HV-Bericht JUMPtec Industrielle Computertechnik AG


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HV-Bericht JUMPtec Industrielle Computertechnik AG

 
25.05.01 08:15
HV-Bericht JUMPtec Industrielle Computertechnik AG



Einen neuen Besucherrekord von ca.400 Aktionären verbuchte die Deggendorfer JUMPtec Industrielle Comuputertechnik AG auf ihrer Hauptversammlung am 15. Mai 2001, von der Mathias Goeritz für GSC Research berichtet. Nach der Vorstellung der Tagesordnung, die insbesondere eine mögliche Kapitalerhöhung (Genehmigtes Kapital) vorsah, übergab der Aufsichtsratsvorsitzende Herr Dr. Neiser das Wort an den Marketingvorstand Herrn Iglhaut.

Bericht des Vorstands

Zunächst stellte Herr Iglhaut das Unternehmen vor, das Computer herstellt, mit deren Hilfe Maschinen "intelligent und kommunikativ" gemacht werden. Die von JUMPtec entwickelten Binary Brains (Embedded Computer) sind grundsätzlich PC-kompatibel. Im Guinnes-Buch der Rekorde 2000 wird ein Produkt der JUMPtec als "kleinster Webserver der Welt" geführt.

Neben dem von JUMPtec gesetzten Industriestandard PISA hat sich nun auch die ETX-Technologie als Standard durchgesetzt. Die Einsatzgebiete der Produkte der JUMPtec reichen von Lebensmittelwaagen im Einzelhandel über Parkautomaten und Werkstatt-Diagnosegeräten für VW, BMW, DaimlerChrysler und Renault bis hin zu transportablen Dialysegeräten(von Fresenius Medical Care) für den privaten Gebrauch.

Der Umsatz in 2000 kam zu 19 Prozent aus dem Marktsegment Home Interfaces, zu 24 Prozent aus der industriellen Automatisierung und zu 14 Prozent von Medizinischen Geräten. 23 Prozent entfielen auf den Einsatz in Geräten für Messung und Analyse, 8 Prozent auf die Telekommunikationsindustrie.

Laut Herrn Iglhaut ist der Markt für Binary Brains ein "absoluter Wachstumsmarkt", wobei die Marktsegmente allerdings unterschiedlich schnell wachsen. Im Segment Industriecomputer wird ein Wachstum von 15 Prozent erwartet. Der Weltmarkt verteilt sich zu 45 Prozent auf die USA, zu 15 Prozent auf Deutschland und zu 25 Prozent auf den Rest Europas. Das Auslandswachstum von JUMPtec soll deshalb in 2001 zu einem Anteil des Auslands von über 50 Prozent beim Gesamtumsatz der AG führen. Die Erträge sollen dabei überproportional steigen.

Das Wachstum wird durch den Trend zur vermehrten Kommunikation von Maschinen untereinander und zwischen Mensch und Maschine sowie durch den Trend zur Miniaturisierung und zum Outsourcing dieser speziellen Anwendungen (ECT) getragen. Da JUMPtec für jedes Gerät des Kunden ein spezielles Computerdesign entwirft, besteht die Kundenbeziehung längerfristig über den gesamten Produktionszyklus des Geräts.

Die Strategie von JUMPtec sieht auch weiterhin die Konzentration auf die Entwicklung und Vermarktung der Binary Brains vor. Eine eigene Produktion ist nicht vorgesehen, sondern diese erfolgt über Subunternehmer, die direkt an den Kunden oder an JUMPtec liefern.

Ziel ist es nach den Worten von Herrn Igelhaut, die technologische Führungsposition und die erreichte Weltmarktführerschaft durch Kooperationen und Akquisitionen auszubauen sowie den Bereich Embedded Internet zu verstärken. In diesem Markt für internetfähige Geräte wird bereits in 2005 mit 100 Milliarden Nutzern gerechnet.

