, immer Wert darauf gelegt hat,
schwarze Zahlen zu schreiben, die Firma nie mit einem größeren, in den
letzten Jahren mit überhaupt keinem Kredit belastet hat. Wir sind eben
vorsichtig und achten auf Substanz. Diese Fakten belegen unsere
Seriosität und bedeuten für den Anleger messbare Chance für die Zukunft.
Ariva.de: Ihr Aktienkurs hat sich – gemessen am Ausgabepreis – in der
Spitze mehr als verdoppelt. Steht dahinter eine realistische Bewertung?
Massmann: In den ersten paar Tagen ist mehr als einmal das
Emissionsvolumen rumgegangen. Nun beruhigt sich so gesehen der Kurs
wieder. Fachlich beurteilen kann ich das nicht. Natürlich gibt es
Faktoren, die den Kurs treiben. Aber mit um die 30 Euro haben wir eine
gute Ausgangsbasis, auf der wir uns beweisen können und nun unsere
Hausaufgaben machen müssen.
Ariva.de: Herr Massmann , wir danken Ihnen für das Gespräch.