Ein interessanter Beitrag mit wichtigen Aspekten. Ich möchte auf einige eingehen:
Anglo-amerikanische Investoren
Hierüner habe ich schon oft geschrieben. Diese Investoren waren es, die den Dax
ab 2003 hochgejubelt haben. Dazu reicht ein Blick auf den Chart. Der Deutsche
Michel war und ist im heimischen Aktienmarkt weitgehend außen vor. Ein US-
Börsenexperte sagte kürzlich: die Deutschen haben keine Aktienkultur. Wie wahr.
Diese Investoren haben sich zu großen Teilen fremd-finanziert. Und davon wieder
ein vermutlich riesiger Teil aus Carry Trades. Über die genaue Größenordnung gibt
es weltweit keine zuverlässigen Zahlen.
Unter den sich zunehmend eintrübenden Randbedingungen (Zinssenkungen in USA,
Aufwertungen der Kreditwährungen CHF und Yen, Kreditkrise) werden diese Kredite
rigoros von den Banken gekündigt bzw. zwangsliquidiert, die Carry Trades aufgelöst.
Die jüngsten Dollarerholungen sind der Indikator dafür.
Dabei spielen, wie Du sagtest, Bewertungen, KGV und ähnliche Kinkerlitzchen keine
Rolle. Verkauft wird auf Biegen und Brechen. Insofern hat das auch nichts mit
"besserer Analyse" zu tun. Es wird einfach rückabgewickelt, was über Jahre
aufgebaut worden war.
Diese Zwangsliquidationen können noch sehr viel weitergehen und den Dax wieder
bis nahe 6.000 drücken. Die meisten Werte werden dann 30...40% abgegeben
haben. Und das hat dann mit CDOs usw. gar nichts zu tun. Insoweit ist auch
die CDO-Affäre bei HRE nur ein Katalysator.
Dax-Ausschluss ein Damoklesschwert?
Dieses "Damoklesschwert" fürchte ich nun gerade NICHT. Warum? Der Dax hat HRE
eben nicht vor der Atomisierung schützen können. Ich gehe sogar davon aus, dass
HRE im MDax besser aufgehoben wäre. Der MDax ist von gewissen Zwängen frei,
was nicht unmaßgeblich zu seiner Outperformance beigetragen hat.
Und was die Präsenz im Dax nützt, werden wir noch erleben, sollte die Liquidations-
welle bei den Carrytrades weiter wüten: dann werden reihum alle abgeschlachtet.
Nicht so radikal wie HRE, aber sie werden.
Schlechtes Sentiment
Auch das, so meine ich, spricht nicht gegen, sondern FÜR die Aktie. Im Grunde
ist es die Traumkonstellation: schlechte Zahlen, Enttäuschung, Angst, Kurscrash.
All das spricht dafür, dass wir einen hohen Devestionsgrad erreicht haben, der
als ideale Vorraussetzung für ein Revival gilt.
Voraussetzung -wie Du auch schreibst-: dass einige gute Quartale folgen. Es gibt
an der Börse kaum etwas schlimmeres, wenn Erwartungen jäh enttäuscht werden.
Es gibt aber umgekehrt auch kaum etwas besseres, als wenn eingepreiste
Befürchtungen sich nicht bewahrheiten.
Fazit:
Unter der Voraussetzung, dass die bisher kommunizierten Zahlen zu den CDOs der
Wahrheit entsprechen (1 Mrd. EURO Volumen, davon über 60% abgeschrieben) und
keine weiteren Enttäuschen folgen, hat HRE die Chance, zusammen mit Depfa den
Return zu schaffen. Die Subprimekrise wird irgendwann als Thema aus den Köpfen
sein - die Zeit ist schnellebig und der Mensch verdrängt gerne. Neue Anleger
haben das Trauma ja nicht erleben müssen und gehen deshalb etwas unbelasteter
an die Sache heran.