Nach diesen Ausführungen erläuterte der Vorstand Herr Mühlbauer die Geschäftszahlen des Jahres 2000 und des angelaufenen Geschäftsjahres. In den Jahren 1993 bis 1999 wuchs das Unternehmen durchschnittlich um 73 Prozent jährlich. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 stieg der Umsatz in der AG von 37,15 auf 48,64 Mio. DM, im Konzern von 37,15 auf 118,73 Mio. DM. Das DVFA/SG-Ergebnis erhöhte sich um 100 Prozent auf 2,5 Mio. DM, das Ergebnis pro Aktie auf 0,14 Euro.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 21,8 auf 32,2 Mio. DM. Aufgrund von realisierten Synergien wuchs das EBITDA überproportional von 2,1 auf 3,6 Mio. DM. Der Überschuss nach HBG erhöhte sich von 1 auf 1,6 Mio. DM. Aufgrund von steuerlich nicht absetzbaren Goodwill-Abschreibungen in Höhe von 1,1 Mio. DM blieb das Ergebnis nach IAS mit plus 0,8 Mio. DM auf Vorjahresniveau. Im laufenden Geschäftsjahr werden voraussichtlich 90 Mio. Euro umgesetzt, das Wachstum der nächsten Jahre wird ca. 50 Prozent p.a. betragen.

Der Auslandsanteil am Umsatz stieg entsprechend der beim Börsengang angekündigten Strategie von 15 auf über 60 Prozent. Dies gelang insbesondere auch durch den Kauf der ADASTRA im Jahr 1999, deren Umsatz in 2000 von 13,8 Mio. Euro zu 95 Prozent auf die USA entfiel. In Deutschland stieg der Marktanteil von 26 auf 31 Prozent, in den USA von 2 auf 10 Prozent. Der Marktanteil in der EU(ohne Deutschland) stieg von 20 auf 30 Prozent, und der Weltmarktanteil beträgt nun 18 Prozent.

In 2000 wurden Dr. Neuhaus (etablierte ETX als Industriestandard, Umsatz 5,9 Mio. DM), CSS (Umsatz 5,4 Mio. Euro) und SOFTEC (Embedded Software, Umsatz 3,4 Mio. Euro) hinzugekauft. Im laufenden Jahr wurde IBR erworben, ein ehemaliger Kunde von JUMPtec mit einem Umsatz von 8 Mio. DM.

Die Akquisition ging bei dem Unternehmen Dr. Neuhaus in zwei Schritten vor sich. Zunächst wurden 80 Prozent für 120.500 Aktien gekauft, was beim damaligen Kurs von 14,5 Euro einem Gegenwert von 1.747.250 Euro entsprach. Für die restlichen 20 Prozent wurde vereinbart, dass bei Erreichen von Zielvorgaben die Anteile für 179.000 Aktien übernommen werden, bei Nichterreichen sollen die Anteile für eine DM übertragen werden.

Das Jahresergebnis belief sich dann auf minus 7.000 Euro entgegen dem Plan von plus 50.000 Euro. Damit wurden die Zielvorgaben nicht erreicht, und JUMPtec erwarb die restlichen 20 Prozent für eine DM. Bei IBR wird entsprechend nach der 80/20-Regel verfahren.

Das verfolgte Ziel bei Akquisitionen ist die Realisierung von Synergien beim Einkauf und eine Bündelung bei Logistik und Forschung und Entwicklung. Dabei gehen von den Ausgaben für F&E ca. zwei Drittel in die Softwareentwicklung.

Zum Schluss begründete Herr Mühlbauer noch die zu beschließenden Kapitalmaßnahmen. Der Umsatz soll von 91 Mio. Euro in 2001 auf 135 Mio. Euro in 2002 und auf 200 Mio. Euro in 2003 steigen. Zeitgleich wird sich das Eigenkapital von 93 über 115 auf 147 Mio. Euro erhöhen. Daraus ergebe sich als Kapitalbedarf der Differenzbetrag zum derzeitigen Eigenkapital, also 75 Mio. Euro. Dieser Betrag soll mit bis zu 25 Mio. Euro durch aufzunehmende Barmittel, bis zu 20 Mio. Euro durch eine zu beschließende Schuldverschreibung und mit bis zu 20 Mio. Euro durch die Nutzung von Lieferantenkrediten sowie durch Gewinne abgedeckt werden.

Die zu genehmigende Kapitalerhöhung dient der weiteren Verfolgung der Akquisitionsstrategie. Die bisher erworbenen Beteiligungen/Unternehmen wurden folgendermaßen bezahlt (gezahlte Mio. Euro in Aktien/in bar): 50 Prozent von Inside 7,5/2,5, Adastra 4/5,5, Softec 7,5/0, CSS 3/0,2 und Dr. Neuhaus 1,5/0, insgesamt also 23,5/8,2.


Allgemeine Aussprache

Herr Leipold von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erkundigte sich wegen des zu beschließenden Genehmigten Kapitals gegen Sacheinlage nach konkreten Kaufabsichten. Daraufhin führte Herr Mühlbauer aus, man wolle Europa und die USA "ins Visier" nehmen. In Asien wolle JUMPtec aus eigener Kraft organisch wachsen, ein Vertriebsbüro besteht.

Herr Öfele von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) ging auf die abgeschlossenen Akquisitionen per Aktientausch ein und erkundigte sich nach der aktuellen Aktionärsstruktur. Hierzu gab Herr Mühlbauer an, der Vorstand halte jetzt 11 Prozent des Grundkapitals. Seit dem Börsengang seien von den Vorständen Aktien verkauft worden.

Wegen der zunehmenden Internationalisierung des Konzerns stellte Herr Öfele die Frage, ob die bisherigen zwei Vorstände den gestiegenen Aufwand bewältigen können und wie die Mitarbeiter im Unternehmen gehalten werden. In seiner Antwort verwies Herr Mühlbauer auf die zweite Führungsebene, in der 12 Manager als Geschäftsführer die Leitung innehaben. Sämtliche Manager sind an den Unternehmen beteiligt und haben diese nach der Übernahme durch JUMPtec nicht verlassen. Herr Iglhaut ergänzte, dass die Mitarbeiter durch Aktien aus der Emission, durch Optionen und durch ein ansprechendes Betriebsklima an das Unternehmen gebunden werden.

Des Weiteren erkundigte sich Herr Öfele nach den Kaufpreisen für die erworbenen Unternehmen. Herr Iglhaut nannte für CSS ca. 200.000 Aktie im Gegenwert von ca. 3 Mio. Euro, für SOFTEC ca. 400.000 Aktien im Gegenwert von ca. 7,5 Mio. Euro. Die Beteiligung (39 Prozent) an der 2Net habe den Zweck, Zugang zur Technologie des Embedded Internet zu erhalten, gezahlt habe man 100.000 Pfund in bar. Die diesjährige Übernahme der IBR sei für 40.000 Aktien erfolgt. IBR erwirtschaftete 2000 ein Ergebnis von 200.000 DM. Wegen der Goodwill-Abschreibungen wird in 2001 nur ein ausgeglichenes Ergebnis bei 8 Mio. DM Umsatz erwartet.

Danach fragte Herr Öfele nach der weiteren Entwicklung der Verpflichtungen gegenüber den Kreditinstituten. Der Vorstand meinte hierzu, dass die Verpflichtungen von 13,2 Mio. DM in 2000 entsprechend der vorgestellten Investitionsplanung in den Folgejahren weiter steigen werden. Die Frage nach den Umsatzgrößen für Zielunternehmen im Rahmen der Übernahmestrategie beantwortete Herr Mühlbauer mit einer Mindestgröße von 5 Mio. Euro, beim Zukauf von Technologien sei der Umsatz jedoch nicht entscheidend.


Abstimmungen

Der Bilanzgewinn von 3,4 Mio. DM wird in die Rücklage eingestellt, und es wird keine Dividende ausgeschüttet. Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet, wobei offengelegt wurde, dass die Vorstände insgesamt 1.537.836 Aktien und die Aufsichtsratsmitglieder 1.767.454 Aktien halten.

Das neue Genehmigte Kapital beträgt 6.000.000 Euro für Unternehmenskäufe, 2.718.704 Euro gegen Bareinlage und bedingt 3.000.000 zwecks Ausübung einer noch auszugebenden Wandelschuldverschreibung von bis zu 50 Mio. Euro Nennwert. Die Aufsichtsratsvergütung wurde auf 6.000 Euro (Vorsitzender 200 Prozent, Stellvertreter 150 Prozent) nebst Auslagen erhöht.


Fazit

Die Zufriedenheit der Aktionäre drückte sich in langen Wortbeiträgen insbesondere des Vertreters der DSW aus, die aber Fragen vermissen ließen. Angesichts der immensen geplanten finanziellen Belastungen dürften Zweifel am Erfolg der Expansionsstrategie dramatische Konsequenzen für die Aktie haben. Die antiquierte Abstimmung per Zuruf passt kaum zu einem Hightech-Unternehmen, ist aber bei Hauptversammlungen in der Region Niederbayern gängige Praxis.


Kontaktadresse

JUMPtec Industrielle Comuputertechnik AG
Brunnwieserstr. 16
94469 Deggendorf

Tel.: 0991/37024-0
Fax: 0991/37024-102

Email: ir@jumptec.de
Internet: www.jumptec.de



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alma:

@Zentrum danke für die infos o.T.

 
25.05.01 08:25
